Michael Panse Schwarz auf Weiß

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Problemlagen junger Menschen und Förderung der Gleichstellung von Jungen

Kleine Anfrage 4/2469

mit Antwort des Thüringer Kultusministeriums vom 29.08.2008 (Drucksache: 4/4382)

Jungen geraten inzwischen in verschiedener Weise mehr unter Druck als Mädchen. Die Shell-Studie 2006, das DJI-Survey und die PISA-Ergebnisse belegen, dass es ein Bildungsgefälle zwischen Jungen und Mädchen gibt. Die Jungen zählen verstärkt zu den Bildungsverlierern. 2007 erreichten in Thüringen 29,9 % der Jungen die Hochschulreife, aber 41,1 % Mädchen (Ingrid Dietrich: Die aktuelle Situation junger Männer in Thüringen).

Jungen sind an Hauptschulen und Sonderschulen überproportional vertreten: 2003 waren z.B. 63 % der Schüler an Schulen für Lernbehinderte männlich (Cornelißen, Waltraud: Bildung und Geschlecht – sind Jungen in der Schule benachteiligt? In: Siehlert, Uwe u.a. (Hrsg.): Jungen. Publikationsreihe SCHÜLER. Wissen für Lehrer. 2007, S. 83) Und auch unter denen, die die Schule ohne jeden Abschluss verlassen, sind fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen. In Thüringen waren es 9,3 % im Jahre 2007, Mädchen 4,8%.

Mädchen sind, so das Fazit des Jugendforschers Klaus Hurrelmann, in Schule und Ausbildung „auf der Überholspur“. Auch Armut hat auf Jungen ungünstigere Einflüsse als auf Mädchen. Jungen von Alleinerziehenden mit dauerhafter Armutserfahrung zeigen z.B. am Ende der Grundschulzeit erhöhte motorische Unruhe und den Hang zur Externalisierung, d.h. der Tendenz aus sich heraus zu gehen und aggressiv zu werden (DJI Thema 2007/11: Kinderarmut: einmal arm – immer arm?).

Auch beim Thema Berufsbiografie, Arbeitslosigkeit, Abwanderungsverhalten und Gesundheitszustand finden sich signifikante Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Die Studie „Not am Mann. Vom Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht. Lebenslagen junger Erwachsener in wirtschaftlichen Abstiegsregionen der neuen Bundesländer“ (Berlin-Institut 2007) macht nachdrücklich darauf aufmerksam.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Was unternimmt die Landesregierung, um das Thema der Gleichstellung von Jungen zu befördern?
    Die Gleichstellung der Geschlechter ist eine der Grundforderungen des Thüringer Schulgesetzes. Für den Zugang zu den Schularten und den Bildungsgängen dürfen weder Herkunft noch Geschlecht des Schülers bestimmend sein. Um die Entwicklungsbedürfnisse von Jungen mehr zu fördern, können nur die Möglichkeiten der individuellen Förderung verstärkt werden. Hierzu gibt der jüngst in Kraft getretene Bildungsplan für Kinder bis zehn Jahre Hilfestellung, aber auch die Erprobungsmodelle im Grundschulbereich bieten hierfür gute Chancen.
  2. Welche Maßnahmen sind der Landesregierung im Bereich der Jugendhilfe und Jugendbildung bekannt, die sich insbesondere mit Problemlagen von Jungen beschäftigen?
    Seit dem Jahr 2005 existiert unter Leitung der Evangelischen Akademie in Thüringen eine Fachgruppe „Jungenarbeit in Thüringen“, die durch das Landesjugendamt fachlich begleitet wird. Die Fachgruppe führt zum Thema Jungenarbeit regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen und Fachtagungen in Abstimmung mit der Beauftragten für die Gleichstellung von Frau und Mann beim Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit durch.
  3. Wie wird in Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen auf die Probleme und Lebenslagen von Jungen eingegangen?
    Durch eine veränderte Lern- und Unterrichtskultur und längeres gemeinsames Lernen, mit Projektarbeit und offenen Ganztagsangeboten haben Thüringer Schulen und andere Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, auf Probleme und Defizite von Jungen explizit einzugehen. Im Vordergrund stehen dabei auch die Förderung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen und die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und realistischen Bewertung von Leistung und Verhalten.
  4. Ist das Personal in Kindergarten, Schule und Bildungseinrichtungen ausreichend für geschlechtsspezifische Fragen sensibilisiert?
    Ja.
  5. Bildungsvermittlung ist nach wie vor insbesondere in Grundschulen, Kindertageseinrichtungen und Horten weiblich. Was wird dafür getan, dass mehr Männer in pädagogische Berufe gehen?
    Konkrete Maßnahmen zur Berücksichtigung des Geschlechts bei der Einstellung in den Thüringer Schuldienst sind nicht vorgesehen. Die Auswahl von Bewerbern richtet sich ausschließlich nach den Merkmalen Eignung, Befähigung und fachliche Leistung. Zudem würde die Bevorzugung nur eines Geschlechts dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz widersprechen. Deshalb können nur die Bemühungen, schon im Vorfeld der Entscheidung für die Aufnahme eines Studiums das Interesse für den Lehrerberuf bei den Schülern zu wecken, im Rahmen der Berufswahlvorbereitung fortgesetzt werden.
  6. Welche Anlaufpunkte gibt es für Eltern, Lehrer und Erzieher in Thüringen, wenn sie Information, Fachberatung und praktische Hilfe zur Arbeit mit Jungen suchen?
    Im Bereich der Schulen stehen hierfür die Beratungslehrer, Schul- bzw. Einrichtungsleitungen, Fachberater, Referenten an den Staatlichen Schulämtern und im Bereich der Jugendhilfe unter anderem die Jugendämter, die in der Antwort zu Frage 2 benannte Fachgruppe „Jungenarbeit in Thüringen“, die Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e. V., die Kinder- und Jugendschutzdienste, die Erziehungs-, Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatungsstellen sowie das Landesjugendamt zur Verfügung.

 

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