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„Der Mensch geht, der Wolf kommt“

 

Bundesminister Hermann Gröhe sprach beim Berliner Demografie Forum 2015

Zweiter Tag beim Berliner Demografie Forum

Einen beachtlichen Politiker- und Referentenauflauf gab es am heutigen zweiten Tag des Berliner Demografie Forums in der European School of Management and Technology am Schlossplatz 1.

Das altehrwürdige Gebäude ist schon seit vier Jahren Tagungsort des BDF. Ich bin aber immer wieder neu vom frühsozialistischen Gestaltungsstill und der Innenarchitektur beeindruckt. Da hat der Denkmalschutz in dem ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude viel Arbeiterkampf- und sozialistischen Gestaltungsrealismus konserviert. Sowohl der Zuschnitt vieler Räume, als auch die Arbeiterkampfmosaiken (sie illustrieren die Geschichte beginnend von Karl Liebknecht) und auch Lampen und bemalte Fliesen sind aus der DDR-Zeit.

Wo früher Staatsempfänge stattfanden, versammelten sich heute Tagungsgäste und Referenten von fünf Kontinenten. Entsprechend vielfältig war das Referentenprogramm. Nachdem bereits gestern Innenminister Dr. Thomas de Maiziere gesprochen hat, waren heute vier Bundesminister a.D. unter den Referenten. Franz Müntefering, Rita Süssmuth, Ursula Lehr und Daniel Bahr brachten sich engagiert in die Diskussion ein.

Am Vormittag hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe den Einführungsvortrag gehalten. Er warb, wie es sich für einen Gesundheitsminister gehört, für die Pflegeberufe und eine menschenwürdige Pflege. Um rund eine Million ist die Zahl der Pflegebedürftigen seit Einführung der Pflegeversicherung gestiegen. Dieser Trend wird sich verstärken, weil die Zahl der hochaltrigen Menschen steigt. Der Langlebigkeitstrend ist erfreulich, aber er stellt die Gesellschaft auch vor Herausforderungen.

Aktuell gibt es in Deutschland 13.200 Menschen die älter als 100 Jahre sind. Bemerkenswert ist, dass 60 Prozent davon noch im eigenen Haushalt leben. Daniel Bahr, der Ex-Gesundheitsminister bemerkte dazu, dass die Pflege zu Hause natürlich die präferierte Form ist. Der größte Pflegedienst der Republik ist immer noch die Familie. Allerdings sind die Diakonie und die Caritas die größten Arbeitgeber Deutschlands und der Pflegebereich hat daran einen großen Anteil.

Neben den vielen deutschen Ministern war auch Alain Berset, der Innenminister der Schweiz Referent beim BDF. Seine genaue Amtsbezeichnung ist Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Inneren. Zu Beginn seines Vortrags erläuterte er den Zuhörern, dass sein Fachgebiet aber, abweichend vom deutschen Innenminister, Soziales, Gesundheit und Kultur sei. Auch das Veterinärwesen gehört in sein Haus und deshalb passe auch der Satz „Der Mensch geht, der Wolf kommt“ zu seinem Ressort. Am Nachmittag verwies ein Referent aus Brandenburg, dass sie da schon weiter sind. Die Wölfe sind in Teilen Ostdeutschlands schon wieder da. Auch Thüringen ist schon über die Phase des Wolfserwartungslandes hinweg, auch wenn wir noch nicht von einer Verwolfung sprechen.

Berset wies auf ein weiteres wichtiges Thema hin. Er sagte „Der demografische Wandel zwingt uns zu sozialer Inklusion“. Dies stimmt zweifellos und da haben wir in Deutschland noch viel zu tun. Wir dürfen uns keine Illusionen machen, wie sich die demografische Zukunft entwickelt. Die Bücher der Demografie sind auf Basis der Geburtenzahlen der letzten Jahrzehnte schon geschrieben. Daran werden auch die beste Familienpolitik und Zuwanderung nichts ändern.

Derzeit profitiert Deutschland von der Babyboomer-Generation. Bis 1964 hatten wir relativ hohe Geburtenzahlen, mit dem Pillenknick war damit Schluss. Die 1964 geborenen sind heute alle voll im Berufsleben, unter anderem deshalb haben wir derzeit einen Höchstanteil an erwerbstätigen Menschen. In spätestens 20 Jahren sind alle Babyboomer im Ruhestand. Dies ist kein deutsches Problem allein, darauf wiesen Referenten aus Japan, Brasilien, Polen, aus den USA und vielen anderen Teilen der Welt hin.

Am heutigen Nachmittag waren dann traditionsgemäß die Young Experts dran. Junge Absolventen der ESMT aus der ganzen Welt von Finnland über Frankreich und Albanien bis nach Australien reichte der Kreis der Podiumsdiskutanten, die mit Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Rita Süssmuth über Themen wie das Absenken des Wahlrechts, Frauen- und Migrationsquoten und Integration diskutierten.

Das BDF2015 hat eine Menge an Impulsen für die Teilnehmer geboten. Innerhalb von vier Jahren hat sich das Forum zu einer international beachteten Plattform für Themen des demografischen Wandels entwickelt.

 

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