Bamako

Armut, die Betroffenheit auslöst

Kati (64)
Große Wäsche in Kati

„Armut ist die schlimmste Menschenrechtsverletzung in Mali“ so sagte es uns der deutsche Botschafter am ersten Tag unserer Reise. Wir wussten alle in der Delegationsgruppe vor Reiseantritt, das Mali zu den drei ärmsten Ländern der Welt gehört.

Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, wenn man von Armut in den Medien liest und die Bilder im Fernsehen sieht, oder Armut an jeder Straßenecke erlebt und in die Gesichter der Kinder blickt.

Beim Gang durch unsere Partnerstadt sahen wir vor allem abseits der beiden einzigen Teerstraßen, die die Stadt kreuzen, bittere Armut und Kinder, die auf Müllhalden spielten, waren leider keine Seltenheit.

Auf dem Markt der Stadt pulsierte das Leben auch am Sonntag. Für europäische Verhältnisse allerdings mit katastrophalen hygienischen Bedingungen. Fisch, Fleisch und viele Dinge, die wir gar nicht einordnen konnten, unmittelbar neben einer provisorischen Kanalisation. Wenige hundert Meter weiter mitten in der Stadt ein Anbaugebiet für Gemüse, welches von einer Art Genossenschaft betrieben wird. Für alle in der Gruppe waren dies prägende Einblicke hinter die Fassaden unsere Partnerstadt. 

Kati (8)
Mopeds wohin man sieht

Gleichzeitig sahen wir aber auch die ausgelassene Freude der Menschen in Mali. In tollen Kleidern und Trachten wurden mehrere Hochzeiten neben dem Rathaus gefeiert. Sonntag ist Hochzeitstag und da versammeln sich alle Freunde, so dass das Standesamt bei jeder Trauung überfüllt ist. Zum Hochzeitskorso durch die Stadt brechen danach dutzende Mopeds auf. Auch darauf selbstbewußt und in Festtagskleidung junge Frauen und Männer.

Am Nachmittag besuchten wir das Nationalmuseum in Bamako. Ein eigentümlicher Kontrast für uns zu den gerade gesehenen Bildern in Kati. Der Nationalpark ist ein wunderschön angelegter Park und ein Museum, welches die Stoffproduktion, Masken und Rituelle Gegenstände der Geschichte Malis präsentiert.

Zur anschließenden Bootsfahrt auf dem Niger hielten wir einige hundert Meter vor dem Fluß und gingen durch eines der zahlreichen Armutsviertel der Stadt. Unbeschreibliche Zustände, vor allem aber die fehlende Kanalisation, ganz zu schweigen von der nicht vorhandenen Müllentsorgung erschreckten uns.

Niger (12)
Der Fluß Niger zieht sich durch die Stadt Bamako und durch das ganze Land

Während einer Kahnfahrt auf dem Niger, der Lebensader des Landes sahen wir am Uferrand wieder die krassen Gegensätze. Aufwändig gebaute Villen am Ufersrand und direkt daneben Blechhütten, in denen die Angestellten wohnen. Wäsche waschen und Köperpflege findet alles im Fluß statt, während nur wenige Meter daneben die Abwässer in den Fluß sickern. Es ist nur schwer zu ertragen, wenn man Kinder sieht, die im Müll spielen, während daneben notdürftig Müll verbrannt wird.

Das Durschnittseinkommen in Mali liegt umgerechnet bei einem Euro pro Tag und die Lebenserwartung bei 55 – 60 Jahren. An beiden Zahlen wird sich sobald auch leider noch nicht viel ändern. Auch wenn wir nur einen Mosaikstein legen können, ist unsere Hilfe in unserer Partnerstadt Kati (über)lebensnotwendig.

Die Bilder vom Tag:

Mali – ein Land voller Gegensätz

2. Tag Bamako (112)
Grundstein für das Frauenzentrum in Kati

In Bamako, der Hauptstadt von Mali sind die Gegensätze offensichtlich. Am Morgen mussten wir ersteinmal wieder umziehen. Nachdem wir im ursprünglichen Hotel bei der Anreise nicht die reservierten Zimmer beziehen konnten (eine westafrikanische Delegation war „schneller“), verbrachte die Hälfte unserer Gruppe die Nacht im Azalai Hotel Salam. Sowohl mit den Hotelpreisen, als auch mit der Ausstattung kann das Hotel mit westeuropäischen Standarts mithalten. Pool, gepflegter Garten, am Niger gelegen und vis a vis dem Regierungsviertel.

Ganz anders sieht es in den umliegenden Stadtbezirken aus. Dichter Verkehr, vor allem Mopeds und einfachste Hütten, neben alten Kolonialbauten. Der deutsche Botschafter Karl Flittner gab uns einen guten Einblick in Geschichte und Gegenwart von Mali. Seit 1960 ist die ehemalige französische Kolonie ein eigener Staat. Aber die französische Klüngelpolitik prägte das Land fast drei Jahr Jahrzehnte. Die gegenwärtigen Konflikte in mehreren benachbarten Ländern sind aber dennoch in Mali nicht zu spüren.

2. Tag Bamako (140)Bereits 1991 fand in Mali ein großer Umbruch mit Demokratisierung und Dezentralisierung statt. Seit dem ist Mali in 8 Regionen plus den Hauptstadtdistrikt Bamako gegliedert. Mali hat in Afrika einen guten Ruf, es gibt eine Demokratie mit mehreren Parteien (allein drei sozialdemokratisch geprägte Parteien) und einer freien Presse – dies ist in Afrika nicht selbstverständlich. Die Hauptstadt Bamako ist explosionsartig gewachsen von ehemals 200.000 auf 2 Millionen ist die Einwohnerzahl gestiegen. Damit einher gehen die zentralen Probleme des Landes Wasser, Entsorgung und Transport. Ebenfalls schwierig gestaltet sich das Bildungswesen und die medizinische Versorgung.

Gute Schulen gibt es nur als Privatschulen und die meisten Krankenhäuser entstanden durch andere Länder wie China, Deutschland und Holland. Die Hauptkranheiten sind immer noch HIV, TBC und Malaria, wobei bei HIV die Prävalenz unter 2 Prozent liegt, wie uns der Botschafter erklärte. Bei der dynamischen Bevölkrungsentwicklung im moslimisch geprägten Land ist nach den Worten des Botschafters die größte Menschenrechtsverletzung die Armut der Bevölkerung. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern ist die Repression durch Staat und Polizei kein wirkliches Problem in Mali. Zu den wichtigste Exportgütern gehört Baumwolle und Gold. Mit 50 Tonnen Gold jährlich ist Mali eines der bedeutensten Goldländer.

2. Tag Bamako (172)
Mit dem Bürgermeister von Kati

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft befindet sich im Wandel. Wenngleich das Gesetz, welches bis zu vier Frauen erlaubt zwar parlamentarisch beschlossen, aber vom Präsidenten nicht unterzeichnet wurde, gibt es doch erhebliche Veränderungen. Unter anderem die Botschafterin Malis in Deutschland macht sich in ihrer Heimat für die Rechte von Frauen stark. Von Genitalverstümmelungen sind in Mali 85 Prozent der Frauen betroffen. Zwar ist dies nicht mehr erlaubt, wird aber starfrechtlich nicht sanktioniert.

Am Nachmittag fuhren wir in unsere Partnerstadt nach Kati. Leipzig hat schon seit DDR-Zeiten eine Partnerschaft mit Bamako, Chemnitz mit Timbuktu und wir nun mit Kati. Kati hat rund 40.000 Einwohner und ist eine Vorstadt von Bamako.

2. Tag Bamako (193)
Mopeds sind Transportmittel Nummer 1

Im Rathaus empfing uns der Bürgermeister Hamala Haidara mit der für das ganze Land typischen Freundlichkeit der Menschen. Quer durch Kati ging es danach in den Vorort Farada, wo uns eine große Menschenmenge erwartete. Rund 1000 farbenfroh gekleidete Frauen, Kinder und viele Offizielle wollten mit uns die Grundsteinlegung für das Frauenzentrum feiern. Traditionelle Musik und Tanz und etliche Reden von Stammes- und Dorfältesten sowie regionalen Abgeordneten und Kommunalpolitikern bildeten das Programm. Oberbürgermeister Andreas Bausewein konnte dabei den ersten Scheck aus Spenden in Erfurt in Höhe von 25.000 Euro übergeben. Noch einmal die doppelte Summe wird benötigt – wir werden als Partnerstadt die Summe sammeln.

Alle Bilder des Tages:

Vierzig Grad Temperaturdifferenz von Erfurt nach Mali

Winter
Das Bild werden wir in Mali nicht sehen...

Bei der Abreise am Erfurter Rathaus lag ein wenig Schnee. Aber nicht soviel, dass sich unser Oberbürgermeister Andreas Bausewein Sorgen um den Winterdienst machen müsste, und so konnten wir relativ beruhigt heute Morgen in ein Land aufbrechen, wo Schnee völlig unvorstellbar ist. Für die nächste Woche werde ich mit einer Delegation unter Leitung des OB mit Stadtratskollegen in Mali sein.

Die Städtepartnerschaft mit Kati werden wir dort besiegeln und konkrete Hilfeprojekte vor Ort besichtigen, bzw. anschieben. Unsere neue Partnerstadt hat 40000 Einwphner und ist 15 km entfernt von der Hauptstadt Bamako. Falls ich dort ins Netz komme, werde ich täglich hier auf der Homepage Bilder und Infos ins Netz stellen. Bereits vor Ort ist Wolfgang Reisen, ehemaliger Geschäftsführer der Erfurter Stadtwirtschaft. Es wäre eine tolle Sache, wenn der Aufbau eines Müllentsorgungssystems vor Ort gelingt. Hilfe zur Selbsthilfe soll über allen gemeinsamen Projekten stehen.

Wir werden unter anderem den Grundstein für ein dort zu bauendes Frauenhaus legen, eine von Erfurter Unternehmen gestiftete Solaranlage (hoffentlich) in Betrieb nehmen und natürlich viele Gespräche führen. Ich bin neugierig auf ein Land, von dem ich bis jetzt praktisch gar nichts wußte. In den letzten Wochen habe ich mich nach jeder Impfung zur Reisevorbereitung (insgesamt waren es sieben) etwas mehr im Netz und Gesprächen über Mali informiert. In Erfurt gibt es bereits einen Freundeskreis Kati. Vom Vorsitzende Bernward Credo habe ich eine große Kiste Wörterbücher für eine Schule in Mali im Gepäck. 

Zunächst sind wir aber noch auf dem Weg dahin. Mit zwei Kleinbussen geht es nach Leipzig, von dort mit dem Flieger nach Paris und dann direkt nach Bamako. Heute Abend gegen neun Uhr wollen wir dort sein. Die leicht verschneite Winterlandschaft mit Minusgrade entlang der Autobahn passt so gar nicht zu den Wetterprognosen der nächsten Tage. Gestern waren es in Kati 37 Grad und selbst in der Nacht bis zu 33 Grad…