Generationenbeauftragter

Generationenbeauftragter begrüßt beabsichtigte Aufstockung der Finanzmittel für Bundesfreiwilligendienst

Panse: „Auswirkungen der jetzigen Unterfinanzierung sind in den neuen Bundesländern sehr deutlich zu spüren“

Der Beauftrage der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse, hat heute in Erfurt die beabsichtigte Aufstockung der Finanzmittel für den Bundesfreiwilligendienst begrüßt.

Michael Panse sagte: „Der Anfang des Jahres verhängte Stopp bei Stellenbesetzungen mit über 25-Jährigen traf besonders die neuen Bundesländer. Die Altersstruktur der Bundesfreiwilligendienstleistenden ist hier eine andere, da sehr viel mehr Ältere im Einsatz sind. Viele Einsatzstellen beklagen auch die danach erfolgte generelle Neubesetzungssperre. Die Auswirkungen der jetzigen Unterfinanzierung aufgrund der zahlreichen Neubewilligungen bis zum Ende des vergangenen Jahres sind in den neuen Bundesländern sehr deutlich zu spüren. Darauf habe ich ebenso wie Träger und Kommunen mehrfach öffentlich hingewiesen. Ich begrüße es daher ausdrücklich, dass der Bund nun beabsichtigt die Finanzmittel aufzustocken, um damit dem vorhandenen Bedarf und der großen Nachfrage zu entsprechen. Damit könnten im Frühsommer Neubesetzungen möglich werden und der jetzige Abwärtstrend gestoppt werden.“

Hintergrund:

Laut vom Bundesfamilienministerium bestätigter Informationen ist es geplant die Finanzmittel für den Bundesfreiwilligendienst um 20 Millionen Euro aufzustocken. Im ursprünglichen Entwurf für den Haushalt 2014 waren bisher 167 Millionen Euro für den Bundesfreiwilligendienst vorgesehen. Im Januar hatte der Bundesfreiwilligendienst in Thüringen mit 3.363 Bundes-freiwilligen (Deutschland gesamt: 49.263 Bundessfreiwillige) seinen bisherigen Höchststand erreicht. Durch eine Überziehung des Budgets und die damit fehlenden Finanzmittel für die Besetzung neuer Stellen sank die Zahl der Bundesfreiwilligen in Thüringen innerhalb von zwei Monaten auf 3.246 Bundesfreiwillige (Deutschland gesamt: 46.952 Bundessfreiwillige).

Demografischer Wandel und Mobilität – ACE Verkehrstag Erfurt

Mit dem ACE Vorsitzenden Lutz Meinhardt

Beim Autoclub Europa (ACE) bin ich in den letzten Jahren regelmäßig zu Gast gewesen. Während es in der Vergangenheit häufig um kommunalpolitische Themen ging, stand beim 2. ACE Verkehrstag das Thema Mobilität im Alter auf der Tagesordnung.

Als Generationenbeauftragter der Landesregierung habe ich dabei einen Vortrag über die dempgrafische Entwicklung in Thüringen und über die Mobilität im Alter gehalten.

Zur Mobilität im Alter stellen sich zunächst zwei Fragen:

1. Sicherheit – Steigen mit einer älter werdenden Bevölkerung die Gefahren im Verkehr?

2. Umfang und Art der Mobilität – Sinkt mit einer älter werdenden Bevölkerung die Mobilität und verändert sie sich?

Zur ersten Frage: Pressemeldung vom 17. März 2014: Geisterfahrer-Unfall ‑ 79-Jähriger rast bei Landsberg in zwei Autos ‑ Dabei wurde einer der Fahrer leicht verletzt, der andere blieb unverletzt. Der Falschfahrer selbst erlitt schwere Verletzungen und musste mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Die A 96 in Richtung Lindau war für längere Zeit gesperrt.

30. März 2014: Bei einem dramatischen Autounfall kamen vier Menschen ums Leben. Das Auto stürzte in den Wesel-Datteln-Kanal. Der 74-jährige Fahrer erlitt am Steuer einen Herzinfarkt und verlor die Kontrolle über den Wagen.

Solche Einzelfälle prägen die öffentliche Wahrnehmung, aber die Unfalldaten zeigen:
Senioren sind weit überwiegend „Opfer“ und nicht „Täter“ wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen. Mit weitem Abstand zählen sie als Fußgänger und Radfahrer zu den Toten bei Unfällen, bei denen sie als sogenannte „schwächere Verkehrsteilnehmer“ beteiligt waren. Auch im Falle des Überlebens des Verkehrsunfalls sind bei älteren Menschen die körperlichen Unfallfolgen sehr viel stärker.

Hilfen für ältere Fußgänger wären z.B. längere Ampelzeiten, Tempobegrenzungen, akustische Ampeln, kontrastreiche Markierungen, beleuchtete Überwege, abgesenkte Bordsteine, (auch historisches Kopfstein-Pflaster kann ein Problem sein). Bei älteren Menschen als Autofahrern ist nicht die überhöhte Geschwindigkeit häufigste Unfallursache, sondern das Missachten der Vorfahrtsregelungen.

Von einigen Experten wird darauf hingewiesen, dass weniger das Alter, sondern eher der Umfang der Fahrpraxis ein entscheidender Faktor sei. Wer z.B. weniger als 3.000 km im Jahr fahre, sei deutlich unsicherer als Verkehrsteilnehmer mit größerer Fahrpraxis.

Es werden immer wieder Forderungen zur Einführung eines zeitlich begrenzten Führerscheins ab einem bestimmten Alter erhoben. Die verkehrspolitische Sprecherin der Thüringen Grünen, Jennifer Schubert, ist beispielsweise für eine regelmäßige Tauglichkeitsprüfung und verweist auf Länder wie England, Spanien oder die Niederlande, welche bereits verpflichtende Kontrollen eingeführt haben. Die Teilnahme an freiwilligen Test wäre zu gering.

Der ADAC ist gegen verpflichtende Kontrollen wie Seh- oder Reaktionstests.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat weist darauf hin, dass Länder mit Pflichttests den Nutzen bisher nicht nachweisen konnten.
Er empfiehlt für ältere Verkehrsteilnehmer eher Vermeidungsstrategien: Nicht mehr fahren bei Dunkelheit, schlechtem Wetter oder in Verkehrs-Stoßzeiten.
Der ACE empfiehlt Fahrsicherheitstrainings und bietet darüber hinaus das Seniorenprogramm „Ü 60 – bleib mobil“ mit den Modulen „Fahrzeugtechnik“ (insbesondere Fahrassistenzsysteme), „Straßenverkehrsrecht“, „Gesund & sicher“ und „Fahrevent“ an.

Zur zweiten Frage ‑ Sinkt mit einer älter werdenden Bevölkerung die Mobilität und verändert sie sich?

Einer rückläufigen Verkehrsentwicklung wirken steigende Wegehäufigkeiten und -längen entgegen (Beispiel Schülerverkehr – je weniger Schüler, umso häufiger und weiter müssen sie gefahren werden).

Der Rückgang der Erwerbstätigen wird durch mobileres Freizeitverhalten weitgehend kompensiert, auch zunehmender Geschäftsreiseverkehr wirkt entgegen. Immer mehr ältere Menschen haben zudem einen Führerschein und verfügen über ein Auto (72 Prozent der 70-79 Jährigen hat Zugriff auf einen PKW). Insbesondere die älteren Frauen werden hier noch deutlich aufholen und die zukünftigen Älteren werden dank besserer Gesundheit in ihrer Freizeit aktiver sein.

Auch im ländlichen Raum nimmt die Zahl der Singlehaushalte zu, wodurch sich die Anzahl der Autos und die der Fahrten ohne Mitfahrer weiter erhöhen. Was sind die Hauptgründe für den Mobilitätsbedarf der Senioren?

– alltägliche Ziele (Einkäufe/Erledigungen),

– Besuche bei Verwandten, Freunden und Bekannten,

– Freizeitgestaltung (Kino, Theater, Sport, Ausflüge),

Gibt es dafür Alternativen zum Individualverkehr, zur Fahrt mit dem eigenen Auto, zum Beispiel den ÖPNV?

Für mehr als die Hälfte der Landbewohner liegt eine Bushaltestelle mehr als 400 Meter weit entfernt und macht den ÖPNV schon allein dadurch unattraktiv. Insbesondere für ältere Menschen ist eine Wegstrecke von mehreren hundert Metern oft nur mühsam zu überwinden.

Der eigene Pkw stellt daher nach wie vor das Verkehrsmittel der ersten Wahl dar, da selbst ein gut vertakteter ÖPNV (Bus und Schiene) die Flexibilität des eigenen PKW nicht übertreffen kann. So liegt der Anteil der Nutzung des ÖPNV außerhalb der größeren Thüringer Städte derzeit lediglich bei etwa zehn Prozent.

Der ÖPNV ist auch eine Frage der Bedienfreundlichkeit: So hat eine Studie vor kurzem ergeben, dass die Bedienung eines Fahrkartenautomaten auch ein Fünftel der 15-Jährigen überfordert. Es wird immer schwieriger, den ÖPNV in ländlichen, dünnbesiedelten Regionen aufrecht zu erhalten. Viele ländliche Regionen sind heute bereits nicht mehr durch Schienenpersonenverkehr erschlossen und der Busverkehr ist vorwiegend auf den Schülerverkehr ausgerichtet.
Mit weiter rückläufigen Schülerzahlen wird auch diese wichtige Nachfragegruppe (und Einnahmequelle) für den ÖPNV geringer. Durch die Abhängigkeit des ÖPNV vom Schülerverkehr ‑ bis zu 80% aller Fahrgäste in ländlichen Regionen sind Schüler ‑ ist zudem dessen Gestaltungsspielraum begrenzt.

Was sind weitere Alternativen (soweit notwendige Erreichbarkeiten durch den ÖPNV nicht abgesichert werden können)?

– Selbstorganisierte Mobilität stärken
– Förderung von Konzepten der „selbstorganisierten Mobilität“ und des bürgerschaftlichen Engagements
– Schaffung von Anlaufstellen zur Mobilitätsberatung sowohl im Internet als auch vor Ort

– Prüfen, ob rechtliche Rahmenbedingungen zur Ermöglichung ehrenamtlicher und alternativer Mobilitätsdienste geändert werden müssen:
z.B. für Bürgerbus, (in NRW gibt es über 110 Bürgerbusse, selbst in großen Städten wie Essen und Remscheid),
– BürgerBus Lommatzscher pflege (Sachsen): Ehrenamtlich betriebener Bürgerbus zur Mobilität der ländlichen Bevölkerung,
– Senioren-Klub Bus „Fridolin“ in Salzhausen ( Niedersachsen): Ehrenamtlicher Fahrdienst für ältere Menschen, der durch den lokalen Seniorenklub betrieben und durch Spenden und mit Unterstützung der Kommune finanziert wird,)
– KombiBus (Projekt der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft, Kombination öffentlicher Personennahverkehr mit Güterverkehr)
Fahrgemeinschaften (Fahrgemeinschaftsbörsen bzw. Mitfahrzentralen)

– Angebotsmix ‑ Flexibilisierung und Aufbau von „Mobilitätsketten“, Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel:  Schiene – Bus – Auto – Fahrrad

– Leih- und Sharingangebote etc.
Verstärkte Bildung von Verkehrsverbünden, Tarif-/Fahrplanverbünden, Abschluss von Kooperationsvereinbarungen

– Modellprojekt CARLOS in der Schweiz:
Jeder Mobilitätsnachfrager kann eine CARLOS-Mitfahrsäule aufsuchen, dort sein Ziel eingeben und ein Ticket buchen. Dann wird das gewünschte Ziel über der Straße auf einem Schild gut sichtbar angezeigt, so dass die vorbeifahrenden Autofahrer auf den potenziellen Mitreisenden aufmerksam werden. Das Ticket wird dann dem Fahrer gegeben, der dieses wiederum an Tankstellen oder Verkaufsstellen des öffentlichen Verkehrs einlösen kann. (Falls die Betreiber einverstanden sind, können auch Verbundabonnements anerkannt werden. Das heißt, das CARLOS-Ticket wird für Abonnenten kostenlos oder zu einem geringeren Preis zur Verfügung gestellt.)

Als Ersatz von Mobilitätsbedürfnissen:

– mobile Angebote von Verwaltung, medizinischer Versorgung oder Nahversorgung;
– Bsp. Mobiles Bürgerbüro Magdeburg: zum Semesterbeginn auf dem Uni-Campus und sonst in dörflichen Ortsteilen

– mobile Dienstleistungen: Shop in Shop System, Wagenverkauf an festen Standorten, Haustürbedienung

– räumliche Konzentration von Einrichtungen der Daseinsvorsorge zur Wegeoptimierung

großstädtischer Raum:

– Heranführung von älteren Menschen an den ÖPNV:
z.B. Projekt „PatenTicket“ in Köln für älter werdende Menschen, die über Jahrzehnte Auto gefahren sind, aber gesundheitsbedingt nicht mehr dazu in der Lage sind zu fahren. Erfahrene ältere Kundinnen und Kunden der Kölner Verkehrs-Betriebe AG und der Regionalverkehr Köln GmbH geben ihre Erfahrungen an Bekannte, Verwandte oder Freundinnen und Freunde ab 60 Jahre weiter, die bisher wenig Erfahrung mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Hierzu erhalten sie zu ihrer Zeitkarte eine drei Monate gültige Netzkarte, die sie an ihr sogenanntes ‚Patenkind‘ verschenken können und diese bei der ÖPNV-Nutzung betreuen. Rund 30 Prozent der Patenkinder haben inzwischen eine Zeitkarte abonniert, ein weiteres Drittel nutzt Busse und Bahnen häufiger als zuvor.

Ich bin dem ACE dankbar, dieses wichtige Thema beim 2. Verkehrstag aufgegriffen zu haben und werde als Generationenbeauftragter aktiv das Thema Mobilität im Alter begleiten.

Studie: Für Hochaltrige sind tiefgehende Begegnungen mit anderen Menschen am wichtigsten

Panse: „Aktuelle Generali Hochaltrigenstudie bestätigt die Erfahrungen in meiner Arbeit: Auch Menschen im Alter von über 85 Jahren wollen aktiv am sozialen Leben teilnehmen.“

Der Beauftrage der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse, hat sich heute in Erfurt zu den Ergebnissen der aktuellen Generali Hochaltrigenstudie „Teilhabe im hohen Alter“ geäußert.

Michael Panse sagte: „Die aktuelle „Generali Hochaltrigenstudie bestätigt die Erfahrungen in meiner Arbeit, dass auch Menschen im Alter von über 85 Jahren aktiv am sozialen Leben teilnehmen wollen. Das Klischee vom tattrigen Greis, der außer passivem Empfangen von Betreuung und Pflege nichts mehr zu erwarten hat, stimmt mit der Lebenswirklichkeit nicht überein. Dem Wunsch auch der Hochaltrigen nach Teilhabe kann entsprochen werden, wenn man dafür entsprechende Plattformen, Begegnungsstätten wie die Mehrgenerationenhäuser, oder vielfältigere Wohnformen schafft, wie sie der Entwurf des Thüringer Wohn- und Teilhabegesetzes ermöglichen soll. Dabei gilt es auch die unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort zu beachten. So macht es einen Unterschied, wenn nach dem Datenreport der Bertelsmann Stiftung „Deutschland im demographischen Wandel 2030“ für Jena ein Anteil der über 65-Jährigen im Jahr 2030 von 25,4 Prozent oder für Suhl von 41 Prozent prognostiziert wird. Aber übergreifend steht die Aufgabe, Älteren mehr Entscheidungsmöglichkeiten und Verantwortungsübernahme zuzugestehen, ob nun den „jungen Alten“, bei der Frage, ob und wieviel sie noch arbeiten möchten und den älteren Alten, ob und wieviel sie sich ehrenamtlich und freiwillig für das Gemeinwohl engagieren wollen.“

Hintergrund:

Die Altersgruppe der über 85-Jährigen, auch als Hochaltrige im „4. Lebensalter“ bezeichnet, hat in Thüringen in den zehn Jahren von 2001 bis 2011 von 40.055 auf 53.416 Personen zugenommen. Gleichzeitig hat sich auch in dieser Altersgruppe die Gesundheit verbessert und damit die weitere Lebenserwartung erhöht. So hatte sich für eine 80-jährige Frau im Jahr 2011 die durchschnittliche Anzahl der weiteren zu erwartenden Lebensjahre auf 8,6 Jahre gesteigert, 2,3 Jahre mehr als 20 Jahre zuvor.

Immer mehr Menschen erreichen das 100. Lebensjahr. Im letzten Jahr konnten 135 Thüringerinnen und Thüringen ihren 100. und zwei bereits ihren 107. Geburtstag feiern. 26 Thüringer Ehepaare begingen im vergangen Jahr die sogenannte Gnadenhochzeit, ihren 70. Hochzeitstag. Aber vielen Hochaltrigen ist es nicht vergönnt, ihr hohes Alter mit einem Partner oder in einem Familienhaushalt zu erleben. Umso wichtiger ist es ihnen, wie die Studie zeigt, über intensive soziale Kontakte zu verfügen.

Goethes Wahlverwandtschaften in moderner Form

Vernetzungsbedarf

In Weimar darf und muss man immer auf Goethe Bezug nehmen. Schon Goethe schilderte die Wahlverwandtschaften und daran musste ich heute denken. Zwar ging es bei Goethe um eine Über-Kreuz-Liebe, aber der Name würde auch zu vielen Nachbarschaftsprojekten passen.

Die Bürgerstiftung Weimar hatte heute zum 1. Thüringer Erfahrungsaustausch von Nachbarschaftshilfeprojekten in das Forum SEEBACH der Maria-Seebach-Stiftung nach Weimar eigeladen.

Als Generationenbeauftragter habe ich nicht nur die Veranstaltung unterstützt, sondern war auch bei der Tagung gerne dabei. Weit über 3.000 Nachbrschafthilfeprojekte gibt es in Deutschland.

Auch in Thüringen entstehen immer mehr solche Projekte. In Weimar habe ich bekannte Projekte, wie die Herbstzeitlosen aus Saalfeld, aber auch neue Projekte kennengelernt.

Ich bin der Meinung, dass die unmittelbare Nachbarschaft der beste Ort für gemeinsames Engagement ist. Nachbarn werden wichtiger, weil familiäre Beziehungen weniger werden. Die demografische Entwicklung ist ein Beleg dafür. Am 31.12.2011 waren 514.459 Thüringer (23 % der Bevölkerung) älter als 65 Jahre. Bis 2020 wird der Anteil auf 35 % steigen, bei 10 % Rückgang der Gesamtbevölkerung. Bis 2030 wird der Anteil auf 37 % steigen, bei dann mehr als 650.000 Thüringern, die älter als 65 Jahre sind. Und die Zahl der über 80jährigen wird von 124.545 auf mehr als 189.000 steigen.

Maria-Seebach-Stiftung

Zudem führen Modernisierungsprozesse und demografische Entwicklung zu multilokalen Familien. Oft gibt es nur sehr lose oder keine Familienbeziehungen mehr. Der Zusammenhalt der Generationen in den Familien wird durch Geburtenrückgang und Abwanderung zunehmend geschwächt. Es besteht zudem eine Tendenz zu abgeschlossener Generationenkultur, die nur für die eigene Altersgruppe existiert und den Zugang zu anderen Altersgruppen erschwert.

Die Generali-Altersstudie 2013 verweist darauf, dass 11 % der 65- bis 85-Jährigen keine Kinder und 24 % keine Enkelkinder haben. 21 % fehlen langjährige Freundschaften und 50 % haben keinen festen Freundes- und Bekanntenkreis. Das größte Problem im Alter ist Vereinsamung mit erheblichen Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit.

Wo Nachbarschaftshilfe kein selbstverständlicher Alltag ist, (wie z.B. in gewachsenen dörflichen Strukturen) bedarf es struktureller Ansätze: Nachbarschaftshilfeprojekte, Selbsthilfegruppen, Seniorenbüros, Mehrgenerationenhäuser, Quartiersmanagement und kommunale Sozialplanung.

Unterstützen kann dabei die Ehrenamtsstiftung aber auch als Generationenbeauftragter unterstütze ich solche Initiativen. Ich werbe dabei für einen  positiven Blick auf Nachbarschaftshilfe. Sie ist weder Lückenbüßer für staatliche Sozialpolitik, noch Deckmantel für Schwarzarbeit. Nachbarschaftshilfe hat einen eigenen Wert sie ist Ausdruck des sozialen Wesen der Menschen.

Schon Aristoteles hat den Menschen als Zoon Politikon, als ein soziales, auf Gemeinschaft angelegtes und Gemeinschaft bildendes Lebewesen beschrieben. Man könnte auch sagen, Nachbarschaftshilfe stand am Anfang der Menschwerdung: Hätten sich unsere Vorfahren als Nachbarn nicht gegenseitig dabei geholfen, gemeinsam Nahrung zu finden und zu erbeuten, hätten sie dafür nicht die menschliche Sprache erfunden, würde es den heutigen Menschen nicht geben. Ich bin neugierig auf die nächsten Vernetzungstreffen.

Kompetenz- und Beratungszentrum eröffnet

Zu Gast beim Schutzbund

Seit vielen Jahren engagiert sich der Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. für die Belange der älter werdenden Generation in Erfurt. Als Generationenbeauftragter des Freistaates habe ich mit den Vertretern des Schutzbundes mehrere gemeinsame Veranstaltungen organisiert und auf dem Flur des Sozialministeriums hängt immer noch die Fotoausstellung die wir gemeinsam zum „Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen“ organisiert haben.

Daher habe ich mich heute über die Einladung zur Eröffnungsveranstaltung des neu sanierten Kompetenz- und Beratungszentrums am Juri-Gagarin-Ring 56a in Erfurt sehr gefreut. Bei der Eröffung wurde eine Fotoausstellung präsentiert, die von einer der drei Fotogruppen des Schutzbundes gestaltet wurde.

Als begeisterter Fotofan freue ich mich, wie viele Senioren inzwischen mit ihrer Kamera auf Pirsch sind und auch ganz selbstverständlich ihre Bilder mit Fotobearbeitungsprogramm gestalten. Der Blick für das Motiv, auf den es bei jedem guten Bild ankommt, zog sich heute durch alle Ausstellungsbilder hindurch.

Eine der drei Fotogruppen

Im vergangenen Jahr hat der Schutzbund gemeinsam mit der KOWO ein Konzept entwickelt, wie künftig an mehreren Orten in Erfurt Anlaufstellen für Senioren geschaffen werden können. Bei der Antragstellung an den Bund konnte ich aktiv helfen und im Ergebnis ist Erfurt mit zwei Projekten unter den bundesweit 300 vertreten. In Thüringen sind es 12 Projekte.

Damit werden investiv und mit Sachkostenzuschüssen insgesamt drei weitere Anlaufstellen in Erfurt geschaffen. In den nächsten Wochen steht die Eröffnung am südlichen Juri-Gagarin-Ring an und hinzu kommen zwei Stützpunkte in der Friedrich-Engels-Straße und am Roten Berg. Ich freue mich über das Engagement der aktiven Senioren!

Bilder von der Eröffnung

 

Vortrag am Bildungszentrum Sondershausen

Der Bundesfreiwilligendienst bleibt weiter ein dominierendes Thema meiner Arbeit. Heute Nachmittag war ich einmal wieder zu einem Vortrag im Bildungszentrum des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Sondershausen. Rund 50 Bundesfreiwillige aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt waren dort bei einem Seminar im Rahmen der politischen Bildung.

Die durchaus positive Stimmung unter den Bundesfreiwilligen hat mich angenehm überrascht. In Thüringen leisten derzeit 3.363 Bundesfreiwillige ihren Dienst, in Sachsen sogar 6.117 und in Sachsen Anhalt 3.277. Zusammen sind dies 12.757 der 49.263, die deutschlandweit im Einsatz sind. Die drei mitteldeutschen Länder liegen damit weit vorne und dies auch bei der Alterstruktur. In Sachsen sind 83 Prozent älter als 27, in Sachsen-Anhalt sind es 85 Prozent und in Thüringen sogar 86 Prozent.

In Thüringen kommen zu den Bundesfreiwilligendiesntleistenden noch rund 800 Teilnehmer in den Jugendfreiwilligendiensten FSJ, FÖJ und ähnlichen hinzu. Somit hat, wenn sich diese Zahlen fortschreiben, irgendwann einmal jeder fünfte Thüringer einen Freiwilligendienst geleistet. Allerdings darf dabei natürlich nicht verkannt werden, dass die meisten Teilnehmer des BFD aus der Arbeitslosigkeit kommen. 51 Prozent erhielten vorher Hartz IV und weitere 20 Prozent kommen aus der Arbeitslosigkeit. Auch bei der heutigen Gesprächsrunde nach meinem Vortrag zum Thema Demografie, wurde überdeutlich, dass die meisten BFDler gerne in ganz normale reguläre Jobs wollen.

Den BFD sehen sie aber derzeit vorallem als eine Chance aktiv zu werden in einem selbstgewählten Bereich. Da sie zudem durch die Bildungsangebote auch Lernende erfahren sie in dem einen Jahr BFD auch einen persönlichen Zugewinn an Wissen und an Sozialkompetenz. Für viele ist dies zudem das erste Mal seit Jahren, dass sie in einer Maßnahme wirklich Anerkennung erfahren und somit auch hochmotiviert sind. Zwar können zur Zeit keine neuen BFD-Vereinbarungen mehr getroffen werden, weil zumindest bei den Stellen des BAFzA bis zum Jahresende alle Stellen vergeben sind, aber die 19 anderen Einsatzstellen bieten weiter Plätze im BFD an.

Bundesfreiwilligendienst im „Land der Frühaufsteher“ diskutiert

Dr. Kreuter bei seinem Vortrag zum BFD

Heute ging es zeitig am Morgen los ins „Land der Frühaufsteher“ nach Sachsen-Anhalt. Die Aufschrift auf dem Regionalzug mit dem ich nach Magdeburg fuhr, trug den Slogan unseres Nachbarbundeslandes. Da am Abend die Stadtratssitzung mit Beschlussfassung zu Haushalt anstand, war ich Frühaufsteher und Spätinsbettgeher zugleich. Aber beide Themen waren nicht nur wichtig sondern gehören auch zu den Feldern, die mich seit Wochen beschäftigen.

Bei der Tagung der ijgd LV Sachsen-Anhalt e.V. (Koordinierungsstelle Paritätische Freiwilligendienste) im Magdeburger Ministerium für Arbeit und Soziales ging es um das Thema Altersöffnung in den Freiwilligendiensten. Seit der vergangenen Woche wird die Situation des Bundesfreiwilligendienstes medial, als auch bei den Trägern heftig diskutiert.

Vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) wurde Ende Januar mitgeteilt, dass aufgrund der sehr hohen Zahl von Freiwilligen im Dienst der Zentralstelle BAFzA für 2014 nur noch in sehr geringem Umfang Kontingente zur Verfügung stehen. Da für die älteren Freiwilligen (ü25) bundesweit bereits weit mehr als die Hälfte der möglichen Vereinbarungen genehmigt wurden, wird das geringe restliche Kontingent an die unter 25 jährigen Freiwilligen vergeben. Aus diesem Grunde könnten für September bis Dezember 2014 für die jüngeren Freiwilligen (u25) noch Vereinbarungen abgeschlossen werden. Für die übrigen Monate nicht.

Verlängerungen bestehender Vereinbarungen seien nicht möglich. Dies trifft insbesondere die vielen älteren Interessenten in den neuen Bundesländern, die sich im  Bundesfreiwilligendienst engagieren wollen, weil hier etwa zwei Drittel der Stellen über die Kontingente des BAFzA zur Verfügung gestellt werden. In den neuen Bundesländern leistet rund ein Drittel der Bundesfreiwilligen Dienst, deren Bevölkerung etwa ein Sechstel der Gesamtbevölkerung umfasst.

Die Altersstruktur zwischen alten und neuen Bundesländern unterscheidet sich deutlich. In den alten Bundesländern sind rund 85% der Bundesfreiwilligen unter 27 Jahre und in den neuen Bundesländern ist etwa der gleiche Prozentsatz über 27 Jahre alt. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Unterschiede in den Erwerbsbiographien können diese Unterschiede aber durchaus als begründbar angesehen werden. Eine Steuerung der Altersstruktur wirkt sich somit besonders zum Nachteil der neuen Bundesländer aus. Für die Wahl einer Altersgrenze besteht darüber hinaus keine gesetzliche Grundlage, so dass sie nach meiner Meinung als altersdiskriminierend eingeschätzt werden kann.

Mit Dr. Jens Kreuter, dem Leiter des Arbeitsstabes Freiwilligendienste im BMFSFJ, konnte ich nach seinem Referat zur „Altersöffnung in den Freiwilligendiensten und Anforderungen an das Bildungskonzept für den BFD ü27“ über die aktuelle Situation sprechen. Derzeit gibt es in den Freiwilligendienstformaten (neben BFD auch die Jugendfreiwilligendienste FSJ, FÖJ) rund 100.000 Freiwillige. Wenn sich diese Zahlen so fortschreiben wird irgendwann einmal jeder 8 in unserer Gesellschaft einen Freiwilligendienst geleistet haben. Darunter sind aktuelle 49.000 BFDler – rund 13.000 beim BAFzA.

Es gibt 20 sogenannte Zentralstellen, die BFD-Plätze vergeben. 19 (im Wesentlichen die Wohlfahrtsverbände) haben feste Kontingente und vergeben nach regionalem Proporz. Bei der Zentralstelle BAFzA werden die Einsatzstellen nach Reihenfolge der Anmeldungen vergeben und dadurch sind von der besonderen Altersstruktur betroffen. Daraus ergibt sich auch die ungleiche Verteilung zwischen Ost und West. In Thüringen haben wir aktuell 3.363 Bundesfreiwillige, davon rund 86 Prozent älter als 27 Jahre. Für diese Gruppe ist der Bildungsanteil im BFD zunehmend von Bedeutung.

51 Prozent der Bundesfreiwilligen über 27 Jahren kommen aus dem ALG II/Hartz IV-Bezug und weitere 20 Prozent aus der sonstigen Arbeitslosigkeit. In den neuen Bundesländern ist somit das Potential für den Bundesfreiwilligendienst deutlich größer. Wenig Hoffnung konnte Dr. Kreuter auf eine Veränderung der Situation machen. Eine regionale Verteilung der BAFzA-Plätze würde dazu führen, dass mehr als die Hälfte der Plätze in Thüringen wegfallen. Der Bund wird auch nicht das finanzielle Volumen von 167 Millionen Euro/jährlich aufstocken, um dauerhaft mehr Plätze zu schaffen. Somit werden neue BFD-Plätze erst bewilligt, wenn durch auslaufende Verträge die Zahl wieder auf rund 40.000 abgesunken ist.

Leider ist dies keine erfreuliche Botschaft – aber ich konnte bei der Tagung für unsere besondere Situation werben. Eine ähnliche Fachtagung würde ich gerne in Kooperation mit der Liga oder der Parität in Thüringen organsieren – erste Gespräche haben wir dazu am Rande der Tagung geführt und insofern hat sich das frühe Aufstehen gelohnt 🙂

Aktuelle Entwicklung zum Bundesfreiwilligendienst

Heute hatte ich mit einem Thema intensiv zu tun, welches beide Aufgabengebiete meiner Tätigkeit im Sozialministerium berührt. Als Generationenbeauftragter bin ich fachlich unter anderem für den Bundesfreiwilligendienst zuständig und vertrete Thüringen und die Bundesländer in diversen Bund-Länder-Arbeitsgruppen.

Ich bin aber auch für Antidiskriminierungsfragen in Thüringen zuständig und heute kam einmal beides zusammen auf den Tisch.

Die Leipziger Volkszeitung/Osterländer Volkszeitung hatte mich gestern zum BFD interviewt und heute lief das Thema auf der ersten Seite und danach in diversen Radionachrichten. Zur Geschichte:

Der Bundesfreiwilligendienst ist zweifellos zu einem vollen Erfolg geworden. An seinem Anfang ab dem 1. Juli 2011 wurden Zweifel geäußert, ob es gelinge könne, mit ihm erfolgreich den Zivildienst abzulösen. Zu Beginn war die Besetzung von 35.000 Stellen vorgesehen.  Inzwischen sind es knapp 50.000 Stellen geworden und dennoch übersteigt weiterhin die Nachfrage deutlich das Angebot. Dieses rege Interesse ist zu einem großen Teil auch auf die Altersöffnung des Bundesfreiwilligendienstes für Freiwillige zurückzuführen, die älter als 27 Jahre sind.

 In den neuen Bundesländern ist der Anteil älterer Bundesfreiwilliger besonders hoch, was sowohl der demografischen Entwicklung als auch der spezifischen Arbeitsmarktsituation geschuldet sein dürfte. Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass es dafür viele Erklärungen gibt. Das ehrenamtliche Engagement im BFD ist für viele Menschen, gerade auch für Langzeitarbeitslose, eine Möglichkeit etwas tun zu können, Anerkennung zu erfahren und möglicherweise sogar eine berufliche Perspektive.

Ich kenne etliche Beispiele, wo nach der BFD-Zeit ein Übernahmeangebot in einen Teil- oder Vollzeitjob stand. Und ich kenne Beispiele wo sich ehemalige BFDler nach ihren 12 Monaten weiter ehrenamtlich engagieren. Dies gilt in den neuen Bundesländern auch für Menschen im Rentenalter, die mit dem BFD etwas hinzuverdienen wollen, sich verbindlich engagieren wollen oder einfach etwas gegen drohende Alterseinsamkeit tun wollen. In den alten Bundesländern ist das verfügbare Potential für den BFD in den höheren Altersgruppen gar nicht da.

Umso bedauerlicher ist es, dass für das Jahr 2014 für die Kontingente des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgabenkeine (BAFzA) nun keine neuen Vereinbarungen mit älteren Bewerbern mehr abgeschlossen werden dürfen. Dies trifft insbesondere die vielen älteren Interessenten in den neuen Bundesländern, die sich im  Bundesfreiwilligendienst engagieren wollen, besonders hart, auch weil hier etwa zwei Drittel der Stellen über die Kontingente des BAFzA zur Verfügung gestellt werden.

Als Beauftragter für das Zusammenleben der Generationen des Freistaats Thüringen kritisiere ich ausdrücklich diese Vergabepraxis und fordere dazu  auf, diese im Interesse der älteren Bewerber zu überdenken. Aber auch in meiner Eigenschaft als zentraler Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung muss ich außerdem darauf hinweisen, dass die Altersgrenze von 27 Jahren altersdiskriminierend wirkt.

Hintergrund:

Von den 3.363 Thüringer Bundesfreiwillige im Januar 2014  waren 13% unter 27 Jahren und 87 % älter. In den alten Bundesländern waren 86 % jünger und nur 14 % älter.  Von den Bundesfreiwilligen in Thüringen waren die 51 – 65 Jährigen mit 1.511 Bundesfreiwilligen die größte Gruppe. 109 Thüringer Bundesfreiwillige waren älter als 65 Jahre. In den neuen Bundesländern leistet rund ein Drittel der Bundesfreiwilligen Dienst, deren Bevölkerung etwa ein Sechstel der Gesamtbevölkerung umfasst.

BFD-Statistik

MDR-Bericht

Landeswelle

 

 

Panse: Thüringer Senioren werden nicht krimineller

Michael Panse warnt vor irreführenden Aussagen

Der Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung, Michael Panse, hat heute in Erfurt vor irreführenden Aussagen zu Seniorenkriminalität gewarnt.

Der Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung, Michael Panse, sagte: „Die Thüringer Senioren werden nicht krimineller. Wenn die absoluten Zahlen der Statistik nicht in die notwendige Beziehung zur demografischen Entwicklung, also zur insgesamt steigenden Zahl der Thüringer Senioren gesetzt werden, sind solche verkürzten Aussagen irreführend und altersdiskriminierend. Wer darauf verweist, dass die Anzahl der Tatverdächtigen, die älter als 60 Jahre sind, von 2003 bis 2012 um 6,5 Prozent gestiegen sei, muss auch darauf verweisen, dass die Zahl der über 60jährigen im gleichen Zeitraum um 9 Prozent gestiegen ist. Das heißt, dass auf 10.000 über 60jährige im Jahr 2003 noch 69 Tatverdächtige kamen, im Jahr 2012 dem entgegen nur noch 67 Tatverdächtige. Die ,Kriminalität‘ der Senioren ist somit nicht gestiegen, sondern in Wirklichkeit gesunken.

Wenn der Anteil der Senioren an den in Thüringen ermittelten Straftätern 7,7 Prozent beträgt, liegen die wirklichen Kriminalitätsprobleme sicherlich an anderer Stelle. Bei allem Verständnis für den Wunsch nach knapper und geballter Information, darf nicht so pauschalisiert werden, dass der Eindruck entstehen kann, dass einzelnen Gruppen der Bevölkerung undifferenziert bestimmte Tendenzen zugeschrieben werden. Der Abbau von Vorurteilen und Diskriminierungen aufgrund des Alters, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität kann nur gelingen, wenn Sachverhalte angemessen differenziert dargestellt werden.“

Mit Verweis auf Statistiken des Thüringer Landeskriminalamtes waren in den letzten Tagen Meldungen zu hören und zu lesen wie: „Zunehmende Senioren-Kriminalität“, „Die grauen Täter sind im Kommen“, „Immer mehr kriminelle Senioren“ und „Zahl krimineller Senioren steigt in Thüringen“, die den Eindruck erwecken könnten, als würden Thüringer Senioren krimineller.

Neues Aufgabengebiet im Jahr 2013 hinzugekommen

Material der Antidiskriminierungsstelle

Facebook schlägt auch in diesem Jahr wieder eine individuelle Jahreschronik vor. Ich habe es probiert, aber dabei festgestellt, dass mir andere Dinge wichtig waren. Bei fb geht es bei den wichtigen Ereignissen danach, welche Fotos am meisten kommentiert, geliked oder angesehen wurden.

Beim persönlichen Rückblick auf das Jahr 2013 habe ich mir aber meine Einträge auf der Homepage noch einmal angesehen. Dort finden sich viele Einträge zur Kommunalpolitik, viele Texte und Bilder von unseren Bundesligadamen vom SWE Volley-Team, viele Reiseberichte (u.a. von den Urlaubsfahrten nach Prag, Wien und Kroatien) und von der diesjährigen Motorradtour über den Balkan durch Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Kroatien.

Mein berufliches Aufgabengebiet im Thüringen Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit hat sich im Jahr 2013 erweitert. Neben der Arbeit als Beauftragter für das Zusammenleben der Generationen (u.a. verantwortlich für die Mehrgenerationenhäuser und den Bundesfreiwilligendienst) bin ich seit Mai 2013 auch offizieller Ansprechpartner der Landesregierung für das Thema Antidiskriminierung.

Nachdem die Landesregierung Ende Januar mit einem Beschluss die Intensionen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) aufgegriffen hat, folgte eine intensive Vorbereitungsarbeit bei meinen Mitarbeitern und mir auf das neue Gebiet. Im Mai unterzeichnete Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gemeinsam mit der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Christine Lüders eine Erklärung für ein diskriminierungsfreies Thüringen.

Neben der Beratungstätigkeit zu Antidiskriminierungsfragen, habe ich vor allem das Gespräch mit vielen Verbänden, Trägern, Vereinen und Organisationen gesucht, die mit dem Thema beschäftigt sind. Zwei Tagungen zur Netzwerkgründung mit den kommunalen Beauftragten und den Verbänden fanden in der zweiten Jahreshälfte statt. Zudem war ich im Oktober eine Woche zu einer Hospitation/Praktikum in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin.

In einem Interview mit der dpa habe ich nun zum Jahresende eine erste Bilanz meiner Arbeit zu Antidiskriminierungsfragen gezogen. In meiner Beauftragtentätigkeit umfasst der Bereich rund ein Drittel der Zeit. In diesem Jahr fand das Themenjahr gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung statt. Im Jahr 2014 wird das Themenjahr gegen Ausgrenzung wegen der ethnischen Herkunft sein. Beides sind auch zwei der vier größten Diskriminierungsmerkmale des AGG. Geschlechstspezifische- und Altersdiskriminierungen finden leider in einem ähnlichen Umfang in unserer Gesellschaft statt. Um Menschen wirkungsvoll helfen zu können und die Diskriminierung in unserer Gesellschaft zurückzudrängen, ist es wichtig Fortbildung zu organisieren und das Thema in die Öffentlichkeit bringen – dies wird auch eine der Herausforderungen 2014 sein.

Jahresfazit zur Antidiskriminierungsarbeit

 

Impuls zum Thema „Generationsübergreifende Arbeit“

Moderationskreistreffen der Mehrgenerationenhäuser, 3. Dezember 2013, Treff MEGEHA, Nordhausen

Generationenübergreifende Arbeit im weiteren Sinne hat es schon immer gegeben, denn ohne dass eine Generation von der anderen lernt und mit ihr zusammenarbeitet, hätte die menschliche Kultur nicht entstehen können. Aber in jüngerer Zeit ist das Miteinander der Generationen komplizierter geworden. Soziologen haben daher vier Generationenmodelle herausgearbeitet.

Das erste wäre das Modell der positiven Interdependenz, der Solidarität zwischen den Generationen, in der ein Vorteil für die eine Generation auch einen Vorteil für die andere Generation darstellt.

Das zweite Model ist die negative Interdependenz, der Generationenkonflikt. Hier prallen die unterschiedlichen Interessen der Generationen hart aufeinander.

Das dritte ist das Modell nicht der Inter-, sondern der Independenz, der Segregation, der getrennten Lebenswelten, so dass die Generationen keine Berührungspunkte mehr mit einander haben.

Und das vierte Modell ist das der Ambivalenz, das annimmt, dass es der Realität eher entspricht, wenn sowohl von positiven als auch von negativen Wechselwirkungen zwischen Generationen ausgegangen wird.

Für generationsübergreifendes Arbeiten könnte ein Denken in solchen Modellen heißen, vom letzten Ambivalenz-Modell auszugehen, das Modell drei und zwei, also Isolation und Konflikt, nicht dominieren zu lassen, und Modell eins, also die Solidarität zwischen den Generationen, anzustreben.

Aber schon die Frage, wie man den Begriff der Generation näher bestimmt, erweist sich als gar nicht so einfach. Aber auch für diesen Fall gibt es ja Professoren. Einer von ihnen, Kurt Lüscher, gibt die folgende Definition:

„Das Konzept der Generation dient dazu, kollektive oder individuelle Akteure hinsichtlich ihrer sozial-zeitlichen Positionierung in einer Bevölkerung, einer Gesellschaft, einem Staat, einer sozialen Organisation oder einer Familie zu charakterisieren und ihnen Facetten ihrer sozialen Identität zuzuschreiben. Diese zeigen sich darin, dass sich Akteure in ihrem Denken, Fühlen, Wollen und Tun an sozialen Perspektiven orientieren, für die der Geburtsjahrgang, das Alter oder die bisherige Dauer der Mitgliedschaft in der jeweiligen Sozietät oder die Interpretation historischer Ereignisse von Belang sind.“

Soviel einfacher hat man es mit einer solchen Definition vielleicht nicht, aber das liegt auch daran, dass der Generationenbegriff recht verschiedene Rollen in unterschiedlichen Zusammenhängen spielt. Soziologen unterscheiden mindestens vier Kontexte, in denen der Generationenbegriff verwendet wird: den genealogisch-familiensoziologischen, den pädagogischen, den historisch-gesellschaftlichen sowie den sozialpolitischen. Man sieht, wenn zwei dasselbe Wort benutzen, müssen sie noch lange nicht dasselbe meinen und haben die besten Voraussetzungen aneinander vorbeizureden.

Wir können uns einen Punkt von Herrn Lüscher näher anschauen. Geburtsjahrgang und Alter werden bei ihm getrennt aufgeführt, was beispielsweise besagt, dass in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft die Großeltern von gestern, von heute und von morgen sehr verschiedene Personengruppen sein können. So gesehen wäre es ein Fehler, wenn man das Bild, das man sich als Kind von den damaligen Großeltern gemacht hat, zum Beispiel unreflektiert auf die heutigen oder zukünftigen Großelterngenerationen überträgt. Dieser Punkt bedeutet auch, dass eine Generation nicht nur von ihrer Stellung in der Generationenfolge, sondern auch sehr stark von ihrer konkreten Zeit geprägt ist, ob wir nun zum Beispiel von der Generation der Kriegskinder oder von der der Babyboomer sprechen.

Dieses Phänomen hat übrigens schon der alte Goethe – im Vorwort zu Dichtung und Wahrheit ‑ beschrieben: „… ein jeder, nur zehn Jahre früher oder später geboren, dürfte, was seine eigene Bildung und die Wirkung nach außen betrifft, ein ganz anderer geworden sein.“

Die Modernisierungsprozesse und die demografische Entwicklung haben heute dazu geführt, dass multilokale Familien entstanden sind, dass oft nur sehr lose oder keine Familienbeziehungen bestehen.

Durch Geburtenrückgang und Abwanderung wird der Zusammenhalt der Generationen in den Familien zunehmend geschwächt. Und daher findet sich in allen Altersstufen eine Tendenz hin zu einer abgeschlossenen Generationenkultur, die nur für die eigene Altersgruppe existiert und damit den Zugang zu anderen Altersgruppen erschwert.

So wurde in einer Studie festgestellt, dass zwei Drittel der 15 – 20-Jährigen keinen oder nur wenig Kontakt zu über 60-Jährigen haben. Aus der Generali-Altersstudie, welche in diesem Jahr veröffentlicht wurde, kann man herauslesen, dass 11 % der 65- bis 85-Jährigen keine Kinder und 24 % keine Enkelkinder haben, 21 % fehlen langjährige Freundschaften und 50 % haben keinen festen Freundes- und Bekanntenkreis.

Hier bietet sich für die Mehrgenerationenhäuser ein breites Betätigungsfeld, um wieder intensiveren Kontakt zwischen unterschiedlichen Generationen zu erreichen und der drohenden Vereinsamung im Alter vorzubeugen.

Interessant ist nur die Frage, ob und wie man auch die wirklich Hilfe-Bedürftigen erreicht. Oder ob sich in Mehrgenerationenhäusern vielleicht mehr die Seniorinnen und Senioren tummeln, die sowieso schon sehr aktiv sind und es auch ohne Mehrgenerationenhaus in ähnlichem Maße wären.

Im Jahr 1999 hat es in Bayern eine Tagung gegeben mit dem Titel: „Erstes, zweites, drittes Lebensalter. Perspektiven der Generationenarbeit“. Mit dieser Tagung verband sich das Anliegen die traditionelle Altenarbeit in Richtung einer Generationenarbeit weiterzuentwickeln.

Dies auch unter dem Ansatz, wegzukommen von einer Haltung, in der allein die Betreuung im Vordergrund steht, hin zu einer Herangehensweise, die mehr Wert auf Prävention, auf Aktivierung und möglichst auch auf eine Öffnung hin zum Gemeinwesen legt.

Mit einer solchen Generationenarbeit sollen die Übergänge zwischen den Lebensaltern erleichtert und der Dialog zwischen den Generationen in Familie und Gesellschaft gefördert werden. Beispiele sind Jung-Alt-Projekte, der Dialog der Generationen, neue generationsübergreifenden Wohnformen oder die Angehörigenarbeit.

Dabei wird die Lebensphase „Alter“ aus generationenübergreifenden Zusammenhängen verstanden und nicht als in sich geschlossene Phase oder gar Sonderform des Lebens betrachtet. Alte Menschen werden als handelnde Subjekte ernst genommen und nicht auf Objektrollen reduziert.

Eine solche Generationenarbeit braucht sicherlich einen „langen Atem“. Manche Verständigungsschwierigkeiten zwischen Alt und Jung lassen sich nicht durch einzelne Projekte oder Events ausräumen. Gerade wenn man sich familienähnlichen Formen annähern will, sind möglichst regelmäßige Kontakte über einen längeren Zeitraum nötig.

Die Generationenarbeit sollte an jenen Themen und Anforderungen anknüpfen, die sich in den bisherigen Arbeitsformen, in der Altenarbeit bzw. der Kinder- und Jugendarbeit ohnehin stellen, z.B. in der Programmgestaltung für Senioren in Mehrgenerationenhäusern und Seniorentreffs, oder in den Lehrplänen und im Projektunterricht in den Schulen.

Bei welchen Motiven und Interessen der potentiellen Adressaten generationenübergreifender Arbeit kann angeknüpft werden?

Es sind die Wünsche nach mehr Kontakt, nach Förderung des Miteinanders, kurz nach sozialer Teilhabe. Oft wird der Wunsch geäußert noch etwas Nützliches tun zu können, mit anderen Worten gebraucht zu werden. Ebenso gibt es Wünsche noch etwas Neues zu erfahren, seinen Horizont zu erweitern, sich zu bilden. Und für manche ist es auch Motivation andere Generationen besser zu verstehen, um so mögliche Konflikte abzubauen.

Für generationenübergreifendes Arbeiten kann man auch nach den Zielgruppen fragen. Aus dem eben gesagten ergeben sich bereits sowohl die Kontakt- als auch die Bildungsinteressierten. Bei denjenigen, die sich nützlich machen wollen, kann man auch fragen, welcher Zielgruppe sie helfen könnten, ob z.B. bei der Unterstützung von Familien, oder Ältere bei der Betreuung von Kindern, siehe Großelterndienste oder Unterstützung bei den Hausaufgaben, oder bei der Förderung von Jugendlichen in Mentoring-Projekten, oder Jüngere bei Älteren, siehe regelmäßige Besuche von Schülern in Senioreneinrichtungen bis hin zu kleinen Hilfen im Haushalt.

Und an dieser Stelle eine letzte Frage für generationenübergreifendes Arbeiten könnte sein, welchen Themen man sich widmen will.

Wo es bereits vielfältige Kontaktmöglichkeiten zwischen Jüngeren und Älteren existieren, ohne dass ein bewusster generationenübergreifender Ansatz dahinter steht, sind der kulturelle und der sportliche Bereich. Aber das heißt ja nicht, dass man diese Gelegenheiten nicht auch „generationsbewusst“ schaffen kann.

Seien es nun Gelegenheiten zum Musizieren, Tanzen, Zeichnen, Modellieren, Theater spielen, gemeinsame Besuche von Museen und Ausstellungen, oder für viele sportliche Aktivitäten, die jetzt nicht einzeln aufführen will.

Ein weiteres Thema könnte die Natur sein, ob nun bei gemeinsamen Exkursionen oder beim gemeinsamen Gärtnern. Wobei Älteren zum Beispiel der Bau von Hochbeeten sehr entgegenkommen könnte.

Von der Generation der Kriegskinder hatte ich bereits gesprochen. Zeitzeugenprojekte können zu sehr intensiven und interessanten Dialogen zwischen den Generationen führen.

Wie unterschiedliche Generationen gemeinsam aktiv Freizeit gestalten, dazu sind der Phantasie letztlich keine Grenzen gesetzt. Das kann auch gemeinsames Kochen heißen. Bei einem Zeitzeugenprojekt in Saalfeld hat es sowohl die Älteren als auch die Jüngeren sehr berührt, gemeinsam Kriegs- und Nachkriegsgerichte zu kochen und dann auch gemeinsam zu essen. Solche Projekte setzen allerdings auch ein gewisses Maß an professioneller Begleitung voraus, damit Ältere vor zu starken Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bewahrt werden.

Ein weiteres Thema wäre die Nutzung von Medien. Hier können die Jüngeren den Älteren die Nutzung der neuen Medien vorstellen. Die Thüringer Landesmedienanstalt oder der Landesfilmdienst haben auf diesem Gebiet auch das eine oder andere Angebot.

Abschließend will ich sagen, generationenübergreifende Arbeit ist für mich dann gut, wenn sie dazu beiträgt, Lebensqualität zu steigern, verfestigte Einstellungsmuster aufzubrechen, Konflikte zu minimieren und sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Moderationskreistreffen der Mehrgenerationenhäuser

Eingangsbereich des MGH Nordhausen

Als Beauftragter für Zusammenleben der Generationen bin ich unter anderem auch für das Bundesmodellprojekt Mehrgenerationenhäuser II in Thüringen zuständig. Diese Woche ist für mich „Themenwoche“ Mehrgenerationenhäuser, also mehrere Veranstaltungen stehen dazu auf dem Terminplan.

Heute besuchte ich zunächst das Moderationskreistreffen der 25 Thüringer Mehrgenerationenhäuser im Mehrgenerationenhaus Nordhausen der LIFT gGmbH. Das Mehrgenerationenhaus Nordhausen gehörte nicht nur zur ersten Generation der Mehrgenerationenhäuser in Deutschland, es war auch das erste Mehrgenerationenhaus, welches ich nach meinem Amtsantritt besuchte.

Mit den Vertreterinnen des Erfurter MGHs

Und es war auch eines der ersten Mehrgenerationenhäuser, welches einen Mittagstisch anbot und damit zum Vorreiter für viele weitere Häuser wurde. Beim heutigen Treffen habe ich einen Vortrag zur Generationenarbeit gehalten. In den MGHs treffen regelmäßig drei der vier Generationen zu gemeinsamen Aktivitäten aufeinander.

Die Vertreter der 25 Thüringer Mehrgenerationenhäuser äußersten sich erfreut darüber, dass die Arbeit der Mehrgenerationenhäuser im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD gewürdigt wird, verbunden mit der Absicht ihre Finanzierung zu verstetigen. Von der Begleit- und Wirkungsforschung erwarten sie sich, dass die Effekte ihrer Arbeit sowohl quantitativ als auch qualitativ erwiesen werden. Morgen geht es nach Berlin zum Bund-Länder-Treffen Mehrgenerationenhäuser im Bundesfamilienministerium. Dann gibt es dann sicher Aktuelles zum Fortbestand des MGH-Programms zu vermelden.

Rede zur Generationenarbeit

 

Senijung – 4. Staffel in Ruhla

Vor der Zertifikatsübergabe

Seit vielen Jahren gibt es das Projekt Senijung vom Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes Landesverband Thüringen e.v. in Bad Salzungen. Das Projekt unterstütze ich als Generationenbeauftragter gerne und war auch schon bei der Zertifikatsübergabe an die Schüler in Bad Salzungen dabei.

Seit nun vier Jahren gibt es nun dem Bespiel aus Bad Salzungen das Projekt auch in Ruhla. Die Schülerinnen die in der 4. Staffel dort im Seniorenheim aktiv waren wurden gestern die Zertifikate übergeben. Gerne bin ich dazu in den Wartburgkreis gefahren. Lobende Worte gab es vom Geschäftsführer des Seniorenheims Ruhla Uwe Kerzmann und vom Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler, der wie sein Vorgänger das Projekt untestützt. An die Adresse der Schülerinnen gerichtet erklärte er ihr Engagement mit dem Goethe-Zitat „Wer nichts für andere tut, tut auch nichts für sich selbst“.

Ich kann dies nur unterstreichen. Die Schülerinnen der 9. Klasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums investierten gerne die Zeit, die sie mit den Seniorinnen des Pflegeheims verbrachten – weil sie damit ihre sozialen Kompetenzen, oder ihre Empathie stärkten.

Eine Schülerin hat bei Senijung sogar gleich mehrfach mitgemacht und wird im nächsten Jahr eine Ausbildung als Pflegefachkraft in dem Seniorenheim beginnen. Alles Gute dem Projekt und vielen Dank auch den Organisatoren und den vier Mentoren.

Ein generatioenüberggreifendes Projekt im wahrsten Sinne des Wortes!

 

Generationsübergreifendes Lernen – Beispiele guter Praxis aus Thüringen

Regionalkonferenz „Bildung Älterer und generationsübergreifendes Lernen“ zur Weiterentwicklung der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung, 14.11.2013, Aula der Volkshochschule Leipzig

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Professor Schöne,

herzlichen Dank Ihnen, dass Sie mich nach gut zwei Jahren erneut in mitteldeutscher Verbundenheit zu einer Ihrer Veranstaltungen eingeladen haben.

Über was reden wir beim lebenslangen Lernen, warum, mit welchem Zweck und wie lange soll lebenslanges Lernen oder Lehren gehen? Auf diese Fragen werde ich bei meinem Vortrag eingehen und auch einzelne Praxisbesispiele benennen.

Wer sich mit dem Thema Lernen beschäftigt, dem fällt früher oder später auf, dass es zu diesem Verb keine Substantivierung mit dem Suffix „ung“ gibt. Es gibt keine Lernung. Die entsprechende zum Lernen passende Substantivierung ist vielmehr das Wort Bildung. Lernen ist kein Selbstzweck, sondern es dient der Bildung.

Ein Mensch kommt nicht fertig, mit angeborenen Fähigkeiten zur Welt, sondern er muss sie erst ausbilden, angefangen vom Laufen auf zwei Beinen und vom Sprechen bis hin zu allen folgenden. Ja, seine ganze Persönlichkeit in allen ihren Facetten bedarf des Ausbildens über viele Jahre. Und selbst in seinen letzten Jahren kann der Mensch noch an Weisheit zunehmen.

Zum Thema Bildung haben uns nun Persönlichkeiten, die in Thüringen gewirkt haben, einiges zu sagen. Wer nach Weimar kommt, der stößt nicht nur auf die Spuren von Goethe und Schiller, sondern auch auf die von Johann Gottfried Herder. In seiner Schrift „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ hat er den Unterschied zwischen bildbaren und bildungsbedürftigen Menschen und instinktgeleiteten und –getriebenen Tieren in dem Satz zusammengefasst:

„Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung.“

Im nächsten Absatz führt er dazu näher aus:

„So ist der Mensch im Irrtum und in der Wahrheit, im Fallen und Wiederaufstehen Mensch, zwar ein schwaches Kind, aber doch ein Freigeborner; wenn noch nicht vernünftig, so doch einer bessern Vernunft fähig; wenn noch nicht zur Humanität gebildet, so doch zu ihr bildbar.“

Dieses „bildbare“, dieses frei formbare der Fähigkeiten und Kenntnisse hat es den Menschen ermöglicht Zivilisation und Kultur zu errichten. So gesehen sind Lernen und Bildung untrennbar mit dem menschlichen Leben verbunden, ja Voraussetzung menschlicher Existenz. Umso bedauerlicher ist, wenn Menschen, ob nun durch negative Erfahrungen in der Schule oder einen zu engen Begriff von Lernen und Bildung diesen engen Zusammenhang mit dem menschlichem Leben in seiner vollen Ausprägung nicht sehen können oder wollen.

Bedauerlich ist es auch, wenn der Begriff des Lernens und der Bildung instrumentalisiert und auf das ökonomisch verwertbare verkürzt wird. Wer ernsthaft die Frage stellen sollte, was es denn für einen Nutzen hat, wenn ein 70-jähriger etwas für seine Bildung tun möchte, zeigt damit nur, dass er offenkundig nicht begriffen hat, was seine menschliche Existenz über das Tierreich erhebt.

Wenn Sie in Erfurt über den Anger zur Thüringer Staatskanzlei gehen, kommen Sie am Haus Dacheröden vorbei. Wissen Sie, wer hier 1791 um die Hand der Tochter des Hauses, Caroline von Dacheröden, anhielt? Es war ein Mann, um den man beim Begriff der Bildung nicht herumkommt: Wilhelm von Humboldt.

Das Humboldtsche Bildungsideal wird heute gern des verstaubten Gelehrtenbegriffs verdächtigt, aber es zielt im Kern auf das Eigentliche des menschlichen Lebens.

Er hat es selbst auf den Begriff gebracht:

Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben.“

Mit anderen Worten: Lernende Aneignung der Welt ermöglicht die Ausbildung und Ausprägung des Menschen. Sie befähigt ihn ein Leben zu führen, dass der Würde des Menschen entspricht.

Aneignen der Welt, Lernen, sich bilden – was steht dem entgegen? Was sind Barrieren des Lernens im Alter?

Herr Professor Schöne, hier kann ich an meine Rede vor zwei Jahren auf Ihrer Veranstaltung in der TU Chemnitz anknüpfen. Ich hatte damals auf die Gefahren der Vereinsamung im Alter hingewiesen. Lernen setzt Begegnung mit anderen Menschen voraus, von und mit denen man lernen kann.

Sollten Sie bisher in meiner Rede ein Goethe-Zitat vermisst haben, so biete ich Ihnen jetzt gleich zwei. Im „Tasso“ lässt Goethe den Antonio sagen:

„Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur das Leben lehret jedem, was er sei.“

Und in einem Brief an die junge Julie Gräfin von Egloffstein schrieb Goethe:

„Seht, liebe Kinder, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nicht aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideenaustausch, durch heitere Geselligkeit müsst ihr lernen.“

Alterseinsamkeit, der fehlende Umgang mit anderen Menschen, steht Lernen und sich bilden eindeutig entgegen. Zu den Faktoren, die zu Alterseinsamkeit führen können und die gesellschaftlich beeinflussbar sind, gehören Altersarmut und Altersdiskriminierung.

Die Europäische Union hatte das Jahr 2012 zum Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen ausgerufen. Und durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes war es zum Jahr gegen Altersdiskriminierung ausgerufen worden. Viele Projekte, Aktionen und Veranstaltungen im vergangenen Jahr zeigten, was alles unternommen werden kann, um älteren Menschen mehr Möglichkeiten zur Teilhabe zu schaffen.

Voraussetzung für Bildungsmöglichkeiten im Alter sind ein Rentensystem, das – wie es so schön heißt – „auskömmliche“ finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um sein Leben auch im Alter eigenverantwortlich gestalten zu können.

Und Voraussetzung ist eine Abkehr von der altersdiskriminierenden Einstellung, Rentner seien Menschen zweiter Klasse, die nur noch eingeschränkt Ansprüche stellen dürften.

Bildungsmöglichkeiten im Alter stehen aber auch individuelle Faktoren entgegen. Jeder kann auch selbst etwas für sich tun. Zur Altersdiskriminierung gehört auch das Klischee von den dementen Alten, die ihrem Alzheimer-Endzustand entgegendämmern. Aber selbst eine Alzheimer-Erkrankung ist kein Schicksal, das man nur passiv hinzunehmen hat.

In den USA hatte sich ein Forscher überlegt, wie er diese Erkrankung am besten in einer Langzeituntersuchung erforschen kann, wie er eine Untersuchungsgruppe findet, die möglichst identische und über viele Jahre stabile Lebensumstände aufweist. Er fand sie in einem Nonnenorden. Die Nonnen waren zwar für ihr Alter überdurchschnittlich fit, aber bei einem Teil der Nonnen fanden sich dennoch die erwarteten Erscheinungen, zunehmende geistige Einschränkungen in den jahrelangen Tests verbunden mit den typischen Eiweißablagerungen, die man bei der Obduktion im Gehirn fand. Aber die große Überraschung war, dass sich bei einem Teil der Nonnen ein Obduktionsbefund ergab, der zum Demenzgrad sechs, zum absoluten Alzheimer-Endstadium, gehörte, obwohl diese Nonnen bei den Tests zuvor keinerlei Einbußen ihrer geistigen Leistungen gezeigt hatten. Der Forscher vertritt seit dem die These, dass nachlassende geistige Fähigkeiten – zumindest teilweise – auf das Konto von Schlaganfällen gehen. Er konnte bei vielen dementen Nonnen nachweisen, dass ihre Gehirne durch mehrere kleine Schlaganfälle gezeichnet waren, zusätzlich zu den bekannten Eiweiß-Ablagerungen. Aber gegen die Gefahr von Schlaganfällen kann man selbst etwas tun, nämlich gesünder leben. Das heißt, viel Bewegung, nicht Rauchen, wenig Alkohol. Ein Lebensstil, der Bluthochdruck und Übergewicht entgegen wirkt, ist auch die beste Schlaganfall-Prophylaxe.

Ein weiterer individueller Faktor ist die Motivation. Der Neurobiologe Gerald Hüther erzählt zum Thema Motivation gern das Beispiel von einem 85-Jährigen Deutschen, der Chinesisch lernen möchte. Und stellt die Frage: Wo und wie wird dieser 85-Jährige es leichter lernen? In einem Kurs an einer Volkshochschule, wie der, in der wir uns befinden – ich habe nachgesehen hier wird Chinesisch angeboten, nachlesbar auf Seite 288 des Bildungskatalogs – oder indem er sich in eine junge, hübsche Chinesin von 75 Jahren verliebt und mit ihr in ein kleines chinesisches Dorf zieht?

Die Frage beantwortet sich natürlich selbst, aber dass ein Neurobiologe sie ernsthaft stellt, wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Es ist eine Erkenntnis erst der jüngeren Zeit, dass auch im Gehirn eines 85-Jährigen sich noch einiges verändern kann. Bis vor wenigen Jahren galt das Gehirn des erwachsenen Menschen als wenig wandelbar.

Dank neuer bildgebender Verfahren wissen wir jetzt aber, dass sich das Gehirn auch im hohen Alter noch umgestaltet, und dass die sogenannte „neuronale Plastizität“ nicht nur eine Erscheinung der Kindheit und Jugend ist. Erst letzte Woche hat der Chef der Uni-Klinik für Neurologie in Jena, dies in einem Interview für die Thüringer Landeszeitung geschildert. Aber dafür, dass sich im Kopf etwas tut, braucht es einen Grund. Und der beste Grund, der zu Lernprozessen motiviert, ist die Begegnung mit anderen Menschen, wie schon Goethe wusste, ob nun mit einer „jungen“ Chinesin oder mit anderen.

Aneignen der Welt, Lernen, sich bilden – wo geschieht das? Wo finden wir geeignete Lernorte? Nicht jeder wird in ein kleines chinesisches Dorf ziehen wollen. Wo sind heute in Thüringen Lernorte für generationsübergreifendes Lernen, Beispiele guter Praxis, wo sich Menschen aktiv begegnen können?

Als erstes denken wir hier an eine Institution, die es überall gibt, wo Menschen leben, ob in Thüringen oder anderswo. Es ist die Institution der Familie. Sie ist und bleibt der primäre Lernort des Menschen. Kinder, die in sicherer Bindung an ihre primären Bezugspersonen ihre ersten Schritte ins Leben gehen können, entwickeln auch das Selbstvertrauen sich ihre Welt aktiv zu erschließen. Was jedoch in geschwächten, gestörten, überforderten Familien versäumt wird, können öffentliche Bildungseinrichtungen kaum auffangen. Daher ist eine Familienpolitik, die Familien unterstützt und stärkt, im Kern auch die beste Bildungspolitik.

Aber nicht alle älteren Menschen haben das Glück, in der Familie Enkel und Urenkel in deren Lernprozessen zu begleiten – und dabei selbst immer noch etwas dazu zu lernen. Entweder hat der Geburtenrückgang, die Unterjüngung unserer Gesellschaft dazu geführt, dass sie erst gar nicht vorhanden sind oder sie sind fortgezogen und es ist das entstanden, was neudeutsch eine multilokale Familie genannt wird.

Wo Familien fehlen, kann man aber dennoch Lernorte für generationsübergreifendes Lernen schaffen. Ich denke hier an die 25 Mehrgenerationshäuser mit ihren generationenübergreifenden Angeboten in Thüringen, 33 gibt es in Sachsen, 22 in Sachsen-Anhalt und bundesweit 450. Hier begegnen sich Jung und Alt und können von- und miteinander lernen. Sie profitieren gegenseitig von ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. In der Programmphase II des Bundesaktionsprogramms Mehrgenerationshäuser, die zu Beginn des letzten Jahres startete, gehört Bildung ausdrücklich zu einem der vier Schwerpunkte. Ich selbst arbeite eng mit den Mehrgenerationenhäusern zusammen und setze mich intensiv für den Erhalt und die nachhaltige Sicherung ihrer Arbeit ein.

Ein dritter beispielhafter Lernort sind für mich die Großelterndienste. Wie wichtig Großeltern für Kinder sind, können Sie übrigens auch bei Goethe nachlesen, er fühlte sich gemeinsam mit seiner Schwester von den Erziehungsprinzipien seines Vaters mitunter etwas überfordert und so schrieb er in „Dichtung und Wahrheit“:

„Vor diesen didaktischen und pädagogischen Bedrängnissen flüchteten wir gewöhnlich zu den Großeltern.“

Aber was sie bei ihren Großeltern erlebten, waren dennoch auch Lernprozesse, wenn auch unterschwellig und informell. Vorbehaltlose Annahme durch Großeltern, ob es nun die „leiblichen“ sind, oder „Leihomas“ oder „-opas“, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Und die Großeltern vermeiden fur sich Alterseinsamkeit und können Erfüllung in neuen Aufgaben finden.

Generationsübergreifende Patenschaftsmodelle gibt es nicht nur in Form der Großelterndienste. Ich denke hier zum Beispiel an die „Leselernhelfer“ bzw. „Lesepaten“. Vertreter der mittleren Generation unterstützen als sogenannte „Familienpaten“ junge Familien oder Alleinerziehende, oder als „Jobpaten“ Arbeitssuchende; junge Menschen unterstützen Kinder im bundesweiten Projekt „Balu und Du“ oder in lokalen Projekten wie dem Erfurter basement e.V., Schüler gehen wiederum in Sozialpraktika in Pflegeheime ebenso wie dies junge Freiwillige im freiwilligen sozialen Jahr tun. All dies sind Lernorte für generationsübergreifendes Lernen.

Inzwischen hat sich auch der Bundesfreiwilligendienst zu einem solchen Lernort entwickelt. Er hat eindeutigen Bildungscharakter. Im Paragraph 1 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes heißt es ausdrücklich:

Der Bundesfreiwilligendienst fördert lebenslanges Lernen.“

und im Paragraphen 4:

„Der Bundesfreiwilligendienst wird pädagogisch begleitet mit dem Ziel, soziale, ökologische, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken.“

Wir haben in Thüringen nicht nur die meisten Bundesfreiwilligen, bezogen auf die Bevölkerung, wir haben auch die ältesten. Nach einer Statistik im September 2013 waren in Thüringen 88 % der Bundesfreiwilligen älter als 27 Jahre, in den alten Bundesländern waren 85 % jünger und nur 15 % älter. Mit einem 82-jährigen Nordhäuser hatten wir in Thüringen auch bundesweit den bisher ältesten Bundesfreiwilligen. Die zahlenmäßig größte Gruppe bilden in Thüringen die 51 – 65 Jährigen. Dies sind in der Regel Menschen, die leider nur noch geringe Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben, die aber das Gefühl haben wollen, gebraucht zu werden und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Für sie bietet der Bundesfreiwilligendienst einen Lernort sich Kompetenzen zu erwerben, der immer wieder auch in einzelnen Fällen dazu führt, dass sie von den Trägern in reguläre Arbeitsverhältnisse übernommen werden.

Lebenspraktisches generationsübergreifendes Lernen findet sich noch an vielen anderen Orten mehr, ich denke hier an Projekte des Generationenwohnens, wie in Arnstadt, oder an die enge Zusammenarbeit von Kindertagesstätten und Seniorenheimen, wie in zwei diakonischen Einrichtungen in Erfurt.

Im Flur vor meinen Diensträumen im Thüringer Sozialministerium hängt eine Fotoausstellung, die Senioren des Erfurter Seniorenschutzbundes gemeinsam mit Erfurter Schülern gestaltet haben. Hier sind Jung und Alt gemeinsam zu sehen, ob beim Musizieren, beim Umgang mit Computern oder bei anderen Vorhaben.

Welche Möglichkeiten sich im Bereich des Sports finden, wäre ein eigenes Redekapitel wert.

Aber ich hoffe, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick – und mehr ist an dieser Stelle nicht möglich – in die vielen Möglichkeiten generationsübergreifenden Lernens geben konnte.

Was hatte Goethe im Brief an Julie von Egloffstein als idealen Lernort beschrieben?

„Heitere Geselligkeit“ – die wünsche ich Ihnen bei dieser heutigen Tagung, ebenso wie bei noch vielen weiteren Gelegenheiten in Ihrem Leben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Runder Tisch und Netzwerktreffen zum Thema Antidiskriminierung

Beratung im INSA-Haus

Als zentraler Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung zum Thema Antidiskriminierung hatte ich bereits vor knapp einem Monat, am 18. Oktober 2013, zu einem Runden Tisch „Thüringen diskriminierungsfrei“ Vertretern von Verbänden und Vereinen, die auf der Landesebene in der Antidiskriminierungsarbeit aktiv sind in das Sozialministerium eingeladen.

Gestern schloss sich nun eine Beratung der kommunalen Verantwortlichen für Antidiskriminierungsfragen mit den vier Landesbeauftragten im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit im INSA-Haus in Erfurt an. Auf beiden Veranstaltungen standen die weitere intensivere Vernetzung der Teilnehmer und die bessere Information der Öffentlichkeit über die Beratungsmöglichkeiten bei Fällen der Diskriminierung im Vordergrund.

Ein wesentlicher Themenschwerpunkt des nächsten Jahres wird die Arbeit gegen Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft sein. Übereinstimmend wurde auch die Forderung nach weiteren Fortbildungsmöglichkeiten  zum Thema Antidiskriminierung formuliert. Die Bundesantidiskriminierungsstelle, in der ich vor vier Wochen für eine Woche hospitieren konnte, hat sowohl die gestrige Tagung inhaltlich und mit Informationsmaterial unterstützt, als auch die fachliche Begleitung der Fortbildung zugesagt. Bernhard Franke und Frau Dr. Wutzo erläuterten zudem die Aufgabenfelder der ADS.

Wir haben uns sowohl mit dem ruden Tisch der Vereine und Verbände, als auch mit den Kommunalvertretern auf einen halbjährlichen Beratungsrythmus verständigt. Erfreulicherweise sind sich alle handelnden Akteure einig und wir arbeiten gemeinsam an dem Ziel Thüringen dirkriminierungsfrei zu gestalten. Wenngleich dieses Ziel sicher nie gänzlich erreicht werden kann ist es notwendig den Weg engagiert zu beschreiten.

Kommunen, Land und Bund – mit gemeinsamem Engagement gegen Diskriminierung

Auf Einladung des zentralen Ansprechpartners für Antidiskriminierung, Michael Panse, trafen sich am 12. November 2013 die kommunalen Verantwortlichen für Antidiskriminierungsfragen mit den vier Landesbeauftragten im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit.

In Thüringen gibt es derzeit 114 kommunale Ansprechpartner (überwiegend allerdings im Ehrenamt und in Teilzeitmodellen) für die Themengebiete Gleichstellung, Ausländerfragen bzw. Integration, Menschen mit Behinderungen und für Senioren. Ihre Vernetzung mit den Landesbeauftragten, Johanna Arenhövel für die Gleichstellung von Frau und Mann, Petra Heß für Ausländer, Dr. Paul Brockhausen für Menschen mit Behinderungen und Michael Panse für das Zusammenleben der Generationen, und untereinander standen im Mittelpunkt der Tagung. Gemeinsam mit Vertretern der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde beraten, wie gemeinsam gegen Diskriminierung in Thüringen vorgegangen werden kann. Die Vorträge von Dr. Petra Wutzo und Herrn Bernhard Franke von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellten die Arbeit ihrer Einrichtung vor und gaben Impulse für die Netzwerkarbeit in Thüringen.

Michael Panse resümierte: „Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, müssen schnell kompetente Beratung finden können. Dafür ist die bessere Vernetzung von Beratungsstrukturen eine wichtige Voraussetzung. Wie bereits das Vernetzungstreffen mit landesweit agierenden Verbänden und Vereinen im Oktober, war das heutige Treffen der Beauftragten auf diesem Weg ein wichtiger Schritt. Wir – als kommunale und Landesbeauftragte – haben heute vereinbart, im kommenden Jahr gemeinsam den Themenschwerpunkt Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft stärker in den Mittelpunkt zu rücken. In der aktuellen Bundestatistik erfolgten 24,6 % der Meldungen aufgrund dieses Diskriminierungsmerkmals. Dies wird nur durch die Meldungen im Bereich Menschen mit Behinderungen in Höhe von 28,5 % übertroffen. Übereinstimmend diagnostizierten die Teilnehmer des Treffens erheblichen Fortbildungsbedarf. Daher wird auch dies Schwerpunkt in den kommenden Monaten sein. Die Netzwerktreffen sollen künftig zweimal jährlich stattfinden.“

Informationen zu Antidiskriminierung in Thüringen sind zu finden unter:

http://www.thueringen.de/th7/antidiskriminierung/medieninfo/

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Die Preisträgerinnen in Jena

Irgendwie passt das gerade ganz gut zusammen. Gestern und heute war ich bei der Eröffnung von zwei Fotoausstellungen in Jena und Erfurt dabei und Fotografieren ist für mich seit nun schon 35 Jahren eine Leidenschaft und allein in meinem Flickr-Archiv habe ich genau 1.000 Fotoalben mit über 37.000 Bilder hochgeladen.

Die Fotoausstellung in Jena habe ich als Generationenbeauftragter gerne unterstützt und gestern die ersten drei Preise verliehen. Die Stadtverwaltung Jena, der Seniorenbeirat und die beiden Mehrgenerationenhäuser haben seit dem Tag der Generationen für das Projekt geworben. Der aufmerksame Blick durch den Sucher fing Momente ein in denen sich die Generationen begegneten. Einen Monat lang werden die Bilder im Pflegestützpunkt in der Goethe-Galerie zu sehen sein.

Im Anger 1

Einem anderen Thema widmete sich die Fotoausstellung im Anger 1 in Erfurt. Die AWO in Thüringen ist Träger für das Bundesmodellprojekt „Männer in Kitas“. 11 der über 16.000 Männer in deutschen Kitas wurden für die Fotoausstellung porträtiert.

Bundesweit wird um Männer in dem ehemals typischen Frauenberuf geworben. Die prozentual höchste Quote hat Hamburg mit 9,9 Prozent Männern in Kitas. Sozialministerin Heike Taubert sagte bei der Ausstellungseröffnung, das mehr für das Image und die Bezahlung getan werden müsse um den Beruf attraktiver zu machen. Ich hoffe die Ausstellung trägt dazu bei. Bis zum 16.11. ist sie zu sehen.

„Auf neuen Wegen in die Pflege“

Das Podium in Zeulenroda

Der Titel des Diskussionsforums der Konrad Adenauer Stiftung in Zeulenroda machte deutlich, dass auch die Pflegesituation in Thüringen nach neuen Antworten auf drängende Fragen fordert. Im Rathaus von Zeulenroda diskutierte ich dazu mit Praxis- und Fachexperten und einem interessierten Publikum.

Der Bonner Architekt und langjährige Mitarbeiter des Kuratoriums für Altenhilfe Holger Stolarz stellte Konzepte für Wohnen, Soziales und Pflege im Quartier vor. Derzeit werden bundesweit rund 4 Prozent der Betroffenen in neuen Wohn- und Betreuungsformen betreut, in Thüringen sind es deutlich weniger. Als Generationenbeauftragter habe ich erläutert warum dies so ist und warum wir auch diese neuen Wege brauchen.

Das A und O im Alter ist für die Betroffenen, dass sie im Alter selbstbestimmt und geistig sowie körperlich mobil bleiben. Neben der Angst vor Altersarmut dominiert die Angst vor Einsamkeit im Alter. Wir haben eine gute Pflegeinfrastruktur – aber nach meinem Eindruck schafft auch hier das bestehende Angebot auch weitere Nachfragen. Richtig wäre es aber, dass die Angebote den Bedarfen und Bedürfnissen folgen und dazu muss man zunächst fragen, was sich die Menschen im Alter wünschen.

Der Wunsch in stationären Pflegeeinrichtungen betreut zu werden, kommt dabei nur sehr nachrangig. Lediglich 15 Prozent der 7o-Jährigen wollen in einem Pflegeheim betreut werden. Tatsächlich allerding werden von den Pflegebedürftigen rund ein Drittel in stationären Pflegeeinrichtungen betreut. 3,4 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer sind pflegebedürftig – dies sind derzeit 82.300 Menschen. 22.500 von ihnen werden in rund 390 Pflegeheimen betreut. Diese Zahl ist kontinuierlich von 17.500 vor 10 Jahren über 20.500 im Jahr 2009 gestiegen.

Dies hängt nach meiner Auffassung auch sehr mit der Zahl der Einrichtungen zusammen. 270 der Pfelegeheime wurden seit 1990 neu gebaut oder grundlegend saniert. Dies war dringend notwendig, weil die bauliche Situation der Pflegeheime zur Wendenzeit ein Skandal war. Vier- und Achtbettzimmer waren die Regel. Mit millionenschweren Förderprogrammen haben Land und Bund reagiert. So notwendig dies war, hat es doch den Blick verstellt, auf neue Wege der Pflege. In den alten Bundesländern wurde Mitte der neunziger Jahre schon darüber diskutiert wie neue Wohnformen aussehen sollen. Wir ziehen jetzt endlich nach – auch das Gesetz für neue Wohnformen soll nun endlich in Thüringen kommen.

Ein weiterer nicht unwichtiger Punkt für die vielen stationären Pflegeheimplätze ist der Mangel an altengerechtem und barrierefreien Wohnraum in Thüringen. 5.000 barrierearme Wohnungen fehlen jährlich in Thüringen sagt der Wohnungswirtschaftsbericht. Aber zugleich gibt es durch den demografischen Wandel auch zehntausende Wohnungen zuviel im Freistaat. Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich, dass es Wohnungsneubauprogramme geben wird. Es wird also darum gehen, wie wir die bestehenden Wohnungen barrierearm umbauen kann, um den Menschen einen längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und dies auch in der Pflegesituation.

Es gibt hierfür interesannte Ansätze. Mit der KOWO in Erfurt, aber auch mit einem Projekt der Handwerkskammer in Eisenach bin ich dazu intensiv im Gespräch. Im Mittelpunkt des Agierens muss das Interesse der Menschen stehen!

Einen weiteren wichtigen Punkt habe ich in die Diskussion eingestreut und dies ist die notwendige Verantwortungsgemeinschaft der Familien in unserer Gesellschaft. Rund 90.000 Kinder unter sechs Jahren haben wir in Thüringen, die nicht weil sie klein sind nicht nur betreuungs- sonder auch pflegebedürftig sind. Berechtig gibt es eine intensive Diskussion, wie sie betreut und gefördert werden können. Berechtigt wird auch darüber diskutiert, wie groß auch die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder ist. Selbstverständlich ist die Diskussion auch auf der anderen Altersseite des Lebens zu führen mit der Verantwortung von Kindern für ihre Eltern. Über die Hälfte der Pflegebedürftigen werden in Thüringen von Angehörigen ohne Hilfe von Pflegediensten versorgt.

Das Forum, moderiert vom Chefredakteur der OTZ Ullrich Erzigkeit, bot gute Diskussiosanregungen. Ich freue mich, dass die Diskussion weiter gehen wird.

Thüringen bei Bundesfreiwilligendienst Spitze

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generation, Michael Panse, hat heute in Erfurt über die Entwicklung des Bundesfreiwilligendienstes in Thüringen informiert.

Michael Panse sagte: „Ich freue mich, dass der Bundesfreiwilligendienst in unserem Freistaat so gut angenommen wird. Der Aufwärtstrend in der Entwicklung der Freiwilligenzahlen hält an. Das verdeutlicht die Statistik für den Monat September. Von den bundesweit gemeldeten 43.584 Freiwilligen entfallen zwar nur 2.934 auf Thüringen. Aber mit inzwischen 135 Freiwilligen auf 100.000 Einwohner liegt Thüringen auf dem Spitzenplatz weit vor dem bundesdeutschen Durchschnitt von 54 Freiwilligen.“

Laut Generationenbeauftragten liegt Thüringen damit auch im Vergleich mit anderen Flächenländern deutlich vorn. „Auch der Durchschnitt der ostdeutschen Flächenländer von 119 Freiwilligen auf 100.000 Einwohner wird damit klar übertroffen. Zudem sind die ostdeutschen Länder durch einen höheren Anteil älterer Freiwilliger stärker vertreten. In den absoluten Zahlen schließt Thüringen mit 2.934 Freiwilligen fast auf Bayern auf, das mit 3.005 Freiwilligen nur auf 24 Freiwillige pro 100.000 Einwohner kommt“, sagte Michael Panse.

Für Panse sind die Zahlen ein eindrucksvoller Beleg für das hohe Engagement der Thüringerinnen und Thüringer Freiwilligen und aller mit dem Bundesfreiwilligendienst in Thüringen befassten Mitarbeiter bei den Trägern und Einsatzstellen im Dienste des Allgemeinwohls. „Der Bundesfreiwilligendienst ist als ,Nachfolger‘ des Zivildienstes in kurzer Zeit, trotz der anfänglich verbreiteten Skepsis, ein Erfolgsmodell geworden, dass nicht nur jungen Männern, sondern auch Frauen und Älteren reiche Möglichkeiten bietet, sich für vielfältige Aufgaben in unserer Gesellschaft einzusetzen“, sagte Michael Panse.