Senioren

Sozialstruktur für Senioren erhalten

Kürzlich beklagten sich Erfurter Senioren in einem Schreiben über Schließungen von Seniorenklubs.

CDU-Fraktionschef Michael Panse sieht auch in diesem Bereich Auswirkungen der vorläufigen Haushaltsführung. Es gibt in dem Zusammenhang zwar verschiedene Normierungen im Bereich der Jugendhilfe. Für die Senioren ist die Situation jedoch völlig ungeklärt. Wie es zu den temporären Schließungen kam, muss nun geklärt werden. Die Erfurter Senioren dürfen in einer funktionierenden Sozialstruktur nicht vergessen werden.

Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Hans Pistner begrüßt die im Sozialausschuss vorgeschlagenen Maßnahmen der Stadtverwaltung hinsichtlich der Gewährleistung der Arbeit in verschiedenen Erfurter Seniorenklubs. Die Verwaltung kündigte die Bereitstellung personeller Ressourcen an, sodass der künftige Betrieb kontinuierlich gewährleistet werden kann.

Pistner betont daher: „Es ist gut, dass es in den Seniorenklubs weiter geht. Die Senioren waren zu Recht verärgert. Bedauerlich ist, dass die Verwaltung erst durch das offene Schreiben der Senioren aktiv wurde. Hätte sich die Verwaltung rechtzeitig damit befasst, hätte man die Schließungen und den Ärger vermeiden können.“

Fraktionschef Panse sieht eine Soziale Stadt wie Erfurt jedoch als ganze und damit generationenübergreifend: „Trotz der Schwierigkeiten der vorläufigen Haushaltsführung dürfen wir nicht nur die Jugendhilfe im Blick haben, sondern auch die Belange der Erfurter Senioren. Der demografische Wandel ist mit einer älter werdenden Bevölkerung auch in Erfurt deutlich spürbar.“

Die CDU-Fraktion begrüßt, dass die Verwaltung Möglichkeiten anbietet, die soziale Struktur auch für ältere Menschen aufrecht zu erhalten. Dabei sind personelle Verschiebungen innerhalb der Verwaltung sowie Kooperationen mit verschiedenen Trägern in den Blick zu nehmen.

Neuer Vorstand beim Landesseniorenrat

Sozialministerin Heike Werner und eine ihrer Amtsvorgängerinen Irene Ellenberger

Gemäß Thüringer Seniorenmitwirkungsgesetz bin ich als Generationenbeauftragter beratendes Mitglied im Landesseniorenrat. Dem Landesseniorenrat gehören als stimmberechtigte Mitglieder die kommunalen Seniorenbeauftragten und sechs von der Landesseniorenvertretung entsandte Mitglieder an.

Beim heutigen Treffen des LSR stand nach der Kommunalwahl im letzten Jahr die Neuwahl der Vorsitzenden und ihrer Stellvertreter auf dem Programm. Im Haus des Thüringer Sports gab dabei die ehemalige Sozialministerin und bisherige Vorsitzende des Landesseniorenrats Irene Ellenberger den Staffelstab an ihre Nachfolgerin Hannelore Hauschild aus Gera weiter.

Irene Ellenberger wird nun zukünftig als Stellvertreterin gemeinsam mit Peter Heide aus Weimar die Arbeit der LSR unterstützen. Sehr umfänglich haben wir heute eine Stellungnahme zur 1. Thüringer Seniorenbericht diskutiert. Groß sind die Erwartung der Mitglieder des Landesseniorenrats an die Seniorenpolitik der neuen Landesregierung.

Sozialministerin Heike Werner und ihre Staatssekretärin Ines Feierabend waren bei der Sitzung zu Gast und sprachen über die anstehenden Aufgaben. Das Seniorenmitwirkungsgesetz soll zu einem Seniorenmitbestimmungsgesetz entwickelt werden. Altersarmut wird ebenso eine wichtiges Thema in der kommenden Wahlperiode sein, wie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Bei der Sitzung des Sozialausschusses des Erfurter Stadtrats ging es heute Abend noch einmal um Seniorenpolitik bzw. das Seniorenmitwirkungsgesetz. Der Antrag der CDU-Stadtratsfraktion, die Satzung des Seniorenrats entsprechend den Vorgaben des Seniorenmitwirkungsgesetzes anzupassen, wurde endlich umgesetzt. Vor drei Monaten hatten wir dies im Stadtrat beantragt – jetzt hat eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Senioren, der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung eine entsprechende neue Satzung erarbeitet.

„Alte, die immer aktiver werden und Junge, die es wegzieht – Generationen im Wandel! Stirbt Thüringen aus oder welche Projekte brauchen wir?“

Vortrag bei der Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“, 22. Oktober 2014, Lutherhaus Jena, Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Jena

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Veranstalter haben mir für meinen Vortrag das Thema gestellt: „Alte, die immer aktiver werden und Junge, die es wegzieht – Generationen im Wandel! Stirbt Thüringen aus oder welche Projekte brauchen wir?“

Mein Vortrag gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“. Es war mir eine Freude, diese Ausstellung mit Fördermitteln aus meinem Bereich unterstützen zu können. Der Titel der Ausstellung trifft die Aussage, dass von etwas zu träumen kein alleiniges Vorrecht der Jugend sei, sondern auch zum hohen Alter gehöre.

Aber was ist überhaupt „Alter“? Letztlich ist Alter ein relativer Begriff. Am 30. September fand in Erfurt eine Fachtagung der Thüringer Landesseniorenvertretung zum Thema „Der Alltag von hochaltrigen Menschen: Teilhabegefährdungen und –chancen“ statt. Zu den Vortragenden gehörte auch Herr Joseph Hinke, ein 99-Jähriger aus Saalfeld, der über seine Lebenserfahrungen und Aktivitäten berichtete. Er lebt in einer betreuten Wohnform in der Nachbarschaft eines Pflegeheims und betonte, dass er „noch nicht zu den alten Leuten“ im Pflegeheim gehöre.

Alte, die immer aktiver werden“ – den Anfang des mir gestellten Vortragsthemas würde Herr Hinke vielleicht so gar nicht für sich gelten lassen, denn alt sind für ihn jene, die keine Aktivitäten mehr entfalten und nur noch passiv dahinleben.

Aber auch, wenn man nicht nach dem Grad der aktiven Lebensgestaltung, sondern nach den tatsächlichen Lebensjahren fragt, bleibt für die größte Spanne der Lebenszeit Alter etwas Relatives.

Egal in welcher Generation man die Frage stellt, wer für alt gehalten wird, liegt der Altershorizont durchgängig etwas zwanzig Jahre entfernt. So ist für einen 15-Jährigen ein 35-Jähriger alt und für einen 75-Jährigen ein 95-Jähriger.

Der Generali Zukunftsfonds wollte es genauer wissen und hat 2013 in seiner Altersstudie zur Lebenswelt der 65- bis 85-Jährigen auch gefragt, ob man sich selbst für alt hält. Das Ergebnis lautete: 58 % der Befragten würden sich selbst nicht als „alte“ Menschen bezeichnen. Fragte man allein die 65- bis 75-Jährigen, sind es sogar 67 %.

1997 starb in Frankreich im Alter von 122 Jahren die erste und bisher weltweit einzige Frau, für welche zweifelsfrei dokumentiert werden konnte, dass sie älter als 120 Jahre geworden ist. In hundert Jahren dürfte sie vermutlich größere Gesellschaft bekommen haben und vielleicht werden im Jahr 2114 dann 100-Jährige entsprechend der genannten „20-Jahre“-Regel die über 120-Jährigen und nicht sich selbst für alt halten. Übrigens gibt es Bevölkerungsforscher, die davon ausgehen, dass bereits ein Viertel der jetzt geborenen Mädchen 100 Jahre alt werden.

Heute leben in Deutschland über 14.000 Menschen, die 100 Jahre und älter sind, davon rund 280 in Thüringen. Die Zahl der über 100-Jährigen hat sich in den letzten 30 Jahren in Deutschland etwa verzehnfacht.

Wer jetzt in Thüringen 100 Jahre alt wird, und wer dem Einwohnermeldeamt die Weitergabe dieser Information und der Kontaktdaten nicht untersagt hat, bekommt auch ein Glückwunschschreiben aus der Staatskanzlei.

Im letzten Jahr gratulierte die Thüringer Ministerpräsidentin 135 Thüringerinnen und Thüringern zu ihrem 100. und zwei weiteren bereits zu ihrem 107. Geburtstag. Eine der beiden, Gerda-Marie Becker, feierte als älteste Thüringerin am 14. April 2014 in Gotha bereits ihren 108. Geburtstag. Auch sie muss trotz ihres hohen Alters relativ aktiv sein, denn sie lebt noch allein in ihrer Wohnung in der Gothaer Innenstadt.

„Alte, die immer aktiver werden“ – das kann auch so aussehen, wie bei Johanna Quaas aus Halle. Das Bild zeigt sie bei einem Wettkampf in Cottbus vor zwei Jahren. Dabei erstellte Videos erreichten bei YouTube binnen kürzester Zeit mehrere Millionen Aufrufe und bescherten ihr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als „älteste Turnerin der Welt“.

Aktiv im Alter umfasst aber mehr als in Bewegung bleiben. Die schon erwähnte Altersstudie von Generalie fragte auch nach ehrenamtlichen Aktivitäten. Danach engagieren sich 45 Prozent der befragten 65- bis 85-Jährigen in mindestens einem von elf gesellschaftlichen Bereichen. Selbst unter den 80- bis 85-Jährigen der Befragten sind es immer noch 29 Prozent. Schwerpunkte des Engagements stellen die Kirche, Freizeit und Geselligkeit, Sport und Bewegung, Kultur und Musik sowie soziale Bereiche dar, in denen sich jeweils zwischen 10 und 15 % der 65- bis 85-Jährigen engagieren.

Der zeitliche Umfang des aktuell geleisteten Engagements liegt durchschnittlich bei 4,2 Stunden pro Woche. Immerhin 32 % der Engagierten haben sich vorher nicht so stark, 23 % sogar gar nicht engagiert – und wurden erst im Alter aktiv. Dennoch bleib es der beste Einstieg in ein aktives Alter, wenn man sich vor dem Rentenalter nicht einzig und allein auf den Beruf beschränkt hat.

Nach allen bekannten Erhebungen geht es der heutigen Rentnergeneration so gut, wie keiner zuvor. Sie ist aktiver, gesünder, wohlhabender als je zuvor. Der Blick darauf, wer alt ist, hat sich sehr verändert.

Wenn man alte Darstellungen der Lebensstufen betrachtet, dann sieht man, dass das Bild des Alters früher vor allem von Verlust und Gebrechen gekennzeichnet war.

Heute unterteilt man das Alter in zwei getrennte Abschnitte. Nach den früheren jungen, mittleren und alten Lebensabschnitten wurde ein viertes Lebensalter eingeführt, das der Hochaltrigen, welches man je nach Einteilung mit 80 oder 85 Jahren beginnen lässt.

Davor liegt das Lebensalter der sogenannten „Jungen Alten“, die von Marketingstrategen als neue, wichtige Konsumentengruppe entdeckt noch mit vielen weiteren schönen Namen bedacht werden, wie „Best Ager“, „Golden Ager“, „Silver Surfer“, „Master Consumer“, „Senior Citiziens“ oder „Woopies“.

Nun kann man natürlich darüber lamentieren, dass es Senioren heute vielleicht schwerer gemacht wird in Würde zu altern, aber insgesamt sollte doch die Entwicklung, dass immer mehr Menschen das Rentenalter erreichen und für viele Jahre bei guter Gesundheit verbringen ein Grund zur Freude sein.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Chancen dafür schlechter standen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland hat sich in den hundert Jahren  von 1850 bis 1950 von 45 Jahren auf 70 Jahre verdoppelt – vor allem durch das Sinken der Kindersterblichkeit – und hat sich bis 2011 auf 85 Jahre erhöht.

Das Unwort des Jahres 1996 war der Begriff „Rentnerschwemme“. Da fehlt nur noch die „freundliche“ Bemerkung über das „sozial verträgliche Frühableben“. Aber das Problem unserer Gesellschaft, vor dem wir jetzt und die nächsten Jahre stehen, ist nicht die „Überalterung“ – für mich auch ein Unwort –, sondern die Unterjüngung.

Ein Vergleich des Altersaufbaus der Thüringer Bevölkerung zwischen den Jahren 2010 und 2020 zeigt dies sehr anschaulich.

Nach den vorliegenden Bevölkerungsvorausberechnungen wird sich die Einwohnerzahl Thüringens in den hundert Jahren von 1950 bis 2050 annähernd halbiert haben, von ehemals 2.932.242 auf dann 1.538.200. Bis zum Jahr 2030 wird Thüringen rund 400.000 Einwohner verlieren, das entspricht etwa minus 18 Prozent. Dabei verläuft die Entwicklung regional betrachtet sehr unterschiedlich. Nach den gegenwärtigen Prognosen kann in Jena mit +5% und in Erfurt mit +2%gerechnet werden, in Gera jedoch mit -22% und im Landkreis Greiz mit -32%.

Früher sprach man beim Bevölkerungsaufbau von einer Pyramide, dann eher von der Form einer Glocke oder eines Bienenstocks, später von einer Urne und inzwischen könnte man in Thüringen auch das Bild einer Bohnenstange bemühen.

Die Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus  für das Land Thüringen in den Jahren 2010 bis 2060 zeigen anschaulich, wie sich im Lauf der Jahrzehnte die Form verändert. Am Bevölkerungsaufbau 2010 kann man sehr gut die Einschnitte durch den Zweiten Weltkrieg, den Pillenknick und die demografische Vollbremsung Anfang der 90er Jahre erkennen. Im Vergleich der Jahrzehnte ist zu sehen, wie sich der letztere Einschnitt immer weiter nach oben schiebt.

Wie sich die Gewichte der Altersgruppen verschieben, lässt sich auch an deren prozentualer Verteilung in einer Darstellung des Zeitraums von 1871 bis 2050 zeigen. Näherte sich der Anteil der Generationen unter 20 Jahren Ende des 19. Jahrhunderts 50 Prozent, wird er 2050 nur noch um die 15 Prozent betragen, während sich der Anteil der über 65-Jährigen von 6 auf über 30 Prozent steigern wird.

Betrachtet man diese Entwicklung nur für die neuen Bundesländer und vergleicht sie mit den alten Bundesländern zeigen sich zwar in den neuen Bundesländern die stärkeren Veränderungen, aber sie verlaufen doch auf längere Sicht sehr ähnlich. Vergleicht man nur die Thüringer Zahlen mit denen des gesamten Bundesgebietes zeigt sich ein ähnliches Bild, Thüringen scheint der gesamtdeutschen Entwicklung nur bereits etwas voraus zu sein.

Wenn man sich die Thüringer Zahlen auf den Migrationshintergrund hin an ansieht, könnte man sich eine positive Auswirkung erhoffen. Allerdings sind dazu deren absolute Zahlen noch zu gering. So macht bei Migranten der Anteil der über 65-Jährigen nur etwa ein Drittel das Anteils der sonstigen Thüringer Senioren aus, aber die Auswirkung liegt bei einer Absenkung von gerade einmal 0,2 Prozent und der Anteil der unter 18-Jähringen erhöht sich durch junge Migranten nur um 0,4 Prozent.

Schaut man sich dann noch die schulische Situation und die Integration von Migranten insgesamt an, wäre das ein Thema für einen eigenen Vortrag. Hier bleibt noch sehr viel zu tun.

Hier noch ein paar Zahlen zur demografischen Situation in Thüringen. Von 1990 bis 2010 erhöhte sich das Durchschnittsalter in Thüringen um rund 8 Jahre. Am 31.12.2011 waren 514.459 Thüringer, 23 % der Bevölkerung, älter als 65 Jahre. Bis 2020 wird der Anteil auf 35 % steigen, bei 10 % Rückgang der Gesamtbevölkerung. Bis 2030 wird der Anteil auf 37 % steigen, bei dann mehr als 650.000 Thüringern, die älter als 65 Jahre sind. Die Zahl der über 80jährigen wird von 124.545 auf mehr als 189.000 steigen.

Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren werden im Jahr 2030 die Zahl von rund 70 Personen über 65 Jahre entfallen. Etwas verkürzt und gerundet könnte man sagen, stehen heute 10 Erwerbsfähigen 3 Rentner gegenüber, so werden es im Jahr 2030 in Thüringen 7 Rentner sein. Von 2005 zu 2020 wird ein Rückgang der Erwerbspersonen um 19,4 Prozent prognostiziert.

Wäre Thüringen ein selbständiges Land, hätten wir ein erhebliches Problem mit fehlenden Einzahlern in die Rentenkassen. Zum Glück ist die Rentenversicherung nicht in föderaler Zuständigkeit wie Schulwesen oder die Polizei, aber dennoch wird sich die Situation der Thüringer Rentner aufgrund der vielen zum Teil mehrfach gebrochenen Erwerbsbiographien der letzten 25 Jahre im Lauf der nächsten Jahre insgesamt nicht verbessern.

Und anders als in alten Bundesländern kann nicht in größerem Maße auf erworbene Vermögen zur Alterssicherung zurückgegriffen werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten des Vermögensaufbaus in den 40 Jahren der Teilung zeigen sich sehr deutlich am Aufkommen der Erbschaftssteuer. Hier sind die Unterschiede nach wie vor drastisch und mit einer raschen Angleichung in absehbarer Zeit dürfte eher nicht zu rechnen sein.

Apropos Geld. Auch auf die öffentlichen Finanzen wirkt sich der demografische Wandel in starkem Maße aus. Die Finanzmittelausstattung des Freistaats Thüringen wird 2020 im Vergleich zum Jahr 2011 nur noch rund 83 Prozent betragen. In Abhängigkeit vom gesamtdeutschen Steueraufkommen verliert Thüringen mit jedem Einwohner rd. 2.500 Euro. Der skizzierte Einwohnerrückgang in Thüringen führt damit pro Jahr zu Mindereinnahmen von 50 Mio. Euro. Die neuen Länder sind ab 2014 nicht mehr Ziel-1-Gebiet der EU-Förderung. Der Solidarpakt II wird 2019 auslaufen. 2012 hat Thüringen daraus noch 1,3 Mrd. Euro erhalten. Bei einem Gesamtlandeshaushalt von knapp 9 Mrd. Euro sind dies rund 14% der Einnahmen gewesen. Um die gesetzlich eingeführte Schuldenbremse ab dem Jahr 2020 einzuhalten, muss das Haushaltsvolumen bereits jetzt reduziert werden.

Was bedeutet das für die öffentliche Verwaltung? Bei einem Gesamtlandeshaushalt von knapp 9 Mrd. Euro machen allein die Personalausgaben 2,3 Mrd. Euro aus.

Also muss die Anzahl der Mitarbeiter und der Umfang der Verwaltungsstrukturen weiter abgesenkt werden. Dabei ist aber eine leistungsfähige Verwaltung zu erhalten, die weiter die erforderlichen Dienstleistungen für Bürger und Wirtschaft in der notwendigen Qualität erbringt (Siehe z.B. Lebensmittelsicherheit und Seuchenschutz). Den größten Anteil am Personalbestand des Landes haben Polizisten und die Lehrer der staatlichen Schulen, deren Anzahl nicht beliebig verringert werden kann.

Eine der großen Gefahren des demografischen Wandels ist eine Schrumpfungsspirale, die wir in Teilen des ländlichen Raumes schon beobachten können, in die wir aber als gesamtes Land nicht hinein geraten dürfen. Senken wir das Niveau der öffentlichen Infrastruktur, zu der auch Innere Sicherheit und Schullandschaft gehören, ab, so sinkt die Attraktivität, die Gefahr der Abwanderung steigt und Zuzug stellt sich eher nicht ein.

„… Junge, die es wegzieht“ – stand im Thema, das sie mir gestellt haben. Nun, das ist zum Glück nicht mehr in dem Maße ein Thema, wie es das Anfang und Mitte der Neunziger Jahre war. An den Wanderungssalden der letzten acht Jahre ist zu sehen, dass die Gefahr des Aussterbens der Thüringer durch Abwanderung doch deutlich gesunken ist, ja das wir im letzten Jahr sogar erstmalig, wenn auch nur minimal, in den positiven Bereich gelangt sind. (2013 insgesamt: 43.471 Fortzüge, 43.623 Zuzüge)

Nun, wenn wir an diesem Punkt in die Diskussion einsteigen würden, gäbe es sicher unter Ihnen welche, die mir entgegen halten würden, dass Sie diesen oder jenen bestens ausgebildeten jungen Menschen kennen, der Thüringen verlassen hat und sein Glück woanders sucht. Sicher gibt es das und Sie sehen ja auch in der Statistik, dass die Gruppe der 25- bis 30-Jährigen bei der Abwanderung am stärksten vertreten ist. Im letzten Jahr betrug der Saldo minus 1.712 Personen. Er kommt dadurch zustande, dass 10.120 Personen in diesem Alter aus Thüringen fortzogen und nur 8.408 zuzogen.

Dies dürfte dadurch zustande kommen, dass ein Teil derjenigen die ihr Studium in Thüringen beenden, aus anderen Bundesländern stammen, aber auch dadurch dass Thüringer Absolventen neue Perspektiven außerhalb Thüringens suchen. Wir wollen und können sie nicht zwingen hier zu bleiben. Die Zeiten von Mauer und Stacheldraht, von Absolventenlenkung und Unterbindung des Arbeitsplatzwechsels sind vorbei. Ja es sollte zur Normalität gehören, dass junge Menschen an vielen Orten außerhalb Thüringens ihre Erfahrungen sammeln können.

Entscheidend ist aus meiner Sicht nur, dass sich Thüringen so attraktiv entwickelt, dass sie früher oder später nach Thüringen zurückkommen wollen. Am besten eher früher, denn wenn zum Beispiel junge Frauen erst einmal anderswo Familien gegründet haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr deutlich.

Im Thema, das mir für meinen Vortrag gestellt wurde heißt es: „Welche Projekte brauchen wir?“ Nun Projekte sind schön und gut, denn sie zeigen, was man machen könnte, wenn man denn nur Geld und Personal hätte. Aber viel entscheidender für die demografische Entwicklung Thüringens als einzelne Projekte ist die Wirtschaftspolitik. Viele junge Menschen bleiben nur in Thüringen oder kommen hierher, wenn sie die Aussicht auf einen attraktiven Arbeitsplatz haben. Auf den drastischen Produktionsrückgang in den Jahren 1990/91, in dessen Folge bis zum Jahr 1992 etwa jeder zweite Industriebeschäftigte seinen Arbeitsplatz verlor, folgte ab Mitte der 1990er Jahre eine bis heute anhaltende Aufwärtsentwicklung. Thüringen verfügt heute über eine breit aufgestellte, mittelständisch geprägte Industrie mit Branchen wie die Optik, Medizintechnik, Automobil- und Automobilzulieferindustrie, Maschinenbau, Logistik, Metallverarbeitung, das Ernährungsgewerbe sowie die Gummi- und Kunststoffindustrie. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus.

In Thüringen gibt es in den Industrie-Branchen rund 90.000 Unternehmen. Sie konzentrieren sich auch nicht auf wenige Standorte. In den Städten Erfurt, Weimar und Jena sind nur 11 % der Thüringer Industriebeschäftigten tätig, also sind es immerhin 89 % in anderen Thüringer Regionen, zum Beispiel im sich stark entwickelnden Südthüringen oder in der Region um Rudolstadt, Saalfeld und Ilmenau.

Die Thüringer Wirtschaft ist in besonderer Weise durch kleine und mittlere Betriebe geprägt. Der Umsatzanteil von kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) liegt in Thüringen bei 76 % und ist damit mehr als doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt von 37 % (Durchschnitt der neuen Länder: 59 %). Dies hat zwar die Vorteile der großen Flexibilität und schnellen Reaktion auf Marktbewegungen, aber auch strukturbedingte Nachteile, wie z. B. tendenziell höhere Produktionskosten, zu wenig Forschung und Entwicklung, Probleme bei der Erschließung neuer Märkte und bei der Gewinnung von Fachkräften, häufig eine geringe Eigenkapitalausstattung und geringe Marktmacht bei der Preisgestaltung.

Thüringen benötigt mittelfristig mehr Großunternehmen, entweder dadurch dass sich Thüringer KMU zu solchen entwickeln oder sich externe Großunternehmen in Thüringen ansiedeln.

Die Thüringer Erwerbstätigenquote, bezogen auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahre, liegt seit 1997 ständig über dem ostdeutschen Durchschnitt, seit 2009 auch über dem westdeutschen Durchschnitt.

Zum Stichtag 31.12.2012 war sie höchste in ganz Deutschland. Im letzten Jahr hatte Thüringen rund 137.000 Industriebeschäftigte. Im Sektor der unternehmensnahen Dienstleistungen nahm die Zahl der Erwerbstätigen auf knapp 150.000 zu. Ähnlich hoch ist mit 144.000 die Beschäftigtenzahl im Handwerk, das traditionell eine tragende Säule der Thüringer Wirtschaft mit hoher beschäftigungspolitischer Bedeutung ist. In Thüringen gab es 2010 knapp 31.900 Handwerksbetriebe.

Bei der Betriebsdichte im Bereich des Handwerks, die die Zahl der Betriebe mit der Bevölkerungszahl in Beziehung setzt, gehört der Freistaat seit vielen Jahren zur Spitzengruppe der Länder.

Bei den Ausbildungsplätzen gab es in Thüringen lange Zeit ein Defizit. In den Jahren 2009 und 2010 deckten sich Angebot und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nahezu. Seit 2011 haben wir zu wenig Nachfrage, es bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Wir hatten in Thüringen lange Zeit einen starren Arbeitsmarkt. Wegen der massiven Frühverrentung gab es nur noch geringe laufende Verrentung, also wenig Ersatzbedarf. Es gab wenig Fluktuation und auch wenig Erweiterungsbedarf.

Dies ändert sich jetzt grundlegend.

Nach den vorliegenden Prognosen scheiden bis 2026 etwa 502.000 Personen im Land altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, die Altersgruppe der heute 50- bis 64-Jährigen, während nur rund 236.000 nachrücken, die Altersgruppe der heute 3- bis 18-Jährigen), wodurch – lässt man Wanderungseffekte außen vor – eine Lücke von rund 266.000 Erwerbsfähigen entstünde, die die Zahl der Arbeitslosen um ein Vielfaches übersteigt.

Daher stellt die Gewinnung von Zuwanderern im Wettbewerb mit anderen Regionen in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderung für die Thüringer Wirtschaft dar. In Thüringen werden nach wie vor vergleichsweise niedrige Löhne und Gehälter gezahlt. Einkommenssteigerungen werden aber nicht zuletzt vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Wettbewerbs um Fachkräfte notwendig sein. Einkommenssteigerungen wirken gleichzeitig der weiteren Abwanderung entgegen.

Thüringen hat die Chance, über Weichenstellungen am Arbeitsmarkt die Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung teilweise zu kompensieren.

Neben der besseren Erschließung des vorhandenen Potenzials bilden der Zuzug von Erwerbspersonen aus anderen Ländern und das Zurückgewinnen von Pendlern und Fortgezogenen wichtige Ressourcen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Unternehmen in Thüringen attraktive Arbeitsplätze und ein gutes Entlohnungsniveau bieten.

Wichtig für die demografische Entwicklung ist natürlich auch die Familienpolitik. Ich denke hier beispielsweise an familienbewusste Arbeitszeiten, weitere Flexibilisierungen der Elternzeit, den Ausbau der Kinderbetreuung durch Kindertagesstätten und Tagesmütter, die Unterstützung durch lokale Bündnisse für Familie und die Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen. Aber auch an dieser Stelle will ich noch einmal auf die wirtschaftliche Situation zurückkommen, denn an der Zahl der Kinder pro Familie zeigt sich sehr deutlich, dass die allgemeinen Maßnahmen der Familienpolitik dennoch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Betrachtet man die Haushaltseinkommen von Familien mit mehr als zwei Kindern ergibt sich eine U-Form. Solange für junge Familien, die nicht auf Sozialleistungen angewiesen bleiben wollen, ein Einkommen nicht ausreicht und eine junge Frau sich Sorgen machen muss, ob und wie sie nach einer Auszeit wieder beruflich einsteigen kann, wird sich hier nichts ändern.

Veränderungen in Bevölkerungszahl und -struktur verlangen auch eine Weiterentwicklung des Bildungssystems. Dazu gehören die Ausrichtung des Schulwesens auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft durch moderne Lehr- und Lernmethoden und soziale Integration, die Qualifizierung und Berufsorientierung, attraktive Hochschulen sowie die weitere Verankerung des lebenslangen Lernens.

Lokale demografische Abwärtsspiralen setzen nicht selten mit einer Schulschließung ein, denn junge Familien bevorzugen Schulstandorte. Um weiterhin eine wohnortnahe Beschulung zu gewährleisten, muss auch darüber nachgedacht werden, den Unterricht jahrgangsgemischt und in Kooperation von mehreren Grundschulen zu organisieren.

Die altersgemischte Schuleingangsphase, in der Schüler aus mehreren Jahrgängen einer Grundschule gemeinsam in einer Klasse lernen, bietet dafür eine Möglichkeit.

Um dem steigenden Altersdurchschnitt der Lehrerkollegien entgegenzuwirken und vor allem um erfolgreichen Lehramtsanwärtern eine berufliche Perspektive in Thüringen zu bieten, muss die Zahl der neu eingestellten Lehrer erhöht worden. Für Lehrer ergibt sich in den nächsten zehn Jahren ein Ersatzbedarf von über 38 %.

Ein weiterer Punkt bei der Frage nach Antworten auf den demografischen Wandel ist der Wohnungsbau. Die Siedlungsentwicklung in Thüringen verläuft sehr unterschiedlich. In Regionen mit abnehmender Bevölkerung steigt die Anzahl an Baulücken und nicht genutzten Grundstücken. Die fehlende Nutzung leerstehender Immobilien bereitet hier Probleme.

Senioren werden nach seniorengerechten Wohnungen fragen. Gerade für ältere Menschen, aber auch für junge Familien mit Kindern werden Innenstädte bzw. Ortskerne mit ihren fußläufig erreichbaren Infrastruktur- und Dienstleistungsangeboten immer wichtiger.

Fehlendes Eigenkapital der Hausbesitzer steht aber in vielen Fällen der Sanierung der alten Gebäude entgegen, so dass sich das Angebot an geeignetem Wohnraum in den Innenstädten trotz bestehender Nachfrage nur langsam erhöht.

Für die Städte entstehen aus dieser Situation entspannte Wohnungsmärkte auf der einen sowie Verdrängungstendenzen auf Grund hoher Mieten auf der anderen Seite.

Die Kommunen stehen vor der Aufgabe, hier zukunftsfähige Ansätze sowohl für die Innenstädte als auch für die großen Neubaugebiete zu finden. Dazu gehören Konzepte zu seniorengerechtem, zu barrierefreiem bzw. barrierearmen und generationsübergreifenden Bauen, zur Nutzungsmischung bis hin zur Wiedernutzung von Gebäuden und Brachflächen in innerstädtischen Bereichen.

Wie sieht es mit den Wohnwünschen von Senioren aus? Eine entsprechende Studie zeigt, dass die Senioren-WG eher nicht der Wunschtraum der meisten ist, obwohl es prominente Fürsprecher dafür gibt. Henning Scherf wirbt in seinem Buch auch für die Alten-WG. Über weiter gemeinschaftliche Wohnformen in Thüringen kann man sich beim WohnStrategen e.V. in Weimar informieren.

Die vorletzte Nennung der Übersicht war etwas missverständlich, denn unter einem Mehrgenerationenhaus wird nach dem gleichnamigen Bundesprogramm ein Begegnungszentrum verstanden. Der andere Begriff dafür wäre Generationswohnen  wie es zum Beispiel in Arnstadt gibt.

Zum Jahreswechsel 2009/2010 zogen etwa 90 Menschen in das erste gemeinschaftlich orientierte Mietwohnprojekt dieser Dimension in Thüringen ein.

Bei der Frage, wie man das Leben im Alter gestalten kann, gibt es natürlich Unterschiede zwischen Stadt und Land. Hier stellvertretend zwei Beispiele einmal aus Erfurt. In der Nähe des Zooparks, im sogenannten Giraffenhaus wurden die acht Wohnungen der 7. Etage in sieben barrierearme Wohnungen umgebaut. Es wurden der Grundriss verändert, bodengleiche Duschen, höhenverstellbares WCs sowie Notrufanlagen mit zwei Bedienstellen im Schlafzimmer und Bad eingebaut, der Balkonaustritt barrierearm gestaltet ein Gemeinschaftsraum eingerichtet.

Im Unstrut-Hainich-Kreis hingegen hat man ausreichend Platz um ebenerdig seniorengerechten Wohnraum zu gestalten. Hier war die Grundidee, dass die Senioren dafür ihre ehemaligen Immobilien in eine Stiftung einbringen, damit sie von jungen Familien genutzt werden können.

In der Übersicht nicht aufgeführt war ein Seniorenheim, wie es z.B. der ältere Bruder unseres ehemaligen Ministerpräsidenten bewohnt. In Thüringen wohnen nur 3 Prozent der über 60-Jährigen in einem Heim. Aber auch hier gibt es in Thüringen interessante Vorhaben, wie in Tambach-Dietharz, mit der Kombination verschiedener Wohnformen, oder in Kahla, wo die Gestaltung in bemerkenswerter Weise auf demente Bewohner eingestellt ist.

Damit sind wir bei einem weiteren Thema, der Pflegesituation in Thüringen angekommen, womit allein sich ein längerer Vortrag bestreiten ließe. Hier nur soviel, dass sich natürlich auch die Situation in der Pflege verändern wird. Die Zahlen werden steigen. Und der Anteil häuslicher Pflege wird sinken. Zwischen 1999 und 2011 hat eine signifikante Verschiebung des Verhältnisses informeller Pflege, Selbstpflege und Pflege durch Angehörige, und formeller Pflege, berufliche bzw. professionelle Pflege, stattgefunden:

Die Anzahl von Empfängern von ausschließlich Pflegegeld ist im genannten Zeitraum zwar von 33.825 auf 40.135 deutlich angestiegen, allerdings ist deren Anteil an allen Pflegebedürftigen von 56,1 % auf 47,8 % zurückgegangen

Der Grund dafür ist einfach zu finden: Die Anzahl an 20 bis 60-Jährigen Frauen, welche die Hauptlast der Angehörigenpflege tragen, sinkt von 592.000 im Jahr 2012 auf 370.000 im Jahr 2030, was einem Rückgang von 37 % entspricht.

Der Anteil an Singlehaushalten ist in Thüringen zwischen 2005 und 2012 von 37 % auf 39 % angewachsen.

Interessant wird sein, ob mittelfristig die Gründe gegen oder für mehr häusliche Pflege überwiegen. Aber natürlich muss sich auch in der beruflichen Pflege in Thüringen noch etwas tun, wie unschwer zu sehen ist. Auf die Frage, wie reagieren wir auf die Verschiebung der Altersstruktur der Generationen, auf den demografischen Wandel, habe ich jetzt etwas zu den Öffentlichen Finanzen, zu Verwaltung, Wirtschaft, Familien, Bildung, Wohnen und Pflege gesagt. Es ist also ein sehr breites Feld, in dem in allen Bereichen reagiert werden muss. Trotzdem ist es wichtig, die verschiedenen Themen auch zusammenzufassen und dafür entsprechende Strukturen zu schaffen.

Vor zehn Jahren, im Jahr 2004 wurde die interministeriellen Arbeitsgruppe „Demografischer Wandel“ eingerichtet. Im Jahr 2011 wurde im Geschäftsbereich des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr die „Serviceagentur Demografischer Wandel“ etabliert, welche unter anderem zu diesem Thema auch Beratung anbietet. 2011 wurde auch der erste Teil des Thüringer Demografieberichts veröffentlicht und begonnen sich an der Mitteldeutschen Demografieinitiative zu beteiligen.

Im Jahr 2012 folgten die Teile 2 und 3 des Demografieberichts, speziell zu den Themen Schwerpunkte der Daseinsvorsorge, Fachkräfteperspektive und Entwicklung des Schulsystems. Ebenfalls in diesem Jahr wurde im Geschäftsbereich des Innenministeriums das „Thüringer Zentrum für interkommunale Kooperation“ ins Leben gerufen. Wie bereits erwähnt, verläuft die Bevölkerungsentwicklung in Kreisen und Gemeinden sehr unterschieldlich, Schrumpfung und Wachstum liegen häufig dicht beieinander. Daher sind kleinräumige Betrachtungen und lokale Strategien erforderlich. Vor diesem Hintergrund sind Beratung und Service für Kommunen Kernanliegen des „Thüringer Zentrum für interkommunale Kooperation“. Im letzten Jahr wurde begonnen eine sogenannte Demografiestrategie zu erarbeiten.

Wo gegen wir uns in der gesamtgesellschaftlichen Diskussion um die demografische Entwicklung wehren müssen, sind Klischees vom Alter, die vom Thema Demenz beherrscht werden. Es ist ein neues gesellschaftliches Verständnis vom „Alter“ notwendig.

Das bisher in unserer Gesellschaft überwiegende Bild des Alterns verbunden mit Defiziten und Belastungen muss durch ein Bild von Potenzialen und Chancen abgelöst werden. Dazu muss es natürlich auch Gelegenheiten geben, wo diese genutzt werden können. Und hier komme ich am Ende meines Vortrages doch noch auf drei Projekte zu sprechen.

Orte der gesellschaftlichen Teilhabe können Mehrgenerationenhäuser sein.

Mehrgenerationenhäuser schaffen generationenübergreifende Angebote und verfolgen damit die Wiederbelebung einer bürgerschaftlichen, generationenübergreifenden Struktur. Hier begegnen sich Jung und Alt in einem öffentlichen Raum in ihrer Nachbarschaft und profitieren von ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. Mehrgenerationenhäuser haben sich zu Plattformen für Freiwilliges Engagement entwickelt. Mehrgenerationenhäuser können auf einer niedrigschwelligen Ebene Angehörige aller Generationen attraktiv und zugänglich wirken. In der zweiten Programmphase des Bundesaktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser sind die Themenschwerpunkte „Alter und Pflege“, „Integration und Bildung“’, „Haushaltsnahe Dienstleistungen“ und „Freiwilliges Engagement“. Sie können damit eine wichtige Funktion in der sozialen Infrastruktur von Kommunen erfüllen.

Zurzeit gibt es in Thüringen 25 Mehrgenerationenhäuser. Eine zweite Möglichkeit sich zu engagieren ist der Bundesfreiwilligendienst, bei welchem die unterschiedliche Altersstruktur zwischen den neuen und den alten Bundesländern auffällt. Aufgrund der anderen Erwerbsbiographien sind der Wille und die Bereitschaft sich in diesem Rahmen zu engagieren unter den älteren Jahrgängen in neuen Bundesländern deutlich ausgeprägter. Hier sind besonders viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger zu finden. Wobei der Bundesfreiwilligendienst allerdings nicht als arbeitsmarktpolitische Maßnahme missverstanden werden darf, das geben schon die absoluten Zahlen nicht her.

Von den 2.687 Thüringer Bundesfreiwilligen im September sind 91 bereits über 65 Jahre. Gäbe es die Möglichkeit weniger als 20 Wochenstunden zu leisten, wie dies im Freiwilligendienst aller Generationen der Fall war, könnte diese Zahl sicher noch höher sein. Zuletzt möchte ich noch auf eine dritte Möglichkeit des Engagements im Alter zu sprechen kommen, die man auch mit der sogenannten Großmutterhypothese in Zusammenhang bringen kann.

Evolutionsbiologen haben auf die Frage, warum Frauen eigentlich noch so lange weiterleben, obwohl sie ab einem bestimmen Alter keine Nachkommen mehr in die Welt setzen, die Antwort gegeben, dass sich für den Erfolg der gesamten menschlichen Population die Unterstützung bei der Aufzucht der Enkelgeneration viel bezahlter gemacht hat. Zumal menschliche Kleinkinder durch die Art ihrer Hirnentwicklung extrem lang unselbständig und pflegebedürftig sind.

So gesehen wären die Evolution der Großmutter und die Evolution des großen menschlichen Gehirns eng miteinander verknüpft. Sorge für die Enkel kann etwas sehr Schönes sein, aber auch anstrengend. Jedenfalls sieht diese ältere Dame etwas erholungsbedürftig aus.

Aber auch in Deutschland sind die Zeiten, in denen sich Großmütter im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Nachkommen krumm gemacht haben, noch nicht lange vorbei, wie dieses Bild „Der erste Schnee“ von Ludwig Richter zeigt.

Bei den Beziehungen der Generationen geht es bei Menschen aber nicht nur um die Sicherung des nackten Überlebens, sondern auch um die Weitergabe der kulturellen Leistungen. Ohne die kulturelle Evolution wären die Menschen in evolutionsgeschichtlich so kurzer Zeit nicht zur dominierenden Lebensform auf der Erde geworden.

Nun kann heute jeder sagen, durch mein Arbeitsleben habe ich meinen Beitrag für die Sicherung des Lebens der nächsten Generation und für die Erhaltung der menschlichen Kultur bereits geleistet und kann jetzt meinen Lebensabend frei von weiteren Verpflichtungen genießen.

Aber vielleicht kann zu diesem Genießen auch gehören, seine Erfahrungen und sein Wissen an Kinder weiterzugeben. Wenn eigene Enkel nicht da oder nicht in der Nähe sind, kann man das auch in sogenannten Großelterndiensten tun. Das erste deutschlandweite Treffen von Großelterndiensten vor zwei Jahren in Erfurt konnte durch die Unterstützung mit Fördermitteln aus meinem Zuständigkeitsbereich zustande kommen.

Jetzt war so viel von Großmüttern die Rede, aber ich möchte die Großväter nicht diskriminieren. In Großelterndiensten sind natürlich auch Großväter herzlich willkommen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

1. Oktober – Internationaler Tag der älteren Menschen

Generationenbeauftragter Panse fordert intensivere Nutzung der Möglichkeiten des Seniorenmitwirkungsgesetzes

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse, hat anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen eine intensivere Nutzung des Thüringer Seniorenmitwirkungsgesetzes gefordert.

„Die im Gesetz eingeräumten Teilhabemöglichkeiten älterer Menschen müssen vor Ort noch intensiver genutzt werden, wenn wir uns den vor uns liegenden Herausforderungen erfolgreich stellen wollen. Hier sehe ich noch Nachholbedarf. Das geht auch aus dem ersten Seniorenbericht des Landes Thüringen hervor. Laut diesem entspricht die erlebte Wirklichkeit der Thüringer Seniorinnen und Senioren noch nicht all ihren Erwartungen. Auf die Frage, ob Senioren in ihrer Region ausreichende Möglichkeiten haben, die Interessen ihrer Generation – zum Beispiel durch Seniorenräte – einzubringen, antworteten 40,6 Prozent der Befragten nur teilweise zustimmend. 33,5 Prozent äußerten eher ihre Zweifel und nur 25,9 Prozent signalisierten eher Zustimmung“, sagte Michael Panse.

Hintergrund zum Weltseniorentag:

Im Jahr 2050 wird weltweit die Zahl der über 60-Jährigen auf fast 2 Milliarden und damit auf 21 Prozent der Weltbevölkerung angewachsen sein. Das stellte im Jahr 2002 die zweite Weltversammlung der Vereinten Nationen über das Altern in Madrid fest. Zum damaligen Zeitpunkt betrug ihr Anteil mit 600 Millionen noch 10 Prozent. Angesichts dieser schon früh absehbaren Entwicklung beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen bereits im Dezember 1990 einen Internationalen Tag der älteren Menschen auszurufen, welcher seit 1991 an jedem 1. Oktober eines Jahres begangen wird. In Thüringen beträgt der Anteil der über 65-Jährigen bereits jetzt über 23 Prozent und wird im Jahr 2050 nach den aktuellen Vorausberechnungen 38,4 Prozent erreichen.

Kompetenz- und Beratungszentrum eröffnet

Zu Gast beim Schutzbund

Seit vielen Jahren engagiert sich der Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. für die Belange der älter werdenden Generation in Erfurt. Als Generationenbeauftragter des Freistaates habe ich mit den Vertretern des Schutzbundes mehrere gemeinsame Veranstaltungen organisiert und auf dem Flur des Sozialministeriums hängt immer noch die Fotoausstellung die wir gemeinsam zum „Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen“ organisiert haben.

Daher habe ich mich heute über die Einladung zur Eröffnungsveranstaltung des neu sanierten Kompetenz- und Beratungszentrums am Juri-Gagarin-Ring 56a in Erfurt sehr gefreut. Bei der Eröffung wurde eine Fotoausstellung präsentiert, die von einer der drei Fotogruppen des Schutzbundes gestaltet wurde.

Als begeisterter Fotofan freue ich mich, wie viele Senioren inzwischen mit ihrer Kamera auf Pirsch sind und auch ganz selbstverständlich ihre Bilder mit Fotobearbeitungsprogramm gestalten. Der Blick für das Motiv, auf den es bei jedem guten Bild ankommt, zog sich heute durch alle Ausstellungsbilder hindurch.

Eine der drei Fotogruppen

Im vergangenen Jahr hat der Schutzbund gemeinsam mit der KOWO ein Konzept entwickelt, wie künftig an mehreren Orten in Erfurt Anlaufstellen für Senioren geschaffen werden können. Bei der Antragstellung an den Bund konnte ich aktiv helfen und im Ergebnis ist Erfurt mit zwei Projekten unter den bundesweit 300 vertreten. In Thüringen sind es 12 Projekte.

Damit werden investiv und mit Sachkostenzuschüssen insgesamt drei weitere Anlaufstellen in Erfurt geschaffen. In den nächsten Wochen steht die Eröffnung am südlichen Juri-Gagarin-Ring an und hinzu kommen zwei Stützpunkte in der Friedrich-Engels-Straße und am Roten Berg. Ich freue mich über das Engagement der aktiven Senioren!

Bilder von der Eröffnung

 

Panse: Thüringer Senioren werden nicht krimineller

Michael Panse warnt vor irreführenden Aussagen

Der Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung, Michael Panse, hat heute in Erfurt vor irreführenden Aussagen zu Seniorenkriminalität gewarnt.

Der Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung, Michael Panse, sagte: „Die Thüringer Senioren werden nicht krimineller. Wenn die absoluten Zahlen der Statistik nicht in die notwendige Beziehung zur demografischen Entwicklung, also zur insgesamt steigenden Zahl der Thüringer Senioren gesetzt werden, sind solche verkürzten Aussagen irreführend und altersdiskriminierend. Wer darauf verweist, dass die Anzahl der Tatverdächtigen, die älter als 60 Jahre sind, von 2003 bis 2012 um 6,5 Prozent gestiegen sei, muss auch darauf verweisen, dass die Zahl der über 60jährigen im gleichen Zeitraum um 9 Prozent gestiegen ist. Das heißt, dass auf 10.000 über 60jährige im Jahr 2003 noch 69 Tatverdächtige kamen, im Jahr 2012 dem entgegen nur noch 67 Tatverdächtige. Die ,Kriminalität‘ der Senioren ist somit nicht gestiegen, sondern in Wirklichkeit gesunken.

Wenn der Anteil der Senioren an den in Thüringen ermittelten Straftätern 7,7 Prozent beträgt, liegen die wirklichen Kriminalitätsprobleme sicherlich an anderer Stelle. Bei allem Verständnis für den Wunsch nach knapper und geballter Information, darf nicht so pauschalisiert werden, dass der Eindruck entstehen kann, dass einzelnen Gruppen der Bevölkerung undifferenziert bestimmte Tendenzen zugeschrieben werden. Der Abbau von Vorurteilen und Diskriminierungen aufgrund des Alters, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität kann nur gelingen, wenn Sachverhalte angemessen differenziert dargestellt werden.“

Mit Verweis auf Statistiken des Thüringer Landeskriminalamtes waren in den letzten Tagen Meldungen zu hören und zu lesen wie: „Zunehmende Senioren-Kriminalität“, „Die grauen Täter sind im Kommen“, „Immer mehr kriminelle Senioren“ und „Zahl krimineller Senioren steigt in Thüringen“, die den Eindruck erwecken könnten, als würden Thüringer Senioren krimineller.

Senioren im Blickpunkt

Prof. Dr. Dr. Roland Schöne

Gestern Nachmittag und heute Vormittag standen Seniorenthemen im Mittelpunkt. Gestern war ich einmal wieder in Bad Salzungen. Dieses Mal war ich beim Seniorenverband Wartburgkreis e.V. zu einem Vortrag über die demografische Entwicklung in Thüringen eingeladen.

109 Mitglieder zählt der Verein und rund 80 waren in das Kurhausrestaurant gekommen – eine beeindruckende Quote aktiver engagierter älterer Menschen! Nach meinem Vortrag gab es interessierte Nachfragen und bereits morgen werde ich beim Bürgermeister von Bad Salzungen sein und den Vorsitzenden des Seniorenverbandes Herrn Emmelmann wieder treffen. Wir wollen gemeinsam ein seniorenpolitischen Konzept für die Kurstadt vorbereiten.

Zurück in Erfurt stand die Anhörung zum Schulnetzplan im Erfurter Rathaus auf der Tagesordnung. Alles was dazu gesagt werden muss haben wir als Fraktion heute in einer Pressemitteilung zusammen gefasst.

Heute Vormittag ging es beizeiten per Bahn nach Leipzig. Prof. Dr. Dr. Roland Schöne vom Seniorenkolleg der TU Chemnitz hatte die Regionalkonferenz „Bildung Älterer und generationenübergreifendes Lernen“ organisiert. Insbesondere Teilnehmer aus Mitteldeutschland waren in die Volkshochschule Leipuig gekommen, um Vorträge über das Lernen im Alter zu hören, aber auch zu diskutieren. Wie vor zwei Jahren habe ich in meinem Vortrag die Thüringer Situation beleuchtet. Ein großer gilt Prof. Schöne, der nicht nur solche Veranstaltungen organisiert, sondern selbst noch lehrt.

 

 

Generationsübergreifendes Lernen – Beispiele guter Praxis aus Thüringen

Regionalkonferenz „Bildung Älterer und generationsübergreifendes Lernen“ zur Weiterentwicklung der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung, 14.11.2013, Aula der Volkshochschule Leipzig

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Professor Schöne,

herzlichen Dank Ihnen, dass Sie mich nach gut zwei Jahren erneut in mitteldeutscher Verbundenheit zu einer Ihrer Veranstaltungen eingeladen haben.

Über was reden wir beim lebenslangen Lernen, warum, mit welchem Zweck und wie lange soll lebenslanges Lernen oder Lehren gehen? Auf diese Fragen werde ich bei meinem Vortrag eingehen und auch einzelne Praxisbesispiele benennen.

Wer sich mit dem Thema Lernen beschäftigt, dem fällt früher oder später auf, dass es zu diesem Verb keine Substantivierung mit dem Suffix „ung“ gibt. Es gibt keine Lernung. Die entsprechende zum Lernen passende Substantivierung ist vielmehr das Wort Bildung. Lernen ist kein Selbstzweck, sondern es dient der Bildung.

Ein Mensch kommt nicht fertig, mit angeborenen Fähigkeiten zur Welt, sondern er muss sie erst ausbilden, angefangen vom Laufen auf zwei Beinen und vom Sprechen bis hin zu allen folgenden. Ja, seine ganze Persönlichkeit in allen ihren Facetten bedarf des Ausbildens über viele Jahre. Und selbst in seinen letzten Jahren kann der Mensch noch an Weisheit zunehmen.

Zum Thema Bildung haben uns nun Persönlichkeiten, die in Thüringen gewirkt haben, einiges zu sagen. Wer nach Weimar kommt, der stößt nicht nur auf die Spuren von Goethe und Schiller, sondern auch auf die von Johann Gottfried Herder. In seiner Schrift „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ hat er den Unterschied zwischen bildbaren und bildungsbedürftigen Menschen und instinktgeleiteten und –getriebenen Tieren in dem Satz zusammengefasst:

„Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung.“

Im nächsten Absatz führt er dazu näher aus:

„So ist der Mensch im Irrtum und in der Wahrheit, im Fallen und Wiederaufstehen Mensch, zwar ein schwaches Kind, aber doch ein Freigeborner; wenn noch nicht vernünftig, so doch einer bessern Vernunft fähig; wenn noch nicht zur Humanität gebildet, so doch zu ihr bildbar.“

Dieses „bildbare“, dieses frei formbare der Fähigkeiten und Kenntnisse hat es den Menschen ermöglicht Zivilisation und Kultur zu errichten. So gesehen sind Lernen und Bildung untrennbar mit dem menschlichen Leben verbunden, ja Voraussetzung menschlicher Existenz. Umso bedauerlicher ist, wenn Menschen, ob nun durch negative Erfahrungen in der Schule oder einen zu engen Begriff von Lernen und Bildung diesen engen Zusammenhang mit dem menschlichem Leben in seiner vollen Ausprägung nicht sehen können oder wollen.

Bedauerlich ist es auch, wenn der Begriff des Lernens und der Bildung instrumentalisiert und auf das ökonomisch verwertbare verkürzt wird. Wer ernsthaft die Frage stellen sollte, was es denn für einen Nutzen hat, wenn ein 70-jähriger etwas für seine Bildung tun möchte, zeigt damit nur, dass er offenkundig nicht begriffen hat, was seine menschliche Existenz über das Tierreich erhebt.

Wenn Sie in Erfurt über den Anger zur Thüringer Staatskanzlei gehen, kommen Sie am Haus Dacheröden vorbei. Wissen Sie, wer hier 1791 um die Hand der Tochter des Hauses, Caroline von Dacheröden, anhielt? Es war ein Mann, um den man beim Begriff der Bildung nicht herumkommt: Wilhelm von Humboldt.

Das Humboldtsche Bildungsideal wird heute gern des verstaubten Gelehrtenbegriffs verdächtigt, aber es zielt im Kern auf das Eigentliche des menschlichen Lebens.

Er hat es selbst auf den Begriff gebracht:

Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben.“

Mit anderen Worten: Lernende Aneignung der Welt ermöglicht die Ausbildung und Ausprägung des Menschen. Sie befähigt ihn ein Leben zu führen, dass der Würde des Menschen entspricht.

Aneignen der Welt, Lernen, sich bilden – was steht dem entgegen? Was sind Barrieren des Lernens im Alter?

Herr Professor Schöne, hier kann ich an meine Rede vor zwei Jahren auf Ihrer Veranstaltung in der TU Chemnitz anknüpfen. Ich hatte damals auf die Gefahren der Vereinsamung im Alter hingewiesen. Lernen setzt Begegnung mit anderen Menschen voraus, von und mit denen man lernen kann.

Sollten Sie bisher in meiner Rede ein Goethe-Zitat vermisst haben, so biete ich Ihnen jetzt gleich zwei. Im „Tasso“ lässt Goethe den Antonio sagen:

„Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur das Leben lehret jedem, was er sei.“

Und in einem Brief an die junge Julie Gräfin von Egloffstein schrieb Goethe:

„Seht, liebe Kinder, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nicht aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideenaustausch, durch heitere Geselligkeit müsst ihr lernen.“

Alterseinsamkeit, der fehlende Umgang mit anderen Menschen, steht Lernen und sich bilden eindeutig entgegen. Zu den Faktoren, die zu Alterseinsamkeit führen können und die gesellschaftlich beeinflussbar sind, gehören Altersarmut und Altersdiskriminierung.

Die Europäische Union hatte das Jahr 2012 zum Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen ausgerufen. Und durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes war es zum Jahr gegen Altersdiskriminierung ausgerufen worden. Viele Projekte, Aktionen und Veranstaltungen im vergangenen Jahr zeigten, was alles unternommen werden kann, um älteren Menschen mehr Möglichkeiten zur Teilhabe zu schaffen.

Voraussetzung für Bildungsmöglichkeiten im Alter sind ein Rentensystem, das – wie es so schön heißt – „auskömmliche“ finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um sein Leben auch im Alter eigenverantwortlich gestalten zu können.

Und Voraussetzung ist eine Abkehr von der altersdiskriminierenden Einstellung, Rentner seien Menschen zweiter Klasse, die nur noch eingeschränkt Ansprüche stellen dürften.

Bildungsmöglichkeiten im Alter stehen aber auch individuelle Faktoren entgegen. Jeder kann auch selbst etwas für sich tun. Zur Altersdiskriminierung gehört auch das Klischee von den dementen Alten, die ihrem Alzheimer-Endzustand entgegendämmern. Aber selbst eine Alzheimer-Erkrankung ist kein Schicksal, das man nur passiv hinzunehmen hat.

In den USA hatte sich ein Forscher überlegt, wie er diese Erkrankung am besten in einer Langzeituntersuchung erforschen kann, wie er eine Untersuchungsgruppe findet, die möglichst identische und über viele Jahre stabile Lebensumstände aufweist. Er fand sie in einem Nonnenorden. Die Nonnen waren zwar für ihr Alter überdurchschnittlich fit, aber bei einem Teil der Nonnen fanden sich dennoch die erwarteten Erscheinungen, zunehmende geistige Einschränkungen in den jahrelangen Tests verbunden mit den typischen Eiweißablagerungen, die man bei der Obduktion im Gehirn fand. Aber die große Überraschung war, dass sich bei einem Teil der Nonnen ein Obduktionsbefund ergab, der zum Demenzgrad sechs, zum absoluten Alzheimer-Endstadium, gehörte, obwohl diese Nonnen bei den Tests zuvor keinerlei Einbußen ihrer geistigen Leistungen gezeigt hatten. Der Forscher vertritt seit dem die These, dass nachlassende geistige Fähigkeiten – zumindest teilweise – auf das Konto von Schlaganfällen gehen. Er konnte bei vielen dementen Nonnen nachweisen, dass ihre Gehirne durch mehrere kleine Schlaganfälle gezeichnet waren, zusätzlich zu den bekannten Eiweiß-Ablagerungen. Aber gegen die Gefahr von Schlaganfällen kann man selbst etwas tun, nämlich gesünder leben. Das heißt, viel Bewegung, nicht Rauchen, wenig Alkohol. Ein Lebensstil, der Bluthochdruck und Übergewicht entgegen wirkt, ist auch die beste Schlaganfall-Prophylaxe.

Ein weiterer individueller Faktor ist die Motivation. Der Neurobiologe Gerald Hüther erzählt zum Thema Motivation gern das Beispiel von einem 85-Jährigen Deutschen, der Chinesisch lernen möchte. Und stellt die Frage: Wo und wie wird dieser 85-Jährige es leichter lernen? In einem Kurs an einer Volkshochschule, wie der, in der wir uns befinden – ich habe nachgesehen hier wird Chinesisch angeboten, nachlesbar auf Seite 288 des Bildungskatalogs – oder indem er sich in eine junge, hübsche Chinesin von 75 Jahren verliebt und mit ihr in ein kleines chinesisches Dorf zieht?

Die Frage beantwortet sich natürlich selbst, aber dass ein Neurobiologe sie ernsthaft stellt, wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Es ist eine Erkenntnis erst der jüngeren Zeit, dass auch im Gehirn eines 85-Jährigen sich noch einiges verändern kann. Bis vor wenigen Jahren galt das Gehirn des erwachsenen Menschen als wenig wandelbar.

Dank neuer bildgebender Verfahren wissen wir jetzt aber, dass sich das Gehirn auch im hohen Alter noch umgestaltet, und dass die sogenannte „neuronale Plastizität“ nicht nur eine Erscheinung der Kindheit und Jugend ist. Erst letzte Woche hat der Chef der Uni-Klinik für Neurologie in Jena, dies in einem Interview für die Thüringer Landeszeitung geschildert. Aber dafür, dass sich im Kopf etwas tut, braucht es einen Grund. Und der beste Grund, der zu Lernprozessen motiviert, ist die Begegnung mit anderen Menschen, wie schon Goethe wusste, ob nun mit einer „jungen“ Chinesin oder mit anderen.

Aneignen der Welt, Lernen, sich bilden – wo geschieht das? Wo finden wir geeignete Lernorte? Nicht jeder wird in ein kleines chinesisches Dorf ziehen wollen. Wo sind heute in Thüringen Lernorte für generationsübergreifendes Lernen, Beispiele guter Praxis, wo sich Menschen aktiv begegnen können?

Als erstes denken wir hier an eine Institution, die es überall gibt, wo Menschen leben, ob in Thüringen oder anderswo. Es ist die Institution der Familie. Sie ist und bleibt der primäre Lernort des Menschen. Kinder, die in sicherer Bindung an ihre primären Bezugspersonen ihre ersten Schritte ins Leben gehen können, entwickeln auch das Selbstvertrauen sich ihre Welt aktiv zu erschließen. Was jedoch in geschwächten, gestörten, überforderten Familien versäumt wird, können öffentliche Bildungseinrichtungen kaum auffangen. Daher ist eine Familienpolitik, die Familien unterstützt und stärkt, im Kern auch die beste Bildungspolitik.

Aber nicht alle älteren Menschen haben das Glück, in der Familie Enkel und Urenkel in deren Lernprozessen zu begleiten – und dabei selbst immer noch etwas dazu zu lernen. Entweder hat der Geburtenrückgang, die Unterjüngung unserer Gesellschaft dazu geführt, dass sie erst gar nicht vorhanden sind oder sie sind fortgezogen und es ist das entstanden, was neudeutsch eine multilokale Familie genannt wird.

Wo Familien fehlen, kann man aber dennoch Lernorte für generationsübergreifendes Lernen schaffen. Ich denke hier an die 25 Mehrgenerationshäuser mit ihren generationenübergreifenden Angeboten in Thüringen, 33 gibt es in Sachsen, 22 in Sachsen-Anhalt und bundesweit 450. Hier begegnen sich Jung und Alt und können von- und miteinander lernen. Sie profitieren gegenseitig von ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. In der Programmphase II des Bundesaktionsprogramms Mehrgenerationshäuser, die zu Beginn des letzten Jahres startete, gehört Bildung ausdrücklich zu einem der vier Schwerpunkte. Ich selbst arbeite eng mit den Mehrgenerationenhäusern zusammen und setze mich intensiv für den Erhalt und die nachhaltige Sicherung ihrer Arbeit ein.

Ein dritter beispielhafter Lernort sind für mich die Großelterndienste. Wie wichtig Großeltern für Kinder sind, können Sie übrigens auch bei Goethe nachlesen, er fühlte sich gemeinsam mit seiner Schwester von den Erziehungsprinzipien seines Vaters mitunter etwas überfordert und so schrieb er in „Dichtung und Wahrheit“:

„Vor diesen didaktischen und pädagogischen Bedrängnissen flüchteten wir gewöhnlich zu den Großeltern.“

Aber was sie bei ihren Großeltern erlebten, waren dennoch auch Lernprozesse, wenn auch unterschwellig und informell. Vorbehaltlose Annahme durch Großeltern, ob es nun die „leiblichen“ sind, oder „Leihomas“ oder „-opas“, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Und die Großeltern vermeiden fur sich Alterseinsamkeit und können Erfüllung in neuen Aufgaben finden.

Generationsübergreifende Patenschaftsmodelle gibt es nicht nur in Form der Großelterndienste. Ich denke hier zum Beispiel an die „Leselernhelfer“ bzw. „Lesepaten“. Vertreter der mittleren Generation unterstützen als sogenannte „Familienpaten“ junge Familien oder Alleinerziehende, oder als „Jobpaten“ Arbeitssuchende; junge Menschen unterstützen Kinder im bundesweiten Projekt „Balu und Du“ oder in lokalen Projekten wie dem Erfurter basement e.V., Schüler gehen wiederum in Sozialpraktika in Pflegeheime ebenso wie dies junge Freiwillige im freiwilligen sozialen Jahr tun. All dies sind Lernorte für generationsübergreifendes Lernen.

Inzwischen hat sich auch der Bundesfreiwilligendienst zu einem solchen Lernort entwickelt. Er hat eindeutigen Bildungscharakter. Im Paragraph 1 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes heißt es ausdrücklich:

Der Bundesfreiwilligendienst fördert lebenslanges Lernen.“

und im Paragraphen 4:

„Der Bundesfreiwilligendienst wird pädagogisch begleitet mit dem Ziel, soziale, ökologische, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken.“

Wir haben in Thüringen nicht nur die meisten Bundesfreiwilligen, bezogen auf die Bevölkerung, wir haben auch die ältesten. Nach einer Statistik im September 2013 waren in Thüringen 88 % der Bundesfreiwilligen älter als 27 Jahre, in den alten Bundesländern waren 85 % jünger und nur 15 % älter. Mit einem 82-jährigen Nordhäuser hatten wir in Thüringen auch bundesweit den bisher ältesten Bundesfreiwilligen. Die zahlenmäßig größte Gruppe bilden in Thüringen die 51 – 65 Jährigen. Dies sind in der Regel Menschen, die leider nur noch geringe Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben, die aber das Gefühl haben wollen, gebraucht zu werden und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Für sie bietet der Bundesfreiwilligendienst einen Lernort sich Kompetenzen zu erwerben, der immer wieder auch in einzelnen Fällen dazu führt, dass sie von den Trägern in reguläre Arbeitsverhältnisse übernommen werden.

Lebenspraktisches generationsübergreifendes Lernen findet sich noch an vielen anderen Orten mehr, ich denke hier an Projekte des Generationenwohnens, wie in Arnstadt, oder an die enge Zusammenarbeit von Kindertagesstätten und Seniorenheimen, wie in zwei diakonischen Einrichtungen in Erfurt.

Im Flur vor meinen Diensträumen im Thüringer Sozialministerium hängt eine Fotoausstellung, die Senioren des Erfurter Seniorenschutzbundes gemeinsam mit Erfurter Schülern gestaltet haben. Hier sind Jung und Alt gemeinsam zu sehen, ob beim Musizieren, beim Umgang mit Computern oder bei anderen Vorhaben.

Welche Möglichkeiten sich im Bereich des Sports finden, wäre ein eigenes Redekapitel wert.

Aber ich hoffe, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick – und mehr ist an dieser Stelle nicht möglich – in die vielen Möglichkeiten generationsübergreifenden Lernens geben konnte.

Was hatte Goethe im Brief an Julie von Egloffstein als idealen Lernort beschrieben?

„Heitere Geselligkeit“ – die wünsche ich Ihnen bei dieser heutigen Tagung, ebenso wie bei noch vielen weiteren Gelegenheiten in Ihrem Leben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Wohnungsplanung ist Zukunftsplanung

Podiumsdiskussion beim Wohnungsgipfel

„Zuhause im Freistaat“ war der Titel des 1. Thüringer Wohnungsgipfels, der heute in Regie des Thüringer Bauministeriums im Congress-Center der Erfurter Messe stattfand. Bauminister Christian Carius erläuterte bei der Eröffnung die Wohnungssituation in Thüringen.

Derzeit gäbe es mit Ausnahme der Ballungsräume Erfurt und Jena ausreichend Wohnraum in Thüringen und ansonsten wäre auch der Leerstand im erträglichen Rahmen.

Ein Viertel der Thüringerinnen und Thüringer wohnt im eigenen Wohnraum. Damit liege Thüringen knapp über dem Bundesdurchschnitt und im Osten an der Spitze. Thüringen sei damit das Land der „Häuslebauer im Osten“.

Für eine generelle Mietpreisbremse sieht Carius derzeit keine Notwendigkeit. Wohnungen (rund 5.000 Neubauten wären notwendig) müssen durch Investitionen entstehen. Nur für den Fall das dies nicht gelingen würde, schloss Carius eine Mietpreisbremse nicht völlig aus. Ich sehe als Generationenbeauftragter vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung vor allem die Notwendigkeit, barrierearmen und seniorengerechten Wohnraum zu schaffen.

Im Gespräch mit Albert Weiler

Genau um diese Frage ging es bei meinem heutigen Nachmittagstermin in Jena. Die AWO Jena-Weimar e.V. baut dort den „Wohnpark Lebenszeit“ und heute war Richtfest. Das generationenübergreifende Konzept konnte ich schon vor einiger Zeit kennenlernen. Neben dem Wohnpark, in dem es sowohl ServiceWohnen als auch Pflegeangebote gemacht werden, ist eine Kita in Trägerschaft der AWO. 32 Wohneinheiten (1- und 2-Raum-Wohnungen) werden dort entstehen. Die Warte- und Vormerkeliste an Interessenten ist jetzt schon lang und viele waren heute zum Richtfest gekommen.

Am Rande der Veranstaltung konnte ich sowohl mit den Vertretern der AWO, als auch mit Kommunalpolitikern gute Gespräche führen. Bundestagskandidat Albert Weiler bestätigte mir, dass die Nachfrage nach seniorengerechtem Wohnraum auch in Gera groß ist, obwohl es dort Leerstand gäbe. Anfang der Woche hatten wir das gleiche Thema schon beim ASB Erfurt besprochen. Der ASB plant gerade das gleiche Projekt wie die AWO in Jena. Es tut sich also was im Freistaat und dies ist erfreulich.

Bilder vom Richtfest

 

Nachfrage für Betreutes Wohnen im Alter steigt in Erfurt erheblich

Mitglieder des Arbeitskreises Soziales der CDU-Stadtratsfraktion besuchen ASB Regionalverband Mittelthüringen e.V.

Immer mehr Menschen suchen in Erfurt Betreuung und zugleich eine individuelle Wohnsituation. Dieser Fakt wurde während des Besuches des Arbeitskreises Soziales der CDU-Fraktion im Erfurter Stadtrat von Geschäftsführer Frank Stübling und der Vorstandsvorsitzenden Marion Walsmann (MdL) deutlich erläutert. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis war ich gestern als Fraktionsvorsitzender der CDU beim ASB in der Geibelstraße zu Gast.

In Erfurt betreibt der ASB die beiden Objekte „Haus am Ententeich“ und „Im Dichterviertel“. Ein drittes Projekt soll im Heckersteig mit 68 Wohneinheiten entstehen. Stübling erläutete sinngemäß, dass 10-facher Bedarf besteht. Täglich fragen Menschen bezüglich altersgerechten Wohnraum nach und er muss leider Absagen erteilen.   Thomas Pfistner, unser Vorsitzender des Arbeitskreises Soziales, Gleichstellung und Arbeitsmarkt sagte dazu:

„Zukünftig müssen Planungen und Konzepte dahingehend entwickelt werden, dass ältere Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt Wohnen können. Sobald Hilfe notwendig wird können ambulante Pflegebudgets in Anspruch genommen werden. Für ambulante Tagespflege müssen künftig mehr Angebote in der Stadt Erfurt geschaffen werden. Weitere Zentren sollten für dieses breite Spektrum geschaffen werden.“

Des Weiteren betreibt der ASB ein Senioren und Pflegeheim in der Geibelstraße mit 124 vollstationären Pflegeplätzen. Im Gelände des Objektes wird der Arbeiter-Samariter-Bund eine Kindertagesstätte mit 64 Plätzen eröffnen. Dies ist für uns als CDU-Stadtratsfraktion ein besonderes Signal, wo alt und jung miteinander integriert und ein generationenübergreifendes Miteinander vorgelebt wird. Damit wird auch das Angebot an dringend benötigte Kita-Plätze in der Stadt aufgestockt.

Ein besonderer Höhepunkt in der Kita wird die Errichtung einer Salzgrotte sein. Als voraussichtlicher Eröffnungstermin ist der 23. September 2013 vorgesehen. Fazit des Arbeitsbesuches ist, dass die CDU-Fraktion im Erfurter Stadtrat auch weiterhin den Bau von altersgerechten Wohnraum in der Stadt befördert und es so den älteren Menschen ermöglicht im angestammten Stadtquartier auch im hohem Alter leben zu können.

12 Thüringer Projekte im Bundes-Förderprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen

“ Generationenbeauftragter Michael Panse: „Gute Thüringer Vorbereitungsarbeit“

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generationen und Ansprechpartner für Antidiskriminierung, Michael Panse, hat das erfolgreiche Abschneiden von 12 Thüringer Projekten im Interessenbekundungsverfahren zum Förderprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ begrüßt. Der Generationenbeauftragte hatte im letzten Jahr zur Teilnahme aufgerufen und Thüringer Antragssteller beraten.

Michael Panse sagte: „Angesichts des demografischen Wandels, der starken Zunahme des älteren Anteils der Bevölkerung, ist eine breite Palette auch von niedrigschwelligen Angeboten der sozialen Infrastruktur erforderlich. Zu bestehenden Familienzentren und Mehrgenerationenhäusern sind die ‚Anlaufstellen für ältere Menschen‘ eine sehr gute Ergänzung. Ich sehe die aktuelle Auswahlentscheidung des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Würdigung für die gute Vorbereitungsarbeit in Thüringen.“

 Erfolgreich im Interessenbekundungsverfahren waren

bei den baulichen Umsetzungsprojekten:

– die Kommunale Wohnungsgesellschaft mbH Erfurt,

– die AWO AJS gGmbH in Erfurt,

– der Kreisverband Saale/Orla des DRK mit einem Projekt in Schleiz,

– das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt,

bei den nicht baulichen Umsetzungsprojekten:

– das Mehrgenerationenhaus der LIFT gGmbH Nordhausen,

– das Seniorenbüro Wartburgkreis des Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes,

– das Kompetenz- und Beratungszentrum (KBZ) beim Schutzbundes der Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. in Erfurt,

– die Stadt Altenburg,

– das Mehrgenerationenhaus in Rudolstadt,

bei den Konzeptentwicklungen:

– das Landratsamt Unstrut-Hainich-Kreis,

– die Stadt Roßleben und

– die Stadt Weimar.

Hintergrund:

Älteren Menschen soll mit den „Anlaufstellen für ältere Menschen“ im vertrauten Wohnumfeld Hilfe und Unterstützung geboten werden, um selbst-ständig und selbstbestimmt leben zu können. Es wird dabei an vorhandene Strukturen und Angebote bestehender Einrichtungen, wie Nachbarschafts-zentren, Pflegestützpunkte und Mehrgenerationenhäuser, angeknüpft. Für Umsetzungsprojekte können Träger oder Kommunen 2013 oder 2014 Mittel in Höhe von bis zu 20.000 Euro aus dem Bundesaltenplan oder bis zu 30.000 Euro aus dem Bautitel erhalten. Für die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Konzepten können Landkreise sowie kreisfreie und kreisangehörige Städte und Gemeinden in 2013/2014 einmalig bis zu 10.000 Euro pro Konzept erhalten. Im darauf folgenden Jahr können sie sich mit ihrem erarbeiteten Konzept ebenfalls für die Förderung eines Umsetzungsprojektes bewerben.

Weitere Informationen im Internet unter:

http://www.serviceportal-zuhause-im-alter.de/anlaufstellen-aeltere-menschen.html

Fachtagung „Immer im besten Alter“ und Eröffnung einer Fotoausstellung

Generationenbeauftragter Michael Panse (CDU): „Engen und vertrauensvollen Dialog zwischen den Generationen fördern“

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generationen und Ansprechpartner für Antidiskriminierung, Michael Panse, richtet in Erfurt gemeinsam mit dem Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. eine Fachtagung unter dem Thema „Immer im besten Alter“ aus.

Termin: Dienstag, 7. Mai 2013

Uhrzeit: 10:30 Uhr

Ort: Erfurt, TMSFG, Werner-Seelenbinder-Str. 6, Raum 1.64

Michael Panse sagte vorab: „Nach wie vor bestehen in der Gesellschaft Altersbilder die zu Diskriminierungen führen. Durch den demografischen Wandel besteht hier in Zukunft besonderer Handlungsbedarf. Nur im engen und vertrauensvollen Dialog der Generationen kann es gelingen ein liebens- und lebenswertes soziales Umfeld zu gestalten. Im Rahmen der Fachtagung kann hierzu ein kleiner Beitrag geleistet werden.“

Hintergrund:

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte das vergangene Jahr unter dem Motto „Im besten Alter. Immer“ zum Jahr gegen Altersdiskriminierung ausgerufen. Gleichzeitig war das Jahr 2012 das „Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“. Die Fachtagung will das erreichte erfolgreich fortführen und die Impulse beider Themenjahre weitertragen. Durch die Fotoausstellung, welche im Rahmen der Fachtagung eröffnet wird, wird ein gelungenes Beispiel für das Zusammenleben der Generationen gezeigt. Sie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Senioren aus der Interessengemeinschaft „Fotofreunde Erfurt“ des Schutzbundes für Senioren und Vorruheständler Thüringen e.V. mit Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse der Integrierten Gesamtschule Erfurt.

Einladung zu der Fachtagung

 

Ehrenamtliches Engagement bei der AWO in Saalfeld

Viel unterwegs durch Thüringen! In den letzten Wochen war ich zu Vorträgen zur aktuellen Seniorenpolitik (dem Seniorenmitwirkungsgesetz und dem seniorenpolitischen Konzept der Landeregierung) sowie zum Thema des Europäischen Jahres für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen unterwegs. Nach Terminen in Sonneberg, Ilmenau, Altenburg, Arnstadt, Gotha und Sondershausen ging es heute durch das verschneite Thüringen nach Saalfeld.

Die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt hatte mit mir gemeinsam zu einer Kooperationsveranstaltung unter dem Titel „Ehrenamtliches Engagement als Chance im Demografischen Wandel“ in die Seniorenresidenz „Grüne Mitte“ eingeladen. Vor genau zwei Jahren war ich schon einmal in bzw. auf der „Grünen Mitte“. Damals habe ich ein Grußwort auf dem Dach zum Richtfest gehalten. Heute waren im Saal der Seniorenresidenz rund 40 aktive Seniorinnen und Senioren zu Gast, die sich fast alle ehrenamtlich bei der AWO engagieren.

Die Demografische Entwicklung in Saalfeld (sowohl in der Stadt, als auch im Landkreis) unterscheidet sich nicht von anderen Regionen in Thüringen. Die Einwohnerzahl in saalfeld ist von knapp 30.000 im jahr 2000 auf aktuell 26.700 gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der über 65-Jährigen von 5.456 auf 7.118 gestiegen. Im Landkreis sind die Zahlen ähnlich – von 133.600 auf 115.100 ging da die Zahl zurück. Zuwenig geborene Kinder (obwohl der Landkreis über dem Durchschnitt in Thüringen liegt) und die Abwanderung junger Menschen sind die Ursache. Frühzeit hat allerdings die AWO in der steigenden Anzahl älterer Menschen eine Chance gesehen. Mit dem Projekt „Herbstzeitlose“ wurden in den letzten neun Jahren 157 Seniorinnen und Senioren zu Seniorenbegleitern ausgebildet und qualifiziert. Derseit sind 90 in diesem Projekt im Einsatz und betreuen 134 Menschen in Saalfeld und Umgebung. Die engagierte Leiterin des Projekts Christa Pidun stellte ihr mehrfach ausgezeichnetes Projekt heute vor.

Aber auch das Projekt Herbstzeitlose sucht immer wieder neue Ehrenamtliche. Christa Pidun nannte die Voraussetzungen für ehrenamtliches Engagement. Ein Mindestmaß an Infrastruktur, selbständige Aufgabengebiete für Ehrenamtliche, Entfaltungsmöglichkeiten, Anerkennungskultur und eine Kostenerstattung für Mehraufwendungen sind einige der geforderten Punkte.

Mit der AWO Saalfeld-Rudolstadt, aber auch mit dem Landratsamt gibt es wichtige Partner. Stephanie Döhler vom Landratsamt unterstützt das Projekt Herbstzeitlose und sie stellte mit ihrem Kollegen Denis Heymann die demografische Entwicklung im Landkreis vor. Auf das Thema des freiwilligen Engagements in der häuslichen Betreuung von Menschen mit Demenz lenkte Theresa Hilse von der Fachhochschule Jena mit einem Vortrag den Blick. Stefan Bischoff, Geschäftsführer des ISAB-Instituts, beleuchtete schließlich die Engagementspotentiale in Thüringen.

Die Diskussion mit den Ehrenamtlichen in Saalfeld hat Spaß gemacht. Ich bin ihnen, aber auch dem Träger dankbar für dieses Engagement. es ist tatsächlich ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung des demografischen Wandels. In den nächsten Tagen (morgen in Weimar und Freitag in Gera) werde ich wieder bei Fachforen zu diesem Thema unterwegs sein.

Bilder aus Saalfeld

 

 

Mit und für Senioren in Sondershausen

Blick aus dem Mehrgenerationenhaus Sondershausen

Unter dem Titel „Gemeinsam Zukunft gestalten“ war ich heute Nachmittag im Mehrgenerationenhaus „Düne“ in Sondershausen zu Gast. Über 30 Senioren und der Seniorenbeirat der Stadt diskutierten mit mir über die demografische Situation in Thüringen, das Seniorenpolitische Konzept der Landesregierung und das Seniorenmitwirkungsgesetz.

Ich habe mich sehr gefreut mal wieder in Sondershausen zu sein. Die Familie meiner Mutter stammt aus Sondershausen und als Kind war ich regelmäßig bei meinem Opa und meinem Patenonkel in Sondershausen. Seitdem hat sich sehr vieles in der nordthüringischen Kleinstadt geändert, auch die Verkehrsführung durch die Stadt. Heute umfährt man die Stadt zumeist auf dem Weg nach Nordhausen.

Die Einwohnerzahl ist mit rund 23.000 Einwohnern in den letzten 12 Jahren relativ konstant geblieben. Der Kyffhäuserkreis hat hingegen 14.000 seiner 94.000 Einwohner verloren. Auch Sondershausen ist aber deutlich unterjüngt (nicht überaltert). Es gibt dort heute 5.900 Senioren im Alter über 65 Jahren. Im Jahr 2000 waren es 4.049. Die Zahl der unter 18jährigen ist hingegen deutlich zurückgegangen.

Hauptanliegen war es mir heute vor diesem Hintergrund darum zu werben, dass die Menschen engagiert und aktiv altern – so wie es das „Jahr des aktiven Alterns“ als positives Altersbild propagiert. Sowohl im Seniorenbeirat (den es in Sondershausen seit 2009 gibt) als auch im Mehrgenerationenhauses engagieren sich die Senioren, sie treffen sich regelmäßig und tauschen sich aus. Der Seniorenbeirat (leider der einzige Seniorenbeirat im ganzen Kyffhäuserkreis) will im kommenden Jahr stärker auch in die Ortsteile gehen, um auch alleinstehende älteren Menschen Beratung und Hilfe anzubieten. Unterstützung erhält der Seniorenbeirat schon seit seiner Gründung von der Stadt. Die 1. Beigeordnete der Stadt Cornelia Kraffzick sagte heute zu, dass es dabei auch in schwierigen Haushaltszeiten bleibt.

Im Sozialministerium wird zur Zeit die Richtlinie zum Seniorenmitwirkunsgesetz erarbeitet. Auf dessen Basis sollen künftig auch die Seniorenbeiräte und die Seniorenbeauftragten vor Ort unterstützt werden. Ich bin froh darüber, dass damit auch über das Europäische Themenjahr das aktive Altern weiter befördert wird.

„Erfolg kennt kein Alter“

 …und dies gilt natürlich auch in der Arbeitswelt.

Die Preisträger mit Axel Pape

Unter dem obenstehenden Motto hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände den „Good-Practice-Award“ für kleine und mittelständische Unternehmen ausgeschrieben.

Das Jahr 2012 wurde von der Antidiskriminierungsstelle zum Themenjahr gegen Altersdiskriminierung mit dem Titel „Im besten Alter. Immer.“ erklärt. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, erläuterte heute bei einer Auszeichungsveranstaltung in Berlin warum dieses Themenjahr so wichtig ist.

Seit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Jahr 2006 ist die Bekämpfung der Altersdiskriminierung ein wesentliches Aufgabenfeld der Antidiskriminierungsstelle.

Jeder 5. Beratungsfall ist wegen Altersdiskriminierung zu verzeichnen. Es sind 1.500 Fälle bundesweit, seit dem Start der Beratungsstelle. Die Antidiskriminierungstelle berät über gesetzliche Rahmenbedingungen, informiert Betroffene und Arbeitgeber und versucht gütliche Einigungen zu vermitteln. Deutlich verbessert hat sich in den letzten Jahren die Beschäftigungsquote der 55-bis 64-Jährigen. Zwischen 2000 bis 2011 stieg die Beschäftigungsquote von 37,4 auf 59,9 Prozent und damit über das für 2010 von der EU definierte Lissabon-Ziel von 50 Prozent. Lediglich Schweden hat mit 70 Prozent in Europa eine höhere Beschäftigungsquote.

Neben den Veränderungen am Arbeitsmarkt und der stärkeren Nachfrage nach Fachkräften haben daran viele Unternehmen einen Anteil, die bereits seit Jahren beim Personalmanagement darauf achten, dass sie eine gute Altersmischung im Unternehmen haben. Sechs vorbildliche Klein- und Mittelständische Unternehmen wurde heute dafür in Berlin geehrt (drei in der Kategorie bis 50 Mitarbeiter und drei in der Kategorie 51 – 500 Beschäftigte).

Der Schauspieler und Themenjahr – Botschafter Axel Pape übergab die Preise im feierlichen Rahmen. Ich finde die prämierten Projekte allesamt gelungene Beispiele für andere Unternehmen!

Das Diakonische Sozialzentrum Rehau zum Beispiel erreicht damit eine hohe Mitarbeiterbindung und eine vergleichsweise geringe Fluktation im Unternehmen. Der Altersdurchschnitt der 115 Mitarbeiter liegt 5,5 Jahre über dem branchenüblichen Wert von 41 Jahren.

Die Arbeitsfähigkeit mit einem aktiven Gesundheitsmanagement zu erhalten, aber auch ein Mentorenprogramm für Auszubildende sind nur einige der Angebote.

Mit der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Christine Lüders konnte ich mich nach der Veranstaltung noch über die Etablierung einer Antidiskriminierungsstelle in Thüringen austauschen.

Im ersten Quartal 2013 wollen wir dazu eine Fachtagung in Erfurt ausrichten, um im Ergebnis als sechstes Bundesland eine Antidiskriminierungsstelle einzurichten. Menschen die Benachteiligungen erfahren wegen ihrem Alter, ihrer ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität sollen auch in Thüringen eine feste Anlaufstelle für Beratung und Hilfe erhalten.

Bilder der Preisverleihung

 

 

Mehrgenerationenhäuser im Zentrum der Beratung im BMFSFJ

Das Bundesfamilienministerium in Berlin

Vor nun gut zwei Jahren bin ich zum ersten Mal zu einer Beratung über die Mehrgenerationenhäuser in das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nach Berlin gefahren. Damals ging es um die Absicherung der weitere Arbeit der MGHs. Seit nun knapp einem Jahr läuft das Folgeprogramm Mehrgenerationenhäuser II.

Als Mitglied der Kooperationsgruppe und des Bund-Länder-Beratungsgremiums bin ich in den letzten zwei Jahren etliche Male nach Berlin gereist. Heute standen passenderweise gleich beide Beratungen hintereinander an und so gab es am Vormittag die 4. Bund-Länder-Besprechung zu den MGHs und am Nachmittag die 16. Sitzung der Kooperationsgruppe.

Zunächst standen die länderbezogene Informationen zur wissentschaftlichen Begleitung der Arbeit der MGHs im Mittelpunkt der Beratung. Zu den MGHs (450 in Deutschland, 25 in Thüringen) gibt es nun sogenannte Hausberichte, die unter anderem auf der Selbsteinschätzung der Arbeit beruhen. In Verbindung mit den Befragungen der Kommunen ist dies ein wichtiges Instrument, um zum einen die Arbeit der Häuser besser nach außen kommunizieren zu können, aber auch die vier Aufgabenfelder besser qualifizieren zu können. Die Auswertung der wissentschaftlichen Begleitforschung wurde uns vorgestellt, dazu werden wir sicher beim nächsten Netzwerktreffen der Thüringer MGHs ins Gespräch kommen.

In Thüringen gelingt die geforderte Vernetzung der Häuser schon sehr gut. Neben den Moderationskreistreffen arbeitet auch das Netzwerk der Thüringer MGHs regelmäßig. In der Kooperationsgruppe wurden die Arbeitsschwerpunkte 2012 ausgewertet. Die Haushaltsnahen Dientsleistungen und das Thema Alter und Pflege war in diesem Jahr dran. Nächstes Jahr werden es die Themen Bildung und Integration sowie die Freiwilligendienste sein. Zudem soll es Zielvereinbarungen in denen die Arbeitsfelder mit Indikatoren bewertet sind um den Erfolg messbar zu machen.

Das neue Programm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ des Bundes trägt dem demografischen Wandel Rechnung und ermöglicht den MGHs zusätzliche Stützpunkte in Stadt- und Ortsteilen zu etablieren. Insbesondere zu dem Programm werde ich die Thüringer MGHs in den nächsten Wochen beraten, um mit möglichst vielen erfolgreichen Anträgen beim Bund dabei zu sein.

Thüringer Generationenbeauftragter begrüßt neues Bundesprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen“

Generationenbeauftragter Michael Panse: „Impuls des Europäischen Jahres für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen weitertragen“

Der Thüringer Generationenbeauftragte, Michael Panse, hat Träger und Kommunen in Thüringen aufgerufen, sich am Interessenbekundungsverfahren zum neuen Bundesprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ zu beteiligen. Damit soll älteren Menschen im vertrauten Wohnumfeld Hilfe und Unterstützung geboten werden, um selbstständig und selbstbestimmt leben zu können. Es wird dabei an vorhandene Strukturen und Angebote bestehender Einrichtungen, wie Nachbarschaftszentren, Pflegestützpunkte und Mehrgenerationenhäuser, angeknüpft.

Michael Panse sagte: „Es ist sehr zu begrüßen, dass mit diesem Beitrag zur Demographiestrategie der Bundesregierung der Impuls des Europäischen Jahres für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012 auch in das folgende Jahr weitergetragen wird. Zur aktiven Gestaltung des Alters gehört, dass ältere Menschen selbstständig und selbstbestimmt leben wollen. Die Erfahrungen mit den Thüringer Mehrgenerationenhäuser zeigen, wie hilfreich unterstützend dafür Anlaufstellen im sozialen Nahraum für ältere Menschen wirken können. Ich hoffe, dass sich in Thüringen viele Antragsteller finden, welche das neue Bundesprogramm nutzen, um dieses Anliegen noch intensiver zu befördern.“

Hintergrundinformationen:

Bis zum 15. Februar 2013 haben Träger und Kommunen die Möglichkeit, sich am Interessenbekundungsverfahren zu beteiligen. Für Umsetzungsprojekte können Träger oder Kommunen in 2013 oder 2014 Mittel in Höhe von bis zu 20.000 Euro aus dem Bundesaltenplan oder bis zu 30.000 Euro aus dem Bautitel erhalten. Für die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Konzepten können Landkreise sowie kreisfreie und kreisangehörige Städte und Gemeinden in 2013/2014 einmalig bis zu 10.000 Euro pro Konzept erhalten. Im darauf folgenden Jahr können sie sich mit ihrem erarbeiteten Konzept ebenfalls für die Förderung eines Umsetzungsprojektes bewerben. Weitere Informationen sind unter http://www.serviceportal-zuhause-im-alter.de/anlaufstellen-aeltere-menschen.html zu erhalten.

 

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