Mali

Besuch aus Kati

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Issiaka Coulibali und Bernward Credo

Besuch aus unserer Partnerstadt Kati ist derzeit in Erfurt zu Gast. Issiaka Coulibali ist aus dem westafrikanischen Mali für zehn Tage nach Erfurt gekommen und ich habe mich heute Abend in der Kleinen Synagoge gefreut. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Freundeskreises Kati, Bernward Credo, hielt er einen Vortrag über die Lebenssituation in Mail.

Nicht nur weil bei der Bilderpräsentation viele Bilder von mir von unserem Besuch im Januar/Februar dabei waren, sondern weil auch die halbe Reisegruppe zu Gast war, waren sofort wieder alle Erinnerungen da. Auch die damaligen Auszubildenden (inzwischen haben sie ausgelernt), die im Waisenhaus in Kati eine Solaranlage instaliert haben, berichteten von ihrem Projekt. Gut, dass die Partnerschaft so funktioniert, dass man in Kontakt bleibt und gut, dass sich 30 Besucher für das Leben in Mali interessierten. Issiaka werde ich in den nächsten Tagen noch einige Male in Erfurt treffen. Unter anderem auch am Dienstag beim Spiel RWE – Werder Bremen.

Weitere Unterstützung für die Partnerstadt Kati diskutiert

Das mit Geldern von Gaddafi gebaute Regierungsviertel in Bamako
Das mit Geldern von Gaddafi gebaute Regierungsviertel in Bamako...

Beim Nachtreffen der Kati-Reisenden haben wir am Montag Abend mit dem Oberbürgermeister Andreas Bausewein ein Fazit unserer Reise gezogen und uns über den vorläufigen Abschluss der vor Ort begonnenen Hilfeprojekte informiert.

Eine Video/Foto-DVD hat unser Mitreisender Helmut Besser erstellt. Auf der DVD finden sich auch viele Bilder aus meiner Sammlung. Die Erinnerungen an die Woche in Mali war beim Betrachten der Bilder bei den Kati-Mitreisenden wieder sofort präsent.

...und bittere Armut nur wenige hundert Meter entfernt
...und bittere Armut nur wenige hundert Meter entfernt

Wolfgang Reisen, ehemals Geschäftsführer der Stadtwirtschaft, rief uns aber mit seinem Reisebericht schnell auch wieder die riesengroßen Probleme unserer Partnerstadt in Erinnerung. Er war noch zwei Wochen länger im Land, um eine umfängliche Analyse über das (nichtbestehende) Abfallentsorgungssystem zu erstellen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

Zu den kurzfristig realisierbaren Vorschlägen gehört die Einrichtung von bewirtschafteten Müllsammelplätzen in der Stadt und der Aufbau einer Verwertungskette für Bio-Müll, Metall und Plastik. An eine Entsorgungssystem mit Müllfahrzeugen (die beiden vorhandenen stehen ungenutzt und defekt herum, selbst wenn sie fahren würden fehlte der Sprit) ist kurzfristig noch nicht zu denken. Ein ähnlich großes Problem wie der Müll ist das Thema Abwässer. Klärranlagen oder selbst Klärrgruben gibt es praktisch nicht – auch auf diesem Gebiet gibt es viel zu tun.

kati1Abgearbeitet hat die Firma Nell ihr erstes Projekt in Kati. Die Solaranlage ist auf dem Dach der Stadtverwaltung installiert und sie liefert Strom. Problematisch kann jedoch die Wartung vor Ort werden, da dazu geschultes Personal notwendig ist. Im nächsten Schritt sind jetzt weitere Referenzprojekte geplant, um Perspektivisch eine Stromversorgungsvariante für Teile des Landes entwickeln zu können. Die Firma Nell und weitere Partner werden am Ball bleiben.

Bereits letzte Woche haben wir im Freundeskreis Kati praktische Hilfsmöglichkeiten für das kommende Jahr besprochen. Ich freue mich darüber, dass auch kleine Initiativen sich für Kati engagieren. Kommenden Montag wird der Stadtführer Roland Büttner beispielsweise eine Stadtführung mit Spendensammlung für Kati um das Bahnhofsareal organisieren. Auch die Initiativen für Schul- und Kitaerweiterungsbauten gehen weiter.

Wie dringend Mali Hilfe braucht wurde am Wochenende auch bei einem Beitrag im Weltspiegel der ARD deutlich. In dem Bericht ging es um das Engagement Libyens und des Diktators Gaddafi. Mit viel Geld, dass er nach Mali unter anderem in den Bau des Regierungsviertels pumpte versuchte er, sich größere Landflächen zu sichern und Einfluss zu nehmen. Wenn eines der ärmsten Länder der Welt am „Tropf“ eines Diktators hängt, erfordert dies ein aufmerksames Hinsehen und ein verstärktes Engagement Europas. Einen kleinen Beitrag können auch wir dazu leisten.

Abschied von Kati

Abschlußtag (79)Knapp eine Woche waren wir in Kati, unserer elften Partnerstadt, zu Gast. Wir wurden dort mit unwahrscheinlicher Herzlichkeit empfangen und so war der Abschied heute nicht leicht. Gerne hätten wir noch mehr gesehen und einige Projekte mehr begleitet und angeschoben. Aber die Reise soll ja mindestens der Auftakt zu weiteren Reisen sein.

Einen gelungenen Abschlußpunkt setzte der Besuch in dem kleinen Dorf Sirakoro-Niare bei Kati. Das ganze Dorf mit 1.200 Einwohnern begrüße uns am Ortseingang mit Tanz, Musikinstrumenten und Applaus und ging mit uns gemeinsam ins Dorf zum „Palaver“ mit den Dorfältesten, die unter Bäumen auf dem Dorfplatz warteten.

Abschlußtag (90)Über die Hälfte der Einwohner sind Kinder und so hat die Schule eine große Bedeutung, die wir noch besichtigten. 250 Schüler, die Hälfte sind Mädchen gehen bis zur 6. Klasse zur Schule und werden von sechs Lehrern unterrichtet.

Die Fülle der Eindrücke erlaubt noch kein Fazit – auch weil der letzte Tag noch so viel interessante Dinge brachte. 23.30 Uhr startete der Flug zurück nach Paris und dann weiter nach Leipzig. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Erfahrungen machen konnte. Im Freundeskreis Kati werde ich mich engagieren, viel weiter erzählen von Mali und die Bilder weiter zu verbreiten.

Yokoro (Tukuru Kuku)

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In der Kita in Kati

In Kati werden jährlich 3.500 Kinder geboren, bei rund 50.000 Einwohnern. In Erfurt zum Vergleich bei 200.000 Einwohnern lediglich 1.700. Am Montag haben wir mehrere Einrichtungen für Kinder besucht.

In der kommunalen Kindertagesstätte werden derzeit über 200 Kinder zwischen 3 und 5 Jahren betreut. Allerdings geht es in den Räumen richtig eng zu, denn es gibt für sie nur drei. Eine Erweiterung ist daher dringend notwendig. Karin Landherr hat dafür Spenden gesammelt und konnte einen Scheck über 2.500 Euro überreichen.

Neugierig kamen die Kinder auf uns zu um uns die Hand zu geben oder in die Wange zu kneifen. Viele von ihnen hatten noch keine weisshäutigen Männer gesehen. Im Gespräch mit der Kitaleiterin erfuhr ich, dass der Besuch freiwillig und kostenpflichtig ist.

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Krankenhaus von Kati

Einige Erzieherinnen hatten ihre Babys gleich auf den Rücken gebunden, gut dass Kinder und Erzieherinnen nun etwas mehr Platz bekommen.

Bei dem unausweichlichen Palaver mit Stadträten, Senatoren und Ausschussvorsitzenden würdigte Katis Bürgermeister die Hilfe aus Erfurt mit den worden wir würden „nicht nur reden, sondern handeln“. Sach- und Geldspenden, die Photovoltaikanlage, Hilfe von der GTZ und der KfW-Bank sind Ergebnisse die ankommen. Bevor es nach Bamako zurück ging besuchten wir noch das Krankenhaus. Hier fehlen nicht nur Medikamente und Ärzte sondern nahezu alle Infrastruktur. Die wenige vorhandene Technik wird durch den ständigen Staub schnell unbrauchbar.

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Clown Helmi in Aktion

Nach der Mittagssiesta ging es noch einmal nach Kati, dieses Mal in die Schule. In der Grund- und Gemeinschaftsschule sind Kinder von der 1. bis zur 9. Klasse, danach gibt es noch Gymnasien. In der weitläufigen Schule gibt kein zentrales Schulgebäude sonder Klassenzimmer die im Gelände verteilt sind. Auf dem zentralen Platz warteten 1.000 Schüler, nicht nur auf uns sondern vor allem auf dem angekündigten Yokoro (ausgesprochen klingt es wie Tukuru Kuku). Das bedeutet lustiger Mann oder einfach nur Clown. Unser Stadtratskollege und Ortsteilbürgermeister Helmut Besser schlüpfte in sein Kostüm als Clown Helmi und verblüffte die Kinder. Am Ende war die Begeiterung so groß, dass sie auf den Yokoro zu zudrängten, dass das Gewimmel kaum noch zu trennen war. 

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Voller Einsatz...

Als dritte Stadion in Kati besuchten wir das Fußballstadion – na gut etwas übertrieben. Es war ein Hartplatz mit Steinen, die den Spielern bei Stürzen schmerzhafte Verletzungen beibrachten. In einem Freundschaftsspiel spielten zwei Mannschaften aus Kati gegeneinander (beide in der 2. Liga von Mali). Eine Tribüne, einen Vip-Bereich, Polizei zur Absicherung und eine Armeekapelle gab es auch. Neben den Spieler, waren bei über 30 Grad auf dem staubigen Platz vor allem die Sanitäter gut beschäftigt.

Das Spiel endete 0:0 aber es war Wahnsinn wie sich die Spieler reingehangen haben, teilweise sogar ohne Fußballschuhe aber mit Sandalen. Eine Rasenheizung werden sie hier nie brauchen. Höchstwahrscheinlich wird sich auch der Wunsch nach einem Rasenplatz hier nie realisieren lassen.

Tukurukuku (298)Den Spielern bleibt zu wünschen, dass einige ihren Weg machen. Talent und Engagement haben wir in Hülle und Fülle gesehen. Nach dem Spiel gab es drei neue Trikotsätze und zwölf Fußbälle für die Sportzukunft von Kati.

Nach dem Spiel trafen wir noch drei Azubis aus Erfurt von der Firma PV Chrystal, die auf dem Waisenhaus derzeit die Solaranlage montieren. Am Mittwoch fliegen sie mit uns zurück nach Deutschland. Bei allem Temperaturstreß auf dem Dach des Waisenhauses macht es ihnen Spaß sich hier mit ihrer Firma zu engagieren. Auf der Rückfahrt waren wir schon kaum noch von manchen Lösungsansätzen der Verkehrsprobleme zu überraschen.

Bei einer Taxifahrt vom Hotel zum Restaurant San Toro, einem der besten Restaurants in Bamako, war wegen dem ständigen Dauersmog schon in der Dämmerung kaum noch was zu sehen.

Bilder vom Tag:

Armut, die Betroffenheit auslöst

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Große Wäsche in Kati

„Armut ist die schlimmste Menschenrechtsverletzung in Mali“ so sagte es uns der deutsche Botschafter am ersten Tag unserer Reise. Wir wussten alle in der Delegationsgruppe vor Reiseantritt, das Mali zu den drei ärmsten Ländern der Welt gehört.

Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, wenn man von Armut in den Medien liest und die Bilder im Fernsehen sieht, oder Armut an jeder Straßenecke erlebt und in die Gesichter der Kinder blickt.

Beim Gang durch unsere Partnerstadt sahen wir vor allem abseits der beiden einzigen Teerstraßen, die die Stadt kreuzen, bittere Armut und Kinder, die auf Müllhalden spielten, waren leider keine Seltenheit.

Auf dem Markt der Stadt pulsierte das Leben auch am Sonntag. Für europäische Verhältnisse allerdings mit katastrophalen hygienischen Bedingungen. Fisch, Fleisch und viele Dinge, die wir gar nicht einordnen konnten, unmittelbar neben einer provisorischen Kanalisation. Wenige hundert Meter weiter mitten in der Stadt ein Anbaugebiet für Gemüse, welches von einer Art Genossenschaft betrieben wird. Für alle in der Gruppe waren dies prägende Einblicke hinter die Fassaden unsere Partnerstadt. 

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Mopeds wohin man sieht

Gleichzeitig sahen wir aber auch die ausgelassene Freude der Menschen in Mali. In tollen Kleidern und Trachten wurden mehrere Hochzeiten neben dem Rathaus gefeiert. Sonntag ist Hochzeitstag und da versammeln sich alle Freunde, so dass das Standesamt bei jeder Trauung überfüllt ist. Zum Hochzeitskorso durch die Stadt brechen danach dutzende Mopeds auf. Auch darauf selbstbewußt und in Festtagskleidung junge Frauen und Männer.

Am Nachmittag besuchten wir das Nationalmuseum in Bamako. Ein eigentümlicher Kontrast für uns zu den gerade gesehenen Bildern in Kati. Der Nationalpark ist ein wunderschön angelegter Park und ein Museum, welches die Stoffproduktion, Masken und Rituelle Gegenstände der Geschichte Malis präsentiert.

Zur anschließenden Bootsfahrt auf dem Niger hielten wir einige hundert Meter vor dem Fluß und gingen durch eines der zahlreichen Armutsviertel der Stadt. Unbeschreibliche Zustände, vor allem aber die fehlende Kanalisation, ganz zu schweigen von der nicht vorhandenen Müllentsorgung erschreckten uns.

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Der Fluß Niger zieht sich durch die Stadt Bamako und durch das ganze Land

Während einer Kahnfahrt auf dem Niger, der Lebensader des Landes sahen wir am Uferrand wieder die krassen Gegensätze. Aufwändig gebaute Villen am Ufersrand und direkt daneben Blechhütten, in denen die Angestellten wohnen. Wäsche waschen und Köperpflege findet alles im Fluß statt, während nur wenige Meter daneben die Abwässer in den Fluß sickern. Es ist nur schwer zu ertragen, wenn man Kinder sieht, die im Müll spielen, während daneben notdürftig Müll verbrannt wird.

Das Durschnittseinkommen in Mali liegt umgerechnet bei einem Euro pro Tag und die Lebenserwartung bei 55 – 60 Jahren. An beiden Zahlen wird sich sobald auch leider noch nicht viel ändern. Auch wenn wir nur einen Mosaikstein legen können, ist unsere Hilfe in unserer Partnerstadt Kati (über)lebensnotwendig.

Die Bilder vom Tag:

Mali – ein Land voller Gegensätz

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Grundstein für das Frauenzentrum in Kati

In Bamako, der Hauptstadt von Mali sind die Gegensätze offensichtlich. Am Morgen mussten wir ersteinmal wieder umziehen. Nachdem wir im ursprünglichen Hotel bei der Anreise nicht die reservierten Zimmer beziehen konnten (eine westafrikanische Delegation war „schneller“), verbrachte die Hälfte unserer Gruppe die Nacht im Azalai Hotel Salam. Sowohl mit den Hotelpreisen, als auch mit der Ausstattung kann das Hotel mit westeuropäischen Standarts mithalten. Pool, gepflegter Garten, am Niger gelegen und vis a vis dem Regierungsviertel.

Ganz anders sieht es in den umliegenden Stadtbezirken aus. Dichter Verkehr, vor allem Mopeds und einfachste Hütten, neben alten Kolonialbauten. Der deutsche Botschafter Karl Flittner gab uns einen guten Einblick in Geschichte und Gegenwart von Mali. Seit 1960 ist die ehemalige französische Kolonie ein eigener Staat. Aber die französische Klüngelpolitik prägte das Land fast drei Jahr Jahrzehnte. Die gegenwärtigen Konflikte in mehreren benachbarten Ländern sind aber dennoch in Mali nicht zu spüren.

2. Tag Bamako (140)Bereits 1991 fand in Mali ein großer Umbruch mit Demokratisierung und Dezentralisierung statt. Seit dem ist Mali in 8 Regionen plus den Hauptstadtdistrikt Bamako gegliedert. Mali hat in Afrika einen guten Ruf, es gibt eine Demokratie mit mehreren Parteien (allein drei sozialdemokratisch geprägte Parteien) und einer freien Presse – dies ist in Afrika nicht selbstverständlich. Die Hauptstadt Bamako ist explosionsartig gewachsen von ehemals 200.000 auf 2 Millionen ist die Einwohnerzahl gestiegen. Damit einher gehen die zentralen Probleme des Landes Wasser, Entsorgung und Transport. Ebenfalls schwierig gestaltet sich das Bildungswesen und die medizinische Versorgung.

Gute Schulen gibt es nur als Privatschulen und die meisten Krankenhäuser entstanden durch andere Länder wie China, Deutschland und Holland. Die Hauptkranheiten sind immer noch HIV, TBC und Malaria, wobei bei HIV die Prävalenz unter 2 Prozent liegt, wie uns der Botschafter erklärte. Bei der dynamischen Bevölkrungsentwicklung im moslimisch geprägten Land ist nach den Worten des Botschafters die größte Menschenrechtsverletzung die Armut der Bevölkerung. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern ist die Repression durch Staat und Polizei kein wirkliches Problem in Mali. Zu den wichtigste Exportgütern gehört Baumwolle und Gold. Mit 50 Tonnen Gold jährlich ist Mali eines der bedeutensten Goldländer.

2. Tag Bamako (172)
Mit dem Bürgermeister von Kati

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft befindet sich im Wandel. Wenngleich das Gesetz, welches bis zu vier Frauen erlaubt zwar parlamentarisch beschlossen, aber vom Präsidenten nicht unterzeichnet wurde, gibt es doch erhebliche Veränderungen. Unter anderem die Botschafterin Malis in Deutschland macht sich in ihrer Heimat für die Rechte von Frauen stark. Von Genitalverstümmelungen sind in Mali 85 Prozent der Frauen betroffen. Zwar ist dies nicht mehr erlaubt, wird aber starfrechtlich nicht sanktioniert.

Am Nachmittag fuhren wir in unsere Partnerstadt nach Kati. Leipzig hat schon seit DDR-Zeiten eine Partnerschaft mit Bamako, Chemnitz mit Timbuktu und wir nun mit Kati. Kati hat rund 40.000 Einwohner und ist eine Vorstadt von Bamako.

2. Tag Bamako (193)
Mopeds sind Transportmittel Nummer 1

Im Rathaus empfing uns der Bürgermeister Hamala Haidara mit der für das ganze Land typischen Freundlichkeit der Menschen. Quer durch Kati ging es danach in den Vorort Farada, wo uns eine große Menschenmenge erwartete. Rund 1000 farbenfroh gekleidete Frauen, Kinder und viele Offizielle wollten mit uns die Grundsteinlegung für das Frauenzentrum feiern. Traditionelle Musik und Tanz und etliche Reden von Stammes- und Dorfältesten sowie regionalen Abgeordneten und Kommunalpolitikern bildeten das Programm. Oberbürgermeister Andreas Bausewein konnte dabei den ersten Scheck aus Spenden in Erfurt in Höhe von 25.000 Euro übergeben. Noch einmal die doppelte Summe wird benötigt – wir werden als Partnerstadt die Summe sammeln.

Alle Bilder des Tages:

Vierzig Grad Temperaturdifferenz von Erfurt nach Mali

Winter
Das Bild werden wir in Mali nicht sehen...

Bei der Abreise am Erfurter Rathaus lag ein wenig Schnee. Aber nicht soviel, dass sich unser Oberbürgermeister Andreas Bausewein Sorgen um den Winterdienst machen müsste, und so konnten wir relativ beruhigt heute Morgen in ein Land aufbrechen, wo Schnee völlig unvorstellbar ist. Für die nächste Woche werde ich mit einer Delegation unter Leitung des OB mit Stadtratskollegen in Mali sein.

Die Städtepartnerschaft mit Kati werden wir dort besiegeln und konkrete Hilfeprojekte vor Ort besichtigen, bzw. anschieben. Unsere neue Partnerstadt hat 40000 Einwphner und ist 15 km entfernt von der Hauptstadt Bamako. Falls ich dort ins Netz komme, werde ich täglich hier auf der Homepage Bilder und Infos ins Netz stellen. Bereits vor Ort ist Wolfgang Reisen, ehemaliger Geschäftsführer der Erfurter Stadtwirtschaft. Es wäre eine tolle Sache, wenn der Aufbau eines Müllentsorgungssystems vor Ort gelingt. Hilfe zur Selbsthilfe soll über allen gemeinsamen Projekten stehen.

Wir werden unter anderem den Grundstein für ein dort zu bauendes Frauenhaus legen, eine von Erfurter Unternehmen gestiftete Solaranlage (hoffentlich) in Betrieb nehmen und natürlich viele Gespräche führen. Ich bin neugierig auf ein Land, von dem ich bis jetzt praktisch gar nichts wußte. In den letzten Wochen habe ich mich nach jeder Impfung zur Reisevorbereitung (insgesamt waren es sieben) etwas mehr im Netz und Gesprächen über Mali informiert. In Erfurt gibt es bereits einen Freundeskreis Kati. Vom Vorsitzende Bernward Credo habe ich eine große Kiste Wörterbücher für eine Schule in Mali im Gepäck. 

Zunächst sind wir aber noch auf dem Weg dahin. Mit zwei Kleinbussen geht es nach Leipzig, von dort mit dem Flieger nach Paris und dann direkt nach Bamako. Heute Abend gegen neun Uhr wollen wir dort sein. Die leicht verschneite Winterlandschaft mit Minusgrade entlang der Autobahn passt so gar nicht zu den Wetterprognosen der nächsten Tage. Gestern waren es in Kati 37 Grad und selbst in der Nacht bis zu 33 Grad…