Generationenbeauftragter

Vorerst letzter Termin…

Derzeit habe ich Urlaub, aber heute trotzdem noch einen dienstlichen Termin vor Ostern gerne gemacht. Na ja, noch einen weiteren, den aber nicht ganz so gerne. Bei Radio Frei war ich zu einem Gespräch mit Jenny Renner vom Verein CSD Erfurt mit den Mitarbeiterinnen vom Lokalen Aktion Plan Erfurt (LAP). Es war ein ausgesprochen angenehmes Gespräch über die Organisation des CSD in Erfurt Ende August und damit verbundene Finanzierungsfragen. Gerne werde ich die Organisatoren des CSD auch weiter unterstützen – egal in welcher Funktion.

Bereits in den vergangenen Jahren war ich beim CSD in Erfurt mit einem Grußwort und beim Regenbogenempfang im Landtag als Ansprechpartner der Landesregierung für Antidiskriminierung dabei. In diesem Jahr wird dies schwierig – nicht die Teilnahme sondern in welcher Funktion. Am 5. April endet nach Auffassung der Landesregierung mein Arbeitsvertrag als Generationenbeauftragter. Ich habe diese Aufgabe, ebenso wie die Aufgabe als Ansprechpartner für Antisdiskrminierungsfragen in den letzten viereinhalb bzw. zwei Jahren ausgesprochen gerne gemacht. Es ist kein Geheimnis, dass ich dies auch gerne weiter machen würde. Aber dies ist eine Entscheidung, die nun andere treffen müssen. Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende 🙂

Heute und in den letzten Tagen habe ich daher zunächst erst einmal das Büro im Sozialministerium geräumt. Es ist schon erstaunlich, was sich so alles ansammelt – auch an Terminen in den viereinhalb Jahren. Bei der Outlook-Bereinigung des Rechners habe ich erstaunliche 5.981 Termine gelöscht. Auch wenn da kommunalpolitische und Sporttermine dabei waren, bleiben viele dienstliche Besprechungen, Tagungen, Beratungen und Vor-Ort-Termine in guter Erinnerung.

Mehrgenerationenhäuser, Bundesfreiwilligendienst, Demografie, Generationen- und Seniorenpolitik, LSBTI-Themen und Antidiskriminierungsarbeit waren die Schwerpunkte. Ich konnte erfolgreich für den Fortbestand unserer 25 MGHs kämpfen, war in mehreren Bund-Länder-Arbeitsgruppen, im Landessenioren- und Landesbehindertenbeirat und habe in mehreren Kommunen die Erstellung von seniorenpolitischen Konzepten begleitet. Ich habe zwei Netzwerke zur Antidiskrimierungsarbeit etabliert, das Netzwerk der Thüringer MGHs mitgegründet und eine Woche in der Bundesantisdiskriminierungsstelle hospitiert.

Ausgesprochen dankbar bin ich Christoph Bender, meinem Stellvertreter und den drei Mitarbeiterinnen, mit denen ich die viereinhalb Jahre gestalten durfte. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im TMSFG und den beiden Hausleitungen war sehr gut.

Über Ostern und in der zweiten Ferienwoche habe ich nun endlich auch einmal terminfrei viel Zeit für die Familie und danach werden wir sehen was kommt. In jedem Fall erst einmal mehr Zeit für die Kommunalpolitik 😉

„Der Mensch geht, der Wolf kommt“

 

Bundesminister Hermann Gröhe sprach beim Berliner Demografie Forum 2015

Zweiter Tag beim Berliner Demografie Forum

Einen beachtlichen Politiker- und Referentenauflauf gab es am heutigen zweiten Tag des Berliner Demografie Forums in der European School of Management and Technology am Schlossplatz 1.

Das altehrwürdige Gebäude ist schon seit vier Jahren Tagungsort des BDF. Ich bin aber immer wieder neu vom frühsozialistischen Gestaltungsstill und der Innenarchitektur beeindruckt. Da hat der Denkmalschutz in dem ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude viel Arbeiterkampf- und sozialistischen Gestaltungsrealismus konserviert. Sowohl der Zuschnitt vieler Räume, als auch die Arbeiterkampfmosaiken (sie illustrieren die Geschichte beginnend von Karl Liebknecht) und auch Lampen und bemalte Fliesen sind aus der DDR-Zeit.

Wo früher Staatsempfänge stattfanden, versammelten sich heute Tagungsgäste und Referenten von fünf Kontinenten. Entsprechend vielfältig war das Referentenprogramm. Nachdem bereits gestern Innenminister Dr. Thomas de Maiziere gesprochen hat, waren heute vier Bundesminister a.D. unter den Referenten. Franz Müntefering, Rita Süssmuth, Ursula Lehr und Daniel Bahr brachten sich engagiert in die Diskussion ein.

Am Vormittag hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe den Einführungsvortrag gehalten. Er warb, wie es sich für einen Gesundheitsminister gehört, für die Pflegeberufe und eine menschenwürdige Pflege. Um rund eine Million ist die Zahl der Pflegebedürftigen seit Einführung der Pflegeversicherung gestiegen. Dieser Trend wird sich verstärken, weil die Zahl der hochaltrigen Menschen steigt. Der Langlebigkeitstrend ist erfreulich, aber er stellt die Gesellschaft auch vor Herausforderungen.

Aktuell gibt es in Deutschland 13.200 Menschen die älter als 100 Jahre sind. Bemerkenswert ist, dass 60 Prozent davon noch im eigenen Haushalt leben. Daniel Bahr, der Ex-Gesundheitsminister bemerkte dazu, dass die Pflege zu Hause natürlich die präferierte Form ist. Der größte Pflegedienst der Republik ist immer noch die Familie. Allerdings sind die Diakonie und die Caritas die größten Arbeitgeber Deutschlands und der Pflegebereich hat daran einen großen Anteil.

Neben den vielen deutschen Ministern war auch Alain Berset, der Innenminister der Schweiz Referent beim BDF. Seine genaue Amtsbezeichnung ist Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Inneren. Zu Beginn seines Vortrags erläuterte er den Zuhörern, dass sein Fachgebiet aber, abweichend vom deutschen Innenminister, Soziales, Gesundheit und Kultur sei. Auch das Veterinärwesen gehört in sein Haus und deshalb passe auch der Satz „Der Mensch geht, der Wolf kommt“ zu seinem Ressort. Am Nachmittag verwies ein Referent aus Brandenburg, dass sie da schon weiter sind. Die Wölfe sind in Teilen Ostdeutschlands schon wieder da. Auch Thüringen ist schon über die Phase des Wolfserwartungslandes hinweg, auch wenn wir noch nicht von einer Verwolfung sprechen.

Berset wies auf ein weiteres wichtiges Thema hin. Er sagte „Der demografische Wandel zwingt uns zu sozialer Inklusion“. Dies stimmt zweifellos und da haben wir in Deutschland noch viel zu tun. Wir dürfen uns keine Illusionen machen, wie sich die demografische Zukunft entwickelt. Die Bücher der Demografie sind auf Basis der Geburtenzahlen der letzten Jahrzehnte schon geschrieben. Daran werden auch die beste Familienpolitik und Zuwanderung nichts ändern.

Derzeit profitiert Deutschland von der Babyboomer-Generation. Bis 1964 hatten wir relativ hohe Geburtenzahlen, mit dem Pillenknick war damit Schluss. Die 1964 geborenen sind heute alle voll im Berufsleben, unter anderem deshalb haben wir derzeit einen Höchstanteil an erwerbstätigen Menschen. In spätestens 20 Jahren sind alle Babyboomer im Ruhestand. Dies ist kein deutsches Problem allein, darauf wiesen Referenten aus Japan, Brasilien, Polen, aus den USA und vielen anderen Teilen der Welt hin.

Am heutigen Nachmittag waren dann traditionsgemäß die Young Experts dran. Junge Absolventen der ESMT aus der ganzen Welt von Finnland über Frankreich und Albanien bis nach Australien reichte der Kreis der Podiumsdiskutanten, die mit Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Rita Süssmuth über Themen wie das Absenken des Wahlrechts, Frauen- und Migrationsquoten und Integration diskutierten.

Das BDF2015 hat eine Menge an Impulsen für die Teilnehmer geboten. Innerhalb von vier Jahren hat sich das Forum zu einer international beachteten Plattform für Themen des demografischen Wandels entwickelt.

Mehrgenerationenhaus-Netzwerktreffen

Mit der Leiterin des MGH Sondershausen

Inzwischen ist es viereinhalb Jahre her, dass ich die Zuständigkeit für die Mehrgenerationenhäuser im Sozialministerium übertragen bekommen habe. An meine ersten Besuche in den Thüringer MGHs habe ich mich beim heutigen Netzwerktreffen im Bürgerzentrum Cruciskirche in Sondershausen erinnert.

Sondershausen war damals eines der ersten der Thüringer Mehrgenerationenhäuser, in dem ich zu Besuch war und Gespräche mit Trägervertretern sowie Kommunalpolitikern geführt habe. Gemeinsam ist uns gelungen, dass von den damals 30 Mehrgenerationenhäusern bis heute 25 bestehen und eine tolle Arbeit leisten. Ich kenne jedes der Häuser von zahlreichen Besuchen und gemeinsamen Veranstaltungen gut – in den meisten Fällen auch die jeweiligen Bürgermeister.

Die MGHs sind ein fester Bestandteil der Sozialstruktur in den Kreisen und kreisfreien Städten geworden. Bis heute bleibt es aber eine dauerhaft schwierige Aufgabe die Finanzierung sicher zu stellen. Aktuell finanziert der Bund einen Zuschuss von 30.000 Euro pro Haus/jährlich. Mindestens 10.000 Euro müssen die jeweilige Kommune oder der Landkreis beisteuern und künftig will der Bund auch die Länder in die Finanzierungsmitverantwortung nehmen. Dazu wird in Bund-Länderarbeitsgruppe verhandelt. Spätestens 2016 muss es dazu eine Lösung geben.

Eine der vier Kernaufgaben der MGHs ist der Bereich Integration und Bildung. Vor dem Hintergrund der steigenden Flüchtlingszahlen war dies heute das Thema beim Netzwerktreffen. Einen Input zur aktuellen – auch rechtlichen – Situation gab die Amtsleiterin für Ausländer, Flüchtlinge und Integration aus Sondershausen. Der Kyffhäuserkreis nimmt 3,6 Prozent der Thüringer Asylbewerber auf (Erfurt 9,1 Prozent). Die Herausforderungen ausreichen Wohnraum bereit zustellen, ist im Kyffhäuserkreis lösbar, dies ist in den kreisfreien Städten deutlich schwieriger.

Die soziale Betreuung und die Organisation von Unterstützungsformen ist hingegen flächendeckend schwieriger geworden, da die Asylbewerber- und Flüchtlingszahlen in den letzten Monaten deutlich gestiegen sind. Die MGHs sind dabei Kooperationspartner der Kommunen. Allein sieben der Thüringer MGHs konnten heute über ihre Erfahrungen und Konzepte berichten. In Gera, Suhl, Erfurt, Jena, Weimar, Waltershausen und Bad Salzungen gibt es bereits vielfältige Aktivitäten mit und für Ausländer.

Den Thüringer Mehrgenerationenhäusern wünsche ich für ihre weitere Arbeit alles Gute. Ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass ich den Weg der MGHs viereinhalb Jahre aktiv begleiten konnte und habe mich heute sehr über die Dankesworte gefreut. Wie künftig die Zuständigkeit für die MGHs geregelt wird ist noch offen. Ich habe heute gesagt, dass ich daran auch künftig mitwirken möchte – mal sehen welche Entscheidungen dazu in den nächsten Wochen fallen.

Generationenbeauftragter Michael Panse: Förderung der Thüringer Mehrgenerationenhäuser über das Jahr 2015 hinaus sichern

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse, hat die Aussage der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig am gestrigen Tag der Mehrgenerationenhäuser begrüßt, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 13. November zugestimmt hat, Mehrgenerationenhäuser im kommenden Jahr, also über die im nächsten Monat auslaufende zweite Programmphase hinaus, weiter zu fördern. Der Haushaltsausschuss sprach sich zudem auch für eine weitere Verstetigung der Förderung aus.

Michael Panse sagte: „Ich begrüße dies ausdrücklich und erhoffe jetzt für die 25 Thüringer Mehrgenerationenhäuser ein klares Bekenntnis der Standort-Kommunen zu ihrer weiteren Arbeit. Ich erwarte, dass die neue Thüringer Landesregierung sich ebenso eindeutig zu den Mehrgenerationenhäusern bekennt und diese in Zukunft auch, in ähnlicher Weise wie vergleichbare Familienzentren, finanziell unterstützt. Als Grundlage sollte, wie bereits auf der Bundesebene geschehen, eine Vereinbarung dienen, mit dem Ziel den weiteren Bestand der existierenden Mehrgenerationenhäuser zu sichern und das Entstehen weiterer zu ermöglichen.“

Hintergrund:

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD für die 18. Legislaturperiode enthält die Aussage: „Das erfolgreiche Konzept der Mehrgenerationenhäuser werden wir weiterentwickeln und deren Finanzierung verstetigen. Sie sollen sich in ihrer individuellen Ausprägung zu einem übergreifenden Dach und Ankerpunkt des sozialen Miteinanders und der Teilhabe vor Ort auch zum Beispiel unter Einbeziehung von Pflegestützpunkten als Sorgende Gemeinschaften entwickeln. Deshalb werden wir die Voraussetzungen schaffen, um eine dauerhafte Zukunft der Mehrgenerationenhäuser zu sichern und gemeinsam mit Ländern und Kommunen prüfen, unter welchen Voraussetzungen die Mehrgenerationenhäuser möglichst in allen Kommunen etabliert werden können.“

„Die Herausforderungen des demografischen Wandels an die evangelische Bildungslandschaft“

Grußwort beim Bildungskonvent der EKM, Mittwoch, 12. November 2014, 09.00 Uhr, Augustinerkloster Erfurt

Sehr geehrte Damen und Herren,

evangelische Kirche und Bildung haben schon seit Beginn einen engen Zusammenhang.

Als Martin Luther hier ins Augustinerkloster eintrat, hatte er seine erste Bildungskarriere in Erfurt schon hinter sich. Und ohne sein vorheriges Jura-Studium hätte ihn vielleicht als Mönch die Schuldfrage nicht so umgetrieben.

Wenn Juristen etwas lernen, dann ist es ja möglichst viele Probleme zu sehen, wo andere Menschen eher keine vermuten.

Der gebildete Jurist Luther quälte sich stärker als andere mit der Schuld, mit der Frage, wie er als sündiger Mensch Gnade vor dem göttlichen Richter finden könne.

Sein Beichtvater Johann von Staupitz schickte ihn als Therapie für sein Problem zum Theologiestudium nach Wittenberg. Und sein Studienergebnis des Römerbriefs war, dass man sich einen gnädigen Gott nicht erkaufen kann, weder durch Selbstgeißelung noch durch Ablassbriefe, sondern nur durch gläubiges Annehmen des Geschenks der göttlichen Gnade. Eine Bibelinterpretation, die zum Bruch mit der damaligen katholischen Kirche führte.

So gesehen wäre die Reformation in Deutschland die direkte Folge der zwei Bildungskarrieren Martin Luthers, sowohl als Jurist und als auch als Theologe.

Der hohe Wert der Bildung begründet sich bei Luther nicht allein aus der eigenen Lebensgeschichte, sondern auch theologisch. Wer vom Priesteramt aller Gläubigen spricht, der muss die Bibel allen zugänglich machen. Dann dürfen nicht nur Knaben in Klosterschulen Lesen lernen, sondern Jungen und Mädchen, Männer und Frauen egal welchen Standes. Sein Mitstreiter Philipp Melanchthon hat dafür viel getan.

Und Luther bekannte: „Wenn es Gott gefiele, mich meiner Aufgaben als Pastor zu entheben, gäbe es für mich auf Erden keine Aufgabe, die ich lieber erfüllen würde als diejenige eines Schulmeisters, denn nach dem Amt des Pastors gibt es kein schöneres Amt als das seine.“ Ob das heute alle Pfarrer unterschreiben würden?

Die Reformatoren hielten es für eine Christenpflicht, für eine gute Bildung aller Kinder zu sorgen. Sie hätten es sich wohl kaum träumen lassen, dass fünfhundert Jahre später eine gute Bildung scheinbar Kinder verhindert.

Führt etwa die höhere Bildung der modernen Frauen zu unseren heutigen demografischen Problemen?

Schaut man sich die Kinderzahlen von Frauen über 40 – die mit dem Thema Familienplanung überwiegend abgeschlossen haben – in den alten Bundesländern näher an, so sind sie umso geringer, je höher der Bildungsstand ist.

26 Prozent der Frauen mit hoher Bildung in dieser Gruppe haben gar keine Kinder.

Schaut man auf die noch vorhandenen Ost-West-Unterschiede, so kann der Bildungsgrad allein allerdings nicht der ausschlaggebende Grund sein.

Aber auch die bevölkerungspolitischen Maßnahmen der DDR, zum Beispiel die Möglichkeit den sogenannten Ehekredit „abzukindern“, haben die Schrumpfung der Bevölkerung nicht aufgehalten.

Woran kann das liegen? Fragen wir umgekehrt nach Kinderreichtum und nicht nach Kindermangel, so ist die Antwort einfach. Weltweit die meisten Kinder bekommt nach Auskunft der letzten Statistik eine Frau in der afrikanischen Republik Niger, im Durchschnitt sind es 7. Eine Erklärung für diesen Kinderreichtum ist, dass Kinder in solchen Ländern Teil der persönlichen Daseinsfürsorge sind. Wo es keine Rentenversicherung oder ähnliches gibt, tragen die Kinder ihre Eltern in der familiären Solidargemeinschaft.

Am Anfang des Rückgangs der Kinderzahlen in Deutschland standen die Bismarck´schen Rentenreformen von 1889. Die letzte deutsche Elterngeneration, die sich komplett reproduzierte, wurde 1880 geboren. Das heißt, bereits vor dem 1. Weltkrieg war in Deutschland Schluss mit einer die Reproduktion sichernden Geburtenquote von 2,1 oder gar mehr.

In Thüringen wird sich nach den vorliegenden Bevölkerungsvorausberechnungen die Einwohnerzahl in der Zeitspanne von 1950 bis 2050 annähernd halbieren. Waren es 1950 in Thüringen noch knapp 3 Millionen Einwohner, exakt 2.932.242, so wird heute für das Jahr 2050 mit 1.538.200 Einwohnern in Thüringen gerechnet.

Allein bis zum Jahr 2030 wird Thüringen rund 400.000 weitere Einwohner verlieren, ein Minus von 18 %.

Aber es ist nicht allein der Bevölkerungsrückgang, der Probleme bereitet, sondern auch die Verschiebung in der Altersstruktur.

Erfreulicherweise werden die Thüringerinnen und Thüringer immer älter.

Vom Jahr 1990 bis zum Jahr 2010 erhöhte sich das Durchschnittsalter in Thüringen um rund 8 Jahre.

Ende des 19. Jahrhunderts lag der Anteil der über 65-Jährigen in Deutschland bei 6 Prozent der Bevölkerung.

Am 31. Dezember 2011 waren 23 Prozent der Thüringer, also über 500.000 Personen, älter als 65 Jahre.

Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil auf 37 Prozent steigen. Es werden dann mehr als 650.000 Thüringer älter als 65 Jahre sein.

Die Zahl der über 80-Jährigen wird von rund 125.000 auf mehr als 189.000 steigen.

Heute leben in Deutschland über 14.000 Menschen, die 100 Jahre und älter sind, davon rund 280 in Thüringen.

Die Zahl der über 100-Jährigen hat sich in den letzten 30 Jahren in Deutschland etwa verzehnfacht.

Im letzten Jahr gratulierte die Thüringer Ministerpräsidentin 135 Thüringerinnen und Thüringern zu ihrem 100. und zwei weiteren bereits zu ihrem 107. Geburtstag.

Dieser hohe Anteil älterer Menschen wirft natürlich Fragen nach der Zukunft der Pflege auf. Bei den unter 75-Jährigen sind unter 4 % an einer Demenz erkrankt, bei den über 90-Jährigen aber bereits ca. 41 %.

Aber auch die schmale junge Generation ist nicht ohne Probleme. Wo können sich heute Kinder und Jugendliche einander noch alltäglich begegnen außerhalb normierter Zusammenhänge und frei von Erwachsenen?

Die Möglichkeiten für Interaktionserfahrungen und soziale Lerngelegenheiten mit Peers, mit Gleichaltrigen, sinken.

Es sinken auch die Akzeptanz und das Verständnis für kindlichen Bewegungsdrang und Kinderlärm im öffentlichen Raum. Damit sind wir auch bei der Frage, wie wirkt sich eine unterjüngte Gesellschaft, überaltert lehne ich als Begriff ab, auf die Gestimmtheit einer Bevölkerung, auf ihren Elan, auf ihre Zukunftshoffnungen und damit auch auf ihre Bildungsziele aus.

Wenn Kinder zu einem „knappem Gut“ werden, steigen dann nicht die Gefahren der Überbehütung und „Infantilisierung“?

Bei der heranwachsenden Generation werfen die Verschiebungen in der schicht- und migrationsspezifischen Zusammensetzung ebenfalls Fragen auf.

So beträgt heute der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Stuttgart 39,0 Prozent. Deutschlandweit hat mehr als ein Drittel der Kinder im Vorschulalter einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen beherrschen zur Einschulung die deutsche Sprache nicht ausreichend. Das kann in der Konsequenz zu solchen Fällen führen, wie im vergangenen Jahr in Berlin-Neukölln, als drei Familien mit Migrationshintergrund gegen die schlechte Noten ihrer Kinder vor Gericht gezogen sind. Schuld sei der zu hohe Anteil von Migranten in ihrer Klasse.

Solche Probleme gibt es in Thüringen erst in Ansätzen in den größeren Städten.

Ein allgemeines Thüringer Problem ist aber bereits die regional ganz unterschiedliche Entwicklung der Zahl der künftigen Kita-Kinder, der Schüler und der Auszubildenden.

Um Schulschließungen zu vermeiden, gab es Bestrebungen, kleine Grundschulen mit jahrgangsübergreifenden Klassen einzurichten. International ist dieses Modell weit verbreitet und hat sich bewährt, da es auch bei niedriger Siedlungsdichte ein wohnortnahes Angebot ermöglicht. In Deutschland sind kleine Grundschulen – sogenannte Zwergschulen – jedoch schon fast verschwunden, weil sie von der Mehrheit der Eltern und Lehrer nicht akzeptiert werden. Das hat dazu geführt, dass seit 1995 in den ostdeutschen Ländern bis zu 40 Prozent der Grundschulen geschlossen wurden. Oft sind lange Schulbusfahrten die Folge.

Kein Wunder, dass es junge Frauen in die Städte zieht, wenn sie ihren Kindern das nicht zumuten möchten.

Demografie, Bildung, junge Frauen und ländlicher Raum sind noch aus einem anderen Grund ein Thema.

Zwischen 1999 und 2004 haben 31 Prozent aller jungen Frauen in den neuen Bundesländern die Schule mit dem Abitur verlassen, bei den jungen Männern waren es nur 21 Prozent. Die besseren Bildungsabschlüsse junger Frauen verstärken die Tendenz den ländlichen Raum zu verlassen. Das führt dazu, dass zum Beispiel im Jahr 2011 im Landkreis Demmin und im Landkreis Elbe-Elster auf 100 junge Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren jeweils 128 Männer dieses Alters kamen. Mit anderen Worten, in solchen Regionen kann über ein Fünftel der jungen Männer davon ausgehen vor Ort keine Ehefrau zu finden und keine Familie gründen zu können, mit allen weiteren und nicht nur demografischen Folgen, die das hat.

Demografischer Wandel und Bildung – was bedeutet das für die ältere Generation?

Im Berufsleben bedeutet es, dass die Zeiten der Frühverrentung vorbei sind. Vielmehr besteht ein stärkeres Interesse ältere Berufstätige nachzuqualifizieren, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Es bedeutet, älteren Arbeitslosen durch Qualifizierung doch noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Eine wichtige Aufgabe für Bildungsträger ist es auch – nicht nur allein mit Blick auf den Arbeitsmarkt – dafür zu sorgen, dass es in nicht dabei bleibt, dass in Deutschland mehr als 14 Prozent der potentiell Erwerbsfähigen funktionale Analphabeten sind.

Demografischer Wandel und Bildung bedeutet im Rentenalter, dass die Anzahl der Nachfragenden nach Erwachsenenbildung steigt. Vor drei Wochen konnte ich das sehr anschaulich im Lutherhaus in Jena erleben. Die dortige Bildungsarbeit in der nachberuflichen Lebensphase mit seinem Mittwochkreis hatte mich zu einem Vortrag eingeladen. Ich traf mit über hundert Teilnehmern ein sehr interessiertes und diskussionsfreudiges Publikum.

Ich fasse kurz zusammen, was ich bisher dazu ausgeführt habe, vor welche Herausforderungen uns der demografische Wandel – auch im Bereich der Bildung – stellt.

Da sind nicht nur der Rückgang der Bevölkerung in absoluten Zahlen, sondern auch drastische Verschiebungen in der Altersstruktur.

Da sind viele sogenannte „junge“ Alte, die aktiv und interessiert am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und für sie passende Bildungsangebote nachfragen; aber auch immer mehr Hochaltrige mit höheren Pflegebedarf, was wiederum entsprechenden Bildungsbedarf für pflegende Angehörige und Pflegepersonal auslöst.

Für ältere Erwerbsfähige besteht Bedarf an weiterer Qualifizierung, innerhalb aber auch außerhalb von Betrieben.

Wir haben weniger Kinder und Jugendliche, allerdings in regional sehr unterschiedlichem Maße. Insgesamt betrachtet erleben sie weniger Gleichaltrige und weniger nicht normierte Freiräume.

Steigende Anteile von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund erfordern darauf abgestimmte Bildungsangebote.

Wir sehen bemerkenswerte geschlechterbezogene Differenzierungen der Bildungsverläufe und auch damit in Zusammenhang stehende Unterschiede der Verteilung der Geschlechter auf Stadt und Land, was gerade in ländlichen Räumen wiederum nicht ohne Folgen bleibt.

Sie sehen, an möglichen Ansatzpunkten für Ihre heutige Veranstaltung besteht wirklich kein Mangel.

Zum Abschluss möchte ich im Zusammenhang mit Demografie, Bildung und Religion noch einen Punkt ansprechen.

Eigentlich könnte die demografische Entwicklung ja langfristig die Position der Kirchen stärken. Studien zeigen, dass nicht nur international, sondern auch in Deutschland gläubige Menschen mehr Kinder bekommen als andere.

Nun gibt es aber auch die These, das läge nicht am Glauben selbst, sondern wäre auch ein Bildungseffekt, gläubige Menschen mit mehr Kindern hätten einfach eine geringere Bildung. Eine Untersuchung an der Universität Tübingen hat allerdings gezeigt, dass diese These für Deutschland nicht zutrifft.

Die evangelische Kirche muss sich also wegen der Wirkungen ihrer Bildungsarbeit keine Sorgen machen. In guter lutherischer Tradition kann sie sich sagen, sie schadet damit weder dem Glauben noch der demografischen Entwicklung.

Mit 100 hat man noch Träume…

Ausstellungsplakat

Altersbilder und Vorstellungen zu ihrem Leben, die die älteren Menschen haben sind nicht immer gleich.

Als Beauftragter der Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen habe ich eine Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“ in der Stadtkirche St. Michael in Jena finanziell gerne unterstützt und war heute auch im Rahmenprogramm der sechswöchigen Ausstellung zu einem Vortrag im Gemeindezentrum, dem Lutherhaus.

Mit der Ausstellung soll dem Alter eine Stimme gegeben werden – Achtung und Respekt vorm Alter. Fotos von 100jährigen geben Anlass zum Gespräch und lassen staunen. Sie machen neugierig auf die Geschichten, die sich in den Gesichtern spiegeln.

Der Gemeindesaal war bei meinem Vortrag mit über 100 engagierte Seniorinnen und Senioren rappelvoll (obwohl die Vortragszeit 9.30 Uhr war).

Nicht minder überrascht, wie über das große Interesse war ich davon, dass nach einem 90minütigen Vortrag noch eine einstündige intensive Fragerunde von den Besuchern gestartet wurde. Respekt! Jena hat hochmotivierte Senioren, die sich nicht mit dem vermeintlichen Ruhestand abfinden.

„Will you still need me, will you still feed me,  when I’m sixty-four?“ haben die Beatles in einem ihrer Lieder geschrieben. Später hat Udo Jürgens behauptet mit 66 Jahren fänge das Leben erst an. Heute haben selbst 80jährige noch viel vor mit ihrem Leben.

Die Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“ ist vom 20.9. bis 19.11. in der Stadtkirche St. Michael zu sehen

Die Rede zum Thema  Alte, die immer aktiver werden und Junge, die es wegzieht – Generationen im Wandel! Stirbt Thüringen aus oder welche Projekte brauchen wir?“

„Alte, die immer aktiver werden und Junge, die es wegzieht – Generationen im Wandel! Stirbt Thüringen aus oder welche Projekte brauchen wir?“

Vortrag bei der Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“, 22. Oktober 2014, Lutherhaus Jena, Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Jena

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Veranstalter haben mir für meinen Vortrag das Thema gestellt: „Alte, die immer aktiver werden und Junge, die es wegzieht – Generationen im Wandel! Stirbt Thüringen aus oder welche Projekte brauchen wir?“

Mein Vortrag gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Mit 100 hat man noch Träume“. Es war mir eine Freude, diese Ausstellung mit Fördermitteln aus meinem Bereich unterstützen zu können. Der Titel der Ausstellung trifft die Aussage, dass von etwas zu träumen kein alleiniges Vorrecht der Jugend sei, sondern auch zum hohen Alter gehöre.

Aber was ist überhaupt „Alter“? Letztlich ist Alter ein relativer Begriff. Am 30. September fand in Erfurt eine Fachtagung der Thüringer Landesseniorenvertretung zum Thema „Der Alltag von hochaltrigen Menschen: Teilhabegefährdungen und –chancen“ statt. Zu den Vortragenden gehörte auch Herr Joseph Hinke, ein 99-Jähriger aus Saalfeld, der über seine Lebenserfahrungen und Aktivitäten berichtete. Er lebt in einer betreuten Wohnform in der Nachbarschaft eines Pflegeheims und betonte, dass er „noch nicht zu den alten Leuten“ im Pflegeheim gehöre.

Alte, die immer aktiver werden“ – den Anfang des mir gestellten Vortragsthemas würde Herr Hinke vielleicht so gar nicht für sich gelten lassen, denn alt sind für ihn jene, die keine Aktivitäten mehr entfalten und nur noch passiv dahinleben.

Aber auch, wenn man nicht nach dem Grad der aktiven Lebensgestaltung, sondern nach den tatsächlichen Lebensjahren fragt, bleibt für die größte Spanne der Lebenszeit Alter etwas Relatives.

Egal in welcher Generation man die Frage stellt, wer für alt gehalten wird, liegt der Altershorizont durchgängig etwas zwanzig Jahre entfernt. So ist für einen 15-Jährigen ein 35-Jähriger alt und für einen 75-Jährigen ein 95-Jähriger.

Der Generali Zukunftsfonds wollte es genauer wissen und hat 2013 in seiner Altersstudie zur Lebenswelt der 65- bis 85-Jährigen auch gefragt, ob man sich selbst für alt hält. Das Ergebnis lautete: 58 % der Befragten würden sich selbst nicht als „alte“ Menschen bezeichnen. Fragte man allein die 65- bis 75-Jährigen, sind es sogar 67 %.

1997 starb in Frankreich im Alter von 122 Jahren die erste und bisher weltweit einzige Frau, für welche zweifelsfrei dokumentiert werden konnte, dass sie älter als 120 Jahre geworden ist. In hundert Jahren dürfte sie vermutlich größere Gesellschaft bekommen haben und vielleicht werden im Jahr 2114 dann 100-Jährige entsprechend der genannten „20-Jahre“-Regel die über 120-Jährigen und nicht sich selbst für alt halten. Übrigens gibt es Bevölkerungsforscher, die davon ausgehen, dass bereits ein Viertel der jetzt geborenen Mädchen 100 Jahre alt werden.

Heute leben in Deutschland über 14.000 Menschen, die 100 Jahre und älter sind, davon rund 280 in Thüringen. Die Zahl der über 100-Jährigen hat sich in den letzten 30 Jahren in Deutschland etwa verzehnfacht.

Wer jetzt in Thüringen 100 Jahre alt wird, und wer dem Einwohnermeldeamt die Weitergabe dieser Information und der Kontaktdaten nicht untersagt hat, bekommt auch ein Glückwunschschreiben aus der Staatskanzlei.

Im letzten Jahr gratulierte die Thüringer Ministerpräsidentin 135 Thüringerinnen und Thüringern zu ihrem 100. und zwei weiteren bereits zu ihrem 107. Geburtstag. Eine der beiden, Gerda-Marie Becker, feierte als älteste Thüringerin am 14. April 2014 in Gotha bereits ihren 108. Geburtstag. Auch sie muss trotz ihres hohen Alters relativ aktiv sein, denn sie lebt noch allein in ihrer Wohnung in der Gothaer Innenstadt.

„Alte, die immer aktiver werden“ – das kann auch so aussehen, wie bei Johanna Quaas aus Halle. Das Bild zeigt sie bei einem Wettkampf in Cottbus vor zwei Jahren. Dabei erstellte Videos erreichten bei YouTube binnen kürzester Zeit mehrere Millionen Aufrufe und bescherten ihr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als „älteste Turnerin der Welt“.

Aktiv im Alter umfasst aber mehr als in Bewegung bleiben. Die schon erwähnte Altersstudie von Generalie fragte auch nach ehrenamtlichen Aktivitäten. Danach engagieren sich 45 Prozent der befragten 65- bis 85-Jährigen in mindestens einem von elf gesellschaftlichen Bereichen. Selbst unter den 80- bis 85-Jährigen der Befragten sind es immer noch 29 Prozent. Schwerpunkte des Engagements stellen die Kirche, Freizeit und Geselligkeit, Sport und Bewegung, Kultur und Musik sowie soziale Bereiche dar, in denen sich jeweils zwischen 10 und 15 % der 65- bis 85-Jährigen engagieren.

Der zeitliche Umfang des aktuell geleisteten Engagements liegt durchschnittlich bei 4,2 Stunden pro Woche. Immerhin 32 % der Engagierten haben sich vorher nicht so stark, 23 % sogar gar nicht engagiert – und wurden erst im Alter aktiv. Dennoch bleib es der beste Einstieg in ein aktives Alter, wenn man sich vor dem Rentenalter nicht einzig und allein auf den Beruf beschränkt hat.

Nach allen bekannten Erhebungen geht es der heutigen Rentnergeneration so gut, wie keiner zuvor. Sie ist aktiver, gesünder, wohlhabender als je zuvor. Der Blick darauf, wer alt ist, hat sich sehr verändert.

Wenn man alte Darstellungen der Lebensstufen betrachtet, dann sieht man, dass das Bild des Alters früher vor allem von Verlust und Gebrechen gekennzeichnet war.

Heute unterteilt man das Alter in zwei getrennte Abschnitte. Nach den früheren jungen, mittleren und alten Lebensabschnitten wurde ein viertes Lebensalter eingeführt, das der Hochaltrigen, welches man je nach Einteilung mit 80 oder 85 Jahren beginnen lässt.

Davor liegt das Lebensalter der sogenannten „Jungen Alten“, die von Marketingstrategen als neue, wichtige Konsumentengruppe entdeckt noch mit vielen weiteren schönen Namen bedacht werden, wie „Best Ager“, „Golden Ager“, „Silver Surfer“, „Master Consumer“, „Senior Citiziens“ oder „Woopies“.

Nun kann man natürlich darüber lamentieren, dass es Senioren heute vielleicht schwerer gemacht wird in Würde zu altern, aber insgesamt sollte doch die Entwicklung, dass immer mehr Menschen das Rentenalter erreichen und für viele Jahre bei guter Gesundheit verbringen ein Grund zur Freude sein.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Chancen dafür schlechter standen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland hat sich in den hundert Jahren  von 1850 bis 1950 von 45 Jahren auf 70 Jahre verdoppelt – vor allem durch das Sinken der Kindersterblichkeit – und hat sich bis 2011 auf 85 Jahre erhöht.

Das Unwort des Jahres 1996 war der Begriff „Rentnerschwemme“. Da fehlt nur noch die „freundliche“ Bemerkung über das „sozial verträgliche Frühableben“. Aber das Problem unserer Gesellschaft, vor dem wir jetzt und die nächsten Jahre stehen, ist nicht die „Überalterung“ – für mich auch ein Unwort –, sondern die Unterjüngung.

Ein Vergleich des Altersaufbaus der Thüringer Bevölkerung zwischen den Jahren 2010 und 2020 zeigt dies sehr anschaulich.

Nach den vorliegenden Bevölkerungsvorausberechnungen wird sich die Einwohnerzahl Thüringens in den hundert Jahren von 1950 bis 2050 annähernd halbiert haben, von ehemals 2.932.242 auf dann 1.538.200. Bis zum Jahr 2030 wird Thüringen rund 400.000 Einwohner verlieren, das entspricht etwa minus 18 Prozent. Dabei verläuft die Entwicklung regional betrachtet sehr unterschiedlich. Nach den gegenwärtigen Prognosen kann in Jena mit +5% und in Erfurt mit +2%gerechnet werden, in Gera jedoch mit -22% und im Landkreis Greiz mit -32%.

Früher sprach man beim Bevölkerungsaufbau von einer Pyramide, dann eher von der Form einer Glocke oder eines Bienenstocks, später von einer Urne und inzwischen könnte man in Thüringen auch das Bild einer Bohnenstange bemühen.

Die Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus  für das Land Thüringen in den Jahren 2010 bis 2060 zeigen anschaulich, wie sich im Lauf der Jahrzehnte die Form verändert. Am Bevölkerungsaufbau 2010 kann man sehr gut die Einschnitte durch den Zweiten Weltkrieg, den Pillenknick und die demografische Vollbremsung Anfang der 90er Jahre erkennen. Im Vergleich der Jahrzehnte ist zu sehen, wie sich der letztere Einschnitt immer weiter nach oben schiebt.

Wie sich die Gewichte der Altersgruppen verschieben, lässt sich auch an deren prozentualer Verteilung in einer Darstellung des Zeitraums von 1871 bis 2050 zeigen. Näherte sich der Anteil der Generationen unter 20 Jahren Ende des 19. Jahrhunderts 50 Prozent, wird er 2050 nur noch um die 15 Prozent betragen, während sich der Anteil der über 65-Jährigen von 6 auf über 30 Prozent steigern wird.

Betrachtet man diese Entwicklung nur für die neuen Bundesländer und vergleicht sie mit den alten Bundesländern zeigen sich zwar in den neuen Bundesländern die stärkeren Veränderungen, aber sie verlaufen doch auf längere Sicht sehr ähnlich. Vergleicht man nur die Thüringer Zahlen mit denen des gesamten Bundesgebietes zeigt sich ein ähnliches Bild, Thüringen scheint der gesamtdeutschen Entwicklung nur bereits etwas voraus zu sein.

Wenn man sich die Thüringer Zahlen auf den Migrationshintergrund hin an ansieht, könnte man sich eine positive Auswirkung erhoffen. Allerdings sind dazu deren absolute Zahlen noch zu gering. So macht bei Migranten der Anteil der über 65-Jährigen nur etwa ein Drittel das Anteils der sonstigen Thüringer Senioren aus, aber die Auswirkung liegt bei einer Absenkung von gerade einmal 0,2 Prozent und der Anteil der unter 18-Jähringen erhöht sich durch junge Migranten nur um 0,4 Prozent.

Schaut man sich dann noch die schulische Situation und die Integration von Migranten insgesamt an, wäre das ein Thema für einen eigenen Vortrag. Hier bleibt noch sehr viel zu tun.

Hier noch ein paar Zahlen zur demografischen Situation in Thüringen. Von 1990 bis 2010 erhöhte sich das Durchschnittsalter in Thüringen um rund 8 Jahre. Am 31.12.2011 waren 514.459 Thüringer, 23 % der Bevölkerung, älter als 65 Jahre. Bis 2020 wird der Anteil auf 35 % steigen, bei 10 % Rückgang der Gesamtbevölkerung. Bis 2030 wird der Anteil auf 37 % steigen, bei dann mehr als 650.000 Thüringern, die älter als 65 Jahre sind. Die Zahl der über 80jährigen wird von 124.545 auf mehr als 189.000 steigen.

Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren werden im Jahr 2030 die Zahl von rund 70 Personen über 65 Jahre entfallen. Etwas verkürzt und gerundet könnte man sagen, stehen heute 10 Erwerbsfähigen 3 Rentner gegenüber, so werden es im Jahr 2030 in Thüringen 7 Rentner sein. Von 2005 zu 2020 wird ein Rückgang der Erwerbspersonen um 19,4 Prozent prognostiziert.

Wäre Thüringen ein selbständiges Land, hätten wir ein erhebliches Problem mit fehlenden Einzahlern in die Rentenkassen. Zum Glück ist die Rentenversicherung nicht in föderaler Zuständigkeit wie Schulwesen oder die Polizei, aber dennoch wird sich die Situation der Thüringer Rentner aufgrund der vielen zum Teil mehrfach gebrochenen Erwerbsbiographien der letzten 25 Jahre im Lauf der nächsten Jahre insgesamt nicht verbessern.

Und anders als in alten Bundesländern kann nicht in größerem Maße auf erworbene Vermögen zur Alterssicherung zurückgegriffen werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten des Vermögensaufbaus in den 40 Jahren der Teilung zeigen sich sehr deutlich am Aufkommen der Erbschaftssteuer. Hier sind die Unterschiede nach wie vor drastisch und mit einer raschen Angleichung in absehbarer Zeit dürfte eher nicht zu rechnen sein.

Apropos Geld. Auch auf die öffentlichen Finanzen wirkt sich der demografische Wandel in starkem Maße aus. Die Finanzmittelausstattung des Freistaats Thüringen wird 2020 im Vergleich zum Jahr 2011 nur noch rund 83 Prozent betragen. In Abhängigkeit vom gesamtdeutschen Steueraufkommen verliert Thüringen mit jedem Einwohner rd. 2.500 Euro. Der skizzierte Einwohnerrückgang in Thüringen führt damit pro Jahr zu Mindereinnahmen von 50 Mio. Euro. Die neuen Länder sind ab 2014 nicht mehr Ziel-1-Gebiet der EU-Förderung. Der Solidarpakt II wird 2019 auslaufen. 2012 hat Thüringen daraus noch 1,3 Mrd. Euro erhalten. Bei einem Gesamtlandeshaushalt von knapp 9 Mrd. Euro sind dies rund 14% der Einnahmen gewesen. Um die gesetzlich eingeführte Schuldenbremse ab dem Jahr 2020 einzuhalten, muss das Haushaltsvolumen bereits jetzt reduziert werden.

Was bedeutet das für die öffentliche Verwaltung? Bei einem Gesamtlandeshaushalt von knapp 9 Mrd. Euro machen allein die Personalausgaben 2,3 Mrd. Euro aus.

Also muss die Anzahl der Mitarbeiter und der Umfang der Verwaltungsstrukturen weiter abgesenkt werden. Dabei ist aber eine leistungsfähige Verwaltung zu erhalten, die weiter die erforderlichen Dienstleistungen für Bürger und Wirtschaft in der notwendigen Qualität erbringt (Siehe z.B. Lebensmittelsicherheit und Seuchenschutz). Den größten Anteil am Personalbestand des Landes haben Polizisten und die Lehrer der staatlichen Schulen, deren Anzahl nicht beliebig verringert werden kann.

Eine der großen Gefahren des demografischen Wandels ist eine Schrumpfungsspirale, die wir in Teilen des ländlichen Raumes schon beobachten können, in die wir aber als gesamtes Land nicht hinein geraten dürfen. Senken wir das Niveau der öffentlichen Infrastruktur, zu der auch Innere Sicherheit und Schullandschaft gehören, ab, so sinkt die Attraktivität, die Gefahr der Abwanderung steigt und Zuzug stellt sich eher nicht ein.

„… Junge, die es wegzieht“ – stand im Thema, das sie mir gestellt haben. Nun, das ist zum Glück nicht mehr in dem Maße ein Thema, wie es das Anfang und Mitte der Neunziger Jahre war. An den Wanderungssalden der letzten acht Jahre ist zu sehen, dass die Gefahr des Aussterbens der Thüringer durch Abwanderung doch deutlich gesunken ist, ja das wir im letzten Jahr sogar erstmalig, wenn auch nur minimal, in den positiven Bereich gelangt sind. (2013 insgesamt: 43.471 Fortzüge, 43.623 Zuzüge)

Nun, wenn wir an diesem Punkt in die Diskussion einsteigen würden, gäbe es sicher unter Ihnen welche, die mir entgegen halten würden, dass Sie diesen oder jenen bestens ausgebildeten jungen Menschen kennen, der Thüringen verlassen hat und sein Glück woanders sucht. Sicher gibt es das und Sie sehen ja auch in der Statistik, dass die Gruppe der 25- bis 30-Jährigen bei der Abwanderung am stärksten vertreten ist. Im letzten Jahr betrug der Saldo minus 1.712 Personen. Er kommt dadurch zustande, dass 10.120 Personen in diesem Alter aus Thüringen fortzogen und nur 8.408 zuzogen.

Dies dürfte dadurch zustande kommen, dass ein Teil derjenigen die ihr Studium in Thüringen beenden, aus anderen Bundesländern stammen, aber auch dadurch dass Thüringer Absolventen neue Perspektiven außerhalb Thüringens suchen. Wir wollen und können sie nicht zwingen hier zu bleiben. Die Zeiten von Mauer und Stacheldraht, von Absolventenlenkung und Unterbindung des Arbeitsplatzwechsels sind vorbei. Ja es sollte zur Normalität gehören, dass junge Menschen an vielen Orten außerhalb Thüringens ihre Erfahrungen sammeln können.

Entscheidend ist aus meiner Sicht nur, dass sich Thüringen so attraktiv entwickelt, dass sie früher oder später nach Thüringen zurückkommen wollen. Am besten eher früher, denn wenn zum Beispiel junge Frauen erst einmal anderswo Familien gegründet haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr deutlich.

Im Thema, das mir für meinen Vortrag gestellt wurde heißt es: „Welche Projekte brauchen wir?“ Nun Projekte sind schön und gut, denn sie zeigen, was man machen könnte, wenn man denn nur Geld und Personal hätte. Aber viel entscheidender für die demografische Entwicklung Thüringens als einzelne Projekte ist die Wirtschaftspolitik. Viele junge Menschen bleiben nur in Thüringen oder kommen hierher, wenn sie die Aussicht auf einen attraktiven Arbeitsplatz haben. Auf den drastischen Produktionsrückgang in den Jahren 1990/91, in dessen Folge bis zum Jahr 1992 etwa jeder zweite Industriebeschäftigte seinen Arbeitsplatz verlor, folgte ab Mitte der 1990er Jahre eine bis heute anhaltende Aufwärtsentwicklung. Thüringen verfügt heute über eine breit aufgestellte, mittelständisch geprägte Industrie mit Branchen wie die Optik, Medizintechnik, Automobil- und Automobilzulieferindustrie, Maschinenbau, Logistik, Metallverarbeitung, das Ernährungsgewerbe sowie die Gummi- und Kunststoffindustrie. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus.

In Thüringen gibt es in den Industrie-Branchen rund 90.000 Unternehmen. Sie konzentrieren sich auch nicht auf wenige Standorte. In den Städten Erfurt, Weimar und Jena sind nur 11 % der Thüringer Industriebeschäftigten tätig, also sind es immerhin 89 % in anderen Thüringer Regionen, zum Beispiel im sich stark entwickelnden Südthüringen oder in der Region um Rudolstadt, Saalfeld und Ilmenau.

Die Thüringer Wirtschaft ist in besonderer Weise durch kleine und mittlere Betriebe geprägt. Der Umsatzanteil von kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) liegt in Thüringen bei 76 % und ist damit mehr als doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Durchschnitt von 37 % (Durchschnitt der neuen Länder: 59 %). Dies hat zwar die Vorteile der großen Flexibilität und schnellen Reaktion auf Marktbewegungen, aber auch strukturbedingte Nachteile, wie z. B. tendenziell höhere Produktionskosten, zu wenig Forschung und Entwicklung, Probleme bei der Erschließung neuer Märkte und bei der Gewinnung von Fachkräften, häufig eine geringe Eigenkapitalausstattung und geringe Marktmacht bei der Preisgestaltung.

Thüringen benötigt mittelfristig mehr Großunternehmen, entweder dadurch dass sich Thüringer KMU zu solchen entwickeln oder sich externe Großunternehmen in Thüringen ansiedeln.

Die Thüringer Erwerbstätigenquote, bezogen auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahre, liegt seit 1997 ständig über dem ostdeutschen Durchschnitt, seit 2009 auch über dem westdeutschen Durchschnitt.

Zum Stichtag 31.12.2012 war sie höchste in ganz Deutschland. Im letzten Jahr hatte Thüringen rund 137.000 Industriebeschäftigte. Im Sektor der unternehmensnahen Dienstleistungen nahm die Zahl der Erwerbstätigen auf knapp 150.000 zu. Ähnlich hoch ist mit 144.000 die Beschäftigtenzahl im Handwerk, das traditionell eine tragende Säule der Thüringer Wirtschaft mit hoher beschäftigungspolitischer Bedeutung ist. In Thüringen gab es 2010 knapp 31.900 Handwerksbetriebe.

Bei der Betriebsdichte im Bereich des Handwerks, die die Zahl der Betriebe mit der Bevölkerungszahl in Beziehung setzt, gehört der Freistaat seit vielen Jahren zur Spitzengruppe der Länder.

Bei den Ausbildungsplätzen gab es in Thüringen lange Zeit ein Defizit. In den Jahren 2009 und 2010 deckten sich Angebot und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nahezu. Seit 2011 haben wir zu wenig Nachfrage, es bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Wir hatten in Thüringen lange Zeit einen starren Arbeitsmarkt. Wegen der massiven Frühverrentung gab es nur noch geringe laufende Verrentung, also wenig Ersatzbedarf. Es gab wenig Fluktuation und auch wenig Erweiterungsbedarf.

Dies ändert sich jetzt grundlegend.

Nach den vorliegenden Prognosen scheiden bis 2026 etwa 502.000 Personen im Land altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, die Altersgruppe der heute 50- bis 64-Jährigen, während nur rund 236.000 nachrücken, die Altersgruppe der heute 3- bis 18-Jährigen), wodurch – lässt man Wanderungseffekte außen vor – eine Lücke von rund 266.000 Erwerbsfähigen entstünde, die die Zahl der Arbeitslosen um ein Vielfaches übersteigt.

Daher stellt die Gewinnung von Zuwanderern im Wettbewerb mit anderen Regionen in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderung für die Thüringer Wirtschaft dar. In Thüringen werden nach wie vor vergleichsweise niedrige Löhne und Gehälter gezahlt. Einkommenssteigerungen werden aber nicht zuletzt vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Wettbewerbs um Fachkräfte notwendig sein. Einkommenssteigerungen wirken gleichzeitig der weiteren Abwanderung entgegen.

Thüringen hat die Chance, über Weichenstellungen am Arbeitsmarkt die Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung teilweise zu kompensieren.

Neben der besseren Erschließung des vorhandenen Potenzials bilden der Zuzug von Erwerbspersonen aus anderen Ländern und das Zurückgewinnen von Pendlern und Fortgezogenen wichtige Ressourcen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Unternehmen in Thüringen attraktive Arbeitsplätze und ein gutes Entlohnungsniveau bieten.

Wichtig für die demografische Entwicklung ist natürlich auch die Familienpolitik. Ich denke hier beispielsweise an familienbewusste Arbeitszeiten, weitere Flexibilisierungen der Elternzeit, den Ausbau der Kinderbetreuung durch Kindertagesstätten und Tagesmütter, die Unterstützung durch lokale Bündnisse für Familie und die Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen. Aber auch an dieser Stelle will ich noch einmal auf die wirtschaftliche Situation zurückkommen, denn an der Zahl der Kinder pro Familie zeigt sich sehr deutlich, dass die allgemeinen Maßnahmen der Familienpolitik dennoch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Betrachtet man die Haushaltseinkommen von Familien mit mehr als zwei Kindern ergibt sich eine U-Form. Solange für junge Familien, die nicht auf Sozialleistungen angewiesen bleiben wollen, ein Einkommen nicht ausreicht und eine junge Frau sich Sorgen machen muss, ob und wie sie nach einer Auszeit wieder beruflich einsteigen kann, wird sich hier nichts ändern.

Veränderungen in Bevölkerungszahl und -struktur verlangen auch eine Weiterentwicklung des Bildungssystems. Dazu gehören die Ausrichtung des Schulwesens auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft durch moderne Lehr- und Lernmethoden und soziale Integration, die Qualifizierung und Berufsorientierung, attraktive Hochschulen sowie die weitere Verankerung des lebenslangen Lernens.

Lokale demografische Abwärtsspiralen setzen nicht selten mit einer Schulschließung ein, denn junge Familien bevorzugen Schulstandorte. Um weiterhin eine wohnortnahe Beschulung zu gewährleisten, muss auch darüber nachgedacht werden, den Unterricht jahrgangsgemischt und in Kooperation von mehreren Grundschulen zu organisieren.

Die altersgemischte Schuleingangsphase, in der Schüler aus mehreren Jahrgängen einer Grundschule gemeinsam in einer Klasse lernen, bietet dafür eine Möglichkeit.

Um dem steigenden Altersdurchschnitt der Lehrerkollegien entgegenzuwirken und vor allem um erfolgreichen Lehramtsanwärtern eine berufliche Perspektive in Thüringen zu bieten, muss die Zahl der neu eingestellten Lehrer erhöht worden. Für Lehrer ergibt sich in den nächsten zehn Jahren ein Ersatzbedarf von über 38 %.

Ein weiterer Punkt bei der Frage nach Antworten auf den demografischen Wandel ist der Wohnungsbau. Die Siedlungsentwicklung in Thüringen verläuft sehr unterschiedlich. In Regionen mit abnehmender Bevölkerung steigt die Anzahl an Baulücken und nicht genutzten Grundstücken. Die fehlende Nutzung leerstehender Immobilien bereitet hier Probleme.

Senioren werden nach seniorengerechten Wohnungen fragen. Gerade für ältere Menschen, aber auch für junge Familien mit Kindern werden Innenstädte bzw. Ortskerne mit ihren fußläufig erreichbaren Infrastruktur- und Dienstleistungsangeboten immer wichtiger.

Fehlendes Eigenkapital der Hausbesitzer steht aber in vielen Fällen der Sanierung der alten Gebäude entgegen, so dass sich das Angebot an geeignetem Wohnraum in den Innenstädten trotz bestehender Nachfrage nur langsam erhöht.

Für die Städte entstehen aus dieser Situation entspannte Wohnungsmärkte auf der einen sowie Verdrängungstendenzen auf Grund hoher Mieten auf der anderen Seite.

Die Kommunen stehen vor der Aufgabe, hier zukunftsfähige Ansätze sowohl für die Innenstädte als auch für die großen Neubaugebiete zu finden. Dazu gehören Konzepte zu seniorengerechtem, zu barrierefreiem bzw. barrierearmen und generationsübergreifenden Bauen, zur Nutzungsmischung bis hin zur Wiedernutzung von Gebäuden und Brachflächen in innerstädtischen Bereichen.

Wie sieht es mit den Wohnwünschen von Senioren aus? Eine entsprechende Studie zeigt, dass die Senioren-WG eher nicht der Wunschtraum der meisten ist, obwohl es prominente Fürsprecher dafür gibt. Henning Scherf wirbt in seinem Buch auch für die Alten-WG. Über weiter gemeinschaftliche Wohnformen in Thüringen kann man sich beim WohnStrategen e.V. in Weimar informieren.

Die vorletzte Nennung der Übersicht war etwas missverständlich, denn unter einem Mehrgenerationenhaus wird nach dem gleichnamigen Bundesprogramm ein Begegnungszentrum verstanden. Der andere Begriff dafür wäre Generationswohnen  wie es zum Beispiel in Arnstadt gibt.

Zum Jahreswechsel 2009/2010 zogen etwa 90 Menschen in das erste gemeinschaftlich orientierte Mietwohnprojekt dieser Dimension in Thüringen ein.

Bei der Frage, wie man das Leben im Alter gestalten kann, gibt es natürlich Unterschiede zwischen Stadt und Land. Hier stellvertretend zwei Beispiele einmal aus Erfurt. In der Nähe des Zooparks, im sogenannten Giraffenhaus wurden die acht Wohnungen der 7. Etage in sieben barrierearme Wohnungen umgebaut. Es wurden der Grundriss verändert, bodengleiche Duschen, höhenverstellbares WCs sowie Notrufanlagen mit zwei Bedienstellen im Schlafzimmer und Bad eingebaut, der Balkonaustritt barrierearm gestaltet ein Gemeinschaftsraum eingerichtet.

Im Unstrut-Hainich-Kreis hingegen hat man ausreichend Platz um ebenerdig seniorengerechten Wohnraum zu gestalten. Hier war die Grundidee, dass die Senioren dafür ihre ehemaligen Immobilien in eine Stiftung einbringen, damit sie von jungen Familien genutzt werden können.

In der Übersicht nicht aufgeführt war ein Seniorenheim, wie es z.B. der ältere Bruder unseres ehemaligen Ministerpräsidenten bewohnt. In Thüringen wohnen nur 3 Prozent der über 60-Jährigen in einem Heim. Aber auch hier gibt es in Thüringen interessante Vorhaben, wie in Tambach-Dietharz, mit der Kombination verschiedener Wohnformen, oder in Kahla, wo die Gestaltung in bemerkenswerter Weise auf demente Bewohner eingestellt ist.

Damit sind wir bei einem weiteren Thema, der Pflegesituation in Thüringen angekommen, womit allein sich ein längerer Vortrag bestreiten ließe. Hier nur soviel, dass sich natürlich auch die Situation in der Pflege verändern wird. Die Zahlen werden steigen. Und der Anteil häuslicher Pflege wird sinken. Zwischen 1999 und 2011 hat eine signifikante Verschiebung des Verhältnisses informeller Pflege, Selbstpflege und Pflege durch Angehörige, und formeller Pflege, berufliche bzw. professionelle Pflege, stattgefunden:

Die Anzahl von Empfängern von ausschließlich Pflegegeld ist im genannten Zeitraum zwar von 33.825 auf 40.135 deutlich angestiegen, allerdings ist deren Anteil an allen Pflegebedürftigen von 56,1 % auf 47,8 % zurückgegangen

Der Grund dafür ist einfach zu finden: Die Anzahl an 20 bis 60-Jährigen Frauen, welche die Hauptlast der Angehörigenpflege tragen, sinkt von 592.000 im Jahr 2012 auf 370.000 im Jahr 2030, was einem Rückgang von 37 % entspricht.

Der Anteil an Singlehaushalten ist in Thüringen zwischen 2005 und 2012 von 37 % auf 39 % angewachsen.

Interessant wird sein, ob mittelfristig die Gründe gegen oder für mehr häusliche Pflege überwiegen. Aber natürlich muss sich auch in der beruflichen Pflege in Thüringen noch etwas tun, wie unschwer zu sehen ist. Auf die Frage, wie reagieren wir auf die Verschiebung der Altersstruktur der Generationen, auf den demografischen Wandel, habe ich jetzt etwas zu den Öffentlichen Finanzen, zu Verwaltung, Wirtschaft, Familien, Bildung, Wohnen und Pflege gesagt. Es ist also ein sehr breites Feld, in dem in allen Bereichen reagiert werden muss. Trotzdem ist es wichtig, die verschiedenen Themen auch zusammenzufassen und dafür entsprechende Strukturen zu schaffen.

Vor zehn Jahren, im Jahr 2004 wurde die interministeriellen Arbeitsgruppe „Demografischer Wandel“ eingerichtet. Im Jahr 2011 wurde im Geschäftsbereich des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr die „Serviceagentur Demografischer Wandel“ etabliert, welche unter anderem zu diesem Thema auch Beratung anbietet. 2011 wurde auch der erste Teil des Thüringer Demografieberichts veröffentlicht und begonnen sich an der Mitteldeutschen Demografieinitiative zu beteiligen.

Im Jahr 2012 folgten die Teile 2 und 3 des Demografieberichts, speziell zu den Themen Schwerpunkte der Daseinsvorsorge, Fachkräfteperspektive und Entwicklung des Schulsystems. Ebenfalls in diesem Jahr wurde im Geschäftsbereich des Innenministeriums das „Thüringer Zentrum für interkommunale Kooperation“ ins Leben gerufen. Wie bereits erwähnt, verläuft die Bevölkerungsentwicklung in Kreisen und Gemeinden sehr unterschieldlich, Schrumpfung und Wachstum liegen häufig dicht beieinander. Daher sind kleinräumige Betrachtungen und lokale Strategien erforderlich. Vor diesem Hintergrund sind Beratung und Service für Kommunen Kernanliegen des „Thüringer Zentrum für interkommunale Kooperation“. Im letzten Jahr wurde begonnen eine sogenannte Demografiestrategie zu erarbeiten.

Wo gegen wir uns in der gesamtgesellschaftlichen Diskussion um die demografische Entwicklung wehren müssen, sind Klischees vom Alter, die vom Thema Demenz beherrscht werden. Es ist ein neues gesellschaftliches Verständnis vom „Alter“ notwendig.

Das bisher in unserer Gesellschaft überwiegende Bild des Alterns verbunden mit Defiziten und Belastungen muss durch ein Bild von Potenzialen und Chancen abgelöst werden. Dazu muss es natürlich auch Gelegenheiten geben, wo diese genutzt werden können. Und hier komme ich am Ende meines Vortrages doch noch auf drei Projekte zu sprechen.

Orte der gesellschaftlichen Teilhabe können Mehrgenerationenhäuser sein.

Mehrgenerationenhäuser schaffen generationenübergreifende Angebote und verfolgen damit die Wiederbelebung einer bürgerschaftlichen, generationenübergreifenden Struktur. Hier begegnen sich Jung und Alt in einem öffentlichen Raum in ihrer Nachbarschaft und profitieren von ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen. Mehrgenerationenhäuser haben sich zu Plattformen für Freiwilliges Engagement entwickelt. Mehrgenerationenhäuser können auf einer niedrigschwelligen Ebene Angehörige aller Generationen attraktiv und zugänglich wirken. In der zweiten Programmphase des Bundesaktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser sind die Themenschwerpunkte „Alter und Pflege“, „Integration und Bildung“’, „Haushaltsnahe Dienstleistungen“ und „Freiwilliges Engagement“. Sie können damit eine wichtige Funktion in der sozialen Infrastruktur von Kommunen erfüllen.

Zurzeit gibt es in Thüringen 25 Mehrgenerationenhäuser. Eine zweite Möglichkeit sich zu engagieren ist der Bundesfreiwilligendienst, bei welchem die unterschiedliche Altersstruktur zwischen den neuen und den alten Bundesländern auffällt. Aufgrund der anderen Erwerbsbiographien sind der Wille und die Bereitschaft sich in diesem Rahmen zu engagieren unter den älteren Jahrgängen in neuen Bundesländern deutlich ausgeprägter. Hier sind besonders viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger zu finden. Wobei der Bundesfreiwilligendienst allerdings nicht als arbeitsmarktpolitische Maßnahme missverstanden werden darf, das geben schon die absoluten Zahlen nicht her.

Von den 2.687 Thüringer Bundesfreiwilligen im September sind 91 bereits über 65 Jahre. Gäbe es die Möglichkeit weniger als 20 Wochenstunden zu leisten, wie dies im Freiwilligendienst aller Generationen der Fall war, könnte diese Zahl sicher noch höher sein. Zuletzt möchte ich noch auf eine dritte Möglichkeit des Engagements im Alter zu sprechen kommen, die man auch mit der sogenannten Großmutterhypothese in Zusammenhang bringen kann.

Evolutionsbiologen haben auf die Frage, warum Frauen eigentlich noch so lange weiterleben, obwohl sie ab einem bestimmen Alter keine Nachkommen mehr in die Welt setzen, die Antwort gegeben, dass sich für den Erfolg der gesamten menschlichen Population die Unterstützung bei der Aufzucht der Enkelgeneration viel bezahlter gemacht hat. Zumal menschliche Kleinkinder durch die Art ihrer Hirnentwicklung extrem lang unselbständig und pflegebedürftig sind.

So gesehen wären die Evolution der Großmutter und die Evolution des großen menschlichen Gehirns eng miteinander verknüpft. Sorge für die Enkel kann etwas sehr Schönes sein, aber auch anstrengend. Jedenfalls sieht diese ältere Dame etwas erholungsbedürftig aus.

Aber auch in Deutschland sind die Zeiten, in denen sich Großmütter im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Nachkommen krumm gemacht haben, noch nicht lange vorbei, wie dieses Bild „Der erste Schnee“ von Ludwig Richter zeigt.

Bei den Beziehungen der Generationen geht es bei Menschen aber nicht nur um die Sicherung des nackten Überlebens, sondern auch um die Weitergabe der kulturellen Leistungen. Ohne die kulturelle Evolution wären die Menschen in evolutionsgeschichtlich so kurzer Zeit nicht zur dominierenden Lebensform auf der Erde geworden.

Nun kann heute jeder sagen, durch mein Arbeitsleben habe ich meinen Beitrag für die Sicherung des Lebens der nächsten Generation und für die Erhaltung der menschlichen Kultur bereits geleistet und kann jetzt meinen Lebensabend frei von weiteren Verpflichtungen genießen.

Aber vielleicht kann zu diesem Genießen auch gehören, seine Erfahrungen und sein Wissen an Kinder weiterzugeben. Wenn eigene Enkel nicht da oder nicht in der Nähe sind, kann man das auch in sogenannten Großelterndiensten tun. Das erste deutschlandweite Treffen von Großelterndiensten vor zwei Jahren in Erfurt konnte durch die Unterstützung mit Fördermitteln aus meinem Zuständigkeitsbereich zustande kommen.

Jetzt war so viel von Großmüttern die Rede, aber ich möchte die Großväter nicht diskriminieren. In Großelterndiensten sind natürlich auch Großväter herzlich willkommen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Zahl der Thüringer Stellen im Bundesfreiwilligendienst im Jahr 2014 bisher um ein Fünftel gesunken

Generationenbeauftragter Panse warnt vor einem weiteren Absinken und der Benachteiligung älterer Bewerber

Der Beauftragte für das Zusammenleben der Generationen, Michael Panse, hat anlässlich der jüngsten Statistik des Bundesfreiwilligendienstes vor einem weiteren Absinken gewarnt.

„Der Rückgang der Bundesfreiwilligenstellen betrifft die älteren Bewerber in den neuen Bundesländern besonders stark, da ihr Anteil hier wesentlich größer war und ist. In den alten Bundesländern stehen den wesentlich stärker vertretenen Jahrgängen jugendlicher Bewerber mit den Jugendfreiwilligendiensten jedoch auch alternative Angebote zur Verfügung. Richtig ist, dass die hohen Zahlen zu Beginn des Jahres einer starken Überbuchung geschuldet waren und nur durch den Beschluss zusätzlicher Haushaltsmittel im Mai ein längerer Einstellungsstopp und das Absinken unter die ursprünglich avisierten rund 35.000 Stellen bundesweit verhindert werden konnte.

Der Bundfreiwilligendienst der älteren Teilnehmer, von denen viele Arbeitslosengeld II beziehen, zeigt, wie wichtig ihnen die Wertschätzung und Anerkennung in ihren jeweiligen Einsatzstellen ist. Diese positiven Erfahrungen sollten auch berücksichtigt werden, wenn es in den Thüringer Sondierungsgesprächen zwischen CDU und SPD um Arbeitsfördermaßnahmen für ältere Langarbeitslose geht. Auch das Interesse von Älteren, die bereits das Rentenalter erreicht haben, an einem freiwilligen Engagement im Rahmen des Bundfreiwilligendienstes, sollte zukünftig durch abgesenkte Wochenstunden, wie im ehemaligen Freiwilligendienst aller Generationen geregelt, besser entsprochen werden“, sagte Michael Panse.

Hintergrund zur BFD-Statistik:

Im Januar 2014 versahen in Thüringen 3.363 Bundesfreiwillige ihren Dienst. Bis zum September ging ihre Zahl um 685 Bundesfreiwillige auf 2.678 und damit um 20 Prozent zurück. Bundesweit sank die Zahl der Bundesfreiwilligendienststellen in diesem Zeitraum von 49.263 auf 36.858.

Autonomieverlust und Teilhabegefährdungen – Diskriminierungsgefahren im Alltag von hochaltrigen Menschen

Fachtagung der Landesseniorenvertretung und des Landesseniorenrates „Der Alltag von hochaltrigen Menschen: Teilhabegefährdungen und –Chancen“

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Veranstalter der heutigen Tagung haben mir als Beauftragten der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen und gleichzeitigem Ansprechpartner der Thüringer Landesregierung für Antidiskriminierung ein Thema für meinen Redebeitrag gestellt, das diese beiden Bereiche zusammenbringt:

„Autonomieverlust und Teilhabegefährdungen – Diskriminierungsgefahren im Alltag von hochaltrigen Menschen“.

Hier ist sowohl der Begriff der Generation der Hochaltrigen als auch der der Diskriminierungsgefahr enthalten.

Aber gestatten Sie mir, dass ich im Zusammenhang mit dem Begriff des Autonomieverlustes noch einen weiteren Begriff anspreche, der mir im Zusammenhang mit dem Alter wichtig ist: Es ist der Begriff der Würde. Denn Autonomie und Würde sind nicht dasselbe, obwohl oft dieser Eindruck erweckt wird.

Ich denke, dass wir in der westlichen Welt zunehmend in der Gefahr stehen, ausgehend vom Ideal der Selbstverwirklichung des Individuums, den Begriff der Menschenwürde mehr oder weniger inhaltlich mit dem Begriff der persönlichen Autonomie gleichzusetzen. Es gibt jedoch traditionelle Kulturkreise in anderen Erdteilen, wo niemand auf die Idee käme, dass ein alter Mensch, der krank und schwach auf die Hilfe anderer angewiesen ist, etwa weniger Achtung und Ehrerbietung verdienen würde.

Wenn wir in unserer Leistungsgesellschaft die Würde eines Menschen tatsächlich gleichsetzten mit seiner Leistungsfähigkeit, hätte das fatale Konsequenzen. Dann erschiene uns ein Leben in Abhängigkeit und Unselbständigkeit als unwürdig und wenig lebenswert. Dann würden wir jenen Menschen, deren Fähigkeiten zur Wahrnehmung ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt sind, die Würde absprechen.

Aber mit der Würde eines Menschen ist ja nun einmal jener unveräußerliche Anspruch auf Wertschätzung und Achtung gemeint, der dem Menschen einzig und allein durch sein Menschsein zukommt, völlig unabhängig von seinem körperlichen oder geistigen Zustand, seinen Leistungen oder seinem sozialen Status.

In Sonntagsreden würde dem kein zivilisierter Mensch widersprechen, aber handeln und denken auch alle Menschen im Umfeld von Hochaltrigen, wenn diese auf intensive Hilfe und Pflege angewiesen sind, wirklich immer so?

Menschenwürde heißt, dass alle Menschen unabhängig von irgendwelchen Unterscheidungsmerkmalen, denselben Wert haben. Als solche Unterscheidungsmerkmale, die als Grundlage für Diskriminierungen dienen können, werden im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, dem AGG, die ethnische Herkunft, das Geschlecht, die Religion oder Weltanschauung, eine Behinderung, das Alter oder die sexuelle Identität genannt.

Ich meine, wir müssen noch stärker lernen und verinnerlichen, dass nicht nur einerseits Diskriminierungen die Autonomie und Teilhabe von Personen einschränken können, sondern dass auch andererseits die unreflektierte Verwendung des Begriffs der Autonomie selbst als ein angebliches Unterscheidungsmerkmal wiederum zu Diskriminierungen führen kann, zum Beispiel von Hochaltrigen, die pflegebedürftig in ihrer Autonomie eingeschränkt sind.

Wir wissen, dass in Friedenszeiten, wie wir sie in unserem Teil Europas nun schon seit fast siebzig Jahre haben, von zehn Menschen nur einer einen plötzlichen Tod stirbt. Die Wahrscheinlichkeit, zu den neun anderen Personen zu gehören, die in einem gewissen Zeitraum zunehmend unselbständig und pflegebedürftig werden, erweist sich damit als relativ hoch. Es kann also nicht nur einzig und allein darum gehen, möglichst lang selbständig und autonom zu bleiben, sondern auch zu akzeptieren, dass Hilfsbedürftigkeit als integraler Bestandteil zum Menschsein und zur Menschenwürde gehört.

Für ein gutes Beispiel, wie die Beachtung der Würde Älterer reflektiert und zur gelebten Praxis werden kann, halte ich die Ethik-Cafés in den Altersheimen der Stadt Zürich. Dort treffen sich in regelmäßigen Abständen Pflegende, andere Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige, um in einem offenen Austausch ethische Fragen zu diskutieren, die im Umgang mit pflegebedürftigen und alten Menschen auftreten.

Die 1999 verstorbene Psychologin und Gerontologin Margret Baltes hatte darauf hingewiesen, dass Unselbständigkeit im Alter verschiedene Dimensionen haben kann.

Sie kann zum Beispiel geistig, körperlich, ökonomisch, sozial oder emotional bedingt sein. Sie kann verstärkt werden, wenn die Umwelt weder fordernden noch anregenden Charakter hat. Durch eigentlich gut gemeinte Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen wird Unselbständigkeit nicht selten verstärkt.

Margret Baltes hatte auch davor gewarnt, einzelne Dimensionen der Unselbständigkeit unzulässig zu verallgemeinern, zum Beispiel von körperlicher Unselbstständigkeit auf eine generelle Inkompetenz in allen Lebensbereichen zu schließen. Hier ist der Schritt vom Altersklischee zur Altersdiskriminierung schnell vollzogen.

Gleichzeitig zeigte Margret Baltes aber auch auf, dass Unselbständigkeit für manche auch einen Gewinn darstellen kann, indem sie intensivere Sozialkontakte ermöglicht, an denen es vorher gemangelt haben kann.

Wie sieht es generell mit den sozialen Kontakten im hohen Alter aus?

Wer in Thüringen 100 Jahre alt wird, und wer dem Einwohnermeldeamt die Weitergabe dieser Information und der Kontaktdaten nicht untersagt hat, bekommt auch ein Glückwunschschreiben aus der Staatskanzlei.

Im letzten Jahr gratulierte die Thüringer Ministerpräsidentin 135 Thüringerinnen und Thüringern zu ihrem 100. und zwei weiteren bereits zu ihrem 107. Geburtstag.

Wie viele Sozialkontakte diese Personen haben, wissen wir nicht. Aber von 52 weiteren Jubilaren steht fest, dass sie mindestens einen intensiveren Sozialkontakt haben müssen, denn 26 Ehepaare in Thüringen erhielten letztes Jahr Glückwünsche zu ihrer sogenannten Gnadenhochzeit, ihrem 70. Hochzeitstag.

Allerdings liegt heute im hohen Alter noch ein starkes Ungleichgewicht der Geschlechter vor. Von den 280 über 100-Jährigen, die in Thüringen gezählt wurden, sind 248 Frauen und nur 32 Männer. Und von den 13.445 über 100-Jährigen, die in Deutschland insgesamt gezählt wurden, sind 11.766 Frauen und nur 1.679 Männer.

Das Deutsche Zentrum für Altersfragen hat im Jahr 2011 die Familienstände der über 80-jährigen ermittelt. Bei den Ledigen und Geschiedenen gab es keine auffälligen Unterschiede. Bei den Männern waren 5 % ledig und 4 % geschieden, bei den Frauen 8 % ledig und 6 % geschieden. Ganz anders gestalten sich die Unterschiede bei den Verheirateten und Verwitweten. Bei den Männern waren 61 % verheiratet und 30 % verwitwet, bei den Frauen waren hingegen nur noch 22 % verheiratet und bereits 64 % verwitwet. Zwanzig Jahre zuvor, im Jahr 1991, lag die letzte Zahl noch höher, da waren nicht 64% der über 80-jährigen Frauen verwitwet, sondern 78 %. Insofern hätten sich inzwischen die Chancen auf Gnadenhochzeiten deutlich verbessert, wenn nicht höhere Scheidungsraten dem vielleicht wieder entgegen wirken.

Wenn Sie mich jetzt noch nach den Eheschließungen der über 80-Jährigen fragen würden, dann kann ich Ihnen dafür ebenfalls Zahlen nennen. Auch hier haben wir ein stark abweichendes Geschlechterverhältnis. Im Jahr 2010 waren es in der Bundesrepublik Deutschland immerhin 720 Männer, aber nur 128 Frauen, die noch einmal ihr Ja-Wort gaben. Die hochaltrigen Herren haben sich offenkundig mehrheitlich junge Damen unter 80 gesucht. Und vielleicht hat sich ja auch manche reifere Dame gefragt, ob sie sich das noch einmal antun will.

Aber Scherz beiseite, eine der besten Prophylaxen gegen manche Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt und die Autonomie und Teilhabe gefährden, sind stabile und verlässliche soziale Beziehungen, möglichst nicht nur zu einem einzigen Partner, sondern zu mehreren Personen, ob nun in der Familie oder auch darüber hinaus. Da es die traditionelle Großfamilie nicht mehr bzw. zu selten gibt, in der Hochaltrige Unterstützung finden – von der manche Altersforscher allerdings auch sagen, dass deren Bild heute im Nachhinein etwas romantisch verklärt wird –, dann bedarf es anderer Möglichkeiten, um intergenerationelle Sozialkontakte zu unterstützen. Für ein gutes Modell halte ich hier die Mehrgenerationenhäuser, deren Arbeit ich in Thüringen intensiv begleite und unterstütze.

Bisher habe ich etwas zu den Themen Würde im Alter und Sozialkontakte im höheren Alter gesagt. Wie sieht es jetzt aber mit den Diskriminierungsgefährdungen im Alter konkret aus?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ruft seit zwei Jahren jedes Jahr ein Themenjahr zu einem der sechs Diskriminierungstatbestände nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aus. Sie geht dabei nach dem Alphabet vor. Dieses Jahr ist sie bei dem Buchstaben E  angelangt, E wie ethnische Herkunft. Für C und D gibt es keine Tatbestände. Letztes Jahr war man bei B, wie Behinderung. Und die Reihe startete vor zwei Jahren mit A, wie Altersdiskriminierung.

Im Rahmen dieses Themenjahres 2012 mit dem Titel „Im besten Alter. Immer“ hatte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Expertenkommission einberufen, die Handlungsempfehlungen zum Abbau von Altersdiskriminierung geben sollte. Die Expertenkommission wurde geleitet von Henning Scherf, dem ehemaligen Bürgermeister von Bremen. Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Gerhard Naegele von der Technischen Universität Dortmund.

Die Handlungsempfehlungen sind in neun Punkte untergliedert. Die ersten fünf betreffen die Arbeitswelt und der sechste empfiehlt den Trägern zivilbürgerschaftlichen Engagements die vollständige Abschaffung von Altershöchstgrenzen. Die Punkte sieben bis neun befassen sich mit dem Gesundheits- und Pflegebereich.

Im Bereich Gesundheitswesen, Pflege und Sozialschutz legte die Kommission den Schwerpunkt auf alterstypische Probleme beim Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen.

Ausdrücklich wurde von ihr begrüßt, dass es in Deutschland keine vorgeschriebene Leistungsrationierung gibt. Aber dennoch wurde darauf hingewiesen, dass es in der Praxis durch implizite Rationierungen und Priorisierungen, verursacht durch Verwaltungshandeln und bestimmte Altersbilder bei den Beschäftigten in den Gesundheitsberufen zu Benachteiligungen aufgrund des Alters kommt.

So wurden als Beispiel Probleme beim Zugang zur Rehabilitation für von Pflegebedürftigkeit bedrohte Ältere genannt.

In der professionellen Pflege, die besonders die Hochaltrigen betrifft, wies die Kommission auf Benachteiligungen in der Praxis der Versorgung hin, deren Ursachen sie zum Teil in der „Teilkaskoabsicherung“ der deutschen Pflegeversicherung sieht.

Dabei wurde ausdrücklich das bisherige Pflegebedürftigkeitskonzept angesprochen, das zu sehr auf einzelne Verrichtungen bezogen ist.

 

Die Kommission empfahl, die bestehende Praxis, älteren wie jüngeren Menschen gleichermaßen den Zugang zu erforderlichen und bedarfsangemessenen Leistungen zu gewähren, unbedingt beizubehalten. Das heißt, solche Ideen, wie zum Beispiel die Einführung von Altersgrenzen für den Einsatz künstlicher Hüftgelenke, weiter strikt abzulehnen.

Die strukturellen Defizite in der geriatrischen Rehabilitation älterer Menschen sollten insbesondere durch bessere Anreize für die Gesetzliche Krankenversicherung sowie insgesamt durch eine stärkere Vernetzung der geriatrischen Rehabilitation mit der Pflegeversicherung abgebaut werden.

Die Kommission empfahl, ein finanzierbares Gesamtkonzept der gleichberechtigten Teilhabe und Inklusion pflegebedürftiger, behinderter und alter Menschen zu entwickeln, welches stärker an die Logik des SGB IX anknüpft.

Bei dessen Zielgruppe, den Menschen mit Behinderungen, wird auf gleichberechtigte gesellschaftliche und gemeinschaftliche Teilhabe und Inklusion abzielt. Ein Konzept, welches sich weniger an den Betreuungs- und Versorgungslogiken orientieren soll, die bisher im SGB XI bzw. im SGB XII, also bei Pflege und Sozialhilfe, vorherrschen. Die Sicherung bei Pflegebedürftigkeit sollte künftig auch unter dem Teilhabeaspekts organisiert werden.

Besonderen Wert legte die Kommission vor zwei Jahren auch auf die Einführung eines neuen Pflegebegriffs, wie man sich ihm jetzt annähert.

Sie empfahl von zwei Jahren ebenfalls bereits schon die Überarbeitung des Leistungsrechts der Pflegeversicherung, um falsche Leistungsanreize, die den stationären Bereich begünstigen, zu überwinden. Dabei sollte allerdings gewährleistet sein, dass das Niveau der Sachleistungen im ambulanten Bereich dem Niveau der Sachleistungen im stationären Bereich angeglichen wird.

Handlungsbedarf sah die Kommission auch bei angemessenen Personalschlüsseln in der Pflege, der Nachwuchsförderung, um dem drohenden Pflegepersonalnotstand zu begegnen und der Prüfung von Möglichkeiten einer verstärkten Zuwanderung von Fachkräften aus anderen Ländern.

Soweit die wesentlichen Aussagen der Empfehlungen der Scherf-Kommission zur Altersdiskriminierung, die auch Hochaltrige im Gesundheits- und Pflegebereich betreffen können. Ein großer Teil dieser Aussagen, insbesondere zur Pflege, sind sicher richtig und zu dick zu unterstreichen, haben allerdings mit Altersdiskriminierung im engeren Sinnen nur indirekt zu tun und könnten auch genauso gut in anderen Zusammenhängen ähnlich formuliert werden.

Laut Einsetzungsbeschluss sollte die Kommission nicht nur Empfehlungen zu Arbeitsleben und Arbeitsrecht inklusive bürgerschaftliches Engagement sowie zu Gesundheitswesen, Pflegebereich und Sozialschutz geben, sondern auch zum Finanz- und Versicherungswesen sowie zum Wohnungsmarkt. Davon hat die Kommission jedoch abgesehen.

Allerdings möchte ich einige Punkte aus diesem Bereich dennoch kurz ansprechen.

Nehmen wir das Versicherungswesen. Ein 75-jähriger Mann wandte sich an die Altersdiskriminierungsstelle des Bundes, weil seine Versicherung ihm den Unfallversicherungsvertrag gekündigt hatte verbunden mit dem Hinweis, der Vertrag könne aber auch weiterbestehen, wenn er der Erhöhung seines Beitrages um ca. 200 Euro zustimmt.

Die Altersdiskriminierungsstelle konnte ihm nur empfehlen, sich an den Versicherungsombudsmann zu wenden, musste ihm aber auch mitteilen, dass Versicherungsunternehmen grundsätzlich nach der geltenden Rechtslage unter bestimmten Voraussetzungen individuelle, mit dem Alter verbundene Risiken geltend machen können.

Schauen wir zum Finanzwesen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt im Arbeits- und im Zivilrecht. Der zivilrechtliche Schutz vor Diskriminierung gilt grundsätzlich aber nur für sogenannte Massengeschäfte, also Alltagsgeschäfte, die ohne Ansehen der Person abgeschlossen werden. Eine Kreditvergabe, bei der man sich in der Bonitätsprüfung die Person und deren Verhältnisse sehr genau anschaut, ist demzufolge kein Massen- oder Alltagsgeschäft.

An die Altersdiskriminierungsstelle des Bundes haben sich wiederholt ältere Menschen gewandt, denen ihre Hausbanken kein Hypothekendarlehen gewähren wollten, selbst wenn sie eine schuldenfreie Immobilie besaßen. Andere berichteten, dass ihnen aufgrund ihres Alters ihr Dispokredit gekündigt wurde. In aller Regel konnten die Probleme der Beschwerdeführer jedoch zu ihrer Zufriedenheit mit der bisherigen Hausbank oder durch einen Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut geklärt werden. Manchmal reichte schon der Hinweis, sich an die Altersdiskriminierungsstelle wenden zu wollen, um ein Einlenken zu erreichen.

Wenn wir über Autonomieverlust älterer Menschen und die Gefahren der Altersdiskriminierung reden, so muss in diesem Zusammenhang auch die Reduzierung personengestützter Dienstleistungen in Sparkassen und Banken erwähnt werden. Viele ältere, aber auch viele behinderte Menschen sind bei der Regelung ihrer finanziellen Angelegenheiten auf die Hilfe von Mitarbeitern in gut erreichbaren Bank- oder Sparkassenfilialen angewiesen. Das Ausdünnen des Filialnetzes, die Personalreduzierung und die mehr oder weniger stillschweigende Erwartung, dass die Kunden entweder die aufgestellten Automaten nutzen oder ihre Transaktionen online im Internet erledigen, stellt viele Ältere und ganz besonders die Hochaltrigen, welche in ihrem Arbeitsleben keinen Kontakt mit solcher Technik hatten, vor erhebliche Probleme.

In der Bedienung noch schwerer zu handhaben als Bankautomaten sind die Ticket-Automaten der Deutschen Bahn und manche Fahrkartenautomaten von Nahverkehrsgesellschaften. Je vielfältiger die Möglichkeiten, umso schwieriger wird es, sich schnell in den tief gestaffelten Bedien-Menüs zurecht zu finden, erst recht, wenn einem dabei weitere Wartende über die Schulter schauen. Das treibt auch Jüngeren den Schweiß auf die Stirn. Die vielen Klagen, aber auch die schon bekannten guten Beispiele hier zu helfen, haben mich veranlasst, darüber mit dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in Thüringen und Vertretern des Thüringer Verkehrsministeriums zu reden. Im Ergebnis bieten extra dafür geschulte Mitarbeiter der Bahn überall in Thüringen entsprechende Beratung vor Ort an, um mit dieser Technik souveräner umzugehen. Voraussetzung dafür sind lokale Ansprechpartner, die dafür sorgen, dass ein Interessentenkreis einer gewissen Größe zustande kommt. Lediglich eine Ankündigung in der Lokalpresse hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Wer an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, lernt aus meiner Sicht nicht nur etwas für sich selbst, sondern kann auch anderen kompetenter helfen. Hier könnte ein sogenannter Multiplikatoreneffekt eintreten. Das kann so weit gehen, dass man ein sogenannter ehrenamtlicher Mobilitätsberater wird, wie sie zum Beispiel am Mehrgenerationenhaus Roßleben im Rahmen eines Projektes tätig sind.

Aber für Hochaltrige muss Technik nicht nur „Teufelszeug“ sein, dass einem das Leben schwer macht, sondern es gibt auch durchaus sehr hilfreiche Technik zur Unterstützung eines selbständigen Lebens, und hier meine ich mehr als den Rollator oder den Rollstuhl.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung rief aus diesem Grund im letzten Jahr die Initiative „Senioren-Technik-Botschafter“ ins Leben, in welcher  Ältere technisches Wissen und Informationen zu hilfreicher Technik zielgruppengerecht und niederschwellig an andere Ältere vermitteln.

Ein weiteres gegenwärtig laufendes Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt „Besser leben im Alter durch Technik“, in dessen Rahmen der Aufbau von kommunalen Beratungsstellen und einer Referenzdatenbank gefördert wird. Von den 22 bisher deutschlandweit eingerichteten kommunalen Beratungsstellen befindet sich eine in Jena. Am 23. September war dort die „Rollende Ausstellung“ für technikgestützte Assistenzsysteme vor Ort zu Besuch. Eine „mobile“ Wohnung ist dafür mit bestehenden Assistenzsystemen eingerichtet worden, um anschaulich die verschiedenen Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten in der Praxis demonstrieren zu können. Allerdings muss man nicht unbedingt Seniorentage veranstalten und sich dieses Fahrzeug anfordern, um an diese Informationen zu gelangen. Unter der Interadresse www.wegweiseralterundtechnik.de gibt es die Rubrik „Musterwohnung“, in der man virtuell durch diese Wohnung spazieren kann und sich so unter anderem über sprachgesteuerte Lichtschalter, Sensormatten und ähnliches informieren kann.

Aber wenn man sich diese Technikangebote näher anschaut, sieht man, dass sie bei aller Nützlichkeit für dieses und jenes Problem naheliegenderweise recht defensiven Charakter haben, schließlich sollen sie ja eintretende Defizite ausgleichen.

Bei manchen Neuerungen gewinnt man sogar den Eindruck, dass der Nutzen der Technik nicht für den zu Betreuenden sondern für den Betreuer am höchsten ist, kann doch durch sie offenkundig der „Kontrollaufwand“ deutlich reduziert werden. Natürlich kann es hilfreich sein, wenn man einen dementen Hochaltrigen vor Selbstgefährdungen schützt, ihn am orientierungslosen Weglaufen hindert oder ihn Fall des Falles schnell finden kann, aber uns sollte dennoch die persönliche menschliche Zuwendung wichtiger und wertvoller sein, als allzu sehr auf die Technik zu setzen.

Und uns sollte besonders interessieren, was man schon viel eher tun kann, um Hochaltrigen ein gutes, selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben zu ermöglichen. Entscheidend dafür sind Ansätze, die im sozialen Nahraum, in der Kommune vor Ort es den Älteren ermöglichen ihr Leben aktiv gestalten zu können, am gesellschaftlichen Leben ihren Wünschen und Möglichkeiten gemäß teilzuhaben.

Wie dies geschehen kann, dafür hat unter anderem das Bundes-Programm „Aktiv im Alter“ in den Jahren 2008 bis 2010 Beispiele aufgezeigt.

In der zugehörigen Broschüre „Kommune gemeinsam gestalten – Handlungsansätze zur Beteiligung Älterer vor Ort“ können Sie nachlesen, welche Ansätze dafür konkret vor Ort gefunden wurden.

Leitlinie für das Programm war das Memorandum „Mitgestalten und Mitentscheiden – ältere Menschen in Kommunen“, welches unter Federführung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) erarbeitet wurde. Dort heißt es in der Präambel:

„Seniorinnen und Senioren sind in immer stärkerem Maße daran interessiert, das Gemeinwesen mitzugestalten, und sind bereit, Verantwortung gegenüber der eigenen sowie den nachwachsenden Generationen zu übernehmen. Die Potenziale der Älteren sind für die Gesellschaft ein Gewinn, denn mit dem Altern steigen Lebenserfahrung und Vielfalt des Wissens. Vorstellungen, die das Alter vorrangig als Belastung sehen, steht das bereits von vielen Menschen verwirklichte Modell eines aktiven und engagierten Alters entgegen. Engagement braucht Partizipation und Partizipation schafft Engagement. Viele Ältere wünschen sich, in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden.“ [Zitatende]

In diesem Papier wird im Punkt IV „Handlungsperspektiven“ unter anderem auch die Bedeutung von Seniorenvertretungen hervorgehoben. Im Thüringer Koalitionsvertrag von CDU und SPD im Jahr 2009 wurde festgelegt, dass die Seniorenmitbestimmung durch eine weitergehende gesetzliche Regelung gestärkt werden sollte. Daraufhin entstand das Thüringer Seniorenmitwirkungsgesetz im Mai 2012.

Der dort fixierte Landesseniorenrat hat sich vor einem Jahr, am 11. September 2013, konstituiert.

Im jüngst veröffentlichen ersten Thüringer Seniorenbericht haben zu dem Punkt „Senioren haben in meiner Region ausreichende Möglichkeiten, die Interessen ihrer Generation einzubringen (z.B. durch Seniorenrat)“ mit 40,6 % der Befragten die größte Gruppe nur teilweise zugestimmt, 33,5 % eher ihre Zweifel und 25,9 % eher Zustimmung signalisiert. An diesem Punkt und generell im Feld „Gesellschaftliches Engagement und generationenübergreifende Partizipation“ bleibt also noch einiges zu tun, um hier eine größere Zufriedenheit der Senioren zu erreichen.

Am Ende meines Beitrages angelangt, möchte ich noch einmal zusammenfassen: Gegen Diskriminierungsgefährdungen hochaltriger Menschen helfen verbesserte Möglichkeiten, sich autonom in das gesellschaftliche Leben einzubringen, es mitzugestalten und daran teilzuhaben, helfen intensivere, auch generationsübergreifende Kontakte. Technische Hilfsmittel können hilfreich sein gegen den Verlust von Autonomie. Am wirksamsten vor Diskriminierung schützt aber das Bewusstsein, dass Menschenwürde etwas ist, das keinem Menschen abgesprochen werden kann und darf, völlig gleichgültig gegenüber demjenigen, was andere ihm an Eigenschaften und Merkmalen zuschreiben oder absprechen.

Mobil bis 99 und darüber hinaus

Im Gespräch mit Joseph Hinke

Der Alltag von hochaltrigen Menschen vor dem Hintergrund von Teilhabegefährdungen und -chancen stand im Mittelpunkt der heutigen Fachtagung der Landeseniorenvertretung und des Landesseniorenrates.

Über 50 Seniorenvertreterinnen, Seniorenbeauftragte, Mitarbeiterinnen in der Seniorenarbeit, Pflege und Betreuung nahmen an der Tagung teil.

Als Generationenbeauftragter und Ansprechpartner der Landesregierung für Antidiskriminierungsfragen habe ich bei der Tagung einen Vortrag zum Thema „Autonomieverlust und Teilhabegefährdungen – Diskriminierungsgefahren im Alltag von hochaltrigen Menschen“ gehalten. Die Rede habe ich auch mit Blick auf den morgigen Tag der älteren Menschen gehalten.

Leider habe ich den ersten Teil der Fachtagung am Vormittag versäumt, weil ich bei dem Treffen der Thüringer Mehrgenerationenhäuser war. Ich war aber rechtzeitig in der Landesversicherungsanstalt, um meinem Vorredner noch zuhören zu können.

Seine Geschichte und sein Engagement hat mich sehr beeindruckt. Joseph Hinke ist immerhin schon 99 Jahre alt und hat einen Vortrag über seine Lebensgeschichte gehalten, der ausgesprochen motivierend war, zuversichtlich altern zu können.

Bei der Tagung der Mehrgenerationenhäuser

Herr Hinke stellte getreu seines Lebensmottos „Lebe froh und bewusst dein Leben, es ist dir nur einmal gegeben“ seine Rezepte für das aktive Altern vor. Gesund leben und sich bewusst ernähren, in Bewegung bleiben, eine intakte Partnerschaft und soziale Kontakte pflegen und vor allem sich eine positive Lebenseinstellung bewahren, sind seine vier Rezepte.

Mit 99 Jahren lebt Herr Hinke in einer betreuten Wohnform in Saalfeld hält Kontakt zum Projekt Herbstzeitlose und ermutig regelmäßig viel jüngere Seniorinnen. Über die Bewohner des benachbarten Pflegeheimes sagte er, dass er noch nicht zu den „alten Leuten im Pflegeheim gehört“.

In meiner Rede habe ich spaßhaft gesagt, dass es in Deutschland für alles einen offiziellen Jahrestag gibt. Der inoffizielle Tag für das aktive Altern war bis jetzt der 5. Dezember – der Jopie-Heesters-Tag. An diesem Tag ist Heesters im Jahr 2011 genau 108 Jahre alt geworden, kurz bevor er am 24.12.2011 verstorben ist.

Künftig sollte der inoffizielle Thüringer Tag für das aktive Altern der 25. Februar sein – an diesem Tag wird Joseph Hinke 100 Jahre alt.

Vortrag bei der Seniorentagung

 

 

Rede beim 13. Alzheimer Tag Thüringen am 27.09.2014 in Weimar

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute spreche ich zu Ihnen nicht nur als Beauftragter der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, sondern ich darf Ihnen auch die Grüße des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit überbringen.

Für das Ministerium ist die Thüringer Alzheimer Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahr 2002 ein wichtiger Partner geworden. Und das nicht nur allein, weil die Thüringer Alzheimergesellschaft durch das Ministerium dabei unterstützt wird, eine landesweite Fachstelle für Familien mit Demenz aufzubauen.

Die Mitglieder der Thüringer Alzheimer Gesellschaft sind deshalb wichtig, weil sie sich Rahmen dieser Selbsthilfeorganisation für die Verbesserung der Situation von Demenzkranken und ihren Familien einsetzen.

Sie helfen den Betroffenen beim Umgang mit ihrer Krankheit. Sie unterstützen die Angehörigen, durch Beratung, emotionale Unterstützung und bei der Suche nach Hilfe vor Ort. Sie stärken in der gesamten Gesellschaft das Verständnis und die Hilfsbereitschaft für die Alzheimer Krankheit und andere Demenzerkrankungen. Sie regen gesundheits- und sozialpolitische Initiativen an. Im deutschlandweiten Verbund der Alzheimer Gesellschaften unterstützen Sie die wissenschaftliche Forschung zu Demenzerkrankungen und Versorgungsmöglichkeiten. Und Sie wirken mit bei der Entwicklung und Erprobung neuer Betreuungs- und Pflegeformen.

Die demenzkranken Menschen und ihre Angehörigen werden über die Alzheimer-Gesellschaften immer stärker in die Politikberatung einbezogen, sie sind in Gremien vertreten und kommen bei Anhörungen im Bundestag, auf Landes- und kommunaler Ebene zu Wort.

Sie leisten mit ihrer gesamten Arbeit einen wertvollen Beitrag, dessen Bedeutung sogar noch weiter zunehmen wird, wenn wir uns die demografische Entwicklung in Thüringen und in Deutschland anschauen.

Zurzeit leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Demenzkranke. Die meisten von ihnen sind 85 Jahre und älter. Es ist ja allgemein bekannt, dass die Häufigkeit von Demenzerkrankungen nimmt mit dem Alter zunimmt. In der Altersgruppe 70-74 Jahre sind unter 4 % der Bevölkerung erkrankt, in der Altersgruppe 80 – 84 Jahre mehr als 15 % und bei den über 90jährigen sind bereits ca. 41 % erkrankt.

Laut der Prognosen der Demografie wissen wir auch, dass im Jahr 2050 rund 14 % der Bewohner Deutschlands hochaltrig sein, also 80 Jahre und älter, sein werden. Sollte es nicht zu überraschenden medizinischen Durchbrüchen kommen, wird die Anzahl der Demenzkranken wird bis 2050 auf ca. 3 Millionen ansteigen.

Im Jahr 2011 lebten in Thüringen 513.524 Personen über 65 Jahre. Wenn davon, wie nach den vorliegenden Zahlen zu erwarten, 8,6 % an Demenz erkrankt sind, beträgt die Anzahl der Demenzkranken in Thüringen über 44.000 Personen. Den Vorausberechnungen zufolge werden im Jahr 205o knapp 50.000 Thüringerinnen und Thüringer an Demenz erkrankt sein.

Menschen mit Demenz werden etwa in drei Viertel der Fälle zu Hause versorgt. Töchter bilden mit über 40 % die Mehrzahl der pflegenden Angehörigen. Die pflegende Angehörige setzen sich hohen psychischen und physischen Belastungen aus, daher sind neue und professionelle Ansätze notwendig, um pflegende Angehörige zu entlasten.

In den vollstationären Einrichtungen sind durchschnittlich 69 % der Bewohner an Demenz erkrankt, laut einer Studie von Martina Schäufele, jetzt Professorin für Gerontologie an der Hochschule Mannheim, die sie 2013 in der Fachzeitschrift „Psychiatrische Praxis“ veröffentlichte. Durch die demografische Entwicklung ist auch absehbar, dass deren Anteil weiter steigen wird, da durch das Fehlen pflegender Angehöriger der Anteil der häuslichen Pflege zurückgehen wird.

Umso wichtiger ist die Stärkung niedrigschwelliger Betreuungsangebote, wie sie der Freistaat Thüringen gemeinsam mit den Pflegekassen fördert. Die Träger entsprechender Angebote schulen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und leiten sie fachlich an, damit diese Menschen mit Demenz betreuen können. Es gibt die Möglichkeit der Betreuung in der Häuslichkeit der Betroffenen bzw. in Betreuungsgruppen in Räumen des Trägers. Diese Angebote dienen dazu, pflegende Angehörige zu entlasten und die Autonomie sowohl pflegender Angehöriger als auch der Betroffenen selbst so lange wie möglich zu erhalten. Hierzu leistet ein großer Teil der Träger gerade in der Gruppenbetreuung einen wichtigen Beitrag. Der Freistaat Thüringen hat mittlerweile 124 niedrigschwellige Angebote anerkannt, das heißt diese erfüllen die Voraussetzungen, um entsprechende Betreuungsleistungen zu erbringen und mit den Pflegekassen abzurechnen.

Circa ein Drittel dieser niedrigschwelligen Betreuungsangebote werden zu je 50 % vom Land und den Landesverbänden der Pflegekassen finanziell gefördert.

Im Rahmen des Bundesprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ wird ein zweijähriges Projekt der Alzheimergesellschaft „Aufbau eines Demenznetzwerkes Erfurt“ finanziell unterstützt. Es soll ein Netzwerk zur effizienten Versorgung von Familien mit einem demenzkranken Angehörigen errichtet werden. Partner ist hier insbesondere der Schutzbund der Senioren und Vorruheständler Thüringen.

Aus dem Haushalts-Titel für niedrigschwellige Betreuungsangebote wird auch das Modellprojekt „Netzwerk Pflegebegleiter“ finanziert. 2014 werden dafür 73.436 Euro bereitgestellt (50 % Landesmittel und 50 % Mittel der Pflegekassen).

Das Modellprojekt startete im Juni 2012 gemeinsam mit der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Ehrenamtliche werden als sogenannte „Pflegebegleiter“ geschult und qualifiziert. Diese sollen pflegende Angehörige begleiten, beraten und entlasten. Das Projekt wird an fünf Standorten durchgeführt.

Zu Sicherung einer qualitativ hochwertigen Pflegeversorgung in Thüringen haben Landesregierung, Leistungserbringer und Kostenträger am 7. November 2012 den Thüringer Pflegepakt unterzeichnet und partnerschaftlich folgende Ziele vereinbart:

1. Höhere gesellschaftliche Akzeptanz – Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

2. Besserte Rahmen- und Beschäftigungsbedingungen in der Altenpflege

3. Verbesserung der Personal- und Nachwuchsgewinnung und Qualifizierung.

Zur Umsetzung der Ziele des Thüringer Pflegepakts wurden Arbeitsgruppen und wiederum Unterarbeitsgruppen gebildet. Die Unterarbeitsgruppe (UAG) „Demenz als gesellschaftliche Herausforderung“ ist federführend beim TMSFG angesiedelt und hat das Ziel, eine optimale Versorgung von Menschen mit Demenz sicher zu stellen.

Vor kurzem, am 15. September, wurde auf Bundesebene die „Allianz für Menschen mit Demenz“ unterzeichnet. Die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ist eine Initiative der Bunderegierung und Bestandteil der Demografie Strategie. Unter gemeinsamer Leitung des BMFSFJ, des BMG und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wurde eine Agenda von konkreten Vereinbarungen und Maßnahmen zur umfassenden Verbesserung der Lebenssituation von demenziell Erkrankten und deren Angehörigen entwickelt. Diese sollen von den zahlreichen Partnern (neben der Bundesregierung die Aktion Demenz e.V., die Aktion Psychisch Kranke e.V., die Arbeits- und Sozialministerkonferenz, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V., die Bundesärztekammer, der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V., die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft e.V., der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Pflegerat e.V., der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V., die Gesundheitsministerkonferenz, der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, das Kuratorium Deutsche Altershilfe, die Kultusministerkonferenz, der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. und der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V.) in gemeinsamer Verantwortung umgesetzt werden.

Im Mittelpunkt der Allianz stehen die Fragen des Alterns in Würde und eine qualitativ hochwertige Versorgung und Pflege. Die Lebensqualität sowohl von Betroffenen als auch Angehörigen soll verbessert werden. Die Agenda ist geprägt vom Leitbild der Inklusion.

Die vier Handlungsfelder der Agenda sind:

1. Wissenschaft, Forschung und Information

2. Gesellschaftliche Verantwortung

3. Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Familien

4. Gestaltung des Unterstützungs- und Versorgungssystems.

Anfang 2016 wird die Agenda einen ersten Fortschrittsbericht vorlagen, der bereits konkrete Ergebnisse beinhalten soll. Bereits im Mai hat die Bundesregierung den Entwurf des 1. Pflegestärkungsgesetzes vorgelegt. Danach werden Menschen in der sogenannten Pflegestufe 0, also vor allem Demenzkranke, erstmals Anspruch auf Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege erhalten. Niedrigschwellige Angebote sollen durch die Einführung neuer zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen gestärkt werden, etwa für Hilfe im Haushalt oder Alltagsbegleiter und ehrenamtliche Helfer.

Zusammen fassend kann man sagen, sowohl in Thüringen als auch deutschlandweit bewegt sich einiges. Es ist zu hoffen, dass wir damit den vor uns stehenden Herausforderungen gerecht werden können. Allen, die daran mitwirken, wie die Thüringer Alzheimer Gesellschaft, ist herzlich für Engagement zu danken.

Besuch der Mehrgenerationenhäuser

 

„Heimspiel“ im MGH in Erfurt

„Glück kommt selten allein. Deshalb sind Mehrgenerationenhäuser das Modell der Zukunft: Voneinander lernen, gebraucht werden, Freude teilen. Ein echtes Glücksrezept!“ (Dr. Eckart von Hirschhausen, Kabarettist, Autor, Moderator auf www.mehrgenerationenhaeuser.de)

Rückblickend auf die letzten vier Jahre sind für mich die Mehrgenerationenhäuser zu einer absoluten Erfolgsgeschichte geworden und ich bin stolz darauf, daran aktiv mitgewirkt zu haben.

In dieser Woche habe ich als Generationenbeauftragter noch einmal vier der 25 Thüringer Mehrgenerationenhäuser besucht,  um vor Ort mit Verantwortlichen, Akteuren und Gästen der Mehrgenerationenhäuser Neuhaus a. R., Bad Salzungen, Erfurt und Roßleben sowie mit Vertretern der Kommunal- und Landespolitik (Bürgermeister, Abgeordneter des Landtages und der Kreistage, Stadträte) zu sprechen.

Der Grund: Trotz Weiterführung des Projektes durch den Bund ist die Finanzierung in den Kommunen ein großes Problem. Dabei würde jeder der Beteiligten o.g. Zitat bestätigen: Die Mehrgenerationenhäuser werden an allen Standorten sehr geschätzt in ihrer Funktion als Begegnungsort der Generationen, als „Dach“ für unterschiedliche soziale Angebote, Wirkmöglichkeit, Ort der Verbindung von institutioneller Hilfe und Bürgerengagement, als verlässliche Infrastruktur.

Wegen dieser Wertschätzung waren die Gespräche konstruktiv und wir versuchten gemeinsam eine (noch) individuelle Lösung zu finden. Für mich ist klar, dass in Zukunft Bund, Land und Kommunen gemeinsam die Verantwortung tragen müssen, ähnlich wie es in Bayern oder Niedersachsen praktiziert wird.

Nun bleibt zu hoffen, dass die gemachten Zusagen der Kommunalpolitiker in politische Entscheidungen einfließen. Ich werde mich auf jeden Fall auch nach dem 14. September 2014, dem Tag der Landtagswahl, weiter für die Mehrgenerationenhäuser in Thüringen einsetzen.

Durch demografische Veränderungen steht unsere Gesellschaft vor massiven grundlegenden Veränderungen.  Wir müssen jetzt anfangen, uns darauf einzurichten und Voraussetzungen zu schaffen. Die Prävention im Alter ist dabei ein Kernaspekt. Und Prävention heißt hier auch, an der Gesellschaft teilzuhaben, gebraucht zu werden, wertvoll zu sein. Begegnungsmöglichkeit, Wirkmöglichkeit und Treffpunkt der Generationen sind die Mehrgenerationenhäuser.

Vorstellung des ersten Seniorenberichts der Thüringer Landesregierung

Bei einer Seniorentagung im TMSFG

Heute wurde von Sozialministerin Heike Taubert in der Regierungspressekonferenz der erste Thüringer Seniorenbericht vorgestellt. In meiner Funktion als Beauftragter für das Zusammenleben der Generationen bin ich seit knapp einem Jahr auch Mitglied des neu gebildeten Landesseniorenrates und begrüße ausdrücklich den ersten Thüringer Seniorenbericht.

Der Bericht zeigt detailliert viele Aspekte des Lebens Thüringer Senioren auf. Er widerlegt dabei auch manche Klischees über das Alter. Besonders eindrücklich sind die Zahlen, die zeigen, wie aktiv viele der Senioren ihr Leben in Thüringen gestalten, wenn sich 30,4 % regelmäßig ehrenamtlich engagieren; 43,8 % das eigene Auto nutzen oder sich 66,1 % an der letzten Bundestagswahl beteiligen.

Umso bedauerlicher, dass von den befragten Senioren drei Viertel der Befragten das Seniorenmitwirkungsgesetz nicht und nur circa 1 % der Senioren sich bereits im Rahmen dieses Gesetzes engagieren. Wichtig ist auch der Ausbau von Begegnungsmöglichkeiten der Generationen. Daher heißt es im Bericht zu Recht, dass zu prüfen sei, ob in Thüringen weitere Mehrgenerationenhäuser mit Unterstützung des Landes errichtet werden können.

1. Thüringer Seniorenbericht

 

 

Volles Haus trotz offener Tür

Auch die Sozialministerin war am Stand

Beim heutigen „Tag der offenen Tür im Thüringer Landag“ wurde es voll im hohen Haus. Zwar wurde die 13.000 Besuchermarke aus dem Vorjahr nicht wieder erreicht, aber nach Angaben der Landtagsverwaltung nutzten rund 10.000 Besucherinnen und Besucher die Chance sich im Landtag zu informieren.

Konkurenzveranstaltungen, wie das Magdeburger-Allee-Fest gab es gleich mehrere in der Landeshauptstadt und so war es sehr erfreulich, dass sich doch so viele für politische Angebote interessierten. Über 100 Aussteller informierten über ihre Arbeit. Die Polizei sogar mit einem Hubschrauber als Magnet. Mich persönlich interessierte allerdings mehr das Polizeimotorrad, welches mir mein ältester Sohn an seinem Stand erklärte.

Mit meinem Team war ich heute auch den ganzen Tag im Einsatz. Am Stand des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit hatten wir den halben Stand zu unserer Nutzung. Hunderte Broschüren, mehrere hundert Kugelschreiber und Notizblöcke wechselten den Besitzer. Der absolute Renner waren aber unsere Brillenputztücher (für den klaren Durchblick) und die Lupen im Scheckkartenformat (für das Kleingedruckte).

Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten die Chance, ihre Anliegen zu diskutieren oder um Unterstützung zu bitten. Von 10 bis 18 Uhr ging der Tag der offenen Tür und erst gegen 17 wurde es etwas ruhiger, wohl auch wegen dem bevorstehenden Fußballabend. NAchdem wir dann die wenigen Reste zusammengepackt hatten, konnten wir uns noch ein Glas israelischen Barkan-Rotwein gönnen. Von den Kollegen des Infostandes der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft hatten wir eine Flasche geschenkt bekommen. Es lohnt sich bis zum Schluss zu bleiben 🙂

Bilder vom Tag der offenen Tür

 

„Wer engagiert sich eigentlich im BFD? – Der Bundesfreiwilligendienst aus der Perspektive des Generationenbeauftragten“

Festvortrag von Michael Panse, Beauftragter der Thüringer Landesregierung für das Zusammenleben der Generationen, beim Festempfang für die Bundesfreiwilligen von Caritas und Diakonie am 16. Juni 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Motto des Bundesfreiwilligendienstes lautet:

„Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden.“

Dies ist ein gutes und richtig gewähltes Motto, um Menschen zu motivieren, einen Freiwilligendienst zu leisten.

Aber in den Räumen eines Klosters kann man auch darüber nachdenken, ob es nicht noch bessere Antworten auf die Frage geben könnte, was einen erfüllt.

Was ist zum Beispiel mit den Menschen, die wirklich ‑ aus welchen Gründen auch immer ‑ keine „Leistungen“ erbringen können – Kinder, Hochaltrige, kranke Menschen?

Für sie wäre natürlich die schönere Antwort:

„Nichts erfüllt einen mehr, als sich geliebt zu wissen.“

Oder vielleicht auch:

„Nichts erfüllt einen mehr, als sich geliebt zu wissen und Liebe weiter geben zu können.“

Hier im Augustinerkloster kann man auch an den Heiligen Augustinus erinnern, der gesagt hat:

„Geben in Liebe heißt nie verlieren; und wenn man Liebe nicht schenken könnte, wenn man sie nicht hätte, so hat man sie erst, wenn man sie schenkt.“

Auf heutigen Spruchkarten heißt dieser Gedanke etwas kürzer:

„Liebe ist das einzige was wächst, wenn man es verschenkt.“

Und Martin Luther, der hier als Augustinermönch lebte, sagte:

„Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.“

Nun ich will hier jetzt natürlich keine Predigt halten.

Worum es mir geht, als Beauftragter für das Zusammenleben der Generationen, ist die Frage, was lässt Menschen besser zusammen leben, was bringt Menschen zueinander?

Der Begriff der Liebe wird so vielfältig verwandt, dass er in die Rede eines staatlichen Beauftragten leider eher weniger passt. Darum will ich es eine Nummer kleiner nehmen und von Zuwendung sprechen. Eine Antwort ist für mich: Was Menschen besser zusammenleben lässt, ist, wenn sie sich einander zuwenden. Das sich einander zuwenden, geschieht nicht nur in Partnerschaften, nicht nur in Familien, sondern auch im ehrenamtlichen Engagement,

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein großer Bereich des ehrenamtlichen Engagements. Zwar sind nicht alle Einsatzbereiche unmittelbar im Dienst direkt am Menschen, aber dennoch kommt man neu mit vielen anderen Menschen zusammen, macht neue Erfahrungen, leistet für die Gesellschaft insgesamt eine Aufgaben, wird aufgrund dieser Erfahrungen vielleicht auch über die Zeit des Bundesfreiwilligendienstes hinaus motiviert.

Die Bundesfreiwilligen finden Erfüllung in der ehrenamtlichen Zuwendung für und in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Im Ländervergleich geschieht dies im Bundesfreiwilligendienst in Thüringen und in den anderen neuen Bundesländern intensiver, als in sonstigen ehrenamtlichen Engagementbereichen. Hier besteht in den neuen Bundesländern Nachholbedarf:

In den Freiwilligensurveys schneiden die neuen Länder, trotz positiver Entwicklungstendenz, bisher regelmäßig schlechter als die alten Bundesländer ab. Eine differenzierte Freiwilligenkultur kann sich nur langsam entwickeln. Hier scheint die DDR-Sozialisation, insbesondere die ausgeprägte Erwartungshaltung an den Obrigkeitsstaat, immer noch nachzuwirken.

Was sind das also nun für Menschen, die sich heute im Bundesfreiwilligendienst engagieren?

Ein kurzer Rückblick: Zum 1. Juli 2011 wurde der Wehrdienst ausgesetzt. Anerkannte Kriegsdienstverweigerer hatten einen Ersatzdienst, den Zivildienst zu leisten, der gleichfalls ausgesetzt wurde.

Der Zivildienst war rein männlich, die Freiwilligendienste waren weiblich dominiert.

Wie ist es heute im Bundesfreiwilligendienst? Unter 27 Jahren ist das Verhältnis 50:50, ab dem Alter von 27 Jahren ist der Bundesfreiwilligendienst zu 59 % weiblich.

Den 78.388 Einberufungen zum Zivildienst im Jahr 2010 entsprachen rund 37.000 gleichzeitig Dienstleistende. Um funktionierende Strukturen zu erhalten, ging das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von einem Bedarf von rund 35.000 Bundesfreiwilligendienststellen aus.

Alle nach dem Zivildienstgesetz anerkannten Dienststellen und -plätze wurden automatisch als Einsatzstellen und Plätze des Bundesfreiwilligendienstes anerkannt.

Man war der Meinung, diese Platzzahl nur durch eine Altersöffnung erreichen zu können.

Und so ergeben sich drei wesentliche Unterschiede zum Zivildienst:

  • das Prinzip der Freiwilligkeit,
  • der Bundesfreiwilligendienst kann auch durch Frauen geleistet werden      und
  • er hat keine Altersgrenze.

Damit gibt es ein breiteres Zielspektrum. Der Bundesfreiwilligendienst richtet sich insbesondere an Menschen, die:

  • nach Schule oder Studium praktisch für andere Menschen tätig sein wollen,
  • Zeit bis zum Studien- oder Ausbildungsbeginn sinnvoll überbrücken möchten,
  • noch nicht genau wissen, in welche Richtung es beruflich gehen soll und neue Arbeitsgebiete kennen lernen möchten,
  • berufstätig sind, aber sich umorientieren möchten,
  • ohne Druck Arbeitserfahrung sammeln möchten, oder
  • sich nach dem Berufsleben für das Gemeinwohl engagieren möchten.

Im Januar 2014 hatte die Zahl der Bundesfreiwilligen einen Höchststand erreicht.

Bundesweit waren 49.263 BFDler im Einsatz und in Thüringen waren es 3.363.

Zudem gab es bundesweit rund 50.000 Teilnehmer in den Jugendfreiwilligendiensten, in Thüringen rund 1.000.

Der Bundesfreiwilligendienst weist deutliche Unterschiede in der Altersstruktur und in der generellen Beteiligung zwischen den neuen Ländern und den alten Bundesländern auf.

Nach einer Statistik in diesem Jahr waren 13% der Bundesfreiwilligen in Thüringen unter 27 Jahren und 87 % älter, in den alten Bundesländern waren demgegenüber 86 % jünger und nur 14 % älter.

Von den 3.363 Thüringer Bundesfreiwilligen zu Beginn des Jahres waren die 51 – 65 Jährigen mit 1.511 Bundesfreiwilligen die größte Gruppe. 109 Bundesfreiwillige waren älter als 65 Jahre.

Die älteren Bundesfreiwilligen haben auch ein deutlich stärkeres Interesse ihren Dienst zu verlängern, wenn dies möglich ist. Zu einem Stichtag im letzten Jahr waren es bei den Älteren 60,5%, während bei den Jüngeren nur 5.5% mehr als 12 Monate Dienst leisten wollten.

Eine Folge der unterschiedlichen Nachfrage in den Altersgruppen ist, dass rund ein Drittel der Bundesfreiwilligen in den neuen Bundesländern Dienst leistet, deren Bevölkerung nur etwa ein Sechstel der Gesamtbevölkerung umfasst.

In einer Untersuchung (Haß, Rabea und Beller, Annelie, (2013), Experiment Altersöffnung: Politische Ziele und nichtintendierte Folgen – empirische Befunde aus der Pionierphase des Bundesfreiwilligendienstes) wurden drei verschiedene Typen von älteren Freiwilligen herausgearbeitet:

Typ 1: BFD als Qualifizierung

BFD als Ausbildungs-, Orientierungsabschnitt (Freiwillige im Anerkennungsjahr oder anderer beruflicher Qualifizierung, ausländische Freiwillige).

Dieser Typ betont die Chancen des Dienstes. Hohe Erwartungen an den Dienst als „Sprungbrett“ für die berufliche Zukunft.

Typ 2: Alternative zu Erwerbsarbeit / MAE

BFD als Alternative zur Erwerbsarbeit (oft unmittelbar vorher in arbeitsmarktpolitischer Maßnahme gewesen).

Finanzieller Anreiz spielt wichtige Rolle, aber auch die gesellschaftliche Teilhabe. Häufig Verlängerung des Dienstes auf die Maximalzeit von 18 Monaten. Dieser Typ vergleicht sich stark mit den Hauptamtlichen in den Einsatzstellen, nicht mit den Ehrenamtlichen. Dies ist der häufigste Typ.

Wir haben es bei der Mehrheit der älteren Bundesfreiwilligen in den neuen Ländern offenkundig mit einer Personengruppe zu tun, die durch die massiven wirtschaftlichen Umstrukturierungsprozesse in den neuen Bundesländern seit 1989 gebrochene Erwerbsbiographien aufweisen und häufig leider nur noch geringe Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Von den unter 27jährigen kommen 77 % von der Schule. Bei den über 27jährigen waren 65% zuvor arbeitslos (51% ALG II, 10% ALG I, 4% kein ALG).

Typ 3: BFD als Sinnstifter

Der seltenste Typ. Meist im Ruhestand (älter als 65 Jahre). BFD als Möglichkeit zur sinnvollen Freizeitgestaltung. Dieser Typ betont die positiven individuellen Erfahrungen.

Gesetzlich geregelt und in der Praxis ausgestaltet sind Freiwilligendienste als Bildungsangebote. Alle Freiwilligen erhalten kostenlose Seminare. Im Bildungsbereich gibt es zwischen jüngeren und älteren Bundesfreiwilligen signifikante Unterschiede:

BFD unter 27           66% Abitur

BFD ab 27                22% Abitur.

Die besondere Schwierigkeit bei der Gestaltung von Bildungsangeboten für ältere Bundesfreiwillige liegt darin, dass wir es trotz ähnlicher Sozialisation und vergleichbaren Lebenserfahrungen dennoch mit einer recht heterogenen Zielgruppe zu tun haben. Träger können so vor der durchaus schwierigen Aufgabe stehen, Bildungsangebote zu entwickeln, in denen sich sowohl der funktionale Analphabet als auch der Diplomingenieur mit Leitungserfahrung wiederfinden.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob es tatsächlich gelingt, in einem Maße zielgruppenspezifische Bildungsangebote zu entwickeln, die sowohl den differenzierten Bildungsinteressen der Freiwilligen entsprechen, als auch praktikabel umsetzbar sind.

BFD unter 27 ‑ häufigste Motivation:

50% Zeit zwischen Schule und Studium bzw. Ausbildung sinnvoll überbrücken,

36% persönlich weiterentwickeln

27% Neues erleben,

BFD ab 27 ‑ berichtete Erfahrungen:

94% gebraucht werden (Siehe Motto),

93% freie Zeit sinnvoll einsetzen,

daher auch hohe Zufriedenheit mit der Tätigkeit:

55% sehr zufrieden,

32% eher zufrieden,

Auch weit über 80% der älteren Bundesfreiwilligen würden den Freiwilligendienst anderen Menschen weiterempfehlen.

Aktuelle Diskussionspunkte sind u.a.:

die Absenkung der Wochenstundenzahl für Seniorinnen und Senioren unter 20 Stunden, z.B. durch Integration des Freiwilligendienstes aller Generationen (FDaG) in den BFD, die Kontingentierung der Gesamtstellenzahl bzw. Stellenverteilung, das Trägerprinzip, die pädagogische Begleitung und die arbeitsmarktpolitische Neutralität.

Aber trotz aller Diskussionen: Zu Beginn des BFD gab es viele Zweifel und starke Kritik, jedoch ist er in sehr kurzer Zeit zum Erfolgsmodell geworden.

Die beschriebene Situation für die neuen Bundesländer ist eine Momentaufnahme und wird sich in den nächsten Jahren sicher deutlich verändern. Die jetzigen Jahrgänge älterer Bundesfreiwilliger mit ihren besonderen Prägungen und Erfahrungen werden ins Rentenalter eintreten.

Bedingt durch die allgemeine demografische Entwicklung wird es weniger Jugendliche und junge Erwachsene geben, die zudem wegen bereits immer früher an sie herangetragenen Bildungs- und Beschäftigungsofferten geringeren Bedarf an Orientierungsmöglichkeiten und damit auch an Freiwilligendiensten haben könnten.

Das bedeutet, dass die Freiwilligendienste durch die Anstrengungen ihrer Träger weiter an Attraktivität gewinnen müssen und es sich nicht erlauben können, potentielle Freiwillige zu verprellen.

Sinnvoll sind sicher auch Maßnahmen, die dazu führen, dass alle Freiwilligen einen einheitlichen Status erhalten, dass die Rolle der Träger gestärkt wird und sich der Staat gemäß dem Subsidiaritätsprinzip aus Aufgaben zurückzieht, in denen er nicht erforderlich ist.

Hier wäre es, abhängig von der weiteren Entwicklung der Gesetzeslage – Stichwort theoretisch mögliche Wiederaufnahme des Wehrdienstes – und der damit verbundenen organisatorischen Implikationen im Bereich der Bundesverwaltung, sinnvoll für den Bereich des Bundesfreiwilligendienstes bereits so etwas wie eine staatliche Exit-Strategie, zumindest konzeptionell, vorzubereiten, ohne jedoch die nötige Förderung zurückzufahren.

Ziel sollte es sein, dass Freiwilligendienste für Jugendliche so anziehend werden, dass immer mehr Jugendliche eines Jahrgangs dort wertvolle Erfahrungen sammeln wollen und darüber hinaus zu weiterem bürgerschaftlichen Engagement nach ihrer Dienstzeit angeregt werden.

Zum heutigen Festempfang der Freiwilligen des Caritasverbandes für das Bistum Erfurt e.V. und des Diakonischen Werks Evangelischer Kirchen Mitteldeutschlands e.V. danke ich allen Freiwilligen für ihr wertvolles Engagement sehr herzlich. Sie tun etwas für unsere Gemeinschaft. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.

„Nichts erfüllt so sehr, wie gebraucht zu werden“

Beim Festempfang im Augustinerkloster

Das Motto des Bundesfreiwilligendienstes habe ich heute beim Festempfang der Caritas und der Diakonie an den Anfang meines Festvortrags gestellt. Seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes im Juli 2011 bin ich als Generationenbeauftragter des Freistaates Thüringen für die fachliche Begleitung des BFD im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit zuständig. In den letzten drei Jahren hat sich der BFD zu einem absoluten Erfolgsmodell entwickelt.

Thüringen hat die bundesweit höchste Pro/Kopf-Quote an Bundesfreiwilligen. Über 3.300 BFDler gab es in Thüringen zu Beginn des Jahres unter den damals rund 49.000 bundesweit. Die Wartelisten sind sowohl bei den Träger, als auch bei den Freiwilligen lang. Dass dies so ist, hat mit vielen Faktoren zu tun, auf die ich in meiner Rede eingegangen bin.

Es hat aber vor allem auch mit dem Engagement der Freiwilligen und der Mitarbeiter bei den Trägern und Einsatzstellen zu tun. Caritas und Diakonie leisten in dem Bereich Vorbildliches.

250 BFDler gibt es bei bei den beiden Trägern zusammen. Rund 100 von ihnen konnten der Einladung zum Festempfang in das Erfurter Augustinerkloster folgen. Der Ökumenische Festgottesdienst zum Empfang beinhaltete  unter anderem einen engagierten Auftritt des Gospelchors der Freiwilligen und, was mir besonders gefallen hat, das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Auch dieses Lied könnte Motto beim Bundesfreiwilligendienst sein. Viele der Freiwilligen finden im BFD Erfüllung und Bestätigung – sie spüren, dass sie gebraucht werden.

Ich bin der Caritas und der Diakonie daher sehr dankbar, dass sie die Würdigung der Freiwilligen in jedem Jahr mit einem Empfang vornehmen. Zugleich werden bei dem zweitägigen Treffen auch Bildungsangebote unterbreitet.

Erfreuliches haben ich heute auch noch am Rande mit den beiden Regionalbetreuern des BAfFzA besprechen können. Nachdem mehrere Monate ein Aufnahmestop bestand, wurden bei den Haushaltsberatungen im Bundestag zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt. damit konnten heute erstmals wieder neue Verträge geschlossen werden. Allerdings waren die bereitgestellten Plätze am späten Abend schon wieder vergriffen.

Rede beim Festempfang

Bilder vom Festempfang

 

 

100 Jahre Jugendarbeit in Mühlhausen

Christina Rommel

Das Geschwister-Scholl-Heim bzw. das Mehrgenerationenhaus in Mühlhausen gibt es jetzt genau auf den Tag 100 Jahre. Nach einer wecheslhaften Geschichte ist es seit 2008 ein Mehrgenerationenhaus und als Generationenbeauftragter bin ich seitdem ich dieses Amt übernommen habe für die MGHs zuständig. In Mühlhausen war ich häufig bei Veranstaltungen zu Gast und habe mich daher sehr über die Einladung zur gestrigen Geburtstagsfeier gefreut.

Ich war gebeten in einer Rede einige Gedanken zur Jugendarbeit beizutragen. Nicht nur die Stadt Mühlhausen, sondern auch dieses Haus hat eine reiche Geschichte, wie beim Festprogramm der Kinder und Jugendlichen eindrucksvoll gezeigt wurde.

Durch die Jugendlichen selbst und die Moderatoren wurden auf der Zeitreise durch 100 Jahre Jugendarbeit in Mühlhausen viele Wortkombinationen mit dem Wort Jugend genannt: Jugendheim, Haus der Jugend, Stadtjugendhaus. Eine Kombination wurde bisher allerdings noch nicht genannt, und diese lautet Jugendquotient. Es ist ein Begriff aus der Bevölkerungsstatistik.

Mit dem Jugendquotienten kann man angegeben, wie viele Personen unter 15 Jahren auf die Personen im Alter von 15 bis 65 Jahre kommen. Wären alle 15 ersten Jahrgänge und die folgenden 50 Jahrgänge gleich stark, läge der Jugendquotient bei 30 Prozent. Damit eine Bevölkerung wachsen und sich verjüngen kann, oder um ohne Zuwanderung wenigstens die Gesamtzahl zu halten und die Verstorbenen zu ersetzen, müsste der Jugendquotient über 30 Prozent liegen.

Ist dies nicht der Fall, unterjüngt die Gesellschaft. Ich sage bewusst unterjüngt und nicht überaltert, denn das eigentliche Problem ist nicht der Alterszuwachs, über den wir uns freuen können, sondern die fehlenden Kinder und Jugendlichen.

Aus dem Jahr 1914 habe ich für die Stadt Mühlhausen keine Zahl parat, aber sie dürfte kaum anders lauten, als für das gesamte Deutsche Reich. 1914 lag der Jugendquotient über 80 Prozent. Also auf 100 Personen der 50 damaligen Jahrgänge im Alter von 15 bis 65, kamen über 80 Kinder und Jugendliche der gerademal 15 jüngsten Jahrgänge. 70 Jahre später, in den 80-er Jahren, lag für die Stadt Mühlhausen der Jugendquotient zwischen 27 und 30 Prozent. (Übrigens eine Zeit in der ich Mühlhausen als junger Soldat in der Görmar-Kaserne und im B-Lager erlebte.) Ab 1990 ging der Jugendquotient erneut stark zurück. In den 15 Jahren von 1990 bis zum Jahr 2005 hat er sich in Mühlhausen von 28,3 % auf 16,1 % knapp halbiert.

Neben dem Jugendquotienten gibt es auch den Altenquotienten. Hier werden die über 65-jährigen in Beziehung zu den potentiell Erwerbsfähigen gesetzt. Bis zum Jahr 1995 lag der Altenquotient in Mühlhausen immer unter dem Jugendquotienten. 1996 lag er erstmals darüber und seitdem ist der Abstand stark angewachsen, hat sich auf knapp 20 Prozent vergrößert und wird sich die nächsten 15 Jahre noch weiter auf spreizen. Im Grunde ja eine erfreuliche Entwicklung, denn wer will nicht länger leben? Jünger als Null kann man nicht werden, aber älter als 80 sehr wohl.

Aber was bedeutet dieser demographische Wandel, diese Verschiebung der Generationengrößen nun für die Jugendarbeit? Sollen wir sie einstellen, weil der Anteil der Jugendlichen an der Bevölkerung heute so viel geringer ist als 1914? Sicher nicht. Jugendarbeit soll sich an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren, und nicht an deren Anzahl.

Aber der demografische Wandel bringt die Gefahr mit sich, dass manche nicht zuerst nach den Interessen der Jugendlichen selbst, nach ihren Wünschen für ihr eigenes Leben fragen, sondern sie vor allem als Wirtschaftsfaktor sehen. Denn schließlich sind die heutigen Jugendlichen ja diejenigen, die künftig mit ihrer wirtschaftlichen Leistung unser Sozialsystem finanzieren und die Nachwuchslücken in den Unternehmen schließen sollen.

Eine solche Sichtweise greift aber zu kurz. Sicher ist es richtig, dass eine Gesellschaft nur dauerhaft existieren kann, wenn sie nicht mehr ausgibt, als sie vorher erwirtschaftet hat. Aber das darf nicht heißen, dass man Menschen oder Gruppen von Menschen nur noch allein unter wirtschaftlichen Aspekten sieht. Denn ebenso richtig ist es, dass die Wirtschaft den Interessen der Menschen dienen sollte und nicht umgekehrt.

Darum kann die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht allein heißen, sie dafür fit zu machen, optimal ausgebildet, flexibel und mobil allen zukünftigen Jobanforderungen gerecht zu werden. Sondern sie werden ein vollwertiges und erfülltes Leben nur führen können, wenn sie genügend Freiräume hatten, in denen sie alle Aspekte ihrer Persönlichkeit entwickeln konnten. Und eine Gesellschaft wird dauerhaft nur ihren inneren Zusammenhalt wahren können, wenn ihre Mitglieder ihre Beziehungen nicht nur allein auf Nutzenüberlegungen reduzieren.

Eine der Überlegungen, wie man angesichts des demografischen Wandels den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft stärken könnte, ist die Idee der Mehrgenerationenhäuser. Mehrgenerationenhäuser sollen sich nicht nur auf eine einzige Zielgruppe und die damit verbundenen Angebotsschwerpunkte konzentrieren, sondern generationenübergreifende Angebote schaffen, um einer Trennung der Altersgruppen in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Sie verfolgen die Wiederbelebung des Prinzips der traditionellen Großfamilie sowie einer traditionellen bürgerschaftlichen, generationenübergreifenden Struktur des Zusammenlebens in der Nachbarschaft, im sozialen Nahraum, die heutzutage immer seltener auftritt. Diese Strukturen bieten die Möglichkeit, Drehscheiben für Angebote zu installieren, die einen ausgesprochen generationenübergreifenden Charakter aufweisen. Mehrgenerationenhäuser sollen auf einer niedrigschwelligen Ebene für jedermann attraktiv und zugänglich wirken.

Mit den Schwerpunkten der zweiten Programmphase des Bundesaktionsprogramms „Mehrgenerationenhäuser“: Integration und Bildung, Alter und Pflege, haushaltsnahe Dienstleistungen sowie freiwilliges Engagement zeigt sich die ganze Breite der Angebotsstruktur der Mehrgenerationenhäuser: von frühkindlicher Betreuung und Bildung, über die Kompetenzförderung von freiwillig Engagierten, vielfältige weitere Unterstützungsangebote bis hin zur Integration des Erfahrungswissens älterer Menschen bei zu bewältigenden Aufgaben.

Wenn dieses Haus seit dem Jahr 2008 auch als Mehrgenerationenhaus bezeichnet wird, dann ist das mehr als ein Namenschild, das man neu angeschraubt hat, wie man dies zu Ehren der Geschwister Scholl oder des Kosmonauten Wladimir Komarow getan hat, sondern dann steht hinter diesem Namen ein ganzes Konzept sozialer Arbeit im lokalen Nahraum.

So etwas zu fördern ist in unserem föderalen System aber keine dauerhafte Aufgabe des Bundes. Ein Mehrgenerationenhaus hat daher nur eine Zukunft, wenn es fest in der sozialen Infrastruktur der jeweiligen Kommune verankert ist. In Mühlhausen ist dies in vorbildlicher Weise der Fall, denn hier ist die Kommune selbst Träger des Mehrgenerationenhauses.

Von den 25 derzeit existierenden Mehrgenerationenhäusern in Thüringen ist das nur für ein weiteres Haus der Fall. Für dieses kommunale Engagement gebührt den kommunalen Verantwortlichen besonderer Dank und Anerkennung.

Wir haben in der Geschichtsdarstellung gesehen, dass an der Gründung dieses Hauses nicht nur der damalige Bürgermeister Trenkmann und der Stadtrat Klatt beteiligt waren, sondern auch wirtschaftlich erfolgreiche Söhne und Töchter der Stadt, ob nun in Mühlhausen selbst, oder in Übersee, wie die Familie des Brückenbauers Röbling. Ich würde mir für Mühlhausen und dieses Haus wünschen, dass auch an diese Tradition wieder angeknüpft werden könnte und sich erfolgreiche Wirtschaftsvertreter finden, denen es Herzensangelegenheit ist, die Arbeit dieses Hauses zu unterstützen. Dann könnten in 100 Jahren, beim 200. Geburtstag dieses Hauses, die Veranstaltungsteilnehmer genauso dankbar 100 Jahre zurückblicken, wie wir es heute tun können.

Über Herzensangelegenheiten und anderes konnten wir im Anschluss von der Erfurter Sängerin und Patin dieses Hauses, Christina Rommel, hören, der ich schon oft zuhören durfte. Christina ist seit vielen Jahren Hauspatin des MGH und nimmt sich immer wieder Zeit zu Konzerten nach Mühlhausen zu kommen. Derzeit bereitet sie ihr neues Album vor, welches im Sommer in New York eingespielt werden soll.

Volles Programm zum Internationalen Tag der Pflegenden

Beim bpa in Erfurt

Der jährliche Tag der Pflegenden wird in Deutschland seit 1967 am 12. Mai begangen, weil es der Geburtstag von Florence Nightingale, der Vorkämpferin der modernen Krankenpflege, ist.

Berühmt wurde sie durch ihren Einsatz für die verletzten britischen Soldaten während des Krimkrieges in den Jahren 1854 bis 1856. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen militärischen Konflikt um die Krim, der sich jedoch nicht zu einem Krieg ausgeweitet hat. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Pflege brauchen jedoch nicht nur Kriegsverletzte, sondern alle Personen, deren Gesundheitszustand dies erforderlich macht. In Thüringen steigt die Zahl der Pflegebedürftigen und der Hochaltrigen Menschen stark an. Im Phönix-Pflegeheim lebt die mit 105 Jahren zweitältste Erfurterin.

Zum heutigen Tag der Pflegenden war ich bei fünf Terminen. Drei Erfurter Pflegeeinrichtungen habe ich gemeinsam mit unserer Bundestagsabgeordneten Antje Tillmann besucht. In den drei Heimen in der Andreasstraße (Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein), Residenz Am Hirschgarten (Linimed) und im Phönix-Seniorenzentrum am Brühl haben wir mit den Hausleitungen und Mitarbeiterinnen über aktuelle Pflegeherausforderungen gesprochen und den Mitarbeitern für die Arbeit gedankt.

Der Trabant läuft und läuft und läuft…

Der Dank stand auch bei der Veranstaltung des bpa in der K & S Seniorenresidenz im Mittelpunkt. Die Vorsitzende des bpa Margit Benkenstein hatte sowohl Politikvertreter, als auch Pflegende eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Neben den Problemen in der Pflegebranche ging es aber vor allem darum, den Mitarbeiterinnen aus Pflegeeinrichtungen Dank zu sagen. Dazu war unter anderem ein Trabi-Fanclub war mit zehn Trabanten (vom 500 bis zum 1.1.-Kübel-Trabant) dabei und lud zur Ausfahrt ein.

Als gelernter Kfz-Elektriker fühlte ich mich 25 Jahre zurück versetzt und habe sehr gerne das Angebot genutzt mich selbst ans Steuer eines Trabant 500 zu setzen und eine Runde zu drehen. Dank guter Pflege sind die Autos, die nun auch schon bis zu 50 Jahre alt sind, immernoch top in Schuss.

Ähnlichkeiten mit der Pflege gibt es durchaus. Auch da sind viele der Bewohnerinnen, obwohl sie in die Jahre gekommen sind, dank guter Pflege noch mobil. In meiner Rede habe ich als Generationenbeauftragter darauf hingewiesen, dass es immer auf die Pflegenden ankommt und ich habe den vielen Pflegekräften gedankt, die einen anstregenden Job leisten. Neben der öffentlichen Anerkennung haben sie dafür aber auch eine gute Entlohnung verdient und da gibt es noch eine Menge zu tun!

Am Nachmittag war ich noch bei der SPD-Landtagsfraktion zu Gast. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stellte die von Bund angedachten Änderungen bei der Pflege vor. Für Schmunzeln sorgten seine mehrfachen Hinweise darauf, wie einig man sich jetzt im Bund bei der Pflege zwischen CDU/CSU und SPD sei. Zitat Lauterbach: „Bundesminister Gröhe, dessen Job ich gerne hätte haben wollen, stimme ich in vielen Punkten völlig zu“.

Rede zum Tag der Pflegenden

Bilder vom Tag

 

Ein Dankeschön am 12. Mai – dem Tag der Pflegenden

Antje Tillmann, MdB, und Michael Panse, Generationenbeauftragter des Freistaates Thüringen, nutzen diesen Tag für Gespräche in Erfurter Pflegeeinrichtungen

Der jährlich am 12. Mai begangene Tag der Pflegenden geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (1820) zurück, die als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt.

Antje Tillmann und Michael Panse nutzen diesen Tag, um sich bei den Pflegenden im Seniorenzentrum Andreashof, in der K & S Seniorenresidenz, dem Linimed Pflegeheim und dem Phönix Seniorenzentrum für ihre engagierte Arbeit und ihren unermüdlichen Einsatz zu bedanken. Der gemeinsame Dank geht außerdem an die vielen pflegenden Angehörigen.

Ziel der Besuche ist es auch, miteinander über Schwierigkeiten im Berufsalltag und anstehende Reformen ins Gespräch zu kommen. Im Zusammenhang damit weist Michael Panse darauf hin, dass die sich abzeichnenden Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung die Pflegenden vor weiter stark steigende Anforderungen stellen werden. Diesen könne nur entsprochen werden, wenn sich die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit, auch im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Pflegebegriffes, nachhaltig verbessern.

 

Bundesfreiwilligendienst abgesichert

Seit Anfang des Jahres gibt es eine heftige Diskussion um den Bundesfreiwilligendienst. Die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel von 167 Millionen Euro waren durch die hohe Zahl der Bundesfreiwilligen und die bereits abgeschlossenen Verträge für 2014 schon komplett verbraucht und es fehlte sogar Geld. Deshalb verhängte das zuständige Bundesministerium für die Stellen, die über das BAfzA vergeben werden, einen Einstellungsstopp.

Zu diesem Zeitpunkt waren 49.263 Bundesfreiwillige in ganz Deutschland im Einsatz (35.000 waren ursprünglich geplant). In Thüringen waren es 3.363 Bundesfreiwillige. Thüringen hat damit mit Sachsen den größten prozentualen Anteil an BFD-Stellen. Daher waren wir von dem Einstellungstopp besonders betroffen und es war absehbar, dass die Zahl der BFD-Stellen deutlich sinkt. Ende April waren es bereit 160 weniger.

Als Generationenbeauftragter der Landesregierung bin ich für den BFD fachlich zuständig und vertrete in der Bundes-Länder-Gruppe auch die Bundesländer bei Beratungen im Bundesministerium in Berlin. Aus den Bundesländern kamen nachdrückliche Aufforderungen an die Bundesregierung mit einer Aufstockung der Finanzmittel für den BFD einen Einbruch zu verhindern.

Bei den Haushaltsberatungen des Deutschen Bundestages wurden nun 20 Millionen Euro zusätzlich bereit gestellt, damit kann ab dem Sommer der Einstellungstopp aufgehoben werden. Unsere Erfurter Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann, Finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat sich nachdrücklich dafür eingesetzt. Ich bin darüber sehr froh, weil wir in Thüringen sehr gute Erfahrungen mit dem BFD gemacht haben und viele Thüringerinnen und Thüringer gerne den BFD leisten wollen.

Mit der guten Nachricht im Gepäck freue ich mich auf die nächsten BFD-Veranstaltungen. In der kommenden Woche bin ich zwei Tage in Berlin zur Bund-Länder-Klausurtagung zu den Freiwilligendiensten und am Donnerstag werde ich einen Vortrag vor BFDlern der Caritas in Erfurt halten.

Pressemitteilung zur Finanzierung des BFD