Israel

30 Jahre Israel-Reisen – Pilgerreise der CDU Thüringen

Unsere Pilgergruppe an der Verkündigungsbasilika in Nazareth

Warum ich das immer wieder mache? Die Antwort ist einfach. Ich organisiere immer wieder Reisen nach Israel, weil ich bei meiner ersten Reise ins Heilige Land vor genau 30 Jahren von dem Land und den Menschen begeistert war und dort immer wieder hin will. Vor allem möchte ich aber auch andere Menschen begeistern und motivieren selbst und mit Freunden nach Israel zu fahren.

1992 habe ich für 42 Mitglieder der Jungen Union Thüringen meine erste Israel-Reise organisiert. Danach folgten viele weitere für die Junge Union, die Landeszentrale für politische Bildung und privat. 2009 habe ich mit meiner Abgeordnetenkollegin Annette Lehmann bereits eine Pilgerreise für die CDU Thüringen organisiert und in diesem Jahr war es wieder einmal höchste Zeit.

51 Pilger machten sich am 30. September unter Leitung unseres stellevertretenden Landesvorsitzende Christian Hirte, MdB auf den Weg. Neben dem Bundestagsabgeordneten Michael Brand waren auch der ehemalige Sozialminister Frank-Michael Pietzsch, der ehemalige Staatssekretär Heinz-Günther Maaßen, der Landtagsabgeordnete Christoph Zippel sowie die stellvertretende CDU Kreisvorsitzende aus Erfurt Regina Polster sowie viele CDU-Mitglieder aus ganz Thüringen dabei.

Eine Gruppe von 11 Reiseteilnehmern ist von Leipzig über Frankfurt nach Tel Aviv geflogen, die anderen 41 sind in Frankfurt hinzu gekommen. Problemlos klappte der Lufthansaflug und wir landeten am Abend in Tel Aviv. Von Unserer Reiseleiterin empfangen und begrüßt ging es direkt mit unserem Busfahrer Monir nach Nazareth in das Hotel Golden Crown. da Freitagabend schon der Shabbat begonnen hatte waren die Straßen leer und das erste Abendessen besonders üppig.  (Bilder des Anreisetags)

Dalmanuta am See Genezareth

Unser dichtes Programm am ersten Tag begann am Samstagmorgen mit einem katholischen Gottesdienst in Dalmanuta am See Genezareth. Priester Bruder Jonas fand in der wunderbaren Atmosphäre mit Blick auf den See die richtigen Worte, um uns auf unsere Pilgerreise einzustimmen. In der Brot-Vermehrungs-Kapelle in Tabgha aber auch an vielen anderen Orten unserer Reise haben wir aus der Bibel gelesen. In der Kapelle auf dem Berg der Seligpreisungen auch gesungen. Dank sechs Kirchenchormitgliedern aus der Rhön habe wir immer auch eine wunderschöne musikalische Begleitung gehabt. Im Pilgerhaus in Tagbha wurden wir vom Leiter Herrn Dr. Röwekamp empfangen und es gab den Petrusfisch und eine Badepause (bei knapp 40 Grad eine willkommene Abkühlung). Kafernaum rundete den Besuch der heiligen Stätten am See ab, bevor wir auf eine Bootstour ab Ginossar auf den See Genezareth gingen. (Bilder vom See Genezareth und den heiligen Stätten)

Schon früh am Morgen waren wir am Sonntag in der Verkündigungsbasilika in Nazareth. Die größte Kirche des Nahen Ostens fasst mehrere tausend Gläubige und die Gemeinde besteht überwiegend aus arabischen Christen. ich erinnere mich noch gerne an den katholischen Gottesdienst dort in arabischer Sprache, als ich vor drei Jahren Gründonnerstag mit meinen Söhnen dort war. Von Nazareth ging es in eines der schönsten Naturbäder der Welt. In Sachne gibt es mit Gan haSchloscha ein Naturbad mit künstlichen Wasserfällen und stets gleichbleibend 27 Grad dank der dort entspringenden Quelle. Für den Besuch an der Taufstelle haben wird dieses Mal wieder das vermutliche Original gewählt. In Tiberias gibt es am See Genezareth zwar die touristisch gut ausgebaute Taufstelle, aber mit großer Wahrscheinlichkeit ist der richtige Ort in der Jordansenke auf dem Weg nach Jerusalem direkt an der Grenze zu Jordanien. Qasr al-Yahud heißt der Ort nahe bei Jericho und wurde anlässlich des Papst-Besuchs ausgebaut.

An der Jordantaufstelle

Weiter ging es über 800 m hoch nach Jerusalem in unser Hotel Grand Court im Ostteil der Stadt nahe des Damaskustores. Gleich drei spannende Gesprächsrunden hatten wir zur aktuellen politischen Situation. Mein Freund Arye Sharuz Shalicar diskutierte mit uns über seine Bücher „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ und „Shalom Habibi“. Die Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung begrüßte uns und der ZDF-Studioleiter Israel Michael Bewerunge briefte uns zur aktuellen Lage. Anschließend hatten wir nach dem Abendessen noch einen Vortrag von Steven Höfner, Leiter der KAS in Ramallah, zur Situation in den palästinensischen Gebieten. (Bilder aus Nazareth, Gan haSchloscha, der Taufstelle und der Diskussionsrunden)

Bei der KAS

Yad Vashem, die Holocaustgedenkstätte, steht immer an erster Stelle im Besuchsprogramm in Jerusalem und dies gerade auch am Tag der Deutschen Einheit. Wir haben nach der Führung durch die Gedenkstätte einen Kranz in der Gedenkhalle niedergelegt und sehr nachdenklich den Tag begonnen. Nach der Mittagspause in der Mamila-Mall waren wir am Nachmittag und frühen Abend im Adenauer-Konfererenzzentrum Mishkenot Shaananim zu Gast. Zusammen mit anderen Gästen der KAS Israel diskutierten unsere beiden Bundestagsabgeordneten mit Dr. Gil Yaron (Leiter des Landes NRW für Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur in Israel) sowie Prof. Gisela Dachs (DAAD-Center for German Studies, The Hebrew University of Jerusalem) unter Moderation von David Vitzthum (ICFR Board Member, Former Foreign Affairs Editor, Israel TV) über das deutsch-israelische Verhältnis. Beim anschließenden Empfang habe ich mich gefreut auch Lea Fleischmann und ihren Sohn Arie Rosen wieder zu treffen. (Bilder aus Yad Vashem und von der KAS-Veranstaltung)

Auf dem Dach des Hospizes

Die heiligen Stätten in der Altstadt beanspruchen immer mindestens einen ganzen Tag und da wir zudem wieder mehrere Gesprächsrunden auf dem Programm hatten wurde auch der Donnerstag besonders intensiv. Die Via Dolorosa, der Leidensweg Jesu zieht sich mit seinen Stationen quer durch die Altstadt bis zur Grabeskirche. Wie es um die Situation der Christen im Heiligen Land steht haben wir nach der Mittagspause im Österreichischen Hospiz in dem dortigen wunderschönen Salon mit Pater Nikodemus (Dormitio Abtei) diskutiert. Leider leben nur noch wenige Christen in Israel und inzwischen gibt es fast mehr Kirchen als einheimische Christen. Zwar kommen jährlich Millionen Christen nach Israel, aber die Gemeinden werden immer kleiner. Von der Dachterrasse konnten die wunderschöne Aussicht auf Jerusalem genießen – die wichtigsten Stätten von drei Religionen sind dort in unmittelbarer Nähe und vom Dach des Hospizes greifbar. Im Paulus-Haus, einer traditionsreichen christlichen Pilgerstätte am Damaskustor wurden wir vom Leiter Prof. Dr. Ralf Rothenbusch begrüßt und hatten wir noch ein weiteres Gespräch. Oliver Owcza (Leiter des Deutschen Vertretungsbüros in Ramallah) erläuterte uns detailliert die Probleme zwischen Israelis und Palästinensern. Vom Dach des Paulus-Hauses blickt man weit über die Stadt, aber auch auf das Geländer der benachbarten Schmidt-Schule, einer deutschen Schule in der palästinensische Mädchen unterrichtet werden. Da bereits am Vorabend des Yom Kippur der Feiertag beginnt, waren wir in dem arabischen Restaurant Lamsa zum Essen. (Bilder aus der Altstadt)

Yom Kippur an der Klagemauer

An Yom Kippur, dem höchsten und wichtigsten Feiertag der Juden, stehen in Israel sprichwörtlich alle Räder still. Die Juden fast am Versöhnungstag, es fährt kein Auto und alles hat zu (ausgenommen einige Kirchen und einige arabische Geschäfte). Auf der breiten Straße vor unserem Hotel, wo sonst permanenter dichter Verkehr ist, spielten die Kinder. Für unsere Gruppe war der ruhige Tag eine gute Gelegenheit, um in Jerusalem zu sich selbst zu finden. Lange Spaziergänge durch die ruhige Stadt, der Besuch am Gartengrab und der Weg zur Klagemauer gehörten zu den Aktivitäten des Tages, bis am Abend das Leben in die Stadt zurück kehrte. Auf einen arabischen Kaffee und einen selbstgepressten Granatapfelsaft war ich bei einem alten Freund am Damaskustor. Der Eigentümer vom Cafe Rimon Himo begrüßt mich seit 2009 immer überschwenglich und ich bekomme jedes Jahr eine Widmung in arabischer Sprache in mein Reisetagebuch. Eine beeindruckende Sammlung von guten Wünschen ist da bereits zusammen gekommen. Der Hotelpool hatte übrigens an Yom Kippur auch geschlossen – überraschenderweise aber war das Fitnessstudio offen. (Bilder von Yom Kippur)

Masada

Der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel überstrahlt die Silhouette Jerusalems. Für die Muslime ist er eine ihrer wichtigsten heiligen Stätten zusammen mit der Al Aqsa Moschee ist er auf dem Tempelberg oberhalb der Klagemauer und die beiden Religionen treffen aufeinander. Wir konnten den Tempelberg besuchen – allerdings nur am frühen Morgen. Alle christlichen oder jüdischen religiösen Symbole sind auf dem Berg verboten. Auch bei der Kleiderordnung und Fotos achten die Religionswächter genau auf die Einhaltung von Regeln. Nach dem Besuch des Tempelberges ging es für uns an das Grab Oskar Schindlers. Auf einem Friedhof Franziskaner unweit der Altstadt ist der am 9. Oktober 1974 verstorbene Retter von über 1200 Juden begraben. Der weitere Tag fand wieder in der Wüste statt – bei Temperaturen jenseits der 35 Grad. Masada, die legendäre Felsenfestung am Toten Meer, kann heute mit der Seilbahn bequem erreicht oder über den Schlangenpfad erklettert werden. Vor einigen tausend Jahren spielte sich hier aber ein Drama ab, welches Stoff für einen legendären Hollywood-Film bot. Von Masada ging es für uns nach En Bokek ans Tote Meer. Der dortige Sandstrand lädt zum Verweilen ein und natürlich auch zum schwerelosen schweben auf dem Wasser des Toten Meeres. Nach der Rückkehr nach Jerusalem ging es für einen Teil der Reisegruppe noch in das Notre Dame Rooftop. Von dort hat man einen spektakulären Blick über die Stadt. (Bilder vom Tempelberg, dem Grab Oskar Schindlers, Masada und dem Toten Meer)

Tel Aviv Beach

Tel Aviv ist ganz anders als Jerusalem. Die Stadt ist hip und modern und dicht bevölkert von vielen jungen Menschen und Startup Unternehmen. Es ist aber auch die weltweit teuerste Stadt und dies merkt man auch. Generell ist Israel ein teures Land geworden. Dies liegt am deutlich schwächer werdenden Euro. Vor 10 Jahren lag der Wechselkurs bei 1 Euro – 5,7 Schekel heute ist das Verhältnis 1 : 3,4. Tel Aviv ist aber ein must-see und deshalb ging es am vorletzten Tag unserer Reise in die Stadt am Mittelmeer. Das Peres Center for Pease & Innovation stand zuerst auf unserem Besuchsprogramm. Tolle innovative Firmen und Produktideen werden dort präsentiert. In keinem Land auf der Welt gibt es so viele Startups. Wie überall sind nur wenige erfolgreich, aber jedes Scheitern zählt als neue Erfahrung. Alt-Jaffa mit seinem Hafen und dem Künstlerviertel haben wir zu Fuß entdeckt – inklusive der wunderschönen Foto-Skyline von Tel Aviv.

Tel Aviv Beach

Die Mittagspause im Sarona-Market in der ehemaligen deutschen Kolonie führte uns noch einmal durch die ganze Vielfalt kulinarischer Genüsse Israels. Die kleinen typisch deutschen Häuser inmitten der Hochhäuser Tel Avivs stehen unter Denkmalschutz, ebenso wie die vielen Bauhaushäuser von Tel Aviv, wegen derer die Stadt den Beinamen die weiße Stadt trägt. Ein Besuch in Tel Aviv ist aber ohne den sensationellen Strand nicht komplett. Auffallend war am Strand – aber auch sonst in Israel das Körperbewusstsein der Israelis. Alle zweihundert Meter ein öffentliche Fitnessstudios, die auch genutzt werden und jeder ist am Strand in Bewegung und spielt Ball oder Matkot. Zurück in Jerusalem waren wir noch zum Shabbat-Empfang an der Klagemauer. (Bilder aus Tel Aviv)

Gottesdienst in der Himmelfahrtskirche

Unsere Pilgerreise haben wir mit einem katholischen Gottesdienst am See Genezareth begonnen und am letzten Reisetag einen evangelischen Gottesdienst mit Pfarrerin Anne-Kathrin Kruse in der Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg. Die Turmbesteigung mit über 200 Stufen führte zu einem tollen Ausblick auf die Wüste Juda und auf der anderen Seite auf Jerusalem. Dazwischen hängen im Glockenturm Glocken aus Apolda, die wie wir den langen Weg ins Heilige Land gereist sind – allerdings schon vor über 100 Jahren. Vom Ölberg ging es danach weiter zu der kleinen Kirche Dominus Flevit und schließlich in den Garten Gethsemane.

Mit dem Bus führte uns die Tour durch die Mauer nach Bethlehem und nach dem Mittagessen zu einem kurzen Zwischenstopp am Walled Off, dem von Banksy gestalteten Hotel. Die Besichtigung des keinen Museums musste ausgesprochen schnell erfolgen, da unsere Fahrt weiter ging. Die Kunstwerke von Banksy sind zwar weltberühmt, aber im Kontext des israelisch-arabischen Konflikts auch ausgesprochen umstritten, da ihnen antisemitische Züge vorgeworfen werden. Banksy und die Mauer

Banksy und die Mauer

An der Mauer zwischen Bethlehem und Jerusalem ist dieser Konflikt überdeutlich – allerdings dient diese Mauer dem Schutz Israels. Wie dringend dies notwendig ist zeigte gerade unser letzter Besuchstag, an dem eine 18jährige israelische Soldatin von einem Palästinenser an einem der Grenzübergänge erschossen wurde. In Bethlehem besuchten wir die Geburtskirche mit der Geburtsgrotte. Von dort geht jedes Jahr zu Weihnachten das Friedenslicht in alle Welt. Nichts wünschen sich die Menschen in Israel mehr, als in Frieden zu leben. Aber es scheint noch ein langer Weg dahin.

Die Knesset

Ganz zum Schluss unserer Reise ging es noch zur Knesset, dem israelischen Parlament. Weil wir eine politisch interessierte Gruppe waren, stand für uns natürlich der Besuch in der Knesset und ein Gespräch mit Abgeordneten oben auf der Wunschliste Leider wurde daraus nichts, da die Knesset wegen der Feiertage geschlossen ist und die bevorstehenden Wahlen auch die Abgeordneten binden. Man darf gespannt sein, ob diese Wahlen eine klare Mehrheit und stabile Regierung bringen. Die letzten vier Wahlen schafften dies nicht. (Bilder vom Ölberg, Garten Gethsemane, Bethlehem und der Knesset)

Ein letzter Blick aus dem Hotel Grand Court

Der Heimreisetag hatte keine Programmpunkte mehr, aber wurde trotzdem ein langer Tag. Der größere Teil der Reisegruppe hatte bereits einen frühen 8 Uhr-Flug von Tel Aviv nach Frankfurt. Durch die bevorstehenden Feiertage (Sukkot) war aber am Flughafen größerer Betrieb zu erwarten und dadurch mussten die Fluggäste schon vier Stunden vor Abflug am Ben Gurion Airport sein und somit 3 Uhr vom Hotel aus starten. Die anderen 12 Reiseteilnehmer hatten Glück. Da es erst um 11 Uhr zum Flughafen ging blieb noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Altstadt. Allerdings starte der Flieger erst mit einstündiger Verspätung und so wurde der Tag sehr lang. (Bilder vom Heimreisetag)

Ein großes Dankeschön an alle, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben – unsere Reiseleiterin in Israel Michal, der Busfahrer Monir, dem Leiter vom Reisebüro Scuba-Reisen Gilad Riedl, der Leiterin der deutschsprachigen Abteilung von SarEl-Tours in Jerusalem Daniela Epstein, der KAS in Israel und Ramallah, allen unseren Gesprächspartnern und meiner Co-Reiseleiterin Nathalie Herberger.

Jede meiner vielen Israel-Reisen war beeindruckend – deshalb will ich ja auch immer wieder hin. Bei dieser Reise stand das Pilgern im Vordergrund und es war wunderschön, dass wir an vielen Orten aus der Bibel gelesen haben, Lieder gesungen haben und Gottesdienste feiern konnten. Als Christen dürfen wir glücklich sein, dass wir das Heilige Land besuchen und die christlichen Stätten sehen konnten. Generationen vor uns konnten davon nur träumen.

Bei unseren jüdischen Schwestern und Brüdern lautet einer der Wünsche „Nächstes Jahr in Jerusalem“ – dies wünsche ich allen Menschen. Ich hoffe, dass von unserer Reise viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert zurück gekommen sind und Freundinnen und Freunden von diesem Land erzählen. Ich freue mich auf „nächstes Jahr in Jerusalem“ – ich plane gerade eine Reise im März und eine im November 2023.

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Jahr (wieder) in Jerusalem…

Immer wieder wunderschön

בשנה הבאה בירושלים

L’Shana Haba’ah B’Yerushalayim – „Nächstes Jahr in Jerusalem“ ist der bekannte Wunsch und er wird hoffentlich auch zum 18. Mal für mich im September in Erfüllung gehen. Pünktlich zu Ostern konnten wir in dieser Woche die Einladungen zur Pilgereise der CDU Thüringen nach Israel verschicken. In gut fünf Monaten werden wir mit 40 – 80 Mitreisenden ins Heilige Land fahren. Die Anmeldeunterlagen gehen in diesen Tagen allen CDU-Mitgliedern in Thüringen per Mail oder auf dem Postweg zusammen mit dem Osterbrief des CDU Landesvorsitzenden Christian Hirte zu.

Vor einem halben Jahr hatte ich in einem Gespräch mit Christian Hirte und seiner Stellvertreterin Beate Meißner angeregt, dass wir eine solche Reise für unsere Mitglieder anbieten und ich sie für die CDU ehrenamtlich organisieren würde. Ich freue mich, dass dies nun alles geklappt hat und wir mit dem Reisebüro Scuba-Reisen in Deutschland und Sarel-Tours in Israel eine 10tägige Reise vorbereitet haben, bei der wir die heiligen Stätten in Nazareth, am See Genezareth, in Jerusalem und in Bethlehem besuchen werden. Geplant sind auch mehrere Gottesdienste.

Massada, das Tote Meer, Yad Vashem und Tel Aviv stehen ebenfalls auf dem Programm. Da wir über den 3. Oktober in Israel sein werden, ist zudem eine große Veranstaltungen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung geplant und falls es möglich ist, werden wir auch bei einer Veranstaltung der Deutschen Botschaft zum Tag der Deutschen Einheit dabei sein. Christian Hirte wird bei der Pilgereise dabei sein und es wird natürlich auch Raum für den politischen Gedankenaustausch geben. Aber noch sind es fünf Monate und erfahrungsgemäß wird das Programm immer noch einmal etwas modifiziert.

Gerne werde ich die Reisegruppe vor Ort leiten und ich freue mich sehr auf meine nunmehr 18. Reise nach Israel. Vor genau 30 Jahren hatte ich die erste Reise für die Junge Union Thüringen organisiert und im Oktober 2021 die letzte Reise für die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Dazwischen liegen zahlreiche Reisen, sowohl mit der JU, als auch der LZT, mehrmals auch privat mit meinen Söhnen, Reisen mit Elnet und dem israelische Tourismusministerium. Im Herbst 2009 habe ich mit meiner damaligen Landtagskollegin Annette Lehmann schon einmal eine CDU-Pilgerreise – damals mit 60 Teilnehmern – organisiert.

Vieles ist mir in Israel sehr vertraut und trotzdem gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken. Besonders in Erinnerung ist mir die zweiwöchige Reise mit meinen Söhnen zu Ostern 2019 nach Israel. Wunderschöne Ostergottesdienste an den heiligen Stätten und der Karfreitag mit tausenden Pilgern auf der Via Dolorosa machten diese Reise zu etwas ganz Besonderen. Auch die Reise im Herbst 2021 war besonders eindrucksvoll. Wir waren die erste Reisegruppe nach den Corona-Einschränkungen und praktisch allein in Israel.

Für den März 2023 plane ich übrigens gerade schon die nächste Reise – dann wieder als politische Bildungsreise für die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Ausschreibung und Anmeldeunterlagen

 

Als Pilotgruppe in Israel

Masada

Ungewohnt war für mich die Erfahrung im Heiligen Land, nahezu ohne andere Touristengruppen unterwegs zu sein. Zu Ostern vor zwei Jahren, als ich das vorletzte Mal mit meinen beiden Söhnen in Israel war, waren die Straßen in Jerusalem natürlich auch bedingt durch die Ostertage brechend voll.

Nach der Politikerdelegationsreise mit Elnet, an der ich im November 2019 teilnehmen durfte, gab es mehrere Anläufe für die Planung der nächsten Israel-Reise. Aber weder privat noch dienstlich hat es coronabedingt geklappt. Zwei Mal musste auch unsere Israel-Reise der LZT im letzten Jahr verschoben werden, bevor sie nun endlich Ende Oktober 2021 stattfinden konnte.

Als erste deutsche Pilot-Gruppe durfte die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen nach über 18 Monaten mit 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Israel einreisen. Alle mussten zuvor vollständig geimpft sein und mehrere PCR- und serologische Tests waren in Israel vorgeschrieben. Organisiert haben wir die Tour mit Scuba-Reisen in Deutschland und unserem bewährten Partner SarEl-Tours Jerusalem. Daniela Epstein war, wie bei vielen Reisen zuvor, unsere sachkundige Reiseleiterin in Israel.

In der Reisegruppe waren rund zwei Drittel der Mitreisenden noch ohne Israel-Reiseerfahrung, aber auch einige, die das Land schon kannten. Zwei waren sogar mit mir vor 29 Jahren, bei meiner ersten Israel-Reise, dabei. Im November 1992 waren wir mit einer Gruppe der Jungen Union Thüringen in Israel. Seitdem musste ich immer wieder kommen. Das Land hat sich in den 29 Jahren extrem verändert, aber die Faszination ist geblieben.

Das 10tägige Reiseprogramm war dicht gefüllt mit spannenden Gesprächspartnern und Besichtigungen. Einige Programmpunkte gehören zu jeder Israel-Reise, egal wie oft man dort war. Die Führung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gehört in jedem Fall dazu. „Das Gedenken an die Vergangenheit, die Gestaltung der Zukunft“ diese Worte an der Anstecknadel von Yad Vashem beschreiben, um was es den Besuchern geht. Wir haben im Anschluss an unseren Besuch Blumen im Tal der Gemeinden niedergelegt, um dies zu bekräftigen.

Wishing Bridge Tel Aviv

Neu war der Besuch des Peres-Center for Pease & Innovation. Im Vermächtnis des ehemaligen  Ministerpräsidenten ist ein modernes großes Zentrum entstanden, welches einen staunend die Ergebnisse der Innovations-Nation Israel betrachten lässt. Im Büro von Peres (u.a. mit der Nobel-Preis-Medaille) erklärte uns einer seiner ehemaligen Mitarbeiter, wie sehr sich Shimon Peres zu Lebzeiten dafür engagiert hat.

Gute Gesprächsrunden gab es unter anderem mit dem stellvertretenden deutschen Botschafter Dr. Jörg Walendy und dem Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer Grisha Alroi Arloser in Tel Aviv. Die AHK ist in einem Bürohochhaus mit bester Aussicht auf Jaffa und den wunderschönen Strand von Tel Aviv untergebracht. Beides musste aber noch bis zu unserem einzigen „freien Tag“ warten, denn uns kam es auf die Inhalte an. Auch in der AHK war die letzte deutsche Besuchergruppe (der Wirtschaftsminister von Meck-Pom) schon achtzehn Monate her. Dort, wie überall sonst, wurden wir freudig begrüßt.

Erstmals im Programm war der Besuch im Rathaus in Haifa, der Partnerstadt von Erfurt. Der Stadtratskollege und Ausschussvorsitzende für Einwanderungsfragen Gary Koran begrüßte uns zu einer Gesprächsrunde. In unserer Partnerstadt geht es kommunalpolitisch derzeit rund. Der Stadtrat hat alle Stellvertreter der Oberbürgermeisterin entlassen und bei unserem Besuch stand gerade der Streit um den Haushaltsentwurf auf der Agenda. Beeindruckt hat mich der tolle Stadtratssaal. Den Tag in Haifa nutzten wir auch zu einer kurzen Besichtigung der Bahai-Gärten und danach ging es weiter zur Kreuzritterfestung in Akko. In den ersten drei Tagen unserer Tour waren wir im Hotel Nof Ginnosar bzw. Ginnosar Village am See Genezareth und konnten von dort aus auch die biblischen Stätten am See besichtigen. Dr. Georg Röwekamp trafen wir im Pilgerhaus in Tabgha und er sprach mit uns über die Situation der Christen im Heiligen Land.

Dream big am Peres-Center

Der zweite Teil unserer Reise fand in Jerusalem statt, wo wir wieder das Hotel Olive Tree gewählt hatten – nah bei der Altstadt am Damaskus Tor. Dort fanden viele unserer Gespräche statt. Sandra Simowitz vom Auswärtigen Amt war ebenso bei uns zu einer Diskussionsrunde,  wie Steven Höfner, Leiter der KAS Ramallah. Letzterer erläuterte in einer Gesprächsrunde die schwierige Situation in den Gebieten – leider ohne irgendeine Lösungsperspektive für die festgefahrene Situation. Bei unserer nächsten Reise werden wir auch wieder in Ramallah sein, dieses Mal mussten wir coronabedingt auf die Tagestour dorthin verzichten. Der israelische Fernseh-Journalist David Witztum beleuchtete die innenpolitische Situation insbesondere vor dem Hintergrund der neu gewählten Regierung. Seine Aussage, dass der Haushalt zum Knackpunkt werden würde, ob die Koalition hält, hat sich bestätigt. Der Haushalt wurde von der Knesseth, die wir dieses Mal nur von außen besichtigen konnten, bestätigt und die Regierung hält – vorerst.

Die Autorin Lea Fleischmann und ihr Sohn Arie Rosen berichteten über die jüdische Kultur und ihre diesbezüglichen Projekte mit deutschen Schulen. Der deutsch-israelische Schriftsteller Chaim Noll empfing uns in seinem Haus im Negev. Ihn kenne ich von mehreren Begegnungen in Deutschland und Israel und bin immer wieder von seiner Biographie beeindruckt. Im Gepäck hatte ich nach der Reise natürlich auch sein neuestes Buch „Die Wüste“ (2 Kilo schwer). Unser intensives politisches Bildungsprogramm der Reise rundete am letzten Abend mein Freund Arye Shalicar ab. Wir kennen uns inzwischen viele Jahre und treffen uns immer wieder in Deutschland und Israel. Als persischer Jude hat er seine Kindheit in Berlin verbracht und war kurz vor einer „Gang-Karriere“ bevor er mit Anfang 20 nach Israel ging. In Israel wurde er Pressesprecher der israelischen Armee und arbeitet als Sicherheitsexperte und Abteilungsleiter im Büro des Ministerpräsidenten.

Jerusalem

Neben dem Besuch der biblischen Stätten am See Genezareth, in Jerusalem und der Geburtskirche in Bethlehem hatten wir auch einen Tag bei den Beduinen in Rahat. Der Besuch der Kommunalverwaltung und einer Schule sowie mehrerer Vor-Ort-Projekte (inklusive eines tollen Essens) gaben uns einen guten Einblick in das Leben der Beduinen. Vieles dreht sich in Israel um die Sicherheit. Im Netiw Hasara unmittelbar am Gazastreifen, auf dem Berg Bental im Golan und in Sderot stand die Sicherheitslage im Mittelpunkt der Diskussionen. Wie bei vielen der voran gegangenen Israel-Reisen gab es für die Reiseteilnehmer beeindruckende Erlebnisse und Antworten auf viele Fragen. Aber wie immer, gab es auch viele neue Fragen, auf die die Antworten im dem weltpolitisch spannenden Land Israel noch fehlen. Grund genug immer wieder zu kommen – auch für die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Neben den vielen Gesprächen und Besuchsterminen blieb auch Zeit, die Schönheit des Landes zu genießen. Natürlich waren wir in Masada, auf der beeindruckenden Felsenfestung des Herodes. Natürlich waren wir in Kalia am Toten Meer zum baden und in der weltweit tiefstgelegenen Bar. Und natürlich waren wir auch im See Genezareth und am Banana Beach in Tel Aviv im Mittelmeer baden. Sonnenuntergänge am See Genezareth und in Tel Aviv luden zum träumen ein. Die Altstadt von Jerusalem vom Dach des österreichischen Hospizes, Granatapfelsaft an jeder Ecke in Akko, beeindruckende Blicke auf die Klagemauer mit tanzenden und singenden jungen Menschen, der Blick vom Ölberg, Gan haSchloscha, die Kulisse des  Tempelberges, Jaffa und die Wishing-Bridge, der Strand von Tel Aviv, die Menschen die in Israel leben oder dorthin kommen – es gibt dutzende Gründe, warum ich dieses Land liebe und immer wieder kommen werde. Ich bin froh darüber, dass ich in den letzten 29 Jahren so viele Reisegruppen in Israel begleiten durfte und hoffe viele Menschen mit meiner Begeisterung für Israel angesteckt zu haben. 17 Mal war ich in Israel und ich bin noch nicht fertig 😉

Reisebilder auf meiner flickr-Seite

Video der Reise von Jochen Fasco

 

Israel-Reise – dritter Anlauf

Das alte Flughafengebäude in Tel Aviv

Inzwischen ist es schon zwei Jahre her, dass ich das letzte Mal in Israel war. Seit dem ist viel passiert. Im letzten Jahr mussten wir mit der Landeszentrale für politische Bildung gleich zwei Israel-Reisen pandemiebedingt absagen. Auch eine privat geplante Reise konnte nicht stattfinden. Um so mehr freue ich mich jetzt, dass es in diesem Jahr klappen könnte.

Anfang dieser Woche ist die erste deutsche Reisegruppe nach über einem Jahr in Israel gelandet. Die coronabedingten Einschränkungen sind in Israel dank hoher Impfquote und niedriger Inzidenz aufgehoben. Nach den turbulenten letzten Wochen hat sich die Situation wieder entspannt. Wenn alles klappt wird am Wochenende sogar eine neue Regierung vereidigt – nach zahlreichen Neuwahlen ohne Mehrheiten.

Nachdem die geplante Israel-Reise der LZT im Jahr 2020 wie geschrieben pandemiebedingt zwei Mal abgesagt werden musste, wird sie nun vom 24. Oktober bis 2. November 2021 stattfinden. Unser Angebot richtet sich an Interessierte in Thüringen (Wohn-/Arbeitsort), vorrangig an Personen mit Multiplikatoren-Funktion (Bildung, Journalismus, Kunst, Kultur, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Vereins-/Verbandsarbeit), die sich ggf. auch für Projekte in Israel interessieren. Die Studienreise ist beim TMBJS als Bildungsmaßnahme gemäß Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz angemeldet. Entsprechend den gesetzlichen Regelungen kann dafür Bildungsurlaub gewährt werden. Die Teilnehmerzahl ist auf 32 begrenzt – Anmeldeschluss ist der 7. Juli 2021.

Wir werden die Reise wieder mit Sar-El-Tours durchführen und ich werde unsere Reisegruppe vor Ort leiten und dann zum 18. Mal in Israel sein.

Weitere Informationen und Anmeldung

Wahlen in Israel – es bleibt schwierig

David Witzthum

Auch die vierte Wahl in Israel innerhalb von zwei Jahren brachte kein klares Ergebnis. Wieder gibt es ein Patt zwischen dem Pro- und dem Anti-Netanjahu-Lager. Sehr verkürzt war dies auch der wesentliche Inhalt des Wahlkampfes. Auf der einen Seite Benjamin Netanjahu der die dominierende Kraft in seiner Likud-Partei ist und, wie bei den vergangenen Wahlen auch mit Abstand mit den meisten Abgeordneten (30 oder 31) ins Parlament einziehen wird. Aber auch dieses mal hat er keine Mehrheit. Zahlreiche Parteien von ganz links bis ganz rechts eint nur eines – sie wollen Netanjahu loswerden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dazu ein Analysefrühstück – natürlich online – organisiert, welches ich aus mehreren Gründen interessiert verfolgt habe. Gesprächspartner war unter anderem der israelische Journalist und Fernsehmoderator David Witzthum. Ich kenne ihn von etlichen Gesprächsrunden in Israel und Deutschland, weil wir als Landeszentrale ihn häufig als kompetenten Ansprechpartner in Jerusalem gewinnen konnte. Auch bei unserer geplanten Israel-Reise vor genau einem Jahr hätten wir ihn in Jerusalem wieder getroffen.

Er und auch die anderen Teilnehmer des Analysefrühstücks zogen eine etwas resignierende Bilanz der Wahl und schlossen auch den nächsten dann 5. kurzfristigen Wahlgang nicht aus. Nethanjahu versucht einzelne Abgeordnete oder kleinere rechte Parteien für ein Bündnis zu gewinnen und würde zu seinem Machterhalt wohl auch (erstmals) mit einer arabischen Partei kooperieren. Sein Wahlkampf mit der Coronabekämpfung hat nur eingeschränkt Wirkung entfallen. In der Bekämpfung der Pandemie hat er Macherqualitäten demonstriert. Impfstoffe wurden in großer Zahl besorgt und zügig verimpft, so dass Israel in der weltweiten Bilanz vorne ist. Die laufenden Korruptionsverfahren gegen ihn sorgten aber auch für eine feste Wagenburg der Kritiker.

Bei meinem letzten Besuch in der Knesseth im Herbst 20219

Ich bin sehr gespannt, wie die Diskussion in den nächsten Tagen weiter geht. David Witzthum schlug auf die Frage, wer es denn nach Nethanjahu machen sollte scherzhaft vor „in Deutschland hat Frau Merkel angekündigt, im September nicht wieder zu kandidieren. Man könnte sie fragen…“. Nun wird dies sicher nicht passieren, aber es zeigt doch den weltweiten Stellenwert und die Anerkennung unserer Kanzlerin bei aller innerdeutschen Kritik.

Im Herbst wollen wir mit der Landeszentrale für politische Bildung wieder mit einer Gruppe nach Israel. Ich hoffe dieses Mal – beim dritten Versuch in einem Jahr klappt es. Ich freue mich darauf, dass wir dann wieder David Witzthum treffen und die Knesseth besuchen werden. Aber eigentlich freue ich mich auf alles in Israel!

Videokonferenz zu Reiseangeboten nach Israel

Sehnsucht nach Israel

Leider musste die wichtigste Frage bei der heutigen Videokonferenz zu „Begegnungsreisen in Israel“ unbeantwortet bleiben. Rund 180 Teilnehmer folgten der Präsentation von vier Reiseveranstaltern für Reisen nach Israel. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass auch unsere langjährige Partnerin Daniela Epstein von Sar-El Tours ihr Reiseangebot vorgestellt.

Wir planen mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen immer noch unsere nächste Israel-Reise für Oktober und hoffen, dass sie nun im dritten Anlauf klappt. Ursprüngliche wollten wir bereits im März 2020 fahren und mussten die Reise wenige Tage vor Beginn absagen. Auch die zweite Planung für September 2020 fiel der Pandemie zum Opfer. Jetzt sind zumindest erst einmal Flüge und Hotels für Oktober 2021 reserviert.

Viele, der von den Reiseveranstaltern vorgeschlagene Programmpunkte, kenne ich schon – Wein auf dem Golan, kulinarische Angebote im ganzen Land, Kultur- und Musikangebote, Begegnungen mit Drusen und Beduinen und auch ökologische Projekte. Da ich mehrmals privat und auch mit Reisegruppen zu unterschiedlichen Themen in Israel war, sind die meisten Sachen vertraut. Unsere Reisen der LZT können in den 10-14 Tagen auch immer nur einen Teil aufnehmen, da wir zahlreiche politische Termine und Gespräche im Programm haben.

Ab wann Reisegruppen wieder nach Israel können – diese Frage musste offen bleiben, obwohl Israel sicher eines der ersten Länder weltweit sein wird, in dem alle Impfwilligen auch geimpft sein werden. Wann dann aber wieder Reisegruppe aus dem Ausland ins Heilige Land dürfen ist noch offen. In jedem Fall aber haben die Präsentationen von Sar-El Tours und drei weiteren Reiseveranstaltern Lust auf die nächste Reise nach Israel gemacht.

Wieder neu gewählt…

Wahlbeobachtung der FES

Immerhin war es nun die dritte Wahl innerhalb von einem Jahr und immer noch ist offen, ob es im Ergebnis eine klare Mehrheit gibt. Ausnahmsweise war es aber nicht Thüringen. Bei uns entscheidet sich erst am Mittwoch, ob und wann noch einmal gewählt werden sollte, oder ob sich tragfähige Mehrheiten im Landtag bilden.

Heute Abend lud die Friedrich-Ebert-Stiftung zum Gespräch und zur Live-Schaltung in das Cafe Nerly ein. Mit Prof. Dr. Omar Kamil von der Universität Erfurt wurde dabei die aktuelle politische Situation in Israel diskutiert. Innerhalb von 12 Monaten wurde dort zum dritten Mal gewählt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich beim Besuch mit meinen Söhnen vor einem Jahr nicht in die Knesset konnte, weil da gerade umgebaut wurde. Im November bei meinem zweiten Besuch in Israel im Jahr 2019 hatten wir mehr Glück. Wir waren im israelischen Parlament und konnten auch ein Gespräch mit dem Parlamentsabgeordneten Ofer Shelah (Blue and White) führen. Nach der gescheiterten Regierungsbildung lief damals schon die Vorbereitung für die dritte Parlamentswahl innerhalb von nur 12 Monaten.

Das nicht ganz einfache Parteiensystem Israels erklärten heute Dr. Franziska Schmidtke und Prof. Dr. Omar Kamil. Im Geflecht zwischen den Parteien geht es um viel mehr, als um ein Rechts-Links-Schema. Während es in früheren Wahlkämpfen fast immer um Sicherheitsthemen ging sind es jetzt meist religiös geprägte Themen und am Ende sind die ultra-orthodoxen häufig ausschlaggebend, ob es eine Regierung gibt. Benjamin Netanyahu hat einen intensiven Wahlkampf geführt – dies bestätigten alle Beobachter. Als kurz nach 21 Uhr die Liveschaltung nach Israel stand und Dr. Paul Pasch die Ergebnisse live kommentierte, zeichnete sich ab, dass Netanyahu wohl damit Erfolg gehabt hat. Sein Lager kam in den meisten Hochrechnungen auf 59-60 der 120 Knesset-Sitze und gewann 36 Sitze (letzte Wahl 32).

Ich bin nun gespannt, ob die sich die fehlende Stimme(n) finden, um dieses Mal eine stabile Regierung zu bilden. In drei Wochen werden wir (hoffentlich) wieder in Israel sein. Mal sehen, wer dann in der Knesset den Ton angibt. Ofer Shelah wurde übrigen wieder in das Parlament gewählt – herzlichen Glückwunsch!

Bilder vom Wahlabend 

בשנה הבאה בירושלים

Unsere Gruppe an der Knesset

Genau 15 Mal ist der traditionelle Wunsch L’Shana Haba’ah B’Yerushalayim – „Nächstes Jahr in Jerusalem“ für mich schon in Erfüllung gegangen. In diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal, nachdem ich mit meinen Söhnen zu Ostern in Israel war. Gemeinsam mit einem Dutzend Parlamentariern aus Landtagen war ich in dieser Woche für fünf Tage in Israel.

Das Programm wurde organisiert von ELNET Deutschland. ELNET Deutschland e.V. ist eine gemeinnützige und unabhängige Organisation mit dem Ziel, die deutsch-israelischen Beziehungen auf der Grundlage gemeinsamer demokratischer Interessen und Werte überparteilich zu fördern. Teilnehmer waren Mitglieder des Freundeskreises der CDU/CSU-Parlamentarier aus dem Europaparlament, dem Bundestag und den Landtag. In diesem Freundeskreis, der vor einem Jahr gegründet wurde, gibt es inzwischen rund 100 Mitglieder – darunter auch ehemalige Abgeordnete, weshalb auch ich von Anbeginn gerne dabei bin.

Unser Programm hatte es in sich. Hochkarätige Gespräche und Vor-Ort-Termine ließen kaum Zeit die wunderschönen Seiten des Landes zu erleben, aber dazu war die Reise auch nicht konzipiert. Im Mittelpunkt waren Informationen zur politischen Situation im Land. Am ersten Tag standen nach der Anreise zwei Briefings zur politischen Situation durch die Leiterin des ARD-Studios Israel/Palästina Dr. Susanne Glass und Dr. Emmanuel Navon von der Universität Tel Aviv an.

In Yad Vashem

Montag Vormittag ging es zu einer Führung und Kranzniederlegung in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Diesen Termin hatte ich auch beim Besuch mit meinen Söhnen im Frühjahr an den Beginn der Reise gelegt. Viele Dinge in Israel haben mit der Geschichte des jungen israelischen Staates und seiner Entstehung, vor allem aber mit der Shoa zu tun. Von Yad Vashem ging es zur Tour of the Knesset in das israelische Parlament. Der Parlamentsabgeordnete Ofer Shelah (Blue and White) erläuterte die aktuelle Situation nach der gescheiterten Regierungsbildung. Möglicherweise gibt es im März die dritte Parlamentswahl innerhalb von nur 12 Monaten. Übrigens hat sich auch in der Knesset einiges geändert. Früher waren Handys und Fotoaufnahmen in der Knesset tabu.

Khaled Abu Toame, ein israelisch-arabischer Journalist (u.a. Jerusalem Post and CBS News) erklärte uns die politische Situation der in Israel lebenden Araber, bevor es in das Außenministerium zum Briefing ging. Für eine Führung durch die Altstadt hatten wir dieses Mal nur kurz Zeit. An der Klagemauer waren wir dabei ebenso wie an der Grabeskirche, wo die Kirche traditionell 19 Uhr verschlossen wird.

An der Grenze zum Libanon

Dienstag ging es in den Norden an die libanesische Grenze. Colonel (Res.) Sarit Zahavi, CEO of the Alma Research Center zeigte uns die Grenzsituation und erläuterte die komplizierte Situation mit dem Libanon, wo die Hisbollah den Ton angibt. Vor genau einem Jahr entdeckte und zerstörte die israelische Armee sechs Terrortunnel der Hisbollah die im Zeitraum von 10 Jahren für rund 25 Millionen Dollar gegraben wurden. Unweit der Stelle wo fünf israelische Soldaten bei einem Anschlag getötet wurden, sollten die Tunnel im israelischen Gebiet enden und für Terroranschläge genutzt werden. Mit Vertretern der IDF konnten wir den Tunnel 6 besichtigen. Am Abend ging es noch Alma Research and Education Center und nach einem Stopp in einem Drusendorf nach Tel Aviv.

Vor dem Mittwoch-Programm ging es für mich zu früher Stunde noch ans Meer – schwimmen im November bei 23 Grad Wassertemperatur, allein dafür würde es sich lohnen nach Tel Aviv zu reisen. Wir waren allerdings dort, um mit Susanne Wasum-Rainer, der deutschen Botschafterin über die besonderen Beziehungen unserer beiden Länder zu diskutieren. Um die Wirtschaftsbeziehung ging es anschließen bei Gesprächen in der deutsch-israelischen Industrie und Handelskammer. Wirtschaftlich ist Israel stark und dies auch wegen der führenden Stellung in der Forschung. Wie kaum eine andere Einrichtung steht dafür das Weizmann-Institut of Science, welches wir am Nachmittag besuchten.

Arye Shalicar

Zuvor konnten wir mit Arye Shalicar zu Mittag essen und uns über den Antisemitismus in Deutschland austauschen. Ich kenne Arye seit vielen Jahren und freue mich, dass ich ihn auch kommendes Jahr in Israel und Erfurt treffen werde.

Es folgte noch eine Gesprächsrunde mit Nili Shalev, Director General of Israel-Europe Research and Innovative. Danach wurde es noch einmal sicherheitspolitisch. Chagay Tsuriel, Gereraldirektor im Ministerium für Nachrichtendienste, erläuterte umfänglich die Sicherheitslage mit Blick auf Syrien. Israel sorgt sich entgegen der in Deutschland ankommenden Nachrichten viel mehr um die Probleme mit den Iran und Syrien, als um den Gazastreifen.

Bevor es am Donnerstag auf die Heimreise ging haben wir Bäume gepflanzt – ein mehr als nur symbolischer Akt. Der Jewish National Fund – Keren Kayemeth Leisrael engagiert sich seit Jahrzehnten für Aufforstungsprogramme im Land. Schön zu wissen, dass jetzt ein weiterer Baum in Israel wächst, den ich selbst gepflanzt habe. Vor 10 Jahren haben wir dies schon einmal im Norden des Landes organisiert.

Die fünf Tage waren viel zu schnell um. Ein riesengroßes Dankeschön an Elnet und die Organisatoren. Das tolle Programm vermittelte unwahrscheinlich intensive Einblicke. Ich freue mich ganz im Sinne der Überschrift auf die nächste Tour nach Israel im März 2020 – dann zum 17. Mal. Zum Abschluss eine Aussage eines unserer Gesprächspartner an diejenigen, die aus Sorge um die Sicherheit nicht nach Israel reisen. Das gefährlichste an einer Reise nach Israel ist die Anreise zum Flughafen auf einer deutschen Autobahn.

Bilder unserer Reise

 

 

Schalom, neues Deutschland! – Lesung Film und Konzert mit André Herzberg

André Herzberg

„Langeweile“ gab es heute Abend erst ganz am Ende und auch da war es natürlich nur einer der bekanntesten Songs von André Herzberg, dem Frontmann von Pankow. Er sang dieses Lied zum Schluss eines Abends in bei dem der Film „Schalom, neues Deutschland!“ sowie sein neues Album „Was aus uns geworden ist“ und sein gleichnamiger Roman im Mittelpunkt standen.

Als stellvertretender Vereinsvorsitzender unseres Fördervereins für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen und als Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung durfte ich den Abend eröffnen. Im Rahmen der 27. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur finden derzeit viele Veranstaltungen in Kooperation mit Stiftungen, Kommunen, und Trägern statt. Die LZT präsentiert unter anderem die drei Veranstaltungen mit André Herzberg in Mühlhausen (gestern), Gera (heute) und Nordhausen (morgen).

Heute im comma in Gera war es mit 45 Besuchern ein interessiertes Publikum, das Herzberg von einer so ganz anderen Seite erlebten, als sie es aus den wilden Jahren bei Pankow kannten. Pankow war eine der bekanntesten Bands in der DDR und hatte etliche Songs in den Hitparaden (u.a. „Wetten, du willst“, „Die wundersame Geschichte von Gabi“, „Inge Pawelczik“). Wir haben die Veranstaltung aber im Rahmen der Kulturtage organisiert, weil Herzberg in dem Film „Schalom, neues Deutschland“ einer der Protagonisten ist, die über ihre jüdische Identität und ihr Leben in der DDR sprachen. Antisemitismus, Israelfeindlichkeit und fehlende Verantwortung des Staates gegenüber den Juden kommen im Film von Tom Franke zur Sprache. Etliche Juden, die als Kommunisten voller Überzeugung und Idealen nach dem 2. Weltkrieg in die DDR gingen, wurden schwer enttäuscht. In seinem neuesten Roman und seinem gleichnamigen Album verarbeitet Herzberg dies.

Heute Abend erzählte er zwischen dem 45-minütigen Film „Schalom, neues Deutschland!“ und den neuen Songs auch wie er zu seiner jüdischen Identität gefunden hat. Tom Franke führte die Filmregie und Mark Chaet war für die Filmkompositionen verantwortlich. Die beiden begleiten Herzberg bei seiner 3-Tages-Tour, machen mit ihm Musik und sprechen ebenfalls über ihre Beweggründe zu diesem Film.

Der Song „Langeweile“ am Ende mit der Textzeile „Das selbe Land zu lange geseh’n, die selbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt. Ich bin rumgerannt, zu viel rumgerannt, zu viel rumgerannt, ist doch nichts passiert.“ ist für ihn und seine Fans immer noch aktuell, obwohl der Song von 1988 ist.

Bilder aus Gera

 

Jüdisch-israelische Kulturtage 2019

Das Ankündigungsplakat

Wieder etwas gelernt 😉 Sie sehen zwar so aus und sind als Frucht auch ähnlich, aber nein, es sind keine Zitronen auf unseren Ankündigungsplakaten für die 27. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen! Nachdem im letzten Jahr Granatäpfel das Titelmotiv waren, ist es in diesem Jahr der Etrog.

Der Etrog gehört zu dem im 3. Buch Mose 23, 40 vorgeschriebenen Feststrauß, der aus Palmzweig (Lulav), Myrtenzweig (Hadassim), Bachweide (Arawot) und Paradiesapfel (Etrog) gebildet wird. Wörtlich wird letzterer als „Frucht des Baumes Hadar“ bezeichnet, gemäß dem babylonischen Talmud, Traktat Sukka 34 als Etrog bezeichnet und traditionell mit dem Apfel des Paradieses identifiziert, von dem Adam genommen hat. Deshalb heißt der Etrog auch Adamsapfel oder Paradiesapfel. (Quelle Wikipedia)

Bei der gestrigen Vorstandssitzung unseres Fördervereins Jüdisch-Israelische Kultur in Thüringen haben wir das diesjährige Programm besprochen. Nunmehr zum 27. Mal finden die Kulturtage ab dem 30. Oktober in ganz Thüringen statt. Das Programm werden wir Anfang Oktober vorstellen, aber schon jetzt können wir verraten: Dank unserem Projektleiter Michael Dissmeier haben wir nicht nur ein tolles Plakat, sondern können uns auf viele gute Veranstaltungen in ganz Thüringen freuen.

Nächstes Jahr Jerusalem…

An der Taufstelle am Jordan

Inzwischen hat dieser Wunsch 14 Mal funktioniert… Seit meinem ersten Besuch im Heiligen Land im Jahr 1992 bin ich genau 14 Mal wieder gekommen und die diesjährige Israel-Reise gehörte zu den eindrucksvollsten. Dies lag an zwei Dingen – zum Einen war ich mit meinem beiden großen Söhnen auf Vater-Sohn-Tour und wir hatten dies schon vor zwei Jahren bei unserer damaligen USA-Reise angefangen zu planen. Zum Anderen war ich erstmals über die Osterzeit in Jerusalem und da ist die Stadt nicht nur voll, sondern auch natürlich von der Stimmung der Karwoche geprägt.

In den letzten Jahren war ich viel mit Reisegruppen der Jungen Union (in den Neunzigern), mit der Landeszentrale für politische Bildung (von 2000 – 2010) und ab da selbst organisiert in Israel. Jetzt plane ich schon die nächste Reise – dieses Mal wieder mit der LzT im März 2020 und freue mich darauf.

Zunächst gilt es aber die traumhaften Eindrücke der letzten zwei Wochen zu verarbeiten. Gottesdienste in Jerusalem und Nazareth und die Karfreitagsprozession waren ebenso beeindruckend wie die Tour nach Bethlehem und an den See Genezareth sowie die Taufstelle am Jordan.

Das Tote Meer hatten wir zwei Mal auf dem Reiseplan und natürlich auch die Felsenfestung Massada. Badefreuden versprüht immer wieder einer der schönsten Orte Israels der Naturpark GanHaShlosha. Die Beach in Tel Aviv habe ich erstmals voll mit jungen Menschen und einer tollen Stimmung erlebt. Auch im fortgeschrittenen Alter habe ich mich mit meinen Söhnen am Roller fahren begeistert.

Yad Vashem die Holocaust-Gedenkstätte haben wir gleich am ersten Tag besucht. Wir waren auch in Akko, auf den Golanhöhen, in Haifa, Jericho und Rosh Hanikrah insofern hat sich der Mietwagen in den 15 Tagen gelohnt – rund 2.500 km sind wir durchs Land gefahren. Direkt am Grenzzaun standen wir zu Syrien, Jordanien und zum Libanon – gefährlich war da (zum Glück derzeit) nichts.

Und wir haben uns mit Freunden in Israel getroffen. Dies ist das Wichtigste, neben der Schönheit des Landes, die Kontakte zu den Menschen zu pflegen. Ich liebe Israel und hoffe, meinen Söhnen etwas von der Begeisterung vermittelt zu haben.

Als Erinnerung bleiben rund 1.200 Fotos und Videos von unserer Isralereise 2019. 

Happy Birthday Israel und Mazel tov

Rathausfestsaal

Gestern Abend wurde im Erfurter Rathaus Geburtstag gefeiert. Und wie sich das für einen runden 70. Geburtstag gehört wurden die Gäste in die gute Stube, also in den Festsaal des Erfurter Rathauses eingeladen. Vor dem Rathaus wehte die israelische Fahne und somit war auch der Anlass klar. Vor wenigen Tagen jährte sich zum 70. Mal der Jahrestag der Staatsgründung Israels und dazu luden die Jüdische Landesgemeinde, die Stadt Erfurt und die Deutsch-Israelische-Gesellschaft zu einer Festveranstaltung ein.

Unter den Gästen waren viele Vertreter aus der Politik und Kirchen, Vereine, Verbände sowie Partner der Jüdischen Landesgemeinde. Ministerpräsident Bodo Ramelow, der stellv. Botschafter des Staates Israel Avraham Nir-Feldklein und die stellvertretende Bürgermeisterin der Partnerstadt Haifa Hedva Almog hielten Grußworte, es gab isrealischen Wein und Musik. Die nachfolgende Podiumsdiskussion über 70 Jahre Israel konnte ich leider nicht verfolgen, weil wir zeitgleich Stadtratssitzung hatten.

Ich war in den letzten 26 Jahren rund 15 Mal in Israel und habe dort auch gute Freunde. Ich wünsche dem Land und seinen Menschen alles Gute und Frieden in der Region. Wie schwer das ist, den Frieden zu erlangen weiß Israel vom Tag der Staatsgründung an. Alle arabischen Nachbarstaaten erklärten dem Land den Krieg. Bis heute ist das Sicherheitsbedürfnis der Menschen in Israel daher ein dominierendes Thema.

Neben vielen Konflikten habe ich null Verständnis dafür, dass von Seiten der Hamas die Botschaftsverlagerung nun zum Anlass für eine neue Gewaltwelle genommen wird. Die Verlegung der Botschaft halte ich persönlich für richtig. Das politische Leben in Israel findet in Jerusalem statt. Parlament, Ministerien und alle wichtigen israelischen Regierungsinstitutionen sind in Jerusalem. Wir waren in den letzten Jahren mehrmals auch in Ramallah (wo das politische Leben der Palästinenser stattfindet) und Jericho zu Gesprächen mit palästinensischen Politikern. Es gab Zeiten, da zeichnete sich eine positive Entwicklung ab.

Ich war aber auch vor einem Jahr an der Grenze zu Gaza. Wir haben mit Menschen gesprochen, die dort leben und mit Raketen aus Gaza angegriffen werden. Die Grenze und deren Grenzsicherungen schützt sie weitgehend. Wenn nun dort versucht wird, mit Gewalt diese Grenze zu überschreiten und von der Hamas zu Gewalt gegenüber Juden aufgerufen wird, ist es die Aufgabe der IDF (der israelischen Armee) für die entsprechenden Sicherungsmaßnahmen zu sorgen. Ob und wann welche Art dazu gewählt wird, kann nur von den Verantwortlichen vor Ort entschieden werden.

Meine Gedanken und guten Wünsche sind oft bei den Freunden in Israel und im nächsten Jahr werde ich wieder dort sein. Bis dahin Happy Birthday und Mazel tov!

 

Beeindruckende Tage in einem wunderschönen Land

Masada
Masada

Israel ist, seit ich dort im Jahr 1992 das erste Mal war, das Land, welches mich immer wieder beeindruckt und immer wieder zu neuen Reisen verführt. Zum nunmehr 14. Mal war ich nun im heiligen Land und werde wohl auch künftig immer wieder dorthin fahren.

Mich faszinieren das Land, die religiöse Intensität und Vielfalt und die Menschen in Israel. Und ich gebe zu: ich bin ein begeisterter Israel-Fan und auch voreingenommen was die Konfliktsituation im Nahen Osten angeht.

Viele neue Eindrücke konnte ich von der Reise der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen vom 4. bis 13. Februar 2017 nach Israel mit Exkursion in die Palästinensischen Autonomiegebiete mitbringen. Wichtige Gespräche haben wir führen können und zugleich das Land neu und wiederentdeckt. Zuletzt war ich vor fünf Jahren mit der Familie in Israel unterwegs und seitdem hat sich wieder viel verändert, aber vieles ist vertraut und schön. Dies gilt sowohl für die heiligen Stätten, die Altstadt von Jerusalem als auch Tel Aviv und Masada.

Unsere Gruppe setzte sich aus 26 politisch interessierten und engagierten Menschen zusammen. Darunter Landtagsabgeordnete aller Parteien. Schade fand ich dabei, dass insbesondere die Kolleginnen aus dem linken Spektrum mit einem durchaus „gefestigten Klassenstandpunkt“ angereist waren und die Reise im Wesentlichen nach verstärkenden Argumenten suchten. Einige merkwürdige Facebook-Posts („Schüsse und Artilleriefeuer“ am Golan und „unfassbar grausame Dinge“, die die zu sehen gewesen sein sollen) aber auch die Fragen an Gesprächspartner, waren Beleg dafür. In Ramalah, aber auch bei den vielen Gesprächen waren die Kolleginnen immer wieder verführt, sich in Außenpolitik zu versuchen.

Golan
Golan

Für mich hat sich bei den vielen Besuchen in Israel nichts daran geändert, dass ich Verständnis für die Konfliktsituation beider Seiten, also der Israelis und Palästinenser habe, aber niemals auf die Idee kommen würde, schlaue Ratschläge für den Friedensprozess zu erteilen.

Ich habe die vielen Erlebnisse der letzten 10 Tage wieder in über 1000 Fotos festgehalten. Das Reisetagebuch, das ich auch bei dieser Reise geführt habe gibt die Stationen wieder:

Die Anreise ging dieses mal mit dem Bus von Erfurt nach Leipzig, mit dem Flieger nach Frankfurt und schließlich nach Tel Aviv. Am Abend noch die Weiterfahrt per Bus an den See Genezareth, wo wir die ersten Tage im Nof Ginosar am See Genezareth verbrachten. Der erste Sonnenaufgang über den Golanhöhen (während einer Laufrunde am See) wies den Weg für den zweiten Tag, Der Berg der Seeligpreisungen, Kafarnaum, Migdal/Magdala und die Tauftstelle am Jordan Jardanit. Dazwischen ein Abstecher auf den Golan.

Der dritte Tag begann etwas verschlafen, weil ich das Superbowl-Finale im israelischen Fernsehen gesehen habe (bis 5 Uhr Morgens) – danach zum wach werden eine Runde in den See und los ging es per Bus in den Norden Israels in das Jeckes-Museum in Tefen. Akko, die Gedenkstätte Lohamei Hagetaot und das Benediktinerpriorat Tabgha prägten den Rest des Tages.

Jerusalem
Jerusalem

Weiter ging es nach Tel Aviv in die deutsche Botschaft, nach Alt-Jaffa, Jerusalem ins Olive Tree, an die Klagemauer und Gespräch mit David Vitzthum im Hotel am vierten Tag. Natürlich ging es danach noch in die Stadt ins Cafe Rimon Himo (besten Granatapfelsaft der Stadt und ein langjähriger guter Bekannter als Betreiber) und danach an die Ben Jehuda.

Der fünfte Tag führte uns in die Palästinensischen Autonomiegebiete nach Ramalah in das KAS-Büro zum Briefing, an die Universität Bir Zeit mit einem Gespräch mit Jamil Salem (Direktor des Rechtswissenschaften Instituts), zum Mittagessen in das International Trade Center und am Abend wieder in die Altstadt (Sonnenuntergang vom Dach des Paulushauses am Damaskustor).

Donnerstag, der sechste Tag, führte uns zu den Beduinen nach Rahat, wo wir mehrere Projekte kennenlernten. Besonders beeindruckte die Schule, die wir besuchten. Nach dem traditionellen Mittagessen und einem guten Vortrag über die Stellung der Frauen bei den Beduinen, ging es nach Beer Sheva zu einem Gespräch mit dem Schriftstelle Chaim Noll in seine Haus. Das Abendgespräch mit dem ehemaligen Sprecher der israelischen Armee Arye Shalicar zu sicherheitspolitischen Aspekten holte einige Teilnehmer wieder auf den Boden zurück.

Freitag war der siebte Tag unserer Reise und wir begannen ihn mit einem Besuch in Yad Vashem, bevor es an das Grab von Rabin und Perez auf dem Mt. Herzl ging. Israelmuseum und Model der Stadt Jerusalem sowie ein Abstecher zur Knesseth folgten bevor es am Nachmittag in das österreichische Hospiz und danach auf die Via Dolorosa bis zur Grabeskirche ging. Den Beginn des Shabbat erlebten wir an der Klagemauer.

Knesset
Knesset

Samstag, der achte Tag, war temperaturmäßig der wärmste – Masada und Qumram sowie das Tote Meer (Kalia) standen auf dem Programm.

Sonntag, der neunte und vorletzte Tag, war noch einmal hochpolitisch. Am Gazastreifen erlebten wir die Grenzsituation und die Gefahrenlage für die dort lebenden 900 Mitglieder der Genossenschaft. Zwischenstopp in Sderot an der Polizeistation, bevor es zum Gespräch mit dem Gewerkschaftsdachverband Histratrut nach Tel Avi ging – natürlich auch zu einem kurzen Abstecher mit den Füssen ins Mittelmeer. Abschlussrunde war der Abend im österreichischen Hospiz und noch einmal der Gang zur Klagemauer.

Der zehnte und letzte Tag begann auf dem Ölberg in der Augusta-Viktoria-Kirche (genialer Blick über die Stadt) sowie dem berühmten Panoramablick über die Stadt. Danach blieben noch zwei Stunden zum Erkunden der Altstadt (inklusive der obligatorischen Widmung von Rimon ins Reisetagebuch) und dem besten arabischen Kaffee. Die Flughafen-Check-Inn war erstaunlich unkompliziert und der Flug zurück auch. Mindestens ebenso lange wie die Reise braucht nun die Verarbeitung der Eindrücke.

Neue Freunde und Israel-Fans habe ich gefunden, gute Gespräche mit alten Freunden geführt, Jogging am See Genezareth, ein Bad im See bei ca. 14 Grad, mit dem Mietwagen durch die Stadt gefahren, das Treffen mit Chaim Noll, der Besuch der Schule Al-Salam in Rahat und so viele andere Erlebnisse mehr prägten die zehn Tage.

Vielen Dank an unsere Reiseleiterin Daniela Epstein (seit 25 Jahren kennen wir uns und sind inzwischen gute Freunde) und an Franz-Josef Schlichting, den Leiter der LZT.

„Nächstes Jahr Jerusalem“ – keine Frage!

Die Bildersammlung

 

Nächstes Jahr Jerusalem…

David Witzthum in Erfurt
David Witzthum in Erfurt

Regelmäßig packt mich die Sehnsucht einmal wieder nach Israel zu reisen. Die letzte Fahrt mit der Familie ins Heilige Land liegt nun schon wieder vier Jahre zurück. Gut ein Dutzend Mal war ich in den letzten 25 Jahren in Israel.

Die politische Lage war immer schwierig und wird es wohl auch weiter so bleiben. Heute Abend hatte ich einmal wieder die Gelegenheit, an aktuelle Informationen aus erster Hand zu kommen. Der Journalist David Witzthum aus Jerusalem sprach im Europäischen Informationszentrum über „Israel – gefährdete Demokratie“.

Der Mount Hermon grüßt...
Der Mount Hermon grüßt…

Vor nunmehr über 10 Jahren habe ich David Witzthum auf einer Reise mit der Landeszentrale für politische Bildung in Jerusalem kennengelernt und mich über ein Wiedersehen gefreut. Er erläuterte, dass sich inzwischen das politische Koordinatensystem in Israel verschoben hat. Das klassische Recht-Mitte-Links-Schema tritt in den Hintergrund zugunsten immer mehr klientelbezogen agierender Parteien. Die Interessenvertretung für ethnische Bevölkerungsgruppen dominiert.

Die knapp zweistündige lebhafte Diskussion weckte wieder einmal die Lust darauf, nach Israel zu reisen. Ursprünglich wollte ich im kommenden Jahr mit meinen drei Söhnen nach Israel fliegen. Da dies wahrscheinlich nicht klappt, jedenfalls nicht mit allen dreien, werde ich die Pläne abändern. Aber „nächstes Jahr Jerusalem“ bleibt das erklärte Ziel. Bei einem Glas Weißwein vom Mount Hermon habe ich den festen Vorsatz gefasst einmal wieder vor Ort zu schauen, wie die politische Lage ist und zugleich Freunde zu besuchen.

Vergebene Chance

 

Das Gesprächspodium bei der FES

Zur zweiten Veranstaltung in dieser Woche im Rahmen der 23. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen war ich heute Abend in der Thüringer Staatskanzlei. Am Montag war ich bei der Kooperationsveranstaltung unseres Fördervereins mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und heute Abend bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Mittelpunkt standen beide Male die Beziehungen zwischen Deutschland (bzw. Thüringen) und Israel.

Bei der KAS ging es mehr um den Rückblick und bei der FES um den Ausblick. Auffallend waren die ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen zu den 50 Jahren deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen. Während die KAS die Verdienste von Adenauer und Ben Gurion als Basis herausstellte, fand dieser Punkt bei FES gar nicht statt. Ministerpräsident Bodo Ramelow berichtete von seiner Israel-Reise. Grisha Alroi-Arloser (Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer) zeigte sich erfreut von den geknüpften wirtschaftlichen Kontakten und ging auch auf die aktuellen Themen von der Flüchtlingspolitik bis hin zum wieder stärker werdenden Antisemitismus ein.

Erfreulicherweise gab es dazu sehr klare Worte vom Ministerpräsidenten an die Adresse antiisraelischer Politiker seiner Partei. Der Parteivorsitzende der Thüringer SPD Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein nutzte hingegen seine Gelegenheit nicht. Ich hatte gehofft er würde ähnlich klare Worte zur Position des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters von Jena sagen. Mal wieder eine vertane Chance bei einem insgesamt gelungenen Abend.

Konrad Adenauer und Ben Gurion

Dr. Peter Mensing bei seinem Vortrag

Ausgesprochen gerne habe ich heute Abend eine Veranstaltung in der Kleinen Synagoge in Erfurt zu den 23. Tagen der jüdisch-israelischen Kultur mit einem Grußwort eröffnet.

Israel und Deutschland sind für immer in besonderer Weise miteinander verbunden. Erst 20 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Katastrophe des Holocaust vereinbarten Israel und Deutschland die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dass es dazu überhaupt kam, ist ganz wesentlich Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem israelischen Premierminister David Ben Gurion zu verdanken. Ihre Begegnung am 14.3.1960 im Waldorf Astoria und die persönliche Freundschaft der beiden herausragenden Staatsmänner legte den Grundstein für eine Aussöhnung zwischen dem israelischen und dem deutschen Volk.

Fünf Jahre später, am 12. Mai 1965, wurden die diplomatischen Beziehungen offiziell aufgenommen, aber es war auch ab diesem Zeitpunkt noch ein langer Weg hin zu einer Normalität im Umgang miteinander. Die Verantwortung Deutschlands für die Shoa, dem systematischen Völkermord an sechs Millionen Juden Europas während der Zeit des Nationalsozialismus, steht vor und über dem Beginn der einzigartigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland.

Heute erinnern wir im Rahmen der 23. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen in einer Kooperationsveranstaltung zwischen der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. an 50 Jahre diplomatische Beziehungen. Ich verbinde persönlich mit Israel und damit auch mit dem Thema des heutigen Abends eine Vielzahl an Erlebnissen.

Die erste freigewählte Volkskammer der DDR hatte sich erst 25 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel zu ihrer Verantwortung bekannt. Nach der Wende durfte ich zahlreiche Reisen für die Junge Union nach Israel organisieren und leiten und war inzwischen ein Dutzend Mal in Israel. Am 25. Juni 2001 durfte ich bei einer Veranstaltung im Waldorf Astoria Hotel in New York dabei sein, bei der an die erste Begegnung Adenauers und Ben Gurions an diesem Ort erinnert wurde. Mit einer Delegation der KAS waren wir zu einem Besuchsprogramm mit der Partnerorganisation American Jewish Committee (AJC) in Amerika. Anlässlich des 125. Geburtstags von Adenauer würdigte Helmut Kohl den Beitrag Adenauers zur Verständigung und Versöhnung zwischen Juden und Deutschen. Patrick Adenauer, ein Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers übergab im Rahmen der Festveranstaltung an Alon Ben Gurion, die geschichtsträchtige Fotografie ihrer beiden Großväter.

Ich bin seit vielen Jahren auch Mitglied der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft. 1966 wurde die Gesellschaft als Freundschaftsorganisation gegründet. Die DIG ist ein wichtiger Mosaikstein geworden um Kontakte und Austausche zu pflegen.

Die Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur widmen sich dem Anliegen die Vielfalt jüdischer Kultur an vielen Orten in Thüringen zu präsentieren. Neben der reichhaltigen jüdischen Geschichte, die in Erfurt besonders greif- und begreifbar ist, schlagen wir den Bogen in die Gegenwart. Musik, Film, Buchlesungen, Tanz und Theater sind Beispiele für die Vielfalt jüdischer Kultur, die wir an über einem Dutzend Orten in Thüringen vom 24. Oktober bis 21. November, also bis zum kommenden  Wochenende noch präsentieren.

Als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Alte und Kleine Synagoge und Politiker freue ich mich aber auch, dass wir im Rahmen der von uns organisierten Kulturtage auch immer wieder auch politische Themen aufgreifen. Ich danke ausdrücklich der Konrad-Adenauer-Stiftung als einem unserer Kooperationspartner für den heutigen Beitrag mit dem Vortrag von Dr. Peter Mensing zu den Kulturtagen.

Podiumsdiskussion zu den jüdisch-israelischen Kulturtagen

Dr. Seligmann bei seinem Einführungsvortrag

Ausgesprochen erfolgreich laufen derzeit die 23. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen. Vor zehn Tagen war die Eröffnung in Gera und bis zum 21. November werden noch zahlreiche Veranstaltungen folgen. Zum zweiten mal nach 2014 sind die Kulturtage ein Projekt des Netzwerkes jüdisches Leben in Thüringen.

Über 100 Veranstaltungen in ganz Thüringen bieten ein buntes Programm. Das Konzept unserer Projektleiterin Caroline Fischer geht auf und findet bemerkenswerte Resonanz. Leider hatte ich in diesem Jahr erst die Gelegenheit drei Veranstaltungen der Kulturtage zu erleben und am Infostand in der letzten Woche im Anger 1 werbend dafür mitzuwirken – aber es kommen ja noch zahleiche Gelegenheiten. In zwei Wochen am 16.11. werde ich die Kooperationsveranstaltung mit der KAS zum Thema „Konrad Adenauer und David Ben Gurion“ in der Kleinen Synagoge mit einem Grußwort für unseren Förderverein Alte & Kleine Synagoge begleiten. Der Historiker Dr. Peter Mensing wird den Bogen Israel und Deutschland 1965-2015: 50 Jahre Diplomatische Beziehungen schlagen.

Heute Abend fand in der Thüringer Staatskanzlei eine gelungene Kooperationsveranstaltung mit dem Europäischen Informations-Zentrum statt. Rund 120 Gäste folgten den Einführungsworten von Ministerpräsident Bodo Ramelow (der auch Schirmherr der Kulturtage ist) in denen er auf seine gerade zu Ende gegangene Israel-Reise Bezug nahm.

Ihm folgte ein Impulsvortrag von Dr. Rafael Seligmann. Der Herausgeber der Jewish Voice from Germany lobte Erfurt und Thüringen für die Verdienste um die Aufarbeitung unserer reichhaltigen jüdischen Geschichte, aber wünschte sich viel mehr aktuelles jüdischen Leben in den Synagogen. Nach einem Streifzug durch die Geschichte der letzten 100 Jahre unter dem Titel „Gehen müssen oder bleiben? – Europas Juden auf der Suche nach Sicherheit und Heimat“ war er schnell in der politischen Gegenwart angelangt. Die jüdische Identität ist für ihn Teil der europäischen Identität – dies forderte er nachdrücklich ein. In der anschließenden Podiumsdiskussion war sich dann sowohl Ramelow als auch Seligmann  einig, dass gerade die Lehren aus der Vergangenheit eine besondere Verpflichtung für die Gegenwart sind.

Programm der Kulturtage: http://www.juedische-kulturtage-thueringen.de/

Hafen der Hoffnung Haifa – Das Tor Israels

Der Filmautor und Journalist Dietmar Schulz

Zur Vorpremiere und Welturaufführung lud die Erfurter Stadtverwaltung gestern Abend in die Alte Synagoge ein. Der langjährige ZDF-Korrespondent in Israel Dietmar Schulz hat den 45minütigen Dokumentarfilm für das ZDF gedreht.

Darin wird der Hafen von Erfurts Partnerstadt Haifa als Dreh- und Angelpunkt der Einwanderung von Juden nach Palästina in den Blickpunkt genommen. Zugleich kommen viele Zeitzeugen zu Wort, die aus Erfurt, Mainz, Bremen und Dortmund den Todeslagern in Deutschland in letzter Minute entkommen konnten und ihr neues Leben in Israel aufbauten. Der Hafen von Haifa war ihr Tor in ein neues Leben.

Mich hat der Film sehr beeindruckt, zumal ich unsere Partnerstadt Haifa von vielen Besuchen gut kenne. Am 12. Mai wird der Dokumentarfilm dann erstmals öffentlich im Abendprogramm des ZDF gesendet. Der 12. Mai ist in diesem Jahr ein ganz besonderer Tag. An ihm wird an 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland erinnert.

22. Tage der jüdisch-isaelischen Kultur in Jena eröffnet

Gil Yaron in Jena

Heute Abend waren die Rosensäle der Uni Jena Veranstaltungsort der Eröffnung de 22. Tage der jüdisch-israelischen Kultur eröffnet. Oberbürgermeister Schröder übernahm die Begrüßung und der Journalist Gil Yaron hielt einen Vortrag zum Thema „Juden oder Hebräer? – die Identität des Staates Israel“.

Der Saal war mit knapp 100 interessierten Gästen gut gefüllt. Auch der MDR war mit einem Kamerateam vor Ort. Als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Alte und Kleine Synagoge e.V. (Ausrichter der Kulturtage) habe ich mich darüber gefreut, aber auch etwas geärgert.

In den letzten Jahren wurden die Kulturtage immer im Festsaal des Erfurter Rathauses eröffnet. Das ansprechende Eröffnungsprogramm lockte in jedem Jahr nicht nur viele Besucher, sondern auch die Ministerpräsidenten Vogel und Althaus, Minister und Botschafter an.

In diesem Jahr klappte beides nicht. Minister Matschie sagte kurzfristig ab – obwohl wir statt Erfurt in Jena waren. Die Stadt Erfurt schmückt sich zwar auch in diesem Jahr gerne mit den vielen Angeboten der Kulturtage, aber hat die Unterstützung aus vergangenen Jahren um die Hälfte reduziert. Die zuständige linke Beigeordnete lehnte einen Aufstockung der Förderung ab und auch ein Brief an den Oberbürgermeister half nichts.

Damit ist die Landeshauptstadt die einzige der vielen Thüringer Austragungsstädte, die ihre Unterstützung zurück fährt. Wir haben die Eröffnung auch deshalb in Jena gemacht. In den nächsten drei Wochen gibt es noch viele tolle Veranstaltungen im Rahmen der 22. Tage der jüdisch-israelischen Kultur und danach planen wir die 23. Tage.

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