Michael Panse Reden zum Nachlesen

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Rede beim 13. Alzheimer Tag Thüringen am 27.09.2014 in Weimar

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute spreche ich zu Ihnen nicht nur als Beauftragter der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, sondern ich darf Ihnen auch die Grüße des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit überbringen.

Für das Ministerium ist die Thüringer Alzheimer Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahr 2002 ein wichtiger Partner geworden. Und das nicht nur allein, weil die Thüringer Alzheimergesellschaft durch das Ministerium dabei unterstützt wird, eine landesweite Fachstelle für Familien mit Demenz aufzubauen.

Die Mitglieder der Thüringer Alzheimer Gesellschaft sind deshalb wichtig, weil sie sich Rahmen dieser Selbsthilfeorganisation für die Verbesserung der Situation von Demenzkranken und ihren Familien einsetzen.

Sie helfen den Betroffenen beim Umgang mit ihrer Krankheit. Sie unterstützen die Angehörigen, durch Beratung, emotionale Unterstützung und bei der Suche nach Hilfe vor Ort. Sie stärken in der gesamten Gesellschaft das Verständnis und die Hilfsbereitschaft für die Alzheimer Krankheit und andere Demenzerkrankungen. Sie regen gesundheits- und sozialpolitische Initiativen an. Im deutschlandweiten Verbund der Alzheimer Gesellschaften unterstützen Sie die wissenschaftliche Forschung zu Demenzerkrankungen und Versorgungsmöglichkeiten. Und Sie wirken mit bei der Entwicklung und Erprobung neuer Betreuungs- und Pflegeformen.

Die demenzkranken Menschen und ihre Angehörigen werden über die Alzheimer-Gesellschaften immer stärker in die Politikberatung einbezogen, sie sind in Gremien vertreten und kommen bei Anhörungen im Bundestag, auf Landes- und kommunaler Ebene zu Wort.

Sie leisten mit ihrer gesamten Arbeit einen wertvollen Beitrag, dessen Bedeutung sogar noch weiter zunehmen wird, wenn wir uns die demografische Entwicklung in Thüringen und in Deutschland anschauen.

Zurzeit leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Demenzkranke. Die meisten von ihnen sind 85 Jahre und älter. Es ist ja allgemein bekannt, dass die Häufigkeit von Demenzerkrankungen nimmt mit dem Alter zunimmt. In der Altersgruppe 70-74 Jahre sind unter 4 % der Bevölkerung erkrankt, in der Altersgruppe 80 – 84 Jahre mehr als 15 % und bei den über 90jährigen sind bereits ca. 41 % erkrankt.

Laut der Prognosen der Demografie wissen wir auch, dass im Jahr 2050 rund 14 % der Bewohner Deutschlands hochaltrig sein, also 80 Jahre und älter, sein werden. Sollte es nicht zu überraschenden medizinischen Durchbrüchen kommen, wird die Anzahl der Demenzkranken wird bis 2050 auf ca. 3 Millionen ansteigen.

Im Jahr 2011 lebten in Thüringen 513.524 Personen über 65 Jahre. Wenn davon, wie nach den vorliegenden Zahlen zu erwarten, 8,6 % an Demenz erkrankt sind, beträgt die Anzahl der Demenzkranken in Thüringen über 44.000 Personen. Den Vorausberechnungen zufolge werden im Jahr 205o knapp 50.000 Thüringerinnen und Thüringer an Demenz erkrankt sein.

Menschen mit Demenz werden etwa in drei Viertel der Fälle zu Hause versorgt. Töchter bilden mit über 40 % die Mehrzahl der pflegenden Angehörigen. Die pflegende Angehörige setzen sich hohen psychischen und physischen Belastungen aus, daher sind neue und professionelle Ansätze notwendig, um pflegende Angehörige zu entlasten.

In den vollstationären Einrichtungen sind durchschnittlich 69 % der Bewohner an Demenz erkrankt, laut einer Studie von Martina Schäufele, jetzt Professorin für Gerontologie an der Hochschule Mannheim, die sie 2013 in der Fachzeitschrift „Psychiatrische Praxis“ veröffentlichte. Durch die demografische Entwicklung ist auch absehbar, dass deren Anteil weiter steigen wird, da durch das Fehlen pflegender Angehöriger der Anteil der häuslichen Pflege zurückgehen wird.

Umso wichtiger ist die Stärkung niedrigschwelliger Betreuungsangebote, wie sie der Freistaat Thüringen gemeinsam mit den Pflegekassen fördert. Die Träger entsprechender Angebote schulen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und leiten sie fachlich an, damit diese Menschen mit Demenz betreuen können. Es gibt die Möglichkeit der Betreuung in der Häuslichkeit der Betroffenen bzw. in Betreuungsgruppen in Räumen des Trägers. Diese Angebote dienen dazu, pflegende Angehörige zu entlasten und die Autonomie sowohl pflegender Angehöriger als auch der Betroffenen selbst so lange wie möglich zu erhalten. Hierzu leistet ein großer Teil der Träger gerade in der Gruppenbetreuung einen wichtigen Beitrag. Der Freistaat Thüringen hat mittlerweile 124 niedrigschwellige Angebote anerkannt, das heißt diese erfüllen die Voraussetzungen, um entsprechende Betreuungsleistungen zu erbringen und mit den Pflegekassen abzurechnen.

Circa ein Drittel dieser niedrigschwelligen Betreuungsangebote werden zu je 50 % vom Land und den Landesverbänden der Pflegekassen finanziell gefördert.

Im Rahmen des Bundesprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ wird ein zweijähriges Projekt der Alzheimergesellschaft „Aufbau eines Demenznetzwerkes Erfurt“ finanziell unterstützt. Es soll ein Netzwerk zur effizienten Versorgung von Familien mit einem demenzkranken Angehörigen errichtet werden. Partner ist hier insbesondere der Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen.

Aus dem Haushalts-Titel für niedrigschwellige Betreuungsangebote wird auch das Modellprojekt „Netzwerk Pflegebegleiter“ finanziert. 2014 werden dafür 73.436 Euro bereitgestellt (50 % Landesmittel und 50 % Mittel der Pflegekassen).

Das Modellprojekt startete im Juni 2012 gemeinsam mit der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Ehrenamtliche werden als sogenannte „Pflegebegleiter“ geschult und qualifiziert. Diese sollen pflegende Angehörige begleiten, beraten und entlasten. Das Projekt wird an fünf Standorten durchgeführt.

Zu Sicherung einer qualitativ hochwertigen Pflegeversorgung in Thüringen haben Landesregierung, Leistungserbringer und Kostenträger am 7. November 2012 den Thüringer Pflegepakt unterzeichnet und partnerschaftlich folgende Ziele vereinbart:

1. Höhere gesellschaftliche Akzeptanz – Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

2. Besserte Rahmen- und Beschäftigungsbedingungen in der Altenpflege

3. Verbesserung der Personal- und Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung.

Zur Umsetzung der Ziele des Thüringer Pflegepakts wurden Arbeitsgruppen und wiederum Unterarbeitsgruppen gebildet. Die Unterarbeitsgruppe (UAG) „Demenz als gesellschaftliche Herausforderung“ ist federführend beim TMSFG angesiedelt und hat das Ziel, eine optimale Versorgung von Menschen mit Demenz sicher zu stellen.

Vor kurzem, am 15. September, wurde auf Bundesebene die „Allianz für Menschen mit Demenz“ unterzeichnet. Die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ist eine Initiative der Bunderegierung und Bestandteil der Demografie Strategie. Unter gemeinsamer Leitung des BMFSFJ, des BMG und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wurde eine Agenda von konkreten Vereinbarungen und Maßnahmen zur umfassenden Verbesserung der Lebenssituation von demenziell Erkrankten und deren Angehörigen entwickelt. Diese sollen von den zahlreichen Partnern (neben der Bundesregierung die Aktion Demenz e.V., die Aktion Psychisch Kranke e.V., die Arbeits- und Sozialministerkonferenz, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V., die Bundesärztekammer, der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V., die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft e.V., der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Pflegerat e.V., der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V., die Gesundheitsministerkonferenz, der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, das Kuratorium Deutsche Altershilfe, die Kultusministerkonferenz, der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. und der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V.) in gemeinsamer Verantwortung umgesetzt werden.

Im Mittelpunkt der Allianz stehen die Fragen des Alterns in Würde und eine qualitativ hochwertige Versorgung und Pflege. Die Lebensqualität sowohl von Betroffenen als auch Angehörigen soll verbessert werden. Die Agenda ist geprägt vom Leitbild der Inklusion.

Die vier Handlungsfelder der Agenda sind:

1. Wissenschaft, Forschung und Information

2. Gesellschaftliche Verantwortung

3. Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Familien

4. Gestaltung des Unterstützungs- und Versorgungssystems.

Anfang 2016 wird die Agenda einen ersten Fortschrittsbericht vorlagen, der bereits konkrete Ergebnisse beinhalten soll. Bereits im Mai hat die Bundesregierung den Entwurf des 1. Pflegestärkungsgesetzes vorgelegt. Danach werden Menschen in der sogenannten Pflegestufe 0, also vor allem Demenzkranke, erstmals Anspruch auf Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege erhalten. Niedrigschwellige Angebote sollen durch die Einführung neuer zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen gestärkt werden, etwa für Hilfe im Haushalt oder Alltagsbegleiter und ehrenamtliche Helfer.

Zusammen fassend kann man sagen, sowohl in Thüringen als auch deutschlandweit bewegt sich einiges. Es ist zu hoffen, dass wir damit den vor uns stehenden Herausforderungen gerecht werden können. Allen, die daran mitwirken, wie die Thüringer Alzheimer Gesellschaft, ist herzlich für Engagement zu danken.

 

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